
Was passiert?
Nach jahrelanger Forschung steht der erste Warp-5-Antrieb der Sternenflotte vor seiner Vollendung. Die Enterprise NX-01, das Prunkstück der Menschheit, soll dorthin vordringen, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Doch plötzlich stürzt in Oklahoma ein Klingone ab und findet sich im Hauptquartier der Sternenflotte wieder. Captain Archer möchte gegen den Rat der Vulkanier den Start der Enterprise vorziehen und den Verwundeten den Klingonen zurückbringen. Doch schon nach kurzer Zeit mischen die mysteriösen Suliban mit und entführen den Klingonen. Die erste Mission verläuft viel ereignisreicher, als die Crew sich das erhoffen konnte…
Die Serie - Einblick & Ausblick
Star Trek: Enterprise war die insgesamt fünfte Star Trek-Serie (wobei die Zeichentrickserie in der Regel nicht mit berücksichtigt wird).
Sie startete am 26.09.2002 mit dem neunzigminütigen Pilotfilm Broken Bow und erreichte mit dem Rating 7.0/10 und 12.54 Millionen Zuschauern ein beachtliches Ergebnis - besonders da es das zweitbeste in der Sendergeschichte überhaupt war (Spitzenreiter blieb der Star Trek: Voyager-Pilotfilm Caretaker von 1995, der mit dem Rating 13.0 und über 20 Millionen Zuschauern allerdings auch deutlich in Front liegt).
Die Serie behandelt die Geschichte vor der uns bekannten Geschichte - genauer die Geschehnisse ein knappes Jahrhundert nach dem ersten Kontakt mit den Vulkaniern (zu sehen in „Star Trek: First Contact“) und circa 100 Jahre vor den uns wohlbekannten Abenteuern des unvergleichlichen Captain James T. Kirk und seiner USS Enterprise NCC-1701.
Startpunkt der Handlung ist das Jahr 2151 - gerade ist der erste Warp-5-Antrieb fertiggestellt worden und Jonathan Archer (Scott Bakula aus Quantum Leap) darf als Sohn des Mitentwicklers Henry Archer das Kommando übernehmen. Mit einer circa 80 Personen starken Crew und seinem knapp 230 Meter langen Schiff dringt er in neue Gebiete vor...
Die Tatsache, dass erstmals das markante „Star Trek“ zunächst nicht im Titel der Serie auftauchte, fiel sofort ins Auge. Rick Berman erklärte dazu, dass das Wort „Enterprise“ einen ähnlichen Inbegriff darstelle, wie eben "Star Trek" und, dass keine weitere Kombination á la "Star Trek - XY" mehr erwünscht sei. Zur dritten Staffel wurde diese Sichtweise dann von den Marketingstrategen des Haussenders UPN über den Haufen geworfen und die Serie vollkommen sinnfreier Weise in Star Trek: Enterprise umbenannt. Gut für uns, dass daraus für den deutschen Markt dann nicht auch konsequenterweise „Raumschiff Enterprise: Enterprise“ wurde.
In der quotentechnisch relativ erfolgreichen ersten Season (durchschnittlich sahen 6,7 Millionen Amerikaner die 26 Episoden) hatte die Serie zumindest eine befriedigende Qualität erreicht. Charaktere und Dialoge waren griffig, das Produktionsniveau über jeden Zweifel erhaben und die Stories boten einen bunten Mix aus Humor, Spannung und Charakterentwicklung - ließen oft aber originelle Storys und Kohärenz vermissen.
Die zweite Season setzte den begonnenen Weg konsequent fort, ließ dabei aber ebenfalls einiges zu wünschen übrig. Größtes Problem waren die immer weiter schwindenden Quoten in den USA (Staffeldurschnitt 4,4 Millionen Zuschauer).
Die dritte Season wurde somit zur "make or break"-Season. Berman & Braga versuchten, die verlorenen Fans mit einem ganzjährigen Handlungsbogen über eine Mission zur Rettung der Erde zurückzugewinnen. Leider gelang dies nicht. Der Quotenschwund wurde zwar etwas eingedämmt (der Durschnitt lag bei noch 3,8 Millionen Zuschauern) - dennoch dümpelte die Serie nun endgültig im Niemandsland herum.
