Syfys neue Serie 12 Monkeys versucht, Terry Gilliams düster-dystopische Zukunftsvision von 1996 in serieller Form zum Leben zu erwecken. Dabei wird allerdings die Poesie des Films durch Prosa ersetzt.

Aaron Stanford und Amanda Schull in „12 Monkeys“. / (c) Syfy
Aaron Stanford und Amanda Schull in „12 Monkeys“. / (c) Syfy
© (c) Syfy

In Zeiten, in denen die Angst vor Epidemien - wie durch den Ebolavirus - in den Medien stets präsent ist, greift 12 Monkeys die Prämisse des Filmes von Regisseur Terry Gilliam erneut auf. Ein Virus, dessen Ursprung im Jahr 2015 vermutet wird, ist verantwortlich für die Auslöschung eines Großteils der Weltbevölkerung. James Cole (Aaron Stanford), ein Überlebender aus dem Jahr 2043, wird per Zeitreise in die Vergangenheit geschickt, um die Verbreitung des tödlichen Virus zu stoppen.

Was geschieht in der Pilotepisode?

Cole wird in der Zeit zurückbefördert, um mit Hilfe der Ärztin Dr. Cassandra Railly (Amanda Schull) nach Leland Goines (Zeljko Ivanek) zu suchen, dessen Involvierung in biotechnische Experimente als potentieller Auslöser der zukünftigen Epidemie gilt.

Nachdem es Cole gelingt, Railly von der Authentizität seiner Herkunft und der Dringlichkeit seines Vorhabens zu überzeugen, machen sie gemeinsam ihr Ziel ausfindig. Doch es gelingt ihnen nicht, Goines zu eliminieren, sodass beide in dessen Gewalt landen. Goines erzählt ihnen, er habe den Zeitreisenden bereits 1998 kennengelernt. Damals sei er auf der Suche nach der Armee der Twelve Monkeys gewesen.

Um aus der prekären Lage herauszukommen, kreiert Cole ein Paradoxon, indem er einen Gegenstand aus der Zukunft in der Gegenwart mit sich selbst in Berührung bringt. Die anschließende Explosion verschafft ihm den entscheidenden Vorteil, um Goines auszuschalten. Doch dessen Tod hat nicht die erhoffte Wirkung. Der Zeitreisende muss zurück in die Zukunft, um dort nach einer neuen Lösung zu suchen.

Das aus seiner Suche resultierende Ziel wird ihm schnell deutlich: Er muss herausfinden, wer oder was die Armee der „Twelve Monkeys“ ist und deren Beteiligung am Ausbruch der Krankheit zu Tage fördern. Dafür gibt es nur einen Weg: Er muss wieder in die Vergangenheit, denn dort liegen alle Antworten und Ursachen.

Ein explodierendes Paradoxon

Zunächst stellt sich die Frage, ob man einen Vergleich des Filmes mit der Serie anstellen sollte. Da 12 Monkeys auf der gleichnamigen Vision des Regisseurs Terry Gilliam basiert und die Charaktere stark an die Figuren des Filmes angelegt sind, halte ich dies für angebracht. Dabei werden einem schnell die Grenzen der Serie und die fundamentalen Unterschiede bewusst - vor allem in der visuellen Gestaltung und der Bildsprache.

Während in Gilliams Werk und Bildern eine trostlose Frage an das Unvermeidliche mitschwingt, ist davon in der Pilotepisode nicht viel zu spüren. Grundsätzlich ist festzustellen, dass sich eine Art Kette zwischen den Vorlagen gebildet hat. Gilliam nahm seine Inspiration aus dem französischen Kurzfilm La Jeteé, dem Werk des Philosophen Chris Marker, und machte es für eine breitere Masse zugänglicher. Die Serie macht das Gleiche mit dem Stoff des Films, wodurch das Ganze in puncto Tiefgang wesentlich dünner wird. Es wird viel Zeit damit verbracht, alles für den Zuschauer verständlich zu machen. Dafür fehlt es bisher an den satirischen Elementen, dem schwarzen Humor und der ausweglosen Stimmung der Vorlage.

