Abby's: Review der Pilotepisode

Abby's: Review der Pilotepisode

Sometimes you wanna go where everybody knows your name! Kann die NBC-Sitcom Abby's zum Cheers dieser Generation werden? Vermutlich nicht. Ohnehin drängt sich die Frage auf, ob das Beschönigen von Alkoholabhängigkeiten im Jahr 2019 noch zeitgemäß ist.

Serienposter von „Abby's“ (c) NBC
Serienposter von „Abby's“ (c) NBC
© erienposter von „Abby's“ (c) NBC

Bei NBC startet diese Woche die neue Sitcom Abby's mit Natalie Morales (The Grinder) als Hobbybarbesitzerin und Neil Flynn (The Middle) als ihr treuster Trinker. Kreiert wurde das Format von Josh Malmuth, der an spaßigen Serien wie New Girl oder Superstore beteiligt war. Als Produzent fungiert zudem Mike Schur, dem derzeit vielleicht größten Namen im Geschäft mit dem Gelächter. Zu seinen Werken zählen Parks and Recreation, Brooklyn Nine-Nine und The Good Place.

Bereits im ersten Absatz dieser Besprechung finden sich also zahlreiche Serien wieder, mit denen sich zu messen zumindest kühn wäre. Dennoch muss man bei Abby's sogar noch eine Nummer größer denken, denn rein thematisch erinnert das Ganze eigentlich am meisten an Cheers, den NBC-Klassiker aus den Achtzigern. Kein Wunder also, dass der Pilot (1x01) zunächst ein wenig enttäuschend erscheinen mag, zumal die Hauptfiguren keine allzu großen Charmebolzen sind...

Alkoholiker halten zusammen

Das größte Plus der Serie ist sicherlich ihr Set. Regisseurin Pamela Fryman (How I Met Your Mother) gewährt zu Beginn einen kleinen Blick auf die innovative live outdoor audience, die gleich einem Amphitheater in der milden Frühlingsnacht verharrt und dem bunten Treiben auf der Bühne folgt. Wir lernen Abby (Morales) kennen, bei der es sich um eine bisexuelle Marineveteranin lateinamerikanischer Herkunft handelt, die in ihrem Hintergarten eine nicht lizenzierte Bar betreibt. Aber nicht irgendeine Bar, sondern die coolste Bar in ganz San Diego!

In ihrem Etablissement herrschen strenge Regeln: Erst, wer sich bewährt hat, darf am Tresen sitzen. Jeder Neuling muss zunächst ihr Vertrauen gewinnen und daher anfangs am sprichwörtlichen Katzentisch Platz nehmen. Dennoch nehmen alle Gäste die Erniedrigungen auf sich, um Teil der Familie zu werden. Zum innersten Zirkel zählen Fred (Flynn), Beth (Jessica Chaffin) und James (Leonard Ouzts). Rosie (Kimia Behpoornia) hilft derweil auch hinter der Theke aus.

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Szenenbild von Abby%26#039,s - © NBC

Chefautor Malmuth will uns sagen: All diese Figuren sind verlorene Seelen, die bei Abby's wenigstens einander gefunden haben. Dennoch fällt es etwas schwer, über eine depressive Mutter zu lachen, die ihre Kinder vernachlässigt und sich im Garten ihrer Nachbarin betrinkt. Zugegeben: Bei Cheers gab es ebenfalls viele traurige Gestalten, doch anders als Abby's entsprang die Serie eben auch einer Zeit, in der die Gefahren des Alkohols noch viel mehr unter den Teppich gekehrt wurden. Im Jahr 2019 wirkt diese unbeschwerte Einstellung ein wenig antiquiert, um es freundlich auszudrücken.

Umso frustrierender, dass ausgerechnet die Figur, die den Laden aufräumen soll, so schnell einknickt. Die Rede ist von Bill (Nelson Franklin). Er ist Abbys neuer Vermieter, der eine illegale Bar auf seinem Land natürlich keinesfalls tolerieren kann. Als zugeknöpfter Akademiker soll er die Stimme der Vernunft darstellen, lässt sich stattdessen aber von Abby herumschubsen, bis er sich schließlich auf einen absolut unglaubwürdigen Deal einlässt, der ihr erlaubt, die Bar weiterzubetreiben. So, wie sie sich verhalten hat, gönnt man ihr diesen Erfolg nicht. Und ihren Gästen wünscht man eigentlich lieber einen Entzug. Schwierige Startbedingungen für eine Serie, die eigentlich doch Spaß verspricht...

Fazit

Bei der Recherche für dieses Review suchte ich versehentlich nach dem Begriff „Abyss“ statt „Abby's“. Ein Freudscher Vertipper offenbar, denn tatsächlich entspricht die Bar Abby's eher einem abyss für ihre Gäste, also einem Abgrund. Mag sein, dass man in den Achtzigern und somit zu Zeiten von Cheers Alkoholismus noch zum Schreien komisch fand, doch inzwischen dürfte es deutlich schwerer fallen, bei alledem zu ignorieren, welche menschlichen Tragödien häufig hinter solchen Leuten stehen, die wir in Abby's in Serienform als Comedycharaktere zu sehen bekommen.

Man kann mir gerne vorwerfen, ein Moralapostel zu sein, doch ich halte eine Serie ein Stück weit für verantwortungslos, wenn sie ein derart ernstes Thema so verklärt. Wer weiß, vielleicht hätte mich das alles aber auch nicht gestört, wenn wenigstens die Figuren sympathischer oder die Witze ein bisschen unkonventioneller beziehungsweise undurchschaubarer gewesen wären. So entpuppt sich Abby's für mich nun als Flop, wobei eine Episode sicher noch nicht ausreicht, um dieses Urteil zu besiegeln. Gewisses Potential ist ja erkennbar, beispielsweise beim einzigartigen Set.

Hier abschließend noch der offizielle Trailer zur NBC-Sitcom „Abby's":

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