A Town Called Malice 1x01

© Sky
Das passiert
Die besten Tage der South Londoner Gangsterfamilie Lord sind schon lange vorbei und die Konkurrenz droht, die Überhand zu gewinnen. Gene Lord (Gene Rowan, Peaky Blinders) hat sich schon losgesagt und arbeitet in der Druckerei einer Zeitung. Als er Cindy (Tahirah Sharif, The Tower) kennenlernt, scheint sein Leben eine gute Wendung zu nehmen, bis er in einen Bandenkrieg verwickelt und beinahe verhaftet wird. Im letzten Moment eilt im Cindy zu Hilfe und überfährt den Polizisten. Von nun an stehen die beiden auf der Fahndungsliste ganz oben. Sie fliehen zu Genes Onkel nach Malaga, einem unerträglichen Blender. Als dieser in eine Fehde um ein Stück Land gerät, ergreifen Gene und Cindy ihre Chance.
Videogame-Attitüden
Wer Videogamefan ist und die „GTA“-Serie liebt, könnte sich in den ersten Minuten von A Town Called Malice durchaus an den Ableger von 2001 mit dem Titel „Vice City“ erinnert fühlen. Auch wohlige Flashbacks zu Miami Vice kommen durchaus auf, sofern man das quietschbunte, neonfarbene 80er Feeling nach South London überträgt, das die Serie zu vermitteln sucht. Aufgepeppt mit der ganzen Palette beliebter Oldies jener Tage könnte man nämlich durchaus vermuten, dass es ebenso actionreich wie humorig zugehen wird. Dass genau dies nicht der Fall ist und wir hier grundsätzlich ein knallhartes Gangsterepos vor uns haben, mag den einen oder anderen Zuschauenden nach dem witzigen Einstieg erst einmal verwirren.
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In den Straßen von South London
Die Lords sind ein alteingesessener Familienclan, der sich mit Schutzgelderpressung, Prostitution und Drogenverkäufen einen Namen im Londoner Süden gemacht hat. Doch die Tage der Bande sind schon längst gezählt. Jüngere und noch härtere Konkurrenz drängt darauf, die Macht auf den Straßen zu übernehmen. Damit befinden sich die Lords im Kriegszustand, was dem jüngsten Spross Gene aber herzlich egal ist. Er will nichts weiter als ein normales Leben führen und arbeitet in einer Zeitungsdruckerei.
Angereichert mit eingeblendeten Tafeln in Neonoptik und besagter, fast im Minutentakt aufschlagender Songauswahl, folgen wir Gene in einen Club, wo er die Barkeeperin Cindy kennenlernt. Ihr erstes Date ist so unauffällig in Szene gesetzt, dass man zunächst etwas enttäuscht darüber ist, nicht tiefer ins Setting eintauchen zu dürfen.
Der große Break folgt allerdings bereits einige Minuten später, als Genes Familie in Form einer Geburtstagsfeier eingeführt wird. Die Lords sprechen selbstverständlich lupenreines Cockney und versuchen erst gar nicht, ihre Straßengangherkunft zu verleugnen. Es hagelt Schimpfworte und Genes Vater Albert (Jason Flemyng, Pennyworth) ist durch und durch ein harter Hund, der auch nicht davor zurückschreckt, seinem Sohn an den Kragen zu gehen. Als plötzlich einer der Lords blutend auftaucht und erzählt, dass er von den Rivalen beinahe erstochen worden wäre, platzt Albert der Kragen. Gene hat keine andere Wahl, als die Familie zu einer brutalen Schlägerei zu begleiten, die hervorragend choreografiert ist und Erinnerungen an Filme wie „Green Street Hooligans“ wachruft.
