Acht Tage 1x01

Acht Tage 1x01

8 Tage bleiben Europa, bis ein 60 Kilometer langer Meteorit im französischen La Rochelle einschlägt und den gesamten Kontinent vernichtet. Wie verbringen die Menschen ihre letzten Stunden? Sky simuliert das Szenario...

Szenenbild aus „8 Tage“: Wer überlebt die Apokalypse? (c) NeueSuper GmbH/Sky Deutschland
Szenenbild aus „8 Tage“: Wer überlebt die Apokalypse? (c) NeueSuper GmbH/Sky Deutschland
© zenenbild aus „8 Tage“: Wer überlebt die Apokalypse? (c) NeueSuper GmbH/Sky Deutschland

Haben nur saturierte Menschen Zeit und Lust, sich die Auslöschung ihrer eigenen Spezies auszumalen? Da apokalyptische Kinofilme wie „Geostorm“ oder „Independence Day: Wiederkehr“ in der jüngeren Vergangenheit oft floppten - und auch das einst so heißgeliebte Zombiedrama The Walking Dead mit jeder Staffel Zuschauer verliert -, schien der Weltuntergangswahn zuletzt ein wenig abzuebben. Doch Sky Deutschland und die NeueSuper GmbH halten mit der neuen Miniserie „8 Tage" nun dagegen. Ganz im Stil der Neunziger und solchen Werken wie „Armageddon“ und „Deep Impact“ soll hier ein gigantischer Meteorit für die passende Endzeitstimmung sorgen.

Dass derartige Katastrophenstreifen nicht zwangsläufig trashig sein müssen, sondern statt großen Bildern auch große Gefühle und vielleicht sogar den einen oder anderen interessanten Gedanken hervorrufen können, bewies der dänische Skandalregisseur Lars von Trier im Jahr 2011 mit seinem Arthouse-Werk „Melancholia“. Und tatsächlich versuchen die Schöpfer von „8 Tage“ eher, eine psychologische Charakterstudie als ein Actionfeuerwerk auf die Bildschirme zu bringen - die Betonung liegt aber leider auf dem Wort „versuchen“.

Besonders vom HBO-Format The Leftovers scheinen sich die Drehbuchautoren Peter Kocyla, Rafael Parente und Benjamin Seiler in Sachen stilistischer Aufmachung und Auswahl der Motive eine Scheibe abgeschnitten zu haben. Aber, wo das großartige Damon-Lindelof-Drama mit den dystopischen Genreklischees brach, lässt „8 Tage“ so gut wie keines aus. Selbst der kleinste Hauch von Symbolismus wird unverzüglich ausgesprochen und erklärt. Dann doch lieber eine simple Unterhaltungsserie, die sich selbst nicht allzu ernst nicht...

Es braucht keinen Nostradamus, um den Inhalt dieser Serie vorherzusehen

Wie jede anständige Weltuntergangsgeschichte beginnt auch „8 Tage“ zunächst mit einer Flut an fiktiven Nachrichtenmeldungen, die uns möglichst schnell und einfach auf den Stand der Dinge bringen soll. Der letzte Rettungsversuch mithilfe Atomraketen ist gescheitert: Der 60 Kilometer lange Meteorit Horus rast intakt und ungebremst auf Europa zu, genauer gesagt auf die französische Küstenstadt La Rochelle (übrigens der Hauptschauplatz der Sky-Serie Das Boot). Der gesamte Kontinent befindet sich in der sogenannten kill zone, in der ein Überleben absolut unmöglich scheint. Und dennoch dürfen die Menschen nicht fliehen, denn die Grenzen sind geschlossen.

Szenenbild aus 8 Tage: Die gefährliche Flucht zerreißt Familien.
Szenenbild aus 8 Tage: Die gefährliche Flucht zerreißt Familien. - © NeueSuper GmbH/Sky Deutschland

Dies ist nicht die Geschichte darüber, wie das Unheil im letzten Moment noch abgewendet wird, sondern, wie die Menschen ihr unausweichliches Schicksal akzeptieren. Das wollen Kocyla, Parente, Seiler und die beiden Regisseure Stefan Ruzowitzky und Michael Krummenacher mit diesem Auftakt ausdrücken. Wirklich halten können sie dieses „Versprechen“ im Lauf der (logischerweise) achtteiligen Miniserie aber nicht, denn statt bis zum Stadium der Akzeptanz zu kommen, verharren die Figuren bei der Stufe des Verhandelns beziehungsweise Flüchtens.

