1923 2x07

1923 2x07

Die „1923“-Folge „Ein Traum und eine Erinnerung“ führt die Geschichte der zweiten Dutton-Generation auf höchst unerwartete Art und Weise zum Abschluss.

Szenenfoto aus der Folge „Ein Traum und eine Erinnerung“ der Serie „1923“
Szenenfoto aus der Folge „Ein Traum und eine Erinnerung“ der Serie „1923“
© Paramount+

Hoffen und Bangen

Cara (Helen Mirren, „White Bird“) erwartet die Ankunft Spencers (Brandon Sklenar, Westworld). Elizabeth (Michelle Randolph, Landman) weiß noch nichts vom Tod Jacks (Darren Mann, Chilling Adventures of Sabrina). Sie erfährt nur, dass er Jacob (Harrison Ford, „Indiana-Jones“-Filmreihe) und den Cowboys hinterher geritten ist.

Der Patriarch, seine Leute und die Polizei unter Sheriff McDowell (Robert Patrick, Reacher) postieren sich am Bahnhof. Als die Jacob noch unbekannten Mörder Jacks ebenfalls auftauchen, erfährt er von McDowell, dass sie erst kürzlich rekrutierte neue Deputys sind.

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Sieg des Zweifels

Banner Creighton (Jerome Flynn, Ripper Street) fasst einen folgenschweren Entschluss. Er kann es nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren, rechte Hand des immer monströser agierenden Donald Whitfield (Timothy Dalton, Penny Dreadful) zu bleiben. Banner eröffnet seiner Frau Ellie (Sarah Randall Hunt, „Stupid Cupid“) und Sohn Henry (Justin Stella, Monster: The Jeffrey Dahmer Story), gemeinsam mit ihnen Montana verlassen und in Portland, Oregon neu anfangen zu wollen.

Eisige Todesfalle

Nach dem Erfrierungstod ihrer Freunde Hillary (Janet Montgomery, New Amsterdam) und Paul (Augustus Prew, The Lord of the Rings: The Rings of Power) ist Alexandra (Julia Schlaepfer, The Politician) in deren Auto eingeschneit selbst dem Tod nah. Für eine Weile kann sie sich am Leben erhalten, indem sie mit sämtlichem aufzufindenden Papier ein Feuer im Wageninneren macht.

Teufel in Menschengestalt

Szenenfoto aus der „1923“-Folge „Ein Traum und eine Erinnerung“.
Szenenfoto aus der „1923“-Folge „Ein Traum und eine Erinnerung“. - © Paramount+

Zusammen mit seiner inzwischen bereitwilligen Mittäterin Lindy (Madison Rogers) setzt Whitfield die sadistischen Quälereien von Mabel (Virginia Gardner, „Beautiful Disaster“) fort. Das entgeht auch seinem Hauspersonal nicht. Marshal Mamie Fossett (Jennifer Carpenter, Dexter) und ihre Leute finden inzwischen in Texas die Leichen von Pete (Jeremy Gauna, American Primeval) und Marshal Kent (Jamie McShane, Bloodline). Fossetts indigener Fährtenleser erkennt, dass nicht Pete der Schuldige war.

Bahnhof des Todes

Am Bahnhof von Livingston tauchen immer mehr gedungene Mörder auf, um die Ankunft von Spencer Dutton zu erwarten. Als auch Banner mit seiner Familie dort eintrifft, wird er von Jacob gestellt. Dieser kündigt ihm an, dass er ihn töten werde. Banner kann seinem Feind jedoch das Versprechen entlocken, seine Familie auf jeden Fall ziehen zu lassen. Anschließend übergibt er Ellie sein komplettes Geld und warnt sie vor.

Verschiedene Wege

Spencers Reise nach Montana neigt sich dem Ende zu. Fossett findet auch die Leichen von Renaud (Sebastian Roche, The Man in the High Castle) und Runs His Horse (Michael Spears, „Into the West: In den Westen“). Sie kann Teonna (Aminah Nieves, „Blueberry“) nach einer Verfolgungsjagd verhaften. Die Flüchtige ist geständig und Fossett verspricht ihr eine faire Verhandlung.

Das große Finale

Szenenbild mit Helen Mirren aus der „1923“-Folge „Ein Traum und eine Erinnerung“
Szenenbild mit Helen Mirren aus der „1923“-Folge „Ein Traum und eine Erinnerung“ - © Paramount+

Die Ereignisse überschlagen sich. Ein Killerkommando überfällt Yellowstone, wo sich lediglich Cara, Elizabeth, der noch immer angeschlagene Zane (Brian Geraghty; Big Sky, Chicago PD) und einige wenige Cowboys befinden, Alexandra hört einen vorbeifahrenden Zug und setzt das Auto als Signalfeuer in Brand. Es ist der Zug, in dem sich Spencer befindet. Dieser springt nach draußen und rettet sie. Zurück im Zug stellt ein dortiger Arzt eine schlimme Diagnose und weit mehr als nur ein Schicksal erfüllt sich.

Furioser Showdown - mit Abstrichen

Da ist er also, der spielfilmlange Abschluss von 1923 (immerhin 112 Minuten), A Dream and a Memory. Serienfans, die sich bezüglich des Endes relativ sicher waren, werden darin gleich mehrfach eines Besseren belehrt. Erneut wollen wir größere Spoiler vermeiden, da man sonst zu viele echte Überraschungen vorwegnehmen würde. Bis ganz zum Schluss bleibt die Geschichte voller Wendungen, die zumindest so niemand kommen sah. Trotzdem heißt es, an einigen Stellen Kritik zu äußern.

