A League of Their Own: Testspiel - Review der Pilotfolge

A League of Their Own: Testspiel - Review der Pilotfolge

Amazon Prime Video hat aus dem Film A League of Their Own aka Eine Klasse für sich nun eine Serien machen lassen. Erneut geht es um eine Frauenmannschaft und die Liga, in der sie spielen, als die Männer im Kriegseinsatz sind.

Poster zur Serie A League of Their Own - hier unser Review zur ersten Folge. (c) Amazon Prime Video
Poster zur Serie A League of Their Own - hier unser Review zur ersten Folge. (c) Amazon Prime Video
© oster zur Serie A League of Their Own - hier unser Review zur ersten Folge. (c) Amazon Prime Video

Es ist mittlerweile 30 Jahre her, seit der Film „A League of Their Own“ von Penny Marshall in die Kinos gekommen ist. Im Zentrum geht es dabei um zwei Schwestern, die wetteifern, wer von ihnen in der amerikanischen Profi-Baseballliga besser abschneidet. Denn während des Zweiten Weltkriegs ersetzen die Damen die Männer, die für ihr Land kämpfen.

In der neuen Serie des Streamingdiensts Amazon Prime Video geht es nicht um Schwestern, sondern um eine bunte Truppe von Frauen, die ein ähnliches Ziel haben. Als Ersatz für die Männer wollen die Ladys beweisen, dass auch sie ordentliche Homeruns schlagen können. Allerdings hat jede von ihnen andere Träume und Ziele.

Acht Episoden umfasst die Debütstaffel der Serien-Adaption von Abbi Jacobson (Broad City) und Will Graham, die von Sony TV für den Streamingdienst produziert wird. Ich habe mir die Pilotfolge Testspiel angeschaut, um die es im Folgenden gehen soll.

Das recht große Ensemble besteht aus Abbi Jacobson als Carson, Chante Adams als Max, D'Arcy Carden als Greta, Gbemisola Ikumelo als Clance, Roberta Colindrez als Lupe, Nick Offerman als Dove, Saidah Arrika Ekulona als Toni, Kate Berlant als Shirley, Kendall Johnson als Gary, Kelly McCormack als Jess, Alex Desert als Edgar, Priscilla Delgado als Esti, Aaron Jennings als Guy, Molly Ephraim als Maybelle, Melanie Field als Jo und Dale Dickey als Beverly.

Vor allem Carson wird dem Publikum als Bezugsperson vorgestellt, aber auch Max und Greta spielen im Auftakt größere Rollen.

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Worum geht es in der Folge Testspiel (aka Batter Up)?

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Amazon Prime Video - © Amazon Prime Video

Carson verlässt ihre Heimat Lake Valley im Jahr 1943 per Zug, dem sie nachrennen muss, nach Chicago. Sie ist mit einem gewissen Charlie verheiratet und im Laufe der Folge erfahren wir, dass sie ihr langweiliges Leben satthat und sich nach Abwechslung sehnt. Dem Partner an der Front traute sie sich das bisher nicht zu sagen, als er aber ankündigt, bald wieder da zu sein, schreibt sie ihm mit der Hilfe von Greta in betrunkenem Zustand einen Brief.

Greta und ihre gute Freundin Jo lernt Carson in Chicago kennen und schließt sich ihnen auf dem Weg zum Tryout, also dem Test an, bei dem die Sportlerinnen für die spätere Mannschaft ausgewählt werden.

Max hat als schwarze Frau in dieser Zeit weniger Glück sowie Freiheiten und die Verantwortlichen schicken die talentierte Werferin, die ebenfalls einen langen Weg auf sich genommen hat, quasi ungesehen heim. Dafür zeigt sie zum Abschied ihre Wurffertigkeiten, was so manchen beeindruckt...

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Doch der damalige Alltagsrassismus lässt (zunächst) nicht zu, dass sie zur Mannschaft stößt. Die meisten Frauen, die wir im Auftakt kennenlernen, verstecken ein Geheimnis oder ein Bedürfnis, was sie bisher nicht ausleben konnten. Max hat etwa der Mutter, einer Friseurin, vorgelogen, dass sie zu einem Konzert geht, statt ihre Baseball-Skills zu zeigen. Carson scheint sich sexuell neben Männern auch für Frauen zu interessieren, was sie wohl bisher nicht ausprobieren konnte. Doch Greta testet sie in einer Situation in diese Richtung und lässt sie dann doch hängen. Eine andere Spielerin spricht nur schlechtes Englisch und sucht eine Person, die wie sie Spanisch spricht. Alle träumen von der Aufnahme in die Mannschaft.

Diejenigen, die weiterkommen, müssen sich an einige Regeln halten. Es wird öffentlich nicht geraucht und getrunken, sie sollen keine Hosen in der Öffentlichkeit tragen und bis 22 Uhr wieder zu Hause sein. So werden wir also Zeuge, wie sie sich über die Aufnahme oder Verweigerung ins Team freuen, ärgern und wie sie sich die erste Zeit um die Ohren schlagen.

