Mit der Serie A Gifted Man schlägt CBS in eine alte Kerbe: Ein Arzt bringt den Menschen mit übernatürlicher Anleitung dringend benötigte Hilfe. Der Serienpilot ist routiniert, aber nicht fesselnd.

Neue Serie bei CBS: „A Gifted Man“ / (c) 2011 CBS
Neue Serie bei CBS: „A Gifted Man“ / (c) 2011 CBS

Mit A Gifted Man hat der amerikanische Sender CBS eine Medizinerserie mit übernatürlichem Touch in die Reihe seiner Copserien am Freitagabend gepackt. Patrick Wilson porträtiert Michael Holt, den Chirurgen der Extraklasse, dessen Leben eine deutliche Wendung nimmt, als er seiner Ex-Frau begegnet - und erfährt, dass diese schon seit zwei Wochen tot ist.

Handlung

Michael Holt hat eigentlich alles: Er ist nicht nur ein ausgezeichneter Chirurg, den Profisportler und die High Society beehren, er hat auch seine extrem moderne und schicke eigene Praxis in New York City. Weit ist er gekommen, wenn man bedenkt, dass er vor knapp einem Jahrzehnt noch als Allgemeinmediziner in Alaska gearbeitet hatte. Damals war ihm die Arbeit zu langweilig geworden und unter den Umständen hatte er sich auch von Anna (Jennifer Ehle) getrennt, die ihm mit etwas Abstand als Liebe seines Lebens erscheint.

Nun ist er ihr zufällig wieder begegnet. Überrascht hört er, dass sie auch schon seit Jahren in der Stadt arbeitet. Weniger überrascht ist er, dass sie eine Klinik für sozial Schwache leitet. Als er sie am nächsten Morgen anrufen will, kommt allerdings die böse Überraschung: Sie sei vor zwei Wochen verstorben, heißt es an ihrem Arbeitsplatz.

Während er mit mehreren brisanten Fällen jongliert, zweifelt Holt an seinem Verstand - und für den Mediziner heißt das, dass er bei sich nach den medizinischen Ursachen für seine offensichtliche Halluzinationen sucht. Durch die Hilfe seiner Schwester Christina (Julie Benz), des modernen Schamanen Anton (Pablo Schreiber) und die Auskunft von Anna selbst erkennt Michael, dass sie wirklich als Geist zu ihm spricht. Denn sie hat in unserer Welt noch was zu erledigen.

Durch ihren plötzlichen Tod ist ihre Klinik nicht nur kopflos, sondern die wichtigsten Daten sind in ihrem passwortgeschützten Computer unerreichbar. So macht sich Holt auf, um zu helfen und bleibt zumindest ein bisschen dort kleben: Nachdem er in seiner eigenen Praxis und auch privat einige Rückschläge hat hinnehmen müssen, trifft er schließlich die bewusste Entscheidung, Anna in seinem Leben zu behalten.

Kritik - Vorbemerkung

A Gifted Man ist keiner von den Serienpiloten, die es einem schwer machen, sich über ihn eine Meinung zu bilden. Das Problem ist eher: Nach Episode eins wird vieles anders. Denn die Serie gehört zu den Projekten, bei denen in den Sommermonaten einiges verändert wurde, was sich aber erst ab Episode zwei zeigen wird.

Vor allen Dingen wurde die Ausrichtung verändert, was sich auch in einigen Castentscheidungen wiederspielgelt. Julie Benz, die als Michaels Schwester als Hauptdarstellerin vorgesehen war, wurde zum Beispiel zur Gastdarstellerin herabgestuft.

Dafür wurde Schamane Anton (Pablo Schreiber) zum Hauptdarsteller gemacht und wird wohl die spirituelle Führung übernehmen. Zudem tritt ab der zweiten Episode Rachelle LeFevre als Kate, eine weitere Ärztin der Sozial-Klinik, auf. Kurzum: Michaels Verhältnis zu seiner Familie rückt aus dem Fokus der Serie, die Arbeit erhält mehr Platz.

Kritik

Der Serienpilot von A Gifted Man gehört zu den Serienepisoden, deren Handlung auf einen ganz klaren Zweck ausgerichtet ist. Hier ist dieser Zweck, die innere Reise des Michel Holt vom reinen Wissenschaftler zum spirituell Erleuchteten darzustellen.

Und so bekommen wir anfangs den knallharten Mediziner zu sehen, der auch gegenüber einem seiner besten Freunde logisch-distanziert ist. Dem darüber hinaus das Risiko für eine junge Tennisspielerin recht ist, weil er Verständnis dafür hat, dass man für große Leistungen auch Opfer bringen muss. Und einen, der seiner engsten Vertrauten im Büro nicht einmal zum Geburtstag gratuliert.

In einer kurzen Phase des Zweifelns darf Michael Holt schrittweise sein Herz wiederentdecken - zunächst als kleine Gefälligkeit Annas Computer in ihrer Klinik freischalten, dann in schneller Folge eine kostenlose Diagnose und Behandlung in seiner Klinik und schließlich persönliche Behandlung anbieten.

Angetrieben durch seine Schwester und den Schamanen Anton geht es im dritten Akt mit hoher Geschwindigkeit „down the rabbit hole“ - und wie einst Alice findet sich auch Michael Holt in einem faszinierenden Wunderland wieder, das er von nun an erforschen wird.

Gekonnt, aber glatt

Der Serienpilot zu A Gifted Man wurde von Oscar-Gewinner Jonathan Demme sehr ordentlich inszeniert. Der Cast ist beispielsweise nicht nur auf dem Papier sehr gut. Durch die Zweckorientiertheit des Serienpiloten wirkt einiges aber eher aufgesetzt denn natürlich, etwa das schnelle Drängen von Schwester Christina, dass es sich bei seiner Erfahrung um ein spirituelles Phänomen handeln müsse, nicht etwa ein medizinisches Problem.

Auch wirkt an der Geschichte einiges arg konstruiert. Etwa Michael Holts Vorgeschichte, nach der er zeitweise als Allgemeinmediziner in Alaska gearbeitet hat - um mittlerweile ein echter Ausnahmechirurg zu sein, dem auch Spitzensportler vollkommen vertrauen. Das ist doch schon ein recht großer Sprung, schließlich sollte nur eine zielstrebige Ausbildung in die höchsten Höhen führen - und einen großen Namen macht man sich nunmal durch gute Referenzen.

Fazit

Der Serienpilot zu A Gifted Man ist routiniert in Szene gesetzt, die Darsteller machen ihre Sache sehr gut - und doch gelingt es der Episode nicht, den Zuschauer zu fesseln. Der Serienpilot bleibt, auch weil er recht viel Erzählleistung bringen muss, schlichtweg glatt.

Schade, dass die Handlung sich wohl von Michael Holts Schwester und ihrem Sohn wegbewegen wird, denn dieses Konfliktfeld wäre eine Möglichkeit gewesen, in der Serienhandlung die ausgetretenen Pfade zu verlassen, in denen ein Mensch mit übernatürlicher Hilfe anderen beisteht - sei das nun Eli Stone oder Ghost Whisperer.

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