Dass die Serie das oft zitierte Fünf-Phasen-Modell des Sterbens aufgreift, ist einer dieser Punkte, die so schrecklich vorhersehbar erscheinen. Zur Sprache bringt es ausgerechnet ein Akteur, der als krebskranker Jugendlicher, welcher die letzten Tage nutzt, um noch mal richtig Party zu machen, selbst ein einziges Klischee darstellt. Der Clou beim Charakter: Vor dem Meteoriten war er als Todgeweihter der Außenseiter, doch, da nun alle todgeweiht sind, ist er so etwas wie ihr König.

Für diese Figuren vergießt man nicht das kleinste Tränchen

Einen Sympathieträger sucht man in der Serie leider vergeblich. Skaliert wird hier eher nach dem Grad der Erträglichkeit, was dem Daumendrücken mit Blick auf das Wohlergehen der Weltuntergangsopfer klar im Wege steht. Am ehesten fiebert man noch mit Christiane Paul mit, die eine Ärztin und Mutter spielt (beides ist sie übrigens auch im wahren Leben, wie Ihr unserem Interview mit der Schauspielerin entnehmen könnt). Als Hauptfigur der Serie versucht sie, mit ihrer Familie Richtung Russland zu fliehen. Ein durchaus interessantes, weil ironisches Bild, doch leider traut „8 Tage" den Zuschauern nicht zu, das selbst zu erkennen. Grob zitiert: „Komisch, früher wollten sie alle nach Westen. Jetzt fliehen sie nach Osten.

Der Familienvater, gespielt von Mark Waschke, scheint derweil weniger für das Wohl seiner Kinder zu kämpfen, sondern hauptsächlich für seine fragile Männlichkeit. Als Physiklehrer, der nicht mit seiner Physis glänzen kann, durchlebt er im Verlauf der Miniserie eine kleine Breaking Bad-Odyssee, zumindest thematisch. Aber, um fair zu sein: Es ist auch sicher nicht leicht, sich mit dem Lover seiner Frau zu messen, einem muskulösen Polizisten mit dem Herz am rechten Fleck. Der Gesetzeshüter Deniz (Murathan Muslu) ist am Ende vielleicht sogar die liebenswürdigste Figur - nicht schlecht für einen Ehebrecher. Gleichzeitig wird dadurch aber umso deutlicher, wie nervig alle anderen sein müssen.

Szenenbild aus 8 Tage: Religion darf natürlich auch nicht fehlen.
Szenenbild aus 8 Tage: Religion darf natürlich auch nicht fehlen. - © NeueSuper GmbH/Sky Deutschland

Tatsächlich gibt es gewisse Handlungsstränge, bei denen man am liebsten vorspulen würde. Allen voran: die äußerst unsubtile Jesus-Analogie rund um David Schütter, der einen geistig verwirrten Ex-Sträfling spielt, der zum Erlöser einer Bande Drogenjunkies wird. Das Gleiche gilt für alles, was mit den Figuren von Fabian Hinrichs und Nora Waldstätten zu tun hat (der Vorwurf geht allerdings nicht in Richtung der Schauspieler). Hinrichs mimt einen Politiker, der unglaublich schmierig ist. Seine Daseinsberechtigung besteht darin, den Autoren die Möglichkeit zu geben, die korrupte Elite (eben „die da oben“) an den Pranger zu stellen, die sich ihre vermeintlich sicheren Bunkerplätze mit Geld erkaufen wollen.

Als professioneller Strippenzieher müsste der Charakter eigentlich zu den gewieftesten Männern in ganz Berlin gehören. In Wahrheit begeht er aber einen törichten Fehler nach dem nächsten, so dass auch seine hochschwangere Lebenspartnerin - ja, auch eine Frau in anderen Umständen muss natürlich dabei sein - in große Gefahr gerät. Allgemein muss man eine hohe Toleranz für irrationales Verhalten mitbringen, denn „8 Tage" steht in dieser Hinsicht auf einer Stufe mit The Walking Dead, bei dem bekanntermaßen über jedes Stöcklein gestolpert wird. Selbstverständlich können Menschen, die in Panik geraten, durchaus unvernünftig handeln, aber ab und zu würde man sich schon gern von einem klugen Plan verzücken lassen.

Den Weltuntergang hätte man sich irgendwie aufregender vorgestellt

Galgenhumor ist ein wunderschönes Wort, das sich die Autoren deutlich mehr zu Herzen hätten nehmen können. Und auch hier operierte das eingangs erwähnte The Leftovers auf einem viel höheren Niveau. Rückblickend kommt einem in allen acht Episoden nur eine einzige lustige Szene in den Sinn: ein Kind, das Crack raucht - obwohl es hier auch eher um den Tabubruch geht. Klar ist die Apokalypse an sich keine lustige Angelegenheit, aber zu viel Düsterkeit kann eben auch eintönig werden. Wer taucht in seiner kostbaren Freizeit schon freiwillig in eine Welt voller Mord und Vergewaltigung ein?

