Die Pilotepisode des 24-Spin-offs 24: Legacy verschwendet keine Zeit, um ihren Zuschauern bewusst zu machen, in welchem Serienuniversum sie sich befinden - mit allen positiven wie negativen Eigenheiten. Corey Hawkins liefert dabei einen soliden Einstand als Jack-Bauer-Ersatz.

Corey Hawkins (l.) und Charlie Hofheimer in „24: Legacy“ / (c) FOX
Corey Hawkins (l.) und Charlie Hofheimer in „24: Legacy“ / (c) FOX
© orey Hawkins (l.) und Charlie Hofheimer in „24: Legacy“ / (c) FOX

Nach acht Staffeln des Originals und einer mittelmäßig erfolgreichen Fortsetzung dürfte es einem jeden eingefleischten Zuschauer des neuesten Eintrags in der 24-Reihe, 24: Legacy, klar sein, dass hier keine Fernsehrevolution zu erwarten ist. Die gab es im Action-TV vor nunmehr über 15 Jahren, mit Kiefer Sutherland in der Hauptrolle. Der Uractionheld begnügt sich hier mit einer Rolle als Executive Producer, weil er längst bei ABC von der Rolle des Designated Survivor zum US-Präsidenten befördert wurde.

Like a drug

In die überlebensgroßen Schuhe seiner legendären Figur Jack Bauer tritt nun Corey Hawkins. Neben dieser Änderung in der Führungsriege - und im gesamten übrigen Ensemble - gibt es aber keine weiteren Neuerungen. Die Erzählstruktur ist die gleiche geblieben und wer bisher sämtliche Episoden des „24“-Franchises gesehen hat, der ahnt bereits bei jeder vermeintlich überraschenden Wendung, was als Nächstes ansteht. Es gibt einen Senatoren, der sich ums Präsidentenamt bemüht, es gibt einen Maulwurf bei der CTU und es gibt einen Teenagerplot, der offenbart, wie lernresistent manche Produzenten sind.

Die hanebüchenen Plotkonstruktionen haben da aber längst noch kein Ende. Eric Carter (Hawkins) ist ein ehemaliger Army Ranger, der unter posttraumatischem Stress leidet. Er war am Einsatz gegen den Terroristenführer Bin Khalid beteiligt, der für die Zielperson tödlich endete. Nach seiner Rückkehr in die Heimat mussten sich er und Ehefrau Nicole (Anna Diop) in ein Geheimhaltungsprogramm der CTU begeben, um von Khalids Emissären nicht aufgespürt werden zu können. Genau das geschieht nun aber am Beginn der Episode 12:00 P.M. - 1:00 P.M.

Zur Überraschung von genau niemandem können die ehemaligen Mitglieder der Eliteeinheit von den rachsüchtigen Terroristen aufgespürt werden, weil es einen Maulwurf bei der CTU gibt. Die ehemalige Leiterin der Antiterrorbehörde, Rebecca Ingram (Miranda Otto), treibt sich dort immer noch herum, weil sie den aufregenden Job insgeheim gar nicht an den Nagel hängen will, obwohl sie ihrem Ehemann John Donovan (Jimmy Smits) versprochen hat, selbst beruflich kürzerzutreten, um den Senator bei der Präsidentschaftskandidatur zu unterstützen.

Rebecca Ingram (Miranda Otto) kann es einfach nicht lassen...
Rebecca Ingram (Miranda Otto) kann es einfach nicht lassen... - © FOX

Wem das alles nicht wie eine „Greatest-Hits-Sammlung“ einer einstmals revolutionären Actionserie vorkommt, der dürfte von der Vorlage nicht allzu viel gesehen haben. Sämtliche Aktionen und Reaktionen, die uns hier präsentiert werden, kennen wir in dieser Form - oder nahezu sämtlichen, unzähligen Iterationen aus dem Original. Dass dies über weite Strecken trotzdem nicht langweilig wird, ist nicht nur ein kleines Wunder, sondern auch der soliden Darbietung des neuen Hauptdarstellers und einer scheinbar grenzenlosen Dehnbarkeit des Ausgangsmaterials geschuldet.

Trust your own

Es ist einfach wahnsinnig spannend, einem kühl kalkulierenden Protagonisten mit exzeptionellen Fähigkeiten beim Wettlauf gegen die Zeit zuzusehen. Nun ist Hawkins längst kein Sutherland, wobei fairerweise festzustellen ist, dass es wohl in ganz Hollywood keinen anderen Schauspieler gibt, der eine solch pulpige Rolle wie die eines „24“-Helden mit einem derart bleiernen Ernst ausfüllen könnte wie der gute alte Kiefer. Er wird darin unübertroffen bleiben; für frischen Wind sorgt Hawkins mit seiner zurückgenommeneren, cooleren Art aber allemal.

Während die Umbesetzung der Hauptfigur also von Anfang an gelingt, gibt es leider auch einige Kinderkrankheiten aus der Vorlage, die immer noch nicht geheilt sind. Dazu gehört vor allem der Handlungsbogen rund um die tschetschenische Terroristin Amira (Kathryn Prescott aus Skins), deren Exfreund Drew (Zayne Emory) eine Verschwörung aufdeckt, dies dem gemeinsamen Lehrer David (Kevin Christy) mitteilt, dabei aber nicht weiß, dass der Amiras Kontaktmann ist. Irgendwo schon einmal gesehen? Genau.

Inwieweit Terroristenplot A mit Terroristenplot B zusammenhängt, muss sich erst noch herausstellen. Viel Zeit lässt sich das Kreativteam - es sind dieselben Leute, die immer schon 24 gemacht haben - jedenfalls nicht, ein allseits bekanntes, wendungsreiches Erzählkonstrukt aufzubauen. Die Araber und Tschetschenen und Russen und sonstigen Ausländer sind darin stets die Bösen, während die Amerikaner für den Erhalt ihrer Freiheit kämpfen - und dabei vom Drehbuch in solch hanebüchene Entscheidungen gedrängt werden wie Eric. Der weiß keinen anderen Ausweg, als seine Ehefrau in die Hände seines drogendealenden Verbrecherbruders Isaac (Ashley Thomas) zu übergeben. Da passiert schon nichts.

Bei der CTU geht es indes gleich zu Beginn hoch her, beschließt Rebecca doch sofort, Karriere und Freiheit aufs Spiel zu setzen, weil sie glaubt, den Maulwurf bereits gefunden zu haben. Aber kann jemand mit den Augen von Teddy Sears wirklich ein Betrüger sein? Ich möchte das nicht glauben - und muss es auch nicht, hat mich „24“ doch jahrelang gelehrt, dass hinter dem ersten Twist schon ein weiterer, viel größerer wartet. Vielleicht steht da ja die begabte Computerspezialistin Gia (Coral Pena) im Mittelpunkt, Cousine des ebenso berühmten wie schmerzlich vermissten Edgar Stiles, seines Zeichens CTU-Agent mit dem größten Telefonbeantwortungsswag ever.

Wie es auch kommen mag, ich werde dabei sein.

Trailer zu Episode 1x02 der US-Serie „24: Legacy“:

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