4 Blocks Zero 1x01

4 Blocks Zero 1x01

„4 Blocks Zero“ ist die Vorgeschichte zur beliebten deutschen Gangsterserie und erzählt den Werdegang der berühmten Familie in den wilden und rauen 90ern.

Bei von US-Serien und internationalen Streamingstarts verwöhnten Serienjunkies haben es deutsche Produktionen manchmal schwer. Doch die Qualität aus deutschen Landen hat längst zugenommen, gerade auch wegen der Konkurrenz weltweit agierender Streamingdienste. HBO Max steht hinter dem Prequel von „4 Blocks“, bei welchem einst der Pay-TV-Sender TNT Serie eine gefeierte Gangster-Serie zum Leben erweckte, die von 2017 bis 2019 drei Staffeln in 19 Episoden erreichte.

Weil aber nun gar nicht mehr so viele lebendige Figuren übriggeblieben sind, wie es bei der Weltpremiere salopp hieß, entschied man sich dazu, ein Prequel auf die Beine zu stellen. Herauskam „4 Blocks Zero“ von dem uns zum Event in Berlin zwei Folgen gezeigt wurden, die einen guten ersten Eindruck von der Qualität des Werkes ermöglichten. Jetzt das Angebot von Max entdecken (Affiliate-Link).

Darum geht es in der Serie „4 Blocks Zero“

Die Familie Hamady in der Serie „4 Blocks Zero“
Die Familie Hamady in der Serie „4 Blocks Zero“ - © HBO Max

Das Prequel verlagert die Geschichte der Hamadys ins Berlin der 1990er: Aus dem Libanon geflüchtet, in Deutschland nur geduldet, kämpfen sie darum, hier Fuß zu fassen. Auffällig ist das gute Casting. Die Hauptrollen in dem HBO Original übernehmen Tariq Al-Saies („Liberame - Nach dem Sturm“) als Alis Onkel Ibrahim, Tareq Nassery („Alle Jahre wieder“) als Ali, später bekannt als Toni Hamady, Rami Fadel Khalaf („Dirty, Difficult, Dangerous“) als Alis Vater Malik, sowie Soufiane El Mesaudi („Hype“) als Alis Bruder Abbas. Ebenfalls zur Familie gehören Großmutter Hanin (Fatima Khanfour; „Almost Cops“), die jüngeren Geschwister Marwan (Almountaser „Monty“ Alchltouh; „Chabos“) und Amara (Siana Zayed) sowie Cousin Latif (Mohammad Eliraqui; „Die Raaben und das tote Mädchen“). Vince Kerner wird von Luis Vorbach („Totenfrau“) verkörpert. In weiteren Rollen sind unter anderem Bella Dayne („Girl You Know It's True“), Mohamed Kanj Khamis („Made in Germany“), Jule Hermann („Zeit Verbrechen“), Sevda Polat („Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“), Samir Salim („Softies“), Enno Trebs („Köln 75“) und Mark Waschke („Dark“) zu sehen.

Gerade die Darsteller von Ibrahim, Malik und Ali hinterlassen einen positiven Eindruck. Der Vergleich ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen, aber ich wurde ein bisschen an „Better Call Saul“ und „Breaking Bad“ erinnert. Deutschland hat endlich eine Gangsterserie neben „How to Sell Drugs Online (Fast)“, die es mit internationalen Formaten aufnehmen kann. Andere große Vorbilder dürften „The Wire“ und „The Sopranos“ sein. Wobei man natürlich nie ganz die Qualität dieser Genregrößen erreicht, aber man spielt zumindest irgendwie doch inzwischen in einer Liga. Wenn die Erstgenannten Champions League sind, dann sind die zumindest Europa League.

Wie es sich für eine moderne HBO-Serie gehört, lässt man die Figuren in ihren Milieus und Heimaten ihre jeweiligen Sprachen sprechen und zwingt so die Zuschauer zum Lesen der Untertitel - außer sie sind der jeweiligen Sprache mächtig. Das fühlt sich also wie TV-Literatur an, wie es auch „Narcos“ oder „Breaking Bad“ und Co mit den hispanischen Kartellen machen.

Wie startet nun die Handlung? Ibrahim wird vorzeitig aus seiner Gefängnisstrafe im Libanon entlassen, aber nur unter der Bedingung, dass er Aufträge für einen mysteriösen Gönner erfüllt - und so darf er nach Deutschland zu seiner Familie reisen, aber verbirgt ein gefährliches Doppelleben, führt Morde aus und gerät in den Drogensumpf. Sein Schwager Malik will für sich und seine Söhne nur ein normales Leben, wartet geduldig die Duldung ab und versucht sich zu integrieren. Einer von Maliks Söhnen, Ali, ist gut in der Schule, muss aber trotzdem mit Schikanen durch Lehrer oder durch das System klarkommen. Seinem Bruder gelingt das mit dem Lernen und der Schule nicht so gut, so dass er droht, auf die schiefe Bahn zu geraten. Daher möchte man ihm einen Job in einer Autowerkstatt besorgen.

