The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x07

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Das passiert in der Folge „Ewