Women Talking - Die Aussprache

Women Talking - Die Aussprache

Women Talking - Die Aussprache im Stream

Eine Gruppe von Frauen in einer isolierten religiösen Kolonie versucht, ihren Glauben mit einer Reihe von sexuellen Übergriffen durch die Männer der Kolonie in Einklang zu bringen.

Women Talking - Die Aussprache

Die traumatisierten Mütter, Ehefrauen, Töchter und Schwestern einer eng verbundenen Mennoniten-Kolonie müssen sich entscheiden, ob sie vergeben, kämpfen oder gehen sollen, nachdem sie erfahren haben, dass sie nachts von jemandem missbraucht wurden. Doch Angst, religiöser Glaube, Frauenfeindlichkeit und die schwerwiegenden Folgen einer Rebellion stehen einer klaren Entscheidung im Weg, so dass den verängstigten Frauen keine Alternative bleibt. Denn langwierige Diskussionen erfordern Zeit, das kostbarste Gut überhaupt. Und da die Gemüter erhitzt sind und die Spannungen überkochen, muss die Schwesternschaft, ob sie will oder nicht, etwas unternehmen, um sich Gehör zu verschaffen.

Women Talking - Die Aussprache Kritik

Women Talking - Die Aussprache Kritik
Poster zum Film Women Talking (c) Universal Pictures/United Artists
oster zum Film Women Talking (c) Universal Pictures/United Artists

Filmkritik „Women Talking - Die Aussprache" durch Bjarne Bock exklusiv für Serienjunkies.de

Kämpfen oder Fliehen? Das ist die zentrale Frage, die eine Gruppe Mennonitischer Frauen im neuen Sarah-Polley-Film Women Talking aka Die Aussprache beantworten muss. In den Hauptrollen beweisen Rooney Mara, Claire Foy und Jessie Buckley ihr ganzes Können.

Zwei Dinge vorweg: Der Film, um den es hier geht, beschäftigt sich mit Themen, die einer Trigger-Warnung bedürfen. Diese sind sexuelle Gewalt gegen Frauen und Kinder, Komplikationen in der Schwangerschaft, Alkoholsucht, Suizid und sektenartige Religionsgemeinden. Zudem wollen wir darauf hinweisen, dass wir uns der Ironie bewusst sind, dass ausgerechnet ein männlicher Redakteur den Film bespricht. Es ging leider nicht anders.

Nach dieser Einleitung ist wahrscheinlich klar, dass „Women Talking - Die Aussprache“ (oder hierzulande: „Die Aussprache“) kein Feel-Good-Movie ist. Es ist ein düsteres Drama in dichten Dialogen, das schon in seiner Farbpalette alles Lebensbejahende verdrängt. Dabei ist die Botschaft, die die kanadische Regisseurin Sarah Polley („An ihrer Seite“, Alias Grace) mit ihrem jüngsten Werk aussendet, eigentlich genau das: lebensbejahend. Nicht auf eine leichte Art und Weise, die den Privilegierten in den Schoß fällt, sondern schmerzlich errungen - vielleicht würde es besser der verdrehte Ausdruck „todesverneinend“ beschreiben.

Es geht um Frauen und Mädchen, die die Gewalt der Männer nicht mehr tolerieren können. Umfassend werden zwei Optionen diskutiert: Entweder sie kämpfen oder sie fliehen. Klar ist nur, so wie es ist, darf es nicht bleiben. Die Geschichte des Filmes, der auf einer Buchvorlage von Miriam Toews basiert, spielt im Jahr 2010 - was man kaum glauben mag in der Anbetracht der rückwärtsgewandten Lebensumstände der Figuren. Der Stoff hat sogar einen realen Hintergrund, denn Mitte der 2000er standen die weiblichen Mitglieder einer ultraorthodoxen Mennonitengemeinde in Bolivien vor genau derselben Frage.

Polley, die für ihr adaptiertes Skript kürzlich die zweite Oscarnominierung ihrer Karriere feiern konnte (als „bester Film“ ist „Women Talking“ ebenfalls im Rennen), kann in ihrem hundertminütigen Kammer- beziehungsweise Scheunenspiel auf das vielleicht beste Filmensemble des gesamtes Jahres setzen: Rooney Mara, Claire Foy, Jessie Buckley, Michelle McLeod, Judith Ivey, Sheila McCarthy und Frances McDormand. Als einziger Mann spielt Ben Whishaw mit.

Worum geht's?

Nun zum härtesten Teil dieser Besprechung: der schrecklichen Inhaltsangabe. Die Frauen, um die es geht, leben in einer isolierten Religionsgemeinschaft, die absolut patriarchal organisiert ist. Gott steht natürlich an der Spitze, doch leider maßen sich die Männer an, in seinem Namen zu sprechen. Die Frauen, die nur dieses Leben kennen und ihren Gott wahrhaftig lieben, können nur gehorchen. Die männlichen Gemeindemitglieder nutzen diesen Glauben aus.

Die Männer brechen nachts in die Schlafzimmer der Frauen ein. Mit Viehbetäubungsmitteln machen sie die schutzlosen Frauen bewusstlos, um sie zu vergewaltigen. Keine Frau bleibt davor verschont, egal in welchem Alter sie ist. Auch Kinder werden vergewaltigt. Doch, wenn die Frauen die Männer wegen der Angriffe auf sie alarmieren, behaupten die Männer, es wären böse Geister gewesen und sie müssten einfach noch gottgefälliger leben. Ein schlimmeres Verbrechen kann man sich nicht ausmalen. Und kein fairer Gott würde sowas jemals zulassen...