Die gute Nachricht zuerst

Die Darsteller legen auch weiterhin wahre schauspielerische Glanzleistungen aufs Parkett, bei Weitem nicht nur die Altstars Helen Mirren und Harrison Ford. Vor allem die Schauspielerinnen sind samt und sonders Emmy-Kandidatinnen, wenn der begehrte TV-Preis in diesem Jahr am 24. November verliehen wird. Hier allen voran Aminah Nieves und Julia Schlaepfer, die herausragende Leistungen ablieferten.

Auch die Charakterzeichnung verdient die volle Punktzahl. Besonderer Favorit in der letzten Folge ist Jerome Flynn als Banner Creighton. Bereits seit Beginn der zweiten Staffel wurden dessen zunehmende Zweifel an seinem Tun deutlich, das ihm einerseits nie gekannten Reichtum, andererseits aber auch moralischen Verfall bescherte. Dieser innere Konflikt des vom Schicksal benachteiligten einfachen Mannes ist ein zentrales Thema in der ersten Hälfte der Abschlussfolge.

Teonna Rainwater (zu deren Verbindung mit den Duttons auch im Finale nichts bekannt wird) hingegen erfährt Gerechtigkeit auf tönernen Füßen. Obwohl allein durch einen Leidensweg mit vielen Misshandlungen zum Töten getrieben, kommt sie am Ende im Grund genommen nur frei, weil sich die Gerichtbarkeit nicht über die Zuständigkeiten einig ist. Der Blick auf die endlich nicht mehr verfolgte junge Frau auf dem Weg in die Freiheit hat einen überaus säuerlichen Beigeschmack... Und der Rest - die Schießereien auf Yellowstone und am Bahnhof sowie die Dramatik und enorme Tragik der Dinge, die da kommen - ist bester düsterer Hollywood-Stil.

Auf der anderen Seite

Etwas weniger Füllmaterial hätte der Folge gutgetan, auch wenn das die Laufzeit verkürzt haben würde. Manche der Szenen, in denen Jacob, seine Leute und der Sheriff am Bahnhof von Livingston auf den Zug mit Spencer warten, sind arg lang geraten. Gleiches gilt für das Gefecht auf der Ranch, in dem es eine Feuerpause gibt, während der nichts wirklich Wichtiges geschieht.

Ein weiterer Kritikpunkt ist das Ende von Widerling Donald Whitfield (bis zum Schluss meisterlich dargestellt von Timothy Dalton, der hier erneut auf seine klassische Schauspielausbildung zurückgreifen konnte). Dass Whitfield den Tod finden wird, war abzusehen. Aber die ausgezeichnet konstruierte Figur hätte ein deutlich besseres und ausgefeiltes Ende verdient gehabt. Eben weniger eines, das die Frage aufwirft, warum man darauf in der Dramaserie nicht schon viel früher gekommen ist... Stattdessen zeigt man ein weiteres Mal minutiös Whitfields Grausamkeit, die dem Publikum schon vorher bestens bekannt gewesen ist. Und insgesamt vollzieht sich der gesamte letzte Akt gegen Ende ziemlich schnell. Nachdem einige Irrungen und Wirrungen von langer Hand in der Serienhandlung aufgebaut wurden, ist binnen Kürzestem alles vorbei (und nun ganz anders als vorher).

Fazit

Doch dies mag einmal mehr Meckern auf hohem Niveau sein... Insgesamt betrachtet ist die finale Folge ein gelungener Abschlussspielfilm, der selbst (Streaming-)TV-erfahrene Zuschauer zu verblüffen versteht. Gleich mehrere sonstige dramaturgische Konventionen werden gebrochen, um tragische Überraschungen verschiedener Art zu präsentieren (wobei auch die beiden Altstars nochmals alle Register ihres Könnens ziehen dürfen). Besagte Kritikpunkte werden möglicherweise dadurch mitbedingt, dass das Team um Taylor Sheridan schneller zum Ende kommen wollte oder musste als ursprünglich angedacht.

Zur Frage nach einer möglichen dritten Staffel, die derzeit spekuliert wird, ist festzuhalten, dass diese angesichts der Schlusssituation durchaus möglich wäre. Ob es allerdings auch eine gute Idee ist, eine solche zu produzieren, steht auf einem anderen Blatt. Vielleicht wäre es besser, sich stattdessen auf „1944“, ein weiteres Prequel zu konzentrieren, in dem durchaus bekannte Figuren auftreten könnten. Doch was die Zukunft bringt, weiß natürlich ganz allein der Wind.

Wir jedenfalls bleiben bei vier von fünf Weidepfosten für das (zumindest vorläufige) Ende einer grandiosen Serie. Eines, das besser hätte werden können, aber auch so, wie es ist, nicht enttäuscht.

Verfasser: Thorsten Walch am Montag, 7. April 2025
Episode
Staffel 2, Episode 7
(1923 2x07)
Deutscher Titel der Episode
Traum und Erinnerung
Titel der Episode im Original
A Dream and a Memory
Länge der Episode im Original
1 Stunde 52 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 6. April 2025 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 6. April 2025

Schauspieler in der Episode 1923 2x07

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