Inspiriert von einer wahren Begebenheit, trifft eine Gruppe von Polizisten, Kriminellen, Touristen und Jugendlichen in einem Wald in Georgia aufeinander, wo ein 500 Pfund schwerer Schwarzbär auf einen mörderischen Amoklauf losgeht, nachdem er unabsichtlich Kokain zu sich genommen hat.
Inspiriert von der wahren Geschichte des Flugzeugabsturzes eines Drogenschmugglers im Jahr 1985, dem verschwundenen Kokain und dem Schwarzbären, der es gefressen hat, findet sich in dieser wilden, dunklen Komödie eine seltsame Gruppe von Polizisten, Kriminellen, Touristen und Teenagern in einem Wald in Georgia wieder, in dem ein 500 Pfund schweres Raubtier eine unglaubliche Menge Kokain zu sich genommen hat und nun auf der Suche nach noch mehr Koks ist und Blut.
Filmkritik „Cocaine Bear" durch Bjarne Bock exklusiv für Serienjunkies.de
Nichts vermiest einem den Wanderurlaub mehr als ein Bär, der kiloweise Kokain frisst und in der idyllischen Natur Amok läuft. Die verrückte Horrorkomödie „Cocaine Bear“ von Regisseurin Elizabeth Banks macht extrem viel Spaß.
„Mensch gegen Natur“ ist ein uraltes Erzählgenre, welches sein Opus magnum schon Mitte des 19. Jahrhunderts durch Herman Melvilles Weltliteraturwerk „Moby-Dick“ fand. Im Englischen ist häufig auch das Schlagwort „Man vs. Beast“ zu hören, wobei es sich hierbei eigentlich um ein spezielles Subgenre handelt. Im Hitchcock-Kinoklassiker „Die Vögel“ (1963) wurde dem Menschen seine biblisch begründete Position als Herrscher über alle Tiere aberkannt. Die Tiere wenden sich gegen uns, weil wir unserer göttlichen Verantwortung nicht gerecht geworden sind, wie aktuell das Artensterben und die Klimakatastrophe erschütternd eindeutig beweisen.
Solche Storys, in denen die Natur gegen die degenerierte Naturgewalt Mensch zurückschlägt, faszinieren bis heute. In den USA gab es vor ein paar Jahren die wunderbar überdrehte Tierhorrorserie Zoo zu sehen. Und in Deutschland wurden kürzlich keine Kosten und Mühen gescheut, um das maritime Endzeitdrama Der Schwarm auf die Bildschirme zu bringen. Wünschen wir uns vielleicht sogar, dass die Natur uns aufhält, bevor wir sie vernichtet haben?
Die „Pitch Perfect“-Regisseurin Elizabeth Banks (unter anderem: Scrubs) hat nun ebenfalls etwas beizutragen zu dem Genre, das durch die genannten Krisen an Relevanz gewinnt. Ihr „Cocaine Bear“ ist einer der verrückteren Titel, der sich selbst auch nicht allzu ernst nimmt. Die anderthalbstündige Horrorkomödie, die tatsächlich von einer wahren Begebenheit inspiriert wurde, ist es trotzdem wert, näher betrachtet zu werden. Vor allem macht der Film viel Spaß und schafft es genau das zu sein, was er sein will.
Im Ensemble finden wir: das The Americans-Trio Keri Russell, Matthew Rhys und character actress Margo Martindale; den „Solo“-Star Alden Ehrenreich sowie dessen „Star Wars“-Vetter O'Shea Jackson Jr. (Obi-Wan Kenobi); Modern Family-Mann Jesse Tyler Ferguson, der sich offenbar als David Spade verkleidet hat; Isiah Whitlock Jr. (The Wire), Kristofer Hivju (Game of Thrones) und schließlich auch die inzwischen leider verstorbene „GoodFellas“-Legende Ray Liotta, dem „Cocaine Bear“ gewidmet wurde, da es sich um einen seiner letzten Auftritte vor der Kamera handelt.
