The Office 9x24

The Office 9x24

Die großartige „Workplace“-Comedy The Office beendet ihren neunjährigen, mit zahlreichen Höhe- und Tiefpunkten gespickten Lauf mit einem knapp einstündigen „Feel-Good-Movie“. Nichts anderes hat diese warmherzige, zum Fremdschämen einladende und wunderbar schrullige Serie verdient.

Der Cast von „The Office“ feiert ein letztes Hurra. / (c) NBC
Der Cast von „The Office“ feiert ein letztes Hurra. / (c) NBC

Beim Rezensieren fällt es oftmals schwer, sich nicht von subjektiven Gefühlen leiten zu lassen. Sicher, ein Review ist immer subjektiv. Trotzdem versucht man als Kritiker immer, eine gewisse Distanz zum besprochenen Stoff zu bewahren. Im Falle des Serienfinales von The Office ist dieses Vorhaben für diesen Rezensenten schier unmöglich. Schon vor der Sichtung war klar: Tränen werden rollen, die Gefühle Karussell fahren, der Trennungsschmerz kurze Zeit später einsetzen.

Dunder Mifflin, this is Pam

Man könnte an dieser Stelle das Argument anbringen, dass der Abschied etwas zu melodramatisch inszeniert wurde. Es gab eine Hochzeit, sämtliche Büromitglieder durften mehrmals hochtrabende Worte in die Kamera sprechen und mit wenigen Ausnahmen geht es allen blendend. Wenn jedoch eine solch erfolgreiche Comedyserie von einem der großen Networks nach beinahe einer Dekade verabschiedet wird, sollte man als Zuschauer doch genug Nachsicht für eine etwas dickere Portion Schmalz aufbringen können.

So fing alles an: der Cast der ersten Staffel von %26bdquo;The Office%26ldquo; im %26bdquo;Photobooth%26ldquo;. © TV Guide
So fing alles an: der Cast der ersten Staffel von %26bdquo;The Office%26ldquo; im %26bdquo;Photobooth%26ldquo;. © TV Guide

Zumal es nicht die Falschen trifft: Eine der größten Stärken von The Office waren die warmherzig modellierten Charaktere, die trotz all ihrer Schrulligkeit, all ihrem Fremdschämpotential und all ihren gewöhnungsbedürftigen Macken dem Zuschauer einfach ans Herz wachsen mussten. Auch hat es die Comedyserie als eine der wenigen geschafft, nach dem Verlust des zentralen Darstellers das Niveau annähernd zu halten und mit Will Ferrell als Gastdarsteller und James Spader als Hauptdarsteller für hochwertigen Ersatz zu sorgen.

Dennoch wird die Serie untrennbar mit Komödiengroßmeister Steve Carell in Verbindung gebracht werden. Scheinbar perfekt füllte er die Rolle des unbedarften, trampeligen und oftmals über die Grenzen des guten Geschmacks hinausschießenden Büroleiters. Bei seinem Abschied in der Episode Goodbye, Michael am Ende der siebten Staffel kam es zum ersten hoch emotionalen Moment. Wer danach als Zuschauer dem Format die Treue gehalten hatte, wurde nun, zwei Jahre später, mit einem herzerweichenden Gastauftritt belohnt. Natürlich durfte die legendärste all seiner punchlines auch hier nicht fehlen: „That's what she said.

Ohne Diskussion machte Carell die Serie groß, doch sämtliche andere Charaktere spielten eine ähnlich wichtige Rolle in dem - sicherlich unbeabsichtigten - Unterfangen, The Office in den Comedykanon eintreten zu lassen. Folgerichtig tauchen alle Protagonisten im Serienfinale auf, die es auf über 100 Episoden gebracht haben. An erster Stelle wären dabei Pam (Jenna Fischer) und Jim (John Krasinski) zu nennen, dem größten „Will they, won't they“-Pärchen seit Ross (David Schwimmer) und Rachel (Jennifer Aniston) in Friends.

There's a lot of beauty in ordinary things

Und so bekommt die Geschichte der beiden auch genügend Spielzeit, um alle wichtigen Stationen ihrer echten, wahren Liebe zu rekapitulieren. Der Zuschauer schwebt da schon längst auf Wolke sieben und trotzdem bleibt ihm nichts anderes übrig, als ein ums andere Mal an diese Stelle zurückzuspulen und die ergreifenden Augenblicke noch einmal zu genießen. Das erste Kennenlernen, der erste Kuss, der Heiratsantrag im Regen, die Hochzeit an den Niagarafällen: alles Staffel- und Serienhighlights.