Die vierte Season war somit lange Zeit fraglich - ein Novum für eine Trek-Serie seit der Absetzung der Classic-Serie. Letztlich wurden jedoch 22 weitere Episoden bewilligt, die Serie aber auf den Freitag strafversetzt... was dort in Sachen Quoten und Qualität geschah, lag seit Ewigkeiten erstmals nicht mehr in Bermans oder Bragas Händen. Zumindest nicht primär. Autor Manny Coto - selbsternannter Trek-Freak - übernahm das Ruder. Die Ausrichtung wurde erneut geändert und die Serie kehrte zur ursprünglichen Prequel-Idee zurück, die man bisher nie konsequent verfolgt hatte. Die Quoten jedoch sackten immer weiter in den Keller. Nachdem eine Episode nur noch 2.5 Millionen Zuschauer vor den Fernseher bringen konnte, entschied UPN zusammen mit Paramount, dass die vierte Season auch die letzte sein würde. Für das letzte Jahr lag der Zuschauerschnitt bei gerade noch 3,1 Millionen. Drei Viertel der Zuschauer des Pilotfilms waren also in vier Jahren verloren gegangen.

Dennoch: Star Trek: Enterprise hat vier Jahre guter Unterhaltung hervorgebracht und das Franchise um einige Aspekte und Hintergrundgeschichten bereichert. Leider reichte das jedoch nicht, um der Crew eine längere Reise zu ermöglichen...
Die Welt, als es begann
Am 11. September 2001 wurden vier Flugzeuge über amerikanischem Boden entführt. Zwei davon lenkten die Entführer ins World Trade Center, eins ins Pentagon. Das vierte wurde nach einem Handgemenge zwischen Entführern, Besatzung und Passagieren zum Absturz gebracht, bevor es sein Ziel erreichen konnte. Rund 3000 Menschen starben in diesem Akt terroristischen Massenmordes.
Man hätte meinen können, dass die Produktion der neuen Serie von diesen Ereignissen beeinflusst werden würde. Dass eine neue Trek-Serie den Zeitgeist aufnehmen und in ihre Vision integrieren würde. Man entschied sich jedoch, genau das nicht zu tun und die optimistische und positive Sicht der Zukunft, für die Star Trek ursprünglich gestanden hatte, neu aufzulegen. Einzig die Namenswahl der Suliban (als Abwandlung von Taliban) wurde als Bezug zu den Ereignissen wahrgenommen (und auch kritisiert) - hatte aber den Produzenten zufolge keine besondere Bedeutung.
Eine Serie wie die Neuauflage von Battlestar Galactica zum Beispiel wurde deutlich stärker vom Weltgeschehen beeinflusst und entwickelte eine düstere und pessimistische Schwere, die so vollkommen anders war, als der lockere Ton von Star Trek: Enterprise.
Erst mit der dritten Season und dem Arc um die Xindi hielt dann doch noch eine deutlich düsterere Stimmung Einzug in die Serie. Dies geschah jedoch eher durch Quotendruck und weniger um unbedingt dem Zeitgeist Rechnung tragen zu wollen.
Star Trek, als es begann
Nachdem sich Star Trek mit dem Wechsel der Crew um Captain Picard auf die große Leinwand Mitte der neunziger Jahre auf einem Höhepunkt befunden hatte, begann der langsame Abstieg der stolzen Franchise.
Im Nachklapp eine Art schleichender Tod, der sowohl die Kinofilme betraf und etwas verzögert erst 1998 mit dem Scheitern von Star Trek: Insurrection begann und über die letzten Seasons von Star Trek: Deep Space Nine (von knapp 9 Millionen Zuschauern 1994 in Season 3 auf am Ende nur noch durchschnittlich 4,5 Millionen in der letzten Season 1999) und die komplette Laufzeit von Star Trek: Voyager (von 21 Millionen beim Pilotfilm über bereits nur noch 12 Millionen im Durchschnitt der ersten Season bis 2001 nur noch durchschnittlich 5 Millionen übrig waren) dann bei Star Trek: Enterprise landete.