Nun, der Titel des Filmes ist in dieser Frage eigentlich recht transparent. Es geht um einen Bären, der Kokain frisst und durchdreht. Interessant ist dafür das Jahr, in dem die Geschichte angesiedelt ist, nämlich 1985. Die Nostalgie der 80s spielt eine ziemlich große Rolle in dem Streifen. Die Welt damals fühlt sich aus heutiger Sicht irgendwie intakt an, trotz des Koksbären, der alles tötet, was seinem Drogenrausch in die Quere kommt...

Trotzdem ist der Bär natürlich nicht der Schurke des Filmes, sondern vielmehr sind das die Menschen, durch die er an das Koks gekommen ist. Liotta und Ehrenreich spielen dabei das ungleiche Vater-Sohn-Gespann Syd und Eddie Dentwood. Während der Senior groß im Drogengeschäft drinsteckt, hat der Junior einen anderen Weg gewählt. Zusammen mit seinem Kumpel Daveed (Jackson) wird er aber doch mit reingezogen in den Schlamassel. Und der etwas übereifrige Cop Bob (Whitlock) ist ihnen schon auf der Schliche. Wer findet das verlorene Koks zuerst? Die Dealer, die Polizei, der Bär?
Die zwei Schulschwänzer Dee Dee (Brooklynn Prince) und Henry (Christian Convery) sind auch früh mit dabei. So kriegen schon nach wenigen Minuten zwei koksende Kinder zu sehen, was als Humormesslatte für den restlichen Film angesehen werden kann. Man sollte durchaus über düstere Witze lachen können und kein Problem mit Blutströmen und abgetrennten Körperteilen haben. Dass zumindest den Minderjährigen nichts zustößt, versucht die Heldin der Geschichte zu garantieren, Dee Dees Mutter Sari (Russell), eine extrem taffe Krankenschwester.
Ansonsten lernen wir noch die Parkrangerin Liz, gespielt von der wie immer großartigen Charakterdarstellerin Martindale, kennen sowie deren love interest, der Tierkenner Peter (Ferguson). Hivju und Hannah Hoekstra (You Are Wanted) sind zudem als europäisches Wanderpaar Olaf und Elsa zu sehen (man beachte die „Frozen“-Anspielung). Russells Ehemann Rhys spielt den Piloten, der das Koks gleich zu Beginn des Films vom Himmel fallen lässt. Und auch ein paar jugendliche Rowdies gehören zur potentiellen Beute des Bären (darunter der aus Sharp Objects bekannte Aaron Holliday).
Einfach ausgedrückt: „Cocaine Bear“ ist ein deutlich besserer Film, als man wahrscheinlich erwarten würde. Vor allem die Figuren sind durch die Bank weg sehr gelungen. Entweder sind sie extrem lustig angelegt - so etwa die Rollen von Margo Martindale und Jesse Tyler Ferguson - oder sie bringen für eine Horrorkomödie überraschend viel emotionales Gewicht mit, sodass wir wirklich um sie bangen. Das trifft wiederum auf Keri Russell und Alden Ehrenreich zu, wobei natürlich auch der Anblick von Ray Liotta einen rühren kann, wegen der realen Tragödie seines Todes.
In erster Linie ist das neue Werk von Regisseurin Elizabeth Banks aber einfach sehr spaßig und unterhaltsam. „Cocaine Bear“ steckt voller verrückter Ideen, wie man es von einem Film mit so einem absurden Titel dann wiederum auch doch erwarten darf. Beim schlanken Produktions-Budget von knapp über 30 Millionen Dollar hat der Streifen schon fast die dreifache Summe wieder eingenommen - und es dürfte noch deutlich mehr werden, wenn das internationale Publikum auf den Trip kommt. Vielleicht hat das Ganze sogar Franchise-Potential, denn es wird immer wieder damit gespielt, dass ja auch andere Tiere koksen könnten...
Alles in allem geben wir vier von fünf Bärentatzen für „Cocaine Bear“, der das „Mensch gegen Natur“-Genre klar bereichert.
als Sari
als Syd
Margo Martindale
als Ranger Liz
als Peter
Kahyun Kim
als Beth
Ayoola Smart
als Officer Reba
Conor Lambert
als Trucker
Chloe Harris
als Citizen in Police Station
Hannah Hoekstra
als Elsa