Figuren mit Charakter
Leider läuft es für die Lords nicht rund und Gene wird um ein Haar verhaftet. Da taucht plötzlich Cindy in einem Auto auf, überfährt einen Polizisten und flieht mit ihrem Freund. Schon hier wird deutlich, dass die junge Frau kein einfaches Mädchen ist, die keiner Fliege etwas zuleide tun kann, ein Eindruck, der sich im Verlauf der Folge auf dramatische Weise verstärken wird. An dieser Stelle sei übrigens ein großes Lob an den Serienerfinder Nick Love Bulletproof ausgesprochen, dessen Figurenaufbau stellenweise abgedreht, aber bis ins Detail durchdacht wirkt. So hält nicht nur Cindy Überraschungen bereit, sondern auch einige andere Charaktere, denen wir im Verlauf der knappen Stunde noch begegnen werden. Es macht riesigen Spaß, herauszufinden, was diese oder jene Person auf dem Kerbholz hat oder wozu die einzelnen Protagonisten fähig sind.
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Ab nach Malaga
Doch zurück zu den Hauptfiguren, die bald größere Probleme als eine Flucht mit Körperverletzung haben. Zunächst gilt es, einige Zeit von der Bildfläche zu verschwinden, gut also, dass Genes Onkel Tony im sonnigen Malaga in Andalusien lebt. Der ist jedoch nicht viel mehr als ein Angeber, der sich als Clubbesitzer ausgibt, sich in Wirklichkeit aber als Entertainer in Nachtbars verdingt. Mit ihm beginnt das Kernstück der Episode. Die Figur wird von Dougray Scott (Batwoman) einfach so herrlich durchgeknallt und mit genau der richtigen Portion Overacting gespielt, dass man beinahe vergisst, welcher Familie er entstammt. An dieser Stelle kehrt ein wenig Satire in die ansonsten eigentlich bitterernste Show ein, in der sich Stil und Inhalt so konträr gegenüberstehen.
Tony ist ohne Frage ein Versager, hat aber eine Vision, die er mit allen Mitteln durchzusetzen bereit ist. Nach und nach hat er Land aufgekauft, um ein Hotel zu bauen. Nur eine Parzelle fehlt ihm noch zu seinem Glück, die wird jedoch von seinem andalusischen Gegenspieler, einem ortansässigen Gangster gehalten. Plötzlich zeigt Tony ein neues Gesicht, das man dem Lebemann so gar nicht zugetraut hätte. Er zieht mit Gene auf das Anwesen und erschießt jeden, der sich ihm in den Weg stellt. Das überrascht gerade aufgrund der bisherigen Darstellung des Protagonisten umso mehr. Der noch größere Hammer folgt, als Cindy sich von einem der Toten eine Schrotflinte schnappt und plötzlich kaltblütig Tony umbringt. Auch wenn klar war, dass Cindy kein Mauerblümchen ist, erwischt die Szene das Publikum doch eiskalt. Das ist ein grandioser Twist, der den Spaßfaktor an der ohnehin überaus unterhaltsamen Episode noch einmal steigert.
Fazit
Die Pilotfolge von A Town Called Malice ist von der ersten bis zur letzten Minute eine einzige Wundertüte. Sie ist optisch vollgepackt mit abgedrehten und ungewöhnlichen Ideen, wartet mit überraschenden Figurenzeichnungen auf, ist spannend erzählt und punktet zudem mit einem coolen Setting. Dank einer starken Songauswahl gibt es zudem einen dicken Nostalgiebonus. Wenn die Story weiterhin so flüssig, wendungsreich und mit starken Actionmomenten vorgetragen wird, steht uns ein fast perfektes Serienevent bevor, das sich optisch munter an Klassikern wie Miami Vice bedient und inhaltlich ein Mix aus Mafia-Epos und Straßengang-Dramaserie ist. Viereinhalb von fünf Schrotflinten.
Hier abschließend noch der Originaltrailer zur hier rezensierten Serie „A Town Called Malice“:
Verfasser: Reinhard Prahl am Mittwoch, 12. April 2023A Town Called Malice 1x01 Trailer
(A Town Called Malice 1x01)
Schauspieler in der Episode A Town Called Malice 1x01
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