Star Trek war dabei, der immer größer werdenden Konkurrenz im Serienbereich zu erliegen - vielleicht hatte man es überzogen indem man versucht hatte von 1993 bis 2001 immer zwei Serien parallel zu zeigen - und keine Pausen einzubauen. „Franchise fatigue“ war ein gerne genannter Ausdruck für das, was über Jahre passiert war. Und nun sollte also eine weitere Serie - ein weiterer Schnellschuss wenn man so will - den Umschwung bringen. Und in der Tat startete die Serie mit 12,5 Millionen Zuschauern durchaus beachtlich. Leider war dieser Erfolg jedoch nicht von Dauer…
Ich, als es begann
Es war im Mai 2001 als die ersten Infos über die bis heute letzte Serie im Star-Trek-Universum die Runde machten. Gerade hatte ich mich nach viel hin und her dann doch gegen ein Studium und für eine Ausbildung entschieden und versuchte nach einigen Jahren des Jobbens endlich durchzustarten. Und ich erinnere mich gut - die frühen Infos über die Serie ließen mich damals erschaudern.
Ein Prequel? Angepriesen als höchst originelle Idee? Eine Crew, die auf dem Papier wie ein Classic-Abklatsch wirkt, Klingonen als Handlungsmittelpunkt des Pilotfilms - konnte es noch schlimmer kommen? So viele Möglichkeiten hatte ich mir gerade nach dem trostlosen Ende von Star Trek: Voyager ausgemalt, die Trek-Idee weiterzuführen. Aber auf diese wäre ich im Traum nicht gekommen... und hätte sie mir auch nie gewünscht. Doch dann, kurz nach der US-Premiere, landete Broken Bow auf meinem Bildschirm. Und ich musste meine sehr frühen Vorurteile doch zumindest in einigen Punkten begradigen.
Dies & das
- Farmer Moore wurde nach Ronald D. Moore benannt, einem ehemaligen Star Trek-Autoren und guten Freund von Produzent und Autor Brannon Braga.
- Ursprünglich wollten Berman und Braga den Piloten gar nicht zusammen schreiben - es ergab sich einfach.
- Diverse Namen der Gastdarsteller waren offensichtliche Hommagen - Admiral Forrest (an DeForrest Kelley), Admiral Leonard (an Leonard Nimoy), Admiral Williams (an William Shatner) und Tos (was eine durchaus sehr gebräuchliche Abkürzung für „The Original Series“ darstellt).
- Wie in den anderen Pilotfilmen seit Star Trek: The Next Generation ist ein bekannter Charakter an der Handlung beteiligt - hier ist es James Cromwell alias Zephram Cochrane.
- Dies ist die erste Star Trek-Serie, die sich eines Popsongs als Titelthema anstatt eines klassischen Instrumentalstücks bedient. Der aufstrebende Opernsänger Russel Watson sang dafür den Diane-Warren-Song „Where my heart will take me“ neu ein. Diesen hatte vorher Rod Stewart als Titelsong für „Patch Adams“ gesungen - damals hieß er noch „Faith oft he heart“.
Die Synchronisation
Nachdem mich die Synchronisationen der bisherigen Serien nie wirklich überzeugen konnten, wurde nun erstmals die Arbeit von Paramount selbst überwacht. Um Thorsten Nobst sammelte sich ein kompetentes Team, das sogar von Trek-Experte Ralph Sander verstärkt wurde.

Ohne lange Umschweife - über die Sprecherwahl kann man immer diskutieren, hier ist die Synchronisation jedoch nah an der Perfektion. Noch keine Trek-Serie konnte ich so gerne und entspannt schauen - noch nie fühlte ich mich in der deutschen Version jemals wohler. Danke an das tolle Team!
Leider wurde ab Season 3 aus unerfindlichen Gründen die Synchronisation dann doch wieder von Sat.1 überwacht und das Team um Thorsten Nobst ersetzt. Die Qualität ging glücklicherweise nicht vollkommen in den Keller; einige extreme und überflüssige Patzer kehrten jedoch ins Trek-Synchro-Land zurück. Schade!