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Szenen, die das Handeln der Serie gegenüber dem Sinnieren des Films unterstreichen, sind beispielsweise, wie das Paradoxon der doppelt existierenden Uhr als krudes und zweckdienliches Instrument für den Plot gebraucht wird. Die Gegenüberstellung von freiem Handeln und Schicksal, welche am Ende des Films aufkommt, wird auch in der Serie thematisiert. Ich bin gespannt wie es im weiteren Verlauf eingebunden wird. Schließlich ist ein serielles Format darauf ausgelegt, weiter zu gehen, sodass auf die Frage nach den Auswirkungen der Handlungen der Protagonisten sehr bald beantwortet werden dürfte.

Als Sci-Fi-Thriller funktioniert 12 Monkeys prinzipiell schon. Die Schwerpunkte sind nur mehr auf das Vorantreiben der Handlung gesetzt als auf philosophische Fragen, da verstärkt Wert auf die Zugänglichkeit der Materie gelegt wurde. Die Entscheidung, aus Cole einen genetisch fortgeschrittenen Menschen mit besonderen Heilkräften zu machen, sehe ich zwiespältig. Zum einen nimmt man ihm damit von vorne herein eine gewisse Verletzlichkeit, zum anderen könnte das gut mit der Geschwindigkeit des Plots harmonieren.

Wichtig wird vor allem sein, wie gekonnt die Möglichkeiten der Prämisse des Zeitreisens, dem Spiel mit Handlungen und Konsequenzen ausgeschöpft werden. Dies ist das große Alleinstellungsmerkmal, dass vor allem auf lange Sicht betrachtet die Serie davor bewahrt, sich nicht von den konventionellen Sci-Fi-Thrillern abheben zu können.

Die Qualität der Produktion scheint zumindest in der Pilotepisode von einem eingeschränktem Budget geprägt zu sein. Selbst manche Soundeffekte scheinen aus der Konserve zu kommen. Es wird ein wenig auf die kreativen Ideen des Teams ankommen, das Beste aus der Produktion heraus zu holen.

Die schauspielerischen Leistungen sind recht unterschiedlich. Bösewicht vom Dienst Zeljko Ivanek konnte mich dieses Mal nicht wirklich überzeugen. Aaron Stanford ist definitiv kein schlechter Schauspieler und die Dinge, die er vermittelt möchte, kommen auch gelungen rüber. Allerdings fühlte sich seine Darstellung insofern inkonsistent an, als dass er oftmals zu schnell von neben der Spur und nachdenklich, auf zielstrebig und klar springt, was natürlich auch mit dem schnell gestrickten Rhythmus des Drehbuchs zusammenhängt. Seine Kollegin Amanda Schull macht dagegen bisher einen guten Eindruck. Gespannt sein darf der Zuschauer vor allem auf den Auftritt von Emily Hampshire, welche in der nächsten Episode das weibliche Äquivalent zu Brad Pitts Charakter aus Twelve Monkeys darstellen wird.

Fazit

Vergleicht man die Serie mit der Vorlage, so ist es einfach, ihre Schwächen zu erkennen. Weniger Poesie, Feinfühligkeit und Tiefgang in der Bildsprache und der Handlung, dafür mehr Zugänglichkeit und eine klarere Linie. Wer einen Sci-Fi-Thriller sucht, könnte Gefallen an 12 Monkeys finden. Wer allerdings eine Fortführung des Stils der Vorlage mit dessen Substanz und Verrücktheit erwartet, wird sicherlich enttäuscht werden. Ich persönlich hatte dies zwar nicht erwartet, mir aber definitiv erhofft. Dementsprenchend steckt in der Wertung noch ein gutes Stück Hoffnung auf Besserung.

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