Mit Ibrahims Rückkehr wird die Familiendynamik zunehmend auf den Kopf gestellt und auch seine Neffen geraten immer mehr in Schwierigkeiten, wenn es um kleine Drogendelikte oder Ärger mit Menschen aus der Nachbarschaft geht. Das Trio aus Ibrahim, Malik und Ali hat dabei die interessantesten Plots für mich, wobei auch Abbas Potential besitzt, für mich jedoch am ehesten gewissen Gangster-Klischees entspricht. Dazu kommt die Großmutter, die als Matriarchin für Verpflegung, Bemutterung und Familienzusammenhalt zuständig ist. Und natürlich für Hobbys (wie Sport als Ausgleich), Berufe und Privatleben neben dem Schulalltag.

Gute Ausstattung, Casting, Drehbücher und Dialoge

Malik will nur das Beste für seine Familie.
Malik will nur das Beste für seine Familie. - © HBO Max

Die Drehbücher der Folgen, die ich gesehen haben, sind für mich ebenso stimmig wie Dialoge und delivery dieser. Für mich steht und fällt eine deutsche Serie mit der Art und Weise, wie natürlich sich Dialoge und Sprechweise anhören. Oftmals gibt es das Theatralische, was wenig natürlich im Fernsehen wirkt, oder das Hölzerne, was ebenso problematisch ist und Immersion verhindern kann. Gerade Letzteres ist ein Problem, mit dem andere deutsche Serien immer wieder zu kämpfen hatten, zuletzt etwa „City of Blood“ oder „Club der roten Bänder - Die neue Generation“. „4 Blocks Zero“ ist für mich eher in einem Atemzug mit „Chabos“ oder „Tschappel“ und „Kacken an der Havel“ oder „Achtsam morden“ zu nennen, also bei den sehenswerten deutschen Produktionen, die in der Hinsicht wenig bis keine Probleme haben.

Die Bücher stammen von Bernd Lange (Headwriter; „Die Kaiserin“), Bahar Bektaş („Druck“), Natalie Zoghbi („Der Alte“) und Hassan Akkouch (Rolle Maruf in „4 Blocks“). Regie führten Özgür Yıldırım („4 Blocks“) und Hüseyin Tabak („Oscars Kleid“). Matthias Bolliger („4 Blocks“) und Max Preiss („No Hit Wonder“) übernahmen die Bildgestaltung.

Die Actionszenen, etwa eine im Hotel ist gut inszeniert, wenn auch manchmal noch etwas bewusst unübersichtlich. Die Szenen in der Schule oder der Freizeit und die Sprache von damals fühlen sich natürlich an. Auch wenn ich meine, hier und da noch das eine oder andere moderne Wortbild oder eine derartige Vokabel zu hören.

Das Berlin aus dem Jahr 94, das ich selbst als Jugendlicher erlebt habe, wirkt halbwegs authentisch, wenn auch vielleicht etwas zu sehr auf schmutzig gemacht. Und auch die Familiendynamik- und Szenen in der engen Duldungswohnung wirken auf mich glaubwürdig. Genauso wie ein Fest, was zur Feier von Ibrahims Rückkehr gefeiert wird.

Auch der Gang zum Amt, der Versuch, mit einem Restaurantjob über die Runden zu kommen und der Humor passen in meinen Augen. Wenn etwa die Figuren sich in einem albanisch geführten Restaurant als Italiener ausgeben und eigene fiktive Namen weitergeben müssen, wird das wunderbar konterkariert, durch die Russenmafia, die Geld eintreiben will.

Es passiert bereits einiges, was die Grundlage für die Staffel legen dürfte, in diesen zwei Folgen. Es werden alte und neue Beziehungen angedeutet, auch wenn es manchmal etwas schnell geht, so dass man schon beim ersten Treffen mancher Figuren sieht, dass es hier entweder kracht oder funkt. Und aktuell komme ich gut und mühelos rein, auch ohne die beliebte Grundlage gesehen zu haben.

Für mich handelt es sich wahrscheinlich um die beste deutsche Dramaserie des Jahres. (Wer sich fragt, was die beste deutsche Serie insgesamt für mich ist: „Kacken an der Havel“).

Fazit

Ali und Abbas in „4 Blocks Zero“
Ali und Abbas in „4 Blocks Zero“ - © HBO Max

Doch, was „4 Blocks Zero“ zumindest bei mir gelingt, ist zweierlei: Ich möchte nach dem Ende der zweiten Folge direkt weiterschauen und ich habe echtes Interesse entwickelt, einmal ins Original reinzuschauen. Wobei ich neugierig bin, ob man mit den damaligen Pay-TV-Mitteln schon ein ähnlich gutes Produkt hinbekommen hat oder ob der internationale Ruf von HBO und HBO Max nun dazu geführt hat, dass man noch bessere finanzielle Mittel und Drehbücher abliefern konnte. Ich vergebe vier von fünf Wallahs.

Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 22. September 2026

4 Blocks Zero 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(4 Blocks Zero 1x01)
Titel der Episode im Original
Episode 1
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 13. Januar 2026 (HBO Max)

Schauspieler in der Episode 4 Blocks Zero 1x01

Darsteller
Rolle
Tareq Nassery
Rami Fadel Khalaf
Soufiane El Mesaudi

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?