Es gibt viel zu reden, packen wir´s an
„Where no man has gone before“. (der junge Jonathan Archer und Zephram Cochrane)
„Great... you scratched the paint.“ (Archer)
„Where'd he come from?“ - „Oklahoma.“ - „Corn farmer named Moore shot him with a plasma rifle.“ (Archer, Williams und Forrest)
„Volatile? You have no idea how much I'm restraining myself from knocking you on your ass.“ (Archer)
„Don't screw this up.“ (Forrest)
„It's a Klingot. - A Klingon.“ (Admiral Leonard und der Vulkanier Tos)
„Listen to me, you're making a mistake!“ - „When your logic doesn't work, you raise your voice? You've been on Earth too long.“ (Soval und Archer)
„I heard this platform's been approved for bio-transport“. - „I presume you mean fruits and vegetables.“ - „I mean armory officers and helmsmen.“ - „I don't think I'm quite ready to have my molecules compressed into a datastream.“ (Mayweather und Reed)
„You can't be afraid of the wind.“ (Henry Archer und Jonathan Archer später noch einmal)
„On this site, a powerful engine will be built. An engine that will someday help us to travel a hundred times faster than we can today. Imagine it - thousands of inhabited planets at our fingertips... and we'll be able to explore those strange new worlds, and seek out new life and new civilizations. This engine will let us go boldly... where no man has gone before.“ (Cochrane im Jahr 2119)
„Optimism, captain!“ (Phlox)
„I'm not interested in what you think about this mission, so take your Vulcan cynicism and bury it along with your repressed emotions.“ (Archer zu T´Pol)
„I think the doctor's right, Captain; unless "stinky boots" has something to do with all this?“ (Hoshi)
„Do you know how to tell him to shut up?“ - „Shut up!“ (Archer und Hoshi)
„Your superiors don't think we can flush a toilet without one of you to assist us.“ (Archer)
„I'll take that as a thank you.“ - „I don't think they have a word for thank you.“- „What did he say?“- „You don't want to know.“ (Archer und Hoshi)
„I hope nobody is in a big hurry to get home. Starfleet seems to think that we're ready to begin our mission.“ (Archer)
„We can't be afraid of the wind, Ensign.“ (Archer)
Ein Vorwort muss erlaubt sein
Über die letzten Wochen hatte ich die Chance, alle Trek-Pilotfilme noch einmal im direkten Vergleich zu schauen. Dabei drängen sich Vergleichsmöglichkeiten natürlich geradezu auf.
Doch abseits von Effekten, Schauspielerleistungen und anderem Drumherum ist es besonders eine Erkenntnis die sich nach Ansicht von Broken Bow eingeschlichen hat.
Anders als in den Vorgängerserien fehlt hier eindeutig eine übergeordnete Idee. Ein Konzept, über das es nachzudenken lohnt. Broken Bow erzählt ausschließlich die Geschichte des verfrühten Starts des Schiffes - und auftauchender Probleme, die zumeist durch Action gelöst werden. Es geht natürlich um die Befindlichkeiten der Crew, um die Menschheit und ob diese überhaupt bereit ist, diesen neuen Schritt in ihrer Entwicklung zu gehen. Doch abseits davon herrscht Leere.
Ich bin kein Dogmatiker - ich kann Dinge für das Bewerten, was sie sind oder sein wollen. Nichts muss - alles kann. Dennoch ist die in der Serie auch später oft vorherrschende Orientierungslosigkeit definitiv schon hier ein Problem. Überdeckt von einer sehr flüssigen, spannenden Handlung und starken Schauwerten fällt das nicht so sehr ins Gewicht wie bei einer Routine-Episode.
Caretaker hatte den Trend der inhaltlich etwas reduzierten Trek-Piloten bereits eingeläutet. Broken Bow zieht sich im Vergleich noch etwas weiter ins Schneckenhaus zurück. Dafür kann man letzteren Versuch sogar als noch flüssiger und lebendiger bezeichnen. Im Vergleich also ein Gleichstand.
Im Zuge dieser Überlegungen habe ich mich jedoch entschieden, Broken Bow im Vergleich zu meinem Review vor gut einem Jahr nochmal einen halben Stern abzuerkennen.
Eleganter Leerlauf in der A-Note
Aber kommen wir vom Tausendsten ins Hundertste: Zur Episode an sich.
Der Teaser ist definitiv der stärkste aller Trek-Serien. Wunderbar wird hier die Vorfreude auf diesen großen Schritt in der Menschheitsgeschichte in eine kleine aber treffende Szene zwischen Vater und Sohn gesteckt. Mussten bei früheren Piloten teils noch eine erklärende Laufschrift und Wackel-Kamera-Action-Einlagen herhalten um die Zuschauer up-to-date zu bringen, herrscht hier nun Mut zur Reduktion. Gemeinsam mit der folgenden Titelsequenz ein schöner und stilvoller Start ins Abenteuer.

