Agatha Christies Hjerson 1x01

Agatha Christies Hjerson 1x01

Die neue ZDF-Filmreihe Agatha Christies Hjerson katapultiert den finnischen Meisterdetektiv in die Moderne. Gelingt die Adaption oder wären die Geschichten des Gentleman-Ermittlers im frühen 20. Jahrhundert besser aufgehoben?

Poster zur Serie Agatha Christies Hjerson (c) C More/TV4/ZDF
Poster zur Serie Agatha Christies Hjerson (c) C More/TV4/ZDF
© oster zur Serie Agatha Christies Hjerson (c) C More/TV4/ZDF

Was passiert?

Als die von ihrem Job genervte TV-Produzentin Klara nach einer massiven Kritik an der Show, an der sie zurzeit arbeitet, fast gekĂŒndigt wird, kommt sie auf die verrĂŒckte Idee, den brillanten Polizeiermittler Sven Hjerson fĂŒr eine True-Crime-Show als Host zu gewinnen. Hjerson hat sich jedoch vor Jahren nach falschen VorwĂŒrfen aus dem aktiven Dienst zurĂŒckgezogen. Klara gelingt es, ihn aufzuspĂŒren. Sie folgt ihm auf eine FĂ€hre, die zu den Alandinseln in der Ostsee fĂ€hrt. Sven möchte eigentlich nur seine alte Heimat besuchen, weil seine Mutter verstorben ist und zeigt sich von dem Vorschlag, fĂŒr das Fernsehen zu arbeiten, wenig begeistert. Doch dann wird auf dem Schiff die junge Journalistin Aida Fabris getötet und Hjersons unvergleichliche SpĂŒrnase nimmt die FĂ€hrte auf. So startet Agatha Christies Hjerson.

Wer ist Hjerson?

Agatha Christies Romanhelden sind bereits so oft verfilmt worden, dass man ohne Weiteres zu dem Entschluss gelangen könnte, dass es nicht noch weiterer Krimis um „Hercule Poirot“, „Miss Marple“ und Co bedarf. Tatsache ist jedoch, dass die Begeisterung fĂŒr die Großmeisterin des Brit-Crimes stattdessen immer grĂ¶ĂŸer zu werden scheint. Das ist nicht zuletzt an den Neuverfilmungen um den belgischen Gentleman-Detektiv ersichtlich, der seinerzeit von dem unvergesslichen Peter Ustinov und neuerdings nicht minder kongenial von Kenneth Branagh verkörpert wird. Sven Hjerson gehört allerdings zu jenen Figuren, die noch relativ unverbraucht erscheinen und eher eingefleischten Agatha-Christie-Fans ein Begriff sind. Seine literarische Mutter ist die aus einigen Poirot-Romanen bekannte fiktive Schriftstellerin Ariadne Oliver, die wiederum nicht zufĂ€llig einige Ähnlichkeit mit ihrer realen Erfinderin aufweist.

Olivers berĂŒhmteste Romane befassen sich mit eben jenem finnischen Meisterdetektiv und Vegetarier Sven Hjerson, der hauptsĂ€chlich in den „Parker Pyne ermittelt“-Kurzgeschichten vorkommt. Ähnlich wie in den letzten beiden „Sherlock Holmes“-Neu-Adaptionen befördert die neue Reihe den exzentrischen Ermittler in die Gegenwart (allerdings nach Schweden), wo er von nun an gemeinsam mit der TV-Produzentin Klara FĂ€lle löst. Am Grundprinzip der Figur oder der Art des Storytellings wird indes glĂŒcklicherweise kaum gerĂŒttelt. Der finnische Detektiv ist ein geniales und spleeniges Original, dass sich tĂ€glich die Haare schneiden lĂ€sst und sich den Luxus erlauben kann, von seinen Zinsen zu leben. Neu ist natĂŒrlich, dass er sich nach einem Skandal von der Polizeiarbeit zurĂŒckgezogen hat. Seitdem lebt er gelangweilt vor sich hin, bis ihn die bereits erwĂ€hnte Trash-TV-Produzentin Klara aufspĂŒrt, um ihn fĂŒr eine True-Crime-Show zu gewinnen.

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Alles ganz klassisch

Ganz klassisch nach dem Whodunit-Prinzip beginnt das eineinhalbstĂŒndige Werk mit einem Mord, den es in der Folge aufzuklĂ€ren gilt. Der geneigte Zuschauer ist dabei selbstverstĂ€ndlich herzlich zum Mitraten eingeladen, Ă€hnlich wie man es etwa aus „Barnaby“ oder Miss Fishers mysteriöse FĂ€lle kennt. Doch bevor es endgĂŒltig ans RĂ€tseln gehen kann, mĂŒssen erst einmal die wichtigsten Figuren der neuen Serie vorgestellt sein. Die EinfĂŒhrung Klaras (Hanna Alström, Real Humans) ist mit einer Portion Ironie auf diverse TV-Reality-Formate gewĂŒrzt, was den Szenen einen großen Sympathiebonus verleiht.