Trotzdem hält „8 Tage“ nicht, was die bemerkenswerte Werbekampagne (ein paar Zeitungen hatten auf ihrer Titelseite die Apokalypse angekündigt) versprach: Das „A“ im Wort „Tage“ wird von Sky als Anarchistenlogo dargestellt, doch von Anarchie sieht man anfangs wenig. Komischerweise fahren sogar die U-Bahnen in einigen Episoden noch nach Plan und der Strom geht auch nie aus. Insgesamt scheint sich das Ausmaß der Katastrophe nicht über einen ganzen Kontinent, sondern nur über den immer wieder auftauchenden Parkplatz vor der Polizei zu erstrecken. Gutes world building sieht anders aus.

Szenenbild aus 8 Tage: Jeder ist auf sich allein gestellt.
Szenenbild aus 8 Tage: Jeder ist auf sich allein gestellt. - © NeueSuper GmbH/Sky Deutschland

Ebenjener Parkplatz ist der Dreh- und Angelpunkt sämtlicher Figuren, die, wie sich nach und nach herausstellt, alle irgendeine Verbindung zu einander haben. Hierfür (genauso wie für den tollen Soundtrack und den generellen Mut, eine solche Serie zu drehen) hat „8 Tage" ganz klar ein Lob verdient, denn einige der Enthüllungen sind tatsächlich wirkungsvoll. Bei manchen Figuren findet sogar eine Entwicklung statt. Die größte beim Charakter von Henry Hübchen, der einen sturen Sozialisten und stolzen ehemaligen NVA-Offizier spielt, dessen letzte Mission Versöhnung heißt. Gleichzeitig machen es sich die Autoren mit Blick auf seine eine wiedergutmachende Eigenschaft (Stichwort redeeming quality) dennoch ein bisschen zu leicht.

Die selbsternannten Überlebenden sterben natürlich zuerst

Bislang noch unerwähnt blieb die Rolle von Devid Striesow - und das aus gutem Grund, denn ab hier betritt diese Besprechung leichtes Spoiler-Gebiet. Striesow spielt den Schurken in der Serie, ein noch viel größeres Übel als der seelenlose Gesteinsbrocken Horus, der Millionen Menschen in den Tod reißen wird. Bei seiner Charakterzeichnung zielten die Serienmacher offenbar auf einen von Verschwörungstheorien vernebelten Bunkerbauer ab - in den USA würde man von einem prepper sprechen, der auf jedes Unglück vorbereitet ist, so unwahrscheinlich es auch sein mag.

Was seine Ausdrucksweise betrifft, stammt die Inspiration eindeutig aus dem Duktus einer rechtspopulistischen Bundestagspartei, deren Namen an dieser Stelle gar nicht ausgeschrieben werden muss. Alternativ hätte es zur Verdeutlichung der Boshaftigkeit des Antagonisten aber sicher auch gereicht, wenn man ihn nur an seiner E-Zigarette hätte nuckeln lassen, denn das allein ist schon dubios genug. Außerdem hat Striesow sichtlich Spaß, seinen inneren creep nach außen zu krempeln, wodurch er den Zuschauern die Möglichkeit gewährt, die Figur mit voller Leidenschaft zu hassen.

Er ist das irdische Hindernis, das zunächst überwunden werden muss, bevor sich die „Helden“ mit dem Göttlichen messen können. Nobel handelt natürlich niemand, denn schon Bertolt Brecht betonte, dass vor der Moral das Fressen komme. Manch ein Feigling lässt sogar seine Familie im Stich, um sich selbst zu retten. Wer die „8 Tage“ am Ende alles überlebt, soll an dieser Stelle nicht herausposaunt werden. Nur eines dürfte von Interesse sein: Je nach Erfolg der Serie wäre eine zweite Staffel, die nach dem Einschlag spielt, durchaus denkbar (das bestätigten die sympathischen Produzenten in unserem Interview am Rande der Berlinale). Die Frage ist nur, ob eine Fortsetzung in dieser Art auch wünschenswert wäre...

Der offizielle Trailer zur Sky-Serie „8 Tage":

Verfasser: Bjarne Bock am Freitag, 1. März 2019

Acht Tage 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Acht Tage 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Pilot
Titel der Episode im Original
Panik
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 1. März 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 1. März 2019
Autoren
Peter Kocyla, Rafael Parente, Benjamin Seiler

Schauspieler in der Episode Acht Tage 1x01

Darsteller
Rolle
Christiane Paul
Mark Waschke
Fabian Hinrichs
Nora von Waldstätten
Devid Striesow

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