Die unvermeidliche Action-Sequenz folgt dafür nach dem Intro - und auch hier hätte ich mir Reduktion auf eine etwas subtilere Art der Darstellung gewünscht. Die komplette Verfolgungsjagd zwischen Klaang und den Suliban ist nichts als Eye-Candy. Laut und überflüssig. Wie prägnant wäre es hier zum Beispiel gewesen, Archer in einem Straßencafé zu zeigen, wie er in den Nachrichten die Meldung vom Absturz des klingonischen Schiffes und der Story über den Überlebenden sieht? Ein kurzer Anruf auf seinem Handy, Smartphone oder was auch immer - und er hätte direkt aufbrechen können. Eine Szene später wäre er dann bereits bei der Besprechung mit Admiral Forrest und den Vulkaniern gelandet. Fertig. Subtil. Geheimnisvoll. Und in meinen Augen effektiver.
Dennoch: mit seinem sehr stringenten Flow spielt der Pilot absolut seine Stärken aus. Dialogszenen sind pointiert, das Kennenlernen der Crew reduziert aber kompetent und kreativ umgesetzt (Archer und Phlox, Hoshi und Archer in Brasilien, Reed und Mayweather und ihr Zusammentreffen mit „Southern Guy“ Tucker, später Archer, Trip und T´Pol samt Porthos). Es bleibt sogar noch Zeit für ein grandioses Cameo von James Cromwell in seiner ikonischen Rolle als Zephram Cochrane (aus „Star Trek: First Contact“.
Dass die Crew mitten in dessen (aufgezeichneter) Rede jedoch den Saal verlässt, ist bezüglich der Dramaturgie zwar schlüssig, da sie so zu seinen Worten die Brücke betreten kann, wirkt aber hinsichtlich des feierlichen Rahmens absolut unpassend - und unhöflich. Hier regiert König Drehbuch über die Realität.
Kaum raus aus dem Raumdock hauen uns die Produzenten dann eine Szene um die Ohren, die zeigt, dass wir es doch nicht nur mit einer simplen Erstkontakt-Mission zu tun haben. Ob dieser Einfall, einen Zeitkrieg und die Suliban in die Handlung zu integrieren, am Ende gut war oder nicht, muss hier unberücksichtigt bleiben. Jeder Zuschauer wird sich über die Jahre dazu bereits ein eigenes Urteil zurechtgelegt haben. Im Rahmen des Pilotfilms jedoch sorgen die Szenen für ein wirkungsvolles, instabiles Element und eine Spur Mystery - und wissen somit zu gefallen.
Ab diesem Moment verdichtet sich das Tempo zusehends: Es folgt ein Reigen aus Verlust des Klingonen, Jagd nach dem Klingonen, Schießereien im Schnee und schließlich dem Besuch auf der klingonischen Heimatwelt samt Übergabe von Klaang. Hin und her, kreuz und quer - und es steckt nicht nur in diesem Absatz wenig Inhalt, auch die Serie drückt sich hier um mehr Tiefe. Die Action und das Vorankommen in der Handlung dominieren alle Szenen der letzten zwei Drittel. Das ist nicht verwerflich, aber wie oben bereits erwähnt zumindest im Vergleich mit den anderen Piloten auffällig.
Star Trek bricht sich hier selber auf eine moderne SciFi-Hatz herunter und punktet statt mit bedeutungsschweren Themen und Denkansätzen lieber mit Schauwerten, guten Typen und geschliffenen Dialogen. Popcorn-Trek á la The Killing Game. Der kleine Hunger dankt.
Stärken in der B-Note
Auffallend an der Charakterfront: Scott Bakula gibt vom Start weg einen fantastischen Captain Archer ab. Dieser Mann ist aus dem Leben gegriffen, ein Kämpfer, dabei immer sympathisch, aber höchst konfliktfreudig und begeisterungsfähig. Ein Kind unserer Zeit - einfühlsam dargestellt vom Zugpferd der neusten Trek-Inkarnation. Retrospektiv fand ich sowohl Bakula als auch Archer erschreckenderweise später nie wieder so gut wie hier. Er hatte zwar immer noch regelmäßig starke Momente, aber dieser 100% überzeugende und echte down-to-earth-Archer des Pilotfilms war auf eine ganz eigentümliche Art und Weise danach nicht mehr der Selbe. Kann das jemand nachvollziehen?