Als klargestellt ist, wer Sven Hjerson (Johan Rheborg, „Partisan, Farm des Bösen“) ist und warum Klara ihn zu finden versucht, gelingt es ihr letztlich, sich auf einer FĂ€hre an ihn heranzutasten. Das Kennenlernen der beiden so unterschiedlichen Charaktere lĂ€uft charmant und humorvoll ab. Es entbehrt eben nicht einer gewissen Komik, wenn ein gestandener Veganer mit einer Hummerliebhaberin im Schiffsrestaurant am selben Tisch platziert wird. Die Autoren treiben die Idee auf die Spitze, indem er halb genervt, halb angewidert mit ansehen muss, wie sie dem Krustentier lautstark und genĂŒsslich das letzte StĂŒckchen Fleisch aus dem Panzer saugt. Ganz nebenbei beobachtet der einzigartige Detektiv an der Bar einige Vorkommnisse, die fĂŒr den bereits im Teaser gezeigten Mord nicht ohne Bedeutung sein könnten.

Schnell ans Ziel - oder doch nicht?

Um niemandem den Spaß zu nehmen, soll in dieser Rezension auf zu starke Spoiler verzichtet werden. Nach einer knappen halben Stunde geht es allerdings allmĂ€hlich in die Vollen. Das Autorenquartett lĂ€sst den Mord noch einmal Revue passieren, dieses Mal indes im Kontext der Hauptfiguren, und prĂ€sentiert die VerdĂ€chtigen. Wie in Krimis dieser Art ĂŒblich, sollen falsche FĂ€hrten und ein Wust an leicht ĂŒbersehbaren Spuren das Publikum in die Irre fĂŒhren und die Auflösung des Falls möglichst in die LĂ€nge ziehen. Der Kniff gelingt jedoch nur teilweise, da aufmerksame Beobachter und Krimikenner recht schnell den HauptverdĂ€chtigen eruiert haben dĂŒrften. Da der Pilotfilm zwangslĂ€ufig relativ viel Zeit aufwenden muss, um die Figuren einzufĂŒhren und ihnen Background zu geben, gerĂ€t die Konstruktion des aufzuklĂ€renden Verbrechens einigermaßen simpel.

Das heißt aber nicht, dass die Ermittlungsarbeiten des ungleichen Duos nicht vielversprechend unterhaltsam wĂ€ren, ein wenig mehr Finesse fĂŒr RĂ€tselfreunde hĂ€tte den ansonsten guten Beginn aber noch ein Krönchen aufgesetzt. Eine weitere AuffĂ€lligkeit ist, dass Agatha Christies Hjerson mit einem Kniff aufwartet, aus dem man eindeutig mehr hĂ€tte herausholen können. Da der Mord auf einer FĂ€hre geschieht, bleiben dem genialen Detektiv und seiner Begleitung nur wenige Stunden, um den Fall zu lösen, da das Schiff bald im Hafen anlegt. Das Zeitproblem ist indes nur eine Art McGuffin, denn letztlich ist der Mord mit der Ankunft auf den Aland-Inseln nur zum Teil aufgeklĂ€rt. Zwar findet das sympathische Duo recht schnell heraus, wer Aida getötet hat, doch erstens entkommen die TĂ€ter und zweitens muss der eigentliche Drahtzieher immer noch hinter Schloss und Riegel gebracht werden.

Somit ist die angeblich gebotene Eile lediglich ein Konstrukt, das leise ins Dunkel des AlĂ€ndischen Winters verschwindet. MacGuffins sind bekanntermaßen ein wichtiger Teil im Cosy-Crime-Whodunit-Genre, doch in diesem Fall wĂ€re es möglicherweise spannend gewesen, Hjerson und Klara sinnvoll unter Druck zu setzen, um sie gleich einer Zerreißprobe zu unterziehen. Am Ende klĂ€ren die beiden Partner im Geiste natĂŒrlich den Fall auf, wenn auch ein wenig zu schnell.

Fazit

Insgesamt ist Agatha Christies Hjerson auf jeden Fall ein gelungener Mix aus Schweden- und typisch britischen Whodunit-Krimi. Klar, es gibt noch Luft nach oben, aber welcher Serienauftakt hatte schließlich nicht ein wenig mit den TĂŒcken des Pilotfilmsyndroms zu kĂ€mpfen? Die beiden Hauptfiguren sind toll geschrieben und verfĂŒgen ĂŒber einen großen Wiedererkennungswert. Johan Rheborg und Hanna Alström harmonieren prĂ€chtig miteinander und spielen sich gegenseitig die BĂ€lle zu, dass es eine Freude ist, mit ihnen den Fall zu lösen. Man darf stark davon ausgehen, dass die Autoren in den nĂ€chsten drei Filmen dem eigentlichen Verbrechen mehr Zeit widmen. Cosy-Crime-Liebhaber dĂŒrstet es eben nach vielen Opfern, vermeintlichen Spuren, möglichen VerdĂ€chtigen und letztlich nutzlosen, aber spaßigen Hinweisen. Denn genau das zeichnet einen guten Whodunit-Krimi aus. Er soll unterhalten, zum Mitraten animieren und dennoch spannend sein. Ganz so, wie man es als Krimiveteran liebt.

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Verfasser: Reinhard Prahl am Sonntag, 23. Januar 2022

Agatha Christies Hjerson 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Agatha Christies Hjerson 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Folge 1 Teil 1
Titel der Episode im Original
Avsnitt 1
Erstausstrahlung der Episode in Schweden
Montag, 16. August 2021 (TV4)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 30. Januar 2022

Schauspieler in der Episode Agatha Christies Hjerson 1x01

Darsteller
Rolle
Hanna Alström
Maria Lundqvist
Björn Andrésen
Peter Kanerva

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