Die Organisatoren müssen derweil die Fragen der Presse beantworten, denn dort besteht Skepsis, ob die Frauen genug Tickets verkaufen können im Vergleich zu den etablierten Männern oder ob sie attraktiv genug sind. Doch die Frauen dürften noch für die eine oder andere Überraschung gut sein.

Home Run oder Strike Out?

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Der Film „Eine Klasse für sich“ ist inzwischen 30 Jahre her und die Serienmacher haben bereits erkannt, dass der Film trotz hohen Unterhaltungswerts damals einige thematische Unzulänglichkeiten hatte, die im modernen Zeitgeist und mit weiblicher Kreativbeteiligung nun angegangen werden. So setzt sich das Team aus einem bunten Reigen an Figuren zusammen, die natürlich auch einigen Klischees entsprechen. Das Blondchen, die Femme Fatale, die eine oder andere bisexelle oder lesbische Figur, die Spanisch sprechende Fraktion und der eine oder andere Weirdo.

Weil die Themen Sexualität und Hautfarbe im Originalfilm kaum angeschnitten wurden, machen Jacobson und Co beides zu einem deutlich zentraleren Fokus. Max und ihre Freundin Clance sind für Letzteres die Repräsentanten, denn eigentlich gibt es keinen logischen Grund, die Spitzenwerferin auszuschließen außer wegen gesellschaftlicher Diskriminierung. Allerdings ist es ja bereits eine Sondersituation, die Frauen überhaupt spielen zu lassen, also kann man sich sicherlich auch etwas einfallen lassen, um schwarze Frauen in den 1940ern zu involvieren.

Der Stil und Ton der Serie erinnert mich an eine Mischung aus GLOW und The Marvelous Mrs. Maisel. Das eine ist eine Serie über Frauen im Sports-Entertainment und das andere spielt in einer sehr ähnlichen Zeitperiode, was Kleidung und Stil angeht. Wer die Formate also mag und auch dem Film etwas abgewinnen kann, sollte vielleicht reinschauen.

Natürlich kann man sich fragen, ob der Stoff so viel hergibt, wenn die Vorlage eigentlich in rund zwei Stunden bereits gut unterhalten konnte, aber sicherlich kann man in den acht Episoden, die jeweils 45 bis 60 Minuten dauern, ein breites Spektrum an Themen abdecken und muss sich dann nicht so sehr auf Montagen verlassen. Persönlich hätte ich lieber halbstündige Folgen gesehen, aber vielleicht füllt man die vorhandene Zeit trotzdem sinnig.

Apropos Montage: Die Baseball-Montage in der Episode zum Klassiker „Sing Sing Sing“ ist wohl das Highlight der kurzweiligen Debüt-Folge, die für meinen Geschmack vielleicht noch etwas zu wenig Baseball liefert, aber man muss die vielen Figuren ja auch erst einmal etwas kennenlernen. Im Serienformat steht man ja auch nicht so unter Zeitdruck wie bei einem Film, in dem man schneller zu Potte kommen muss. Das Ensemble hinterlässt jedenfalls einen guten Eindruck.

Jacobson kenne und schätze ich wegen Broad City sehr und Ähnliches gilt für Carden durch ihre Beteiligung an der NBC-Comedyserie The Good Place. Der Rest der Frauen, die schon Screentime erhalten, vor allem die Darstellerinnen von Sam und Clance, hinterlassen auch einen guten Ersteindruck, die meisten von ihnen kannte ich bisher wahrscheinlich nur oberflächlich aus anderen Projekten. Allerdings sind auch verlässliche supporting players wie Nat Faxon oder Kevin Dunn (Prison Break) dabei, während der meist unterhaltsame Nick Offerman (Parks and Recreation) im Auftakt noch keine große Rolle spielt.

Zudem begrüße ich es prinzipiell immer, wenn es weitere Filme und Serien gibt, in denen es um weibliche Team-Sportlerinnnen geht, weil oft genug die Jungs und Männer im Fokus stehen. Bis auf Big Shot, „Kick It Like Beckham“, GLOW oder den einen oder anderen Rollerderby-Film (beispielsweise „Roller Girl“) gibt es hier auf jeden Fall noch Nachholbedarf.

Fazit

A League of Their Own bietet charmante Retro-Sport-Comedy-Action mit einem netten Ensemble und bisher noch etwas wenig Baseball an sich. Es stellt sich nach dem Auftakt Testspiel ein wenig die Frage, ob die Macher die Balance zwischen Privatleben und Träumen der Frauen und der Leistung auf dem Feld finden. In der ersten Folge ist man verständlicherweise noch etwas mehr am Etablieren der (inneren) Konflikte interessiert, was aber keinesfalls schlimm ist, weil man damit die Grundlage für die Erzählung der weiteren sieben Folgen schafft. Mochte man Serien wie GLOW und The Marvelous Mrs. Maisel oder insgesamt witzige Serien mit großem weiblichen Cast, dann könnte auch die Sport-Dramedy wohl etwas für die Serienliste sein.

A League Of Their Own: Offizieller Trailer zur Amazon-Serie

Hier abschließend noch der Trailer zur Serie „A League of Their Own“:

Diese Serie passen auch zu «A League of Their Own»