Der Neustart der Actionserie 24 als Miniserie 24: Live Another Day liefert alles, was man sich als Fan von Jack Bauer nur wünschen kann. Die Auftaktepisode wirkt wie ein Trip in die jüngere Vergangenheit - garniert mit der Thematisierung aktueller globalpolitischer Konflikte.

Für 12 Episoden kehrt Jack Bauer (Kiefer Sutherland) zurück - der Auftakt ist gelungen. / (c) FOX
Für 12 Episoden kehrt Jack Bauer (Kiefer Sutherland) zurück - der Auftakt ist gelungen. / (c) FOX

Vier Jahre war Jack Bauer (Kiefer Sutherland) auf der Flucht. Vier Jahre hat ihn eigentlich niemand vermisst - nicht der US-Präsident, nicht all die potentiellen Folteropfer, die in seine Gefangenschaft hätten geraten können, nicht wir Serienjunkies und auch nicht der amerikanische Fernsehzuschauer. Auch nach der Verkündung, es werde eine neue Staffel von 24 geben, gingen keine Wellen der Begeisterung durch die internationale TV-Gemeinschaft. Doch je näher der Ausstrahlungstermin rückte, je mehr Trailer und Promomaterialien veröffentlicht wurden, desto größer wurde zumindest meine Vorfreude.

Eine Reise in die Vergangenheit

Nach der Sichtung der Auftaktepisode von 24: Live Another Day muss ich nun für mich ganz persönlich festhalten: Das Warten hat sich gelohnt, meine Vorfreude wurde nicht enttäuscht. Die erste Episode reproduziert sämtliche Tropen, die die Serie einst so mitreißend und spannend machten. Nach dem „Cold Open“ gibt Jack aus dem Off die schon legendäre Zeitansage: „The following takes place between 11:06 a.m. and 12 p.m. Events occur in real time.“ Diesen letzten Satz hatte ich beinahe wieder vergessen - ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, ob er überhaupt in allen Staffeln ausgesprochen wurde.

Der Vorspann versetzte mich wieder voll und ganz ins 24-Fieber. Die Serie macht zu ihrem Auftakt, zu ihrem Reboot als Miniserie, nichts Neues und funktioniert gerade deshalb. Im Südosten Londons umzingeln CIA-Agenten ein altes Lagerhaus. Mittels eines kleinen Überwachungsroboters lokalisieren sie ihre Zielperson. Sie flüchtet, wird jedoch kurze Zeit später festgenommen. Im CIA-Hauptquartier in London beglückwünschen sich Steve Navarro (Benjamin Bratt), Kate Morgan (Yvonne Strahovski) und Erik Ritter (Gbenga Akinnagbe) zur gelungenen Festnahme. Sie haben soeben Jack Bauer gefasst, der seit vier Jahren auf der Flucht ist, weil er damals versuchte, den russischen Präsidenten zu ermorden.

Unser Wissen darüber wird von Mark Boudreau (Tate Donovan) aufgefrischt, einem Berater des US-Präsidenten James Heller (William Devane) und Ehemann von Jack Bauers ehemaliger Freundin Audrey Raines (Kim Raver). Heller befindet sich zu Vertragsverhandlungen in London, außerhalb seiner Residenz tobt eine wilde Demonstration gegen die amerikanische Drohnenpolitik. Er kommentiert lakonisch: „The ugly truth is: What we're doing is working.

Von einer amerikanischen air force base in England werden Drohnenoperationen in Afghanistan gesteuert. Am Ende der Episode muss der zuständige Soldat mit Entsetzen feststellen, dass seine Drohne gekapert wurde und nun die eigenen Kameraden ins Visier nimmt. Bevor er die Einheit in Afghanistan warnen kann, feuert die Drohne eine Rakete auf die Truppe. Ein finster dreinblickender Bösewicht, den wir zuvor noch nicht gesehen haben, murmelt verschwörerisch in sein Headset: „It's done.“ Der 24-typische Countdown wird eingeblendet, die Episode endet mit dem üblichen Cliffhanger.

Vintage „24“

Alles schon tausendmal gesehen - was jedoch nicht bedeutet, dass der Kniff seine Wirkung verfehlen würde: Natürlich wollen wir sofort wissen, wie es weitergeht. Vom Anfang bis zum Ende präsentiert die Auftaktepisode nichts Neues. Mehrere Figuren haben Vorgeschichten: Kate Morgan soll eigentlich aus dem Dienst entlassen werden, da ihr Ehemann Adam als Doppelagent Staatsgeheimnisse an die Russen weitergegeben hat. Präsident Heller leidet unter Demenz, die Krankheit macht schnellere Fortschritte als vorausgesagt.

Kate Morgan ist es denn auch, die herausfindet, dass Jack sich absichtlich hat festnehmen lassen. Er will die des Vaterlandsverrats beschuldigte Chloe O'Brian (Mary Lynn Rajskub) aus der CIA-Haft befreien. Nach einigen Actionsequenzen, die die Regeln der Logik mehr als einmal ausreizen, gelingt es Jack, seine Vertraute aus dem Hochsicherheitstrakt auszubrechen. Er bedient sich dabei klassischer old school-Methoden: Feuerlöscher und Gasrohre waren schon immer Jacks Freunde in der Not. Eine Neuigkeit hat diese Episode aber doch zu bieten: Jack hat einen Chip unter der Haut, mit dem er Botschaften an seinen Komplizen senden kann. Der weiß dann Bescheid, ob er wahlweise für einen Stromausfall sorgen oder doch eher mit einem Raketenwerfer den Weg freischießen soll.

Mark Boudreau hat ebenfalls eine eigene Agenda. Er will Jack hinter dem Rücken von Präsident Heller an die Russen ausliefern, um ihn ein für alle Male loszuwerden. Warum jedoch Kate Morgan selbst vor Erpressung nicht zurückscheut, um wieder in den Dienst eintreten und sich an die Fersen Bauers heften zu können, bleibt in der Auftaktepisode noch unklar. Sie ist jedenfalls die einzige, die es schafft, zu Jack in dessen Vernehmung durchzudringen. Als sie andeutet, dass er sich absichtlich habe festnehmen lassen, schlagen seine biometrischen Werte erstmals aus. Zuvor hatten sich Navarro und Kollegen vergeblich an ihm abgearbeitet: „His readings are so steady, it's unnatural. Pulse and thermal, all completely static.

Jack sitzt dabei oberkörperfrei und mit diversen Messinstrumenten versehen im Verhörzimmer. Sein Körper ist übersät mit Narben und alten Kampfspuren, seine Arme verziert von Tattoos, die er sich als verdeckter Ermittler einst hat stechen lassen. Jack gibt keinen Laut von sich. Erst nach einer halben Stunde fängt er an zu reden - ach was! - zu drohen: „Take me to her. Now.“ Und: „You know who I am. Trigger the alarm and I'll blow your head off.

Willkommen zurück, Jack Bauer. Ich wusste nicht, wie sehr ich Dich vermisst hatte.

Hier geht es zum Review der zweiten Episode

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