8 Zeugen: Review der Pilotepisode der TVNOW-Serie

© lexandra Maria Lara in 8 Zeugen (c) TVNOW / Hardy Brackmann
Die Gedächtnisforscherin Dr. Jasmin Braun (Alexandra Maria Lara) hat einiges zu durchleiden in dem Drama 8 Zeugen. Sie will bei der Entführung eines Mädchens helfen und verwickelt sich in einen rätselhaften Dschungel aus Politik und Verbrechen, in dem ihre wissenschaftlichen Standards als Erstes vor die Hunde gehen.
Worum geht es in der Serie 8 Zeugen?
Vom ersten Moment an wissen wir, dass auf uns und Dr. Braun am Ende eine Katastrophe wartet. Das erläutert sie uns aus dem Off (siehe Voice-over) selbst. Doch auch abgesehen davon ist schon der Beginn bedrohlich. Die renommierte Gedächtnisforscherin wird überraschend von der Polizei abgeholt, weil der Vater eines entführten Mädchens darauf besteht, dass sie an den Zeugenbefragungen teilnimmt. Das ist höchst unüblich für ihren Arbeitsalltag. Im Gegenteil, ihr wissenschaftlicher Grundsatz gibt ihr sonst sogar vor, dass sie niemals persönlich mit Zeugen sprechen darf. Aber der Mann, der ihre Anwesenheit verlangt, ist mit der entsprechenden Portion Macht ausgestattet, um sein Ziel auch zu erreichen. Es handelt sich hierbei um den Berliner Innensenator Dr. Konrad. Und so wird die Wissenschaftlerin eines Abends von der Polizei aus einer Bar geholt, in der sie auf ihren Bruder wartet, der unmittelbar vor der Auswanderung nach Australien steht.
Doch auch wenn die Polizei sie mit Nachdruck an den Tatort bringt, so haben die Beamten selbst doch wenig Interesse an der Wissenschaftlerin. Sie belächeln ihre Vorstellungen und Bitten. Unter sich sprechen sie darüber, dass die Bitte des Politikers unangemessen ist und ihre Ermittlungen behindern wird.
In der ersten Episode befragt Dr. Braun, die selbst auffallend rational und kühl agiert, das Kindermädchen der Entführten. Carla Perera (Nilam Farooq) ist noch nicht lange in Deutschland, spricht die Sprache jedoch auffallend gut. Für Emma Konrad hat die Kolumbianerin starke Gefühle, kann trotzdem nicht viel zur Sache beitragen. Ihre Erinnerungen an die ausschlaggebenden Minuten sind undeutlich. Dr. Braun interessiert sich jedoch auch für die entferntere Vergangenheit des Kindermädchens und findet schnell heraus, dass sie dem Stereotyp der jungen, armen Frau, die in Europa das Glück sucht, nicht entspricht. Carlas Vater ist selbst ein erfolgreicher und einflussreicher Mann in Bogota, doch sie hat sich von ihrer Familie losgesagt.
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Dr. Braun stolpert darüber, dass Carla sich an die Zeit vor der Entführung glasklar erinnern kann, an die Minuten um die Entführung und die damit verbundene Rauchbombe jedoch nicht. Als sie den Polizisten von ihren Beobachtungen erzählt, erkennt sie, dass diese sofort übereilte und vermutlich falsche Schlussfolgerungen daraus ziehen.
Entgegen ihres besseren Wissens entscheidet sie sich dazu, weiter an dem Fall zu arbeiten und die Zeugen zu befragen, um verdeckte Erinnerungen offenzulegen und Emma zu helfen.
Schon bei der erneuten Befragung von Carla stellt sich dann heraus, dass das Kindermädchen im Museum auf eine Verabredung mit Youssef gewartet hatte und deshalb im entscheidenden Moment gar nicht bei Emma war. Ihr Date ist jedoch nicht erschienen, dennoch ist sie sich sicher, dass er nichts mit der Entführung zu tun hat.
Wie kommt es rüber?
Was die Serienmacher anstreben, ist ein intensives Kammerspiel, in jeder Episode mit einem weiteren Zeugen. Im Zentrum die Wissenschaftlerin, die uns psychologische und neurologische Analysen liefert, am Rande die Polizei, die sich als Gegenpart dazu formiert und stets zu vorschnellen Rückschlüssen tendiert.
Die Ausstattung, die Polizei und Gedächtnisforscherin in der Serie vorfinden, sind bemerkenswert: perfekt eingerichtete Räumlichkeiten, die eher an CSI: Crime Scene Investigation als an den Tatort erinnern. Die Ästhetik der Serie ist düster, die Musik trägt einen großen Teil dazu bei. Es führt - wie schon erwähnt - unweigerlich in die Katastrophe. Wir wissen nur noch nicht genau, in welche...
Handwerklich und schauspielerisch ist die neue TVNOW-Produktion auf Hochglanz poliert, zumindest, was die Hauptdarstellerin Alexandra Maria Lara betrifft. Die Schwachstellen beginnen eher im Drehbuch. Unglücklich gezogen ist die Grenze, von der die Autoren glauben, was sie uns als Zuschauer zutrauen dürfen. Dr. Braun erklärt vieles durch das Voice-over, manches zu überdeutlich, anderes wieder wirkt seltsam pseudowissenschaftlich. Der Umstand, dass Gedächtnisforscher ihre Zeugen nicht selbst sprechen sollten, wirkt weniger gut umschifft und eher wie ein Hinweis darauf, dass das Konzept der Serie auf Sand gebaut ist. Da hilft es wenig, dass Dr. Braun das fortwährend selbst wiederholt.
Das psychologische Feingefühl, dass die Wissenschaftlerin an den Tag legt, um ihre Zeugen zu befragen, wird von der Länge der Episoden bestimmt. Knapp über 20 Minuten pro Episode hat sie Zeit. Da bleibt wiederum wenig Zeit für Zwischentöne und Nuancen. Das ist schade, denn mehr davon hätten der Serie gut gestanden.
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Fazit
Die TVNOW-Serie 8 Zeugen kreiert gekonnt eine düstere Atmosphäre, doch sie tut sich schwer damit, das erhoffte psychologische Kammerspiel mit Inhalten und dem nötigen Thrill zu füllen.