Universal Pictures/United Artists
Universal Pictures/United Artists - © Universal Pictures/United Artists

Wenigstens zum Schutz der Kinder fangen auch die Frauen schließlich an, ihren bedingungslosen Glauben auszusetzen. In einer geheimen Wahl, die stattfindet, als alle Männer auf Reisen gehen, entscheiden die Frauen, dass etwas getan werden muss. Da die Optionen „Kämpfen“ oder „Fliehen“ gleich viele Stimmen erhalten haben, werden einige Frauen (gespielt von den genannten Stars) als Abgeordnete eingesetzt, um ein Urteil zu fällen. Von ihrer Diskussion hängt die gesamte Zukunft der Gemeinde ab, weshalb sie die Sache so gründlich wie möglich durchdenken wollen.

Eine Schwierigkeit liegt darin, dass den Frauen verwehrt wurde, lesen oder schreiben zu lernen. Falls sie fliehen würden, hätten sie nicht einmal eine Landkarte, um zu sehen, wo auf der Welt ihr Zuhause überhaupt liegt. Hier kommt der Charakter von Whishaw ins Spiel, der ein ganz anderes Wesen hat als all die anderen Männer in der Gemeinde. Als Lehrer bietet er sich an, den Schriftführer zu spielen und Pro-und-Kontra-Listen zu verfassen. Ihm ist dabei sehr wichtig, sich nicht einzumischen - was einige der Frauen belustigt, verwirrt oder sogar wütend macht.

Die Frauen schwanken in der Diskussion immer wieder zwischen logistischen Überlegungen, was eine Flucht erfordern würde, sowie dem Verfassen einer Art Grundrechtecharta, die ihre Forderung im Falle eines Kampfes wäre. Und dann bricht auch immer wieder das Trauma durch; brutalsten Gewaltfantasien muss genauso Raum gegeben werden wie stillem Trost. Die Frauen müssen lernen, sich nicht gegenseitig anzugreifen, sondern um jeden Preis zusammenzuhalten, wie es die Männer leider auch tun. Wichtig ist es aber auch, bei all den schrecklichen Überlegungen hin und wieder in ein gemeinsames Lachen auszubrechen. Welche Option am Ende gewählt wird, verraten wir natürlich nicht...

Wie ist es?

In emotionaler Hinsicht schleudert der Film „Women Talking - Die Aussprache“ sein Publikum ziemlich durch. Das Drehbuch von Sarah Polley ist ein Meisterwerk, welches mit der Einfachheit der Geschehnisse und Wortgewalt der Dialoge brilliert. Faszinierend ist, wie man uns über die Brücke universeller Gefühle in die Köpfe dieser Frauen führt, die einer Religion angehören, die uns abschreckt. Auch als Zuschauer:in muss man erst die Dissonanz verdauen, dass wir einerseits das Beste für die Hauptfiguren wollen und gleichzeitig kein Recht dazu haben, ihnen ihren Glauben abzusprechen. Trotz all der Ungerechtigkeiten, die damit zusammenhängen, ist er es, womit sie sich am meisten identifizieren.

Women Talking“ greift viele philosophische Gedanken auf, die auch unsere Gesellschaft betreffen. Kaum jemand dürfte in der Lage sein, sich überzeugend einzureden, dass die Probleme der Frauen nur in solchen speziellen Gemeinden vorherrschen. Die Aktualität des Filmes könnte aber auch daher rühren, dass er einfach zeitlos ist. Und auch hier spielt wieder Universalität die Schlüsselrolle. Polley hat ganz große Themen in einen ganz kleinen Raum geholt.

Schauspielerisch dominieren den Raum vor allem Claire Foy und Jessie Buckley, die zwei ganz verschiedene Facetten von Wut aufführen. Diese Nuanciertheit muss auch wieder ein Stück weit im Skript entstanden sein. Rooney Mara übernimmt derweil die Stimme der Autorin; sie führt die Diskussion immer wieder auf neue Pfade, ohne dass man je weiß, was sie selbst denkt. Sie fungiert als Dienerin des Dialogs und als Katalysator der emotionalen Ausbrüche anderer. „Leider“ ist es am Ende ausgerechnet der Mann, Ben Whishaw, der die tränenreichsten Szenen spielt (was nicht wirklich ein Problem ist).

Abschließend muss auch der Score der isländischen Komponistin Hildur Guðnadóttir (Chernobyl) hervorgehoben werden, der einen Großteil der Atmosphäre der eher zurückhaltenden Inszenierung ausmacht. Viereinhalb von fünf Pferdekutschen.

Women Talking - Die Aussprache Schauspieler

Rooney Mara

als Ona

Judith Ivey

als Agata

Emily Mitchell

als Miep

Claire Foy

als Salome

Sheila McCarthy

als Greta

Jessie Buckley

als Mariche

Kira Guloien

als Anna

Frances McDormand

als Scarface Janz

Eli Ham

als Klaus

Lochlan Ray Miller

als Julius

Vivien Endicott Douglas

als Clara

Will Bowes

als Census Driver

Caroline Gillis

als Woman on the Path

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