
Der amerikanische Sender NBC hat sich mal wieder an einer neuen Comedy probiert und sich dabei an bekanntem Material bedient. Die neue Serie About a Boy fußt auf dem gleichnamigen Roman des britischen Autors Nick Hornby von 1998, doch den meisten wird wohl eher der Film von 2002 mit Hugh Grant, Toni Colette und dem jungen Nicholas Hoult geläufig sein.
Dabei gestaltet sich die Serie bezüglich der generellen Ausgangslage genau wie der Film, nur, dass wir uns statt in London im US-amerikanischen San Francisco befinden und einige kleinere Anpassungen hinsichtlich der Charaktere vorgenommen wurden. Im Großen und Ganzen sorgt die Auftaktepisode von About a Boy für ein paar sehr amüsante und sympathische Momente. Auch der Cast kann durchweg überzeugen und trägt so nicht unwesentlich zu der sehr angenehmen Pilotepisode der NBC-Comedy bei. Doch so richtig mag der Funke noch nicht überspringen, was mit großer Wahrscheinlichkeit auch daran liegt, dass die Prämisse nicht viel Neues bietet, gerade in Hinblick auf den gleichnamigen Film von vor zwölf Jahren.
I own you
Zu Beginn von About a Boy werden wir mitten ins Geschehen reingeworfen und treffen sogleich auf unseren Hauptcharakter Will (David Walton). Dieser versucht, sich an eine gut aussehende Frau namens Dakota (Leslie Bibb) ranzumachen und fährt dabei die volle Palette an mehr oder minder originellen Maschen ab. Will gerät dann jedoch in arge Bedrängnis, als er in einer Hilfegruppe für alleinerziehende Eltern erzählt, dass er Vater eines kleinen, schwer kranken Jungen sei, welchem es jedoch schon wieder viel besser geht. Dies ist natürlich nur eine Lüge, um sich für die alleinerziehende Dakota noch unwiderstehlicher zu machen.
Der Plan scheint auch ganz aufzugehen, jedoch kommt Will später doch noch in die Bredouille, als seine neue Bekanntschaft bei ihm zu Hause auftaucht. Glücklicherweise hat Will eine Lösung parat: Erst kürzlich ist eine Frau mit ihrem Sohn in Wills Nachbarschaft gezogen. Mit den beiden hatte er auch schon Bekanntschaft geschlossen, wobei sich die neue Nachbarin Fiona (Minnie Driver) für Will als eher anstrengend herausstellte. Ihr Sohn Marcus (Benjamin Stockham) hingegen scheint ganz in Ordnung zu sein, auch wenn Will wenig Lust darauf hat, ständig von diesem genervt zu werden. Marcus ist es dann aber auch, der Will aus der Patsche hilft. So gibt er sich nämlich als Wills Sohn aus, was anfangs noch ganz gut klappt, schlussendlich dann aber doch nach hinten losgeht.
Social suicide
Besonders erwähnenswert in About a Boy sind zweifellos die einzelnen Charaktere, welche alle zueinander eine gute Chemie haben und so für einige sehr spaßige Situationen sorgen. Gerade Jungdarsteller Benjamin Stockham (1600 Penn), welcher Marcus spielt, macht einen sehr liebenswerten Eindruck. Was einiges heißen mag, können Kinderdarsteller einem doch oftmals sämtliche Nerven rauben. Auch David Walton (New Girl, Bent) kann in seiner Rolle als erwachsener Kindskopf mit gutem Herz überzeugen und seine Figur durchaus sympathisch gestalten. Minnie Driver (Will & Grace) hat zwar eine etwas nervige und wahrlich anstrengende Rolle als Marcus' Mutter und meditative Veganerin in Personalunion abgegriffen, doch auch sie weiß in About a Boy zu gefallen.
Zweifellos verstehen die Macher, welche Knöpfe sie drücken müssen, damit der Zuschauer emotional abgeholt werden kann. Sei es nun das Bonding zwischen Will und Marcus, der Augenblick, als der große Schwindel letztendlich auffliegt oder eben auch die finale Szene der Auftaktepisode, als ein von Schuld getriebener Will Schulaußenseiter Marcus zur Hilfe eilt und beide gemeinsam einen wahrhaftig bühnenreifen Auftritt hinlegen. All diese Aspekte tragen dazu bei, dass man einen rundum sympathischen und herzerwärmenden Eindruck von About a Boy gewinnt.
Fraglich bleibt jedoch, inwiefern sich das Konzept des Formats auf lange Sicht bewähren kann. About a Boy mag ganz nett und angenehm sein, einige erfrischende Dialoge sowie Charaktere beziehunbgsweise Darsteller hat es ebenfalls zu bieten, doch so richtig abholen kann einen die NBC-Comedy noch nicht. Im Endeffekt bleibt es - der Pilotfolge nach zu urteilen - eine einfache Serienadaption des Films respektive Buches. Dadurch gestaltet sich die Auftaktepisode als ein wenig uninteressant, weil zum einen viele Elemente aus dem Film beziehungsweise Buch bekannt sind und zum anderen einige genretypische Muster aufgegriffen werden. Eventuell fällt den Serienmachern aber noch die eine oder andere originelle Idee ein, um der Serie ihren ganz eigenen Charme zu verpassen.
Fazit
Für Zuschauer, welche das Buch nicht gelesen und den Film nicht gesehen haben, hat die Pilotepisode von About a Boy gleich mehrere sehr witzige und schöne Momente zu bieten. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass jeder, der Nick Hornbys Roman gelesen oder den Film von 2002 gesehen hat, keinen Spaß mit About a Boy haben wird. Im Gegenteil, der Auftakt der NBC-Comedy hat auch für Kenner der Vorlage einige amüsante und äußerst sympathische Momente in petto und kann vor allem mit Blick auf die Darstellerriege überzeugen.
Zwar wirkt die Geschichte nicht wirklich originell, was größtenteils an der Bekanntheit des Ausgangsmaterials liegt, doch über kurz oder lang könnte sich About a Boy zu einer grundsoliden Comedy mit viel Herz entwickeln. Wenn die Serienschöpfer jetzt noch an ein paar Stellschrauben drehen, ist für „About a Boy“ vielleicht sogar noch etwas mehr als nur das drin.