Auch der Rest der Crew zeichnet sich durch gut gewählte und durch die Bank sympathische Darsteller aus. Der forsche Charles Tucker (Connor Trinneer), der zynische Reed (Dominic Keating), "Space Boomer" Mayweather (Anthony Montgomery), die unsichere aber in Linguistik äußerst bewanderte Sato (Linda Park), der eigentümliche Dr. Phlox (John Billingsley) und die arrogante Vulkanierin T´Pol (Jolene Blalock) - allesamt gut geschriebene Charaktere, besetzt mit passenden Darstellern und durch kompetent geschriebene Dialoge eingeführt. Stereotypen - keine Frage. In gewisser Weise am Reißbrett zusammengestellt. Aber zumindest in der Umsetzung unaufdringlich gelungen.
Die Effekte - jeher eine Trek-Domäne - sind auch diesmal wieder überzeugend. Tolle Planetenlandschaften, Raumschiffszenen und alles was dazugehört werden in großer Fülle und technischer Perfektion dargeboten.
Der Retro-Look - man kann ihn gar nicht genug herausstreichen. Wie gestalte ich 2001 ein Raumschiff, das aussieht wie 150 Jahre in der Zukunft, aber gleichzeitig älter als eines, das Anfang der Sechziger entstand? Unmöglich? Nein. Die Designer haben das Kunststück vollbracht. Von Innen sieht man tatsächlich ein realistisches Ambiente, welches sich perfekt in die Trek-Historie einpasst. Glückwunsch!
Äußerlich wirkt das Ganze zwar deutlich moderner als Kirks Enterprise, was angesichts der heutigen Technik aber auch nicht verwundert. Wer will schon freiwillig ein fliegendes Fossil auf den Titelblättern der Magazine sehen? Nichts gegen die zeitlose Schönheit der Kirk-Enterprise, aber hier muss die Kirche im Dorf bleiben.
Außerdem haben mir die Uniformen sehr gefallen. NASA meets Star Trek meets „Galaxy Quest“ - das Beste aller Welten. Dazu wirklich wärmend aussehende Uniformjacken für kalte Planeten (endlich!), Taschen, Reißverschlüsse... danke! Die Kommunikatoren, die Phaser - alles passt sich perfekt ein - so viel Liebe zum Detail ist aller Ehren wert.
Die Suliban - eine außergewöhnliche Rasse, aufwendig gestaltet, kaum genauer bestimmt. Dazu der Temporale Kalte Krieg über den man eigentlich nichts erfährt, die gut umgesetzte Zeit-Kammer - genug Stoff für interessante Stories.
Der Humor - lange nicht mehr so viel treffenden Humor in Star Trek gesehen. Die Charaktere pflegen einen sehr lockeren Umgang ("What´s up Cap´n?" - "Trouble with the bad guys." - "... kicking you on your ass".). Es sind normale Menschen (bis auf Phlox und T´Pol) und so reden sie auch miteinander - Ein guter Schachzug.
Der Doktor - Neelix meets Holodoc: diese Formel ist etwas einfach aber ein Fünkchen Wahrheit steckt darin. Der Doktor ist ulkig, aber nicht albern. Zynisch aber nicht arrogant. Und seine Egel, Würmer und was-auch-immer-noch sind eine tolle Idee und unterstreichen den besonderen Look der Serie. Ach so, man beachte das Grinsen!
Aussetzer in der Doppel-D-Note
Leider gibt es jedoch auch noch zwei eindeutige Minuspunkte: zuerst einmal ist T´Pols Catsuit so unnötig wie nur irgendwas. Wallende Kleider hätten deutlich besser in das Bild der würdevollen Rasse gepasst - wenn ein solches Outfit vielleicht auch unpraktisch gewesen wäre - es gäbe sicherlich auch eine Lösung dazwischen. Eine vergebene Chance. Schade.
Die Decon-Chamber-Szene hätte man sich ebenfalls sparen können. Sie soll wohl völlig selbstverständlich und natürlich wirken und wäre als solche auch gut gelungen - allerdings wird zu deutlich, dass nur Jolene Blalocks körperliche Vorzüge ins rechte Bild gerückt werden sollen. Brannon Braga hat das gleiche ja auch regelmäßig mit Seven in Star Trek: Voyager gemacht. Auch dort wirkte diese Art der Teenager-Fängerei nur peinlich und wie eine Altherrenphantasie. Auch das ist schade.
Kontroversen
Unerwähnt bleiben darf natürlich auch der Titelsong samt Intro nicht. Aber bevor sich alle auf einen Verriss freuen - ich mochte den Vorspann damals und mag ihn auch heute noch. Zumindest die Version der ersten beiden Staffeln. Für mich bilden der Song "Where my heart will take me" und die überragenden Bilder eine hervorragende Einleitung, die das Element des Entdeckens und des Neuen auf großartige Weise tragen.
Hier bewiesen Berman & Braga definitiv Mut und machten in meinen Augen an dieser Front alles richtig - wenngleich ich auf einer etwas globaleren Ebene vielleicht keinen abgelegten Patch-Adams-Song gewählt hätte, sondern eine Neu-Komposition.
The Reviewer´s wife
Im Gegensatz zum Rezensenten fand seine Frau die Titelmelodie nie besonders gut - eher unnötig kitschig. Mit solchen verträumten Popsongs kann man ihr aber generell nicht kommen. Der Pilotfilm an sich gewann aber auf ganzer Länge - spannend, actiongeladen, abwechslungsreich, mit guten Charakteren und Effekten versehen. „Zeitreisequatsch“ hingegen war nie ihrs - auch hier nicht. Und auch Jolene Blalock fiel ihr eher durch kaum erträgliches Minenspiel auf. Und durch die vollkommen unnötige Decon-Chamber-Szene.
Doch war Broken Bow und die nachfolgende Serie gewissermaßen der Türöffner für den Rezensenten, seine Frau für Star Trek zu begeistern. Die Serie eignete sich scheinbar sehr gut für Einsteiger, denen der Look der alten Sachen oder die oft angestaubte Dramaturgie nicht zusagte. Nach Star Trek: Enterprise fiel ihr der Einstieg in die anderen Serien dann deutlich leichter. Allein dafür ein dickes Dankeschön!
Gib dem Kind einen Namen
Der Originaltitel „Broken Bow“ ist doppeldeutig wie häufig, bezieht sich einerseits natürlich auf den Ort des Absturzes in Oklahoma, andererseits auf die möglicherweise verhinderten kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Menschen und Klingonen, als auch innerhalb des klingonischen Reiches. Ein zwar unspektakulärer Titel für einen Pilotfilm, aber dennoch treffend.
Mit „Aufbruch ins Unbekannte“ kommt der deutsche Titel deutlich plakativer und pathetischer daher. Er soll vermutlich größer und opulenter klingen, verliert dadurch aber natürlich jegliche Aussagekraft - jeder Trek- oder SF-Serienpilotfilm hätte im Prinzip so lauten können. Aber natürlich ist er für sich genommen inhaltlich angemessen und klingt auch nett.
Fazit
Broken Bow übertrifft rein vom Unterhaltungsaspekt die Vorgänger der anderen Trek-Serien, sackt dafür aber inhaltlich etwas ab. Dennoch kann der letzte Trek-Pilotfilm qualitativ mithalten. In der Summe liegt er für mich gleichauf mit Caretaker und lässt sogar Encounter at Farpoint und Where no man has gone before knapp hinter sich. Einzig Emissary würde ich weiterhin etwas höher als den Rest bewerten.
Die Charaktere sind allesamt überzeugend, Design, Effekte und Feeling der Serie auf den Punkt. Eine stimmige Mischung aus Vertrautheit und bisher in Star Trek Ungesehenem. Sehr dosiert eingesetzt punktet auch der Humor, der teils skurril aber nie albern daherkommt. Eine gelungene Symbiose aus allen Vorgängern.
Broken Bow ist keine große Kunst - aber verdammt lässig und kompetent umgesetzt. Ein starker Start für ein neues Kapitel einer überalterten Franchise - mehr konnte man zum damaligen Zeitpunkt wirklich kaum erwarten.
Nächstes Wochenende geht es im Review-Countdown am Samstag weiter mit dem ersten Kinoabenteuer der Classic-Crew: In „Star Trek: The Motion Picture“ pflegen Kirk & Co Mut zur Entschleunigung und suchen verzweifelt nach dem Humor ihrer eigenen Serie. Am Sonntag starten dann Reviews zu einigen meiner Highlightepisoden aus dem Bereich „Klein aber fein“ - beginnend natürlich ebenfalls mit der Classic-Crew. Seid gespannt!