Das größte %26bdquo;will they; won%26#039;t they%26ldquo;-Pärchen seit Ross (David Schwimmer) und Rachel (Jennifer Aniston):Pam (Jenna Fischer) und Jim (John Krasinski) © NBC
Das größte %26bdquo;will they; won%26#039;t they%26ldquo;-Pärchen seit Ross (David Schwimmer) und Rachel (Jennifer Aniston):Pam (Jenna Fischer) und Jim (John Krasinski) © NBC

Im Schatten dieser alles überlagernden Liebesgeschichte erzählte The Office eine weitere, leisere, noch langsamer aufblühende und doch überaus turbulente love story. Dwight Schrute (Rainn Wilson) und Angela Martin (Angela Kinsey) porträtierten über neun Staffeln die klassische Hollywood-Liebesgeschichte: Guy gets girl, guy loses girl, guy gets girl back. Am Ende steht Dwight trotz all seiner Unausstehlichkeiten als großer Gewinner da: Traumjob, Traumfrau, Traumfarm. Und eine neue beste Freundschaft: Dazu wandelt sich nämlich die ehemalige erbitterte Feindschaft zwischen Jim und Dwight im Laufe der Seriengeschichte. Gekrönt wird diese Beziehung am Ende - natürlich - mit dem best prank ever oder: „guten Pranken“.

Während sämtliche Charaktere über den Lauf von neun Staffeln ihren ursprünglichen Charakterzügen treu bleiben, ändert sich doch die Dynamik zwischen den Protagonisten. Hieran lässt sich die Spreu vom Weizen - oder besser: lassen sich die guten von den sehr guten Comedyserien unterscheiden. Dass die Charaktere immer in ihren vorgezeichneten Spuren bleiben, heißt jedoch nicht automatisch, dass sie nicht auch persönlich wachsen. Hier können wieder einmal Jim, Pam und Dwight als Paradebeispiele angeführt werden.

Aber auch solch liebevoll ausgedachte Charaktere wie Andy (Ed Helms), Erin (Ellie Kemper), Darryl (Craig Robinson) oder Stanley (Leslie David Baker) befinden sich auf ihrer eigenen Reise und kommen irgendwann ans Ziel. Sogar der liebenswert-dümmliche Buchhalter Kevin (Brian Baumgartner) findet am Ende seine wahre Bestimmung und einen Platz in seinem Herzen, um Dwight zu verzeihen.

Schlussendlich geht die Geschichte für alle Beteiligten gut aus. Außer für Toby (Paul Lieberstein), dem vielleicht größten tragischen Helden in der Geschichte des Comedyfernsehens.

Fazit

Die Comedyserie The Office hat beispielhaft vorgeführt, welch einfaches Prinzip hinter einem erfolgreichen und intelligenten Comedyprojekt steht: interessante Charaktere und gute Drehbücher. Beides konnte in der Produktion von Ricky Gervais, Stephen Merchant (die beiden Schöpfer der britischen Vorlage) sowie Greg Daniels und Ben Silverman über neun Staffeln hinweg aufrechterhalten werden.

Tatsächlich passierte im Büro nämlich nicht viel, die Serie war viel mehr character-driven als plot-driven. Die persönliche Entwicklung der einzelnen Charaktere sowie die Entwicklung der Dynamiken zwischen den Charakteren waren der Schlüssel zum Erfolg: warmherzige Charaktere, die gar nicht mal so außergewöhnliche Ereignisse zu meistern haben und sich eigentlich nur nach den menschlichen Grundbedürfnissen Freundschaft, Nähe und Liebe sehnen.

Im Endeffekt ist The Office genau das: eine lange und große Erzählung über Liebe und Freundschaft in der kapitalistischen Lebens- und Arbeitswirklichkeit westlicher postindustrieller Gesellschaften. Zwar kann kaum Kritik an diesem ökonomischen Menschheitsexperiment herausgelesen werden, das will und muss die Serie aber auch nicht heraufbeschwören. Im Gegenteil: Sie will unterhalten. Und dies gelingt ihr - zumeist auf höchst intelligente Weise.

Sicher, an manchen Stellen knirschte es doch im Getriebe. Bisweilen konnte man zu dem Glauben verführt werden, die großartigen Missgeschicke einzelner Charaktere sollten durch perfektes Gelingen bei anderen ausgeglichen werden. Einige traurige Figuren wie Toby Flenderson, Andy Bernard, Meredith Palmer (Kate Flannery) oder auch Kevin Malone müssen zugegebenermaßen einiges über die Grenze des Erträglichen hinausgehende ertragen. Sie werden jedoch nie veralbert, sie werden nie als Freaks zur Schau gestellt. Sie behalten ihre Menschlichkeit.

In Zeiten heutiger medialer Exposition und Dauerbeschallung mit Peinlichkeiten hat dieser Triumph der leisen, allzu menschlichen Töne konsequenterweise nur eines verdient: die volle Punktzahl.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 17. Mai 2013
Episode
Staffel 9, Episode 24
(The Office 9x24)
Deutscher Titel der Episode
Das Finale (1)
Titel der Episode im Original
Finale (1)
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 16. Mai 2013 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Samstag, 15. Januar 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Samstag, 15. Januar 2022
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Samstag, 15. Januar 2022
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Samstag, 15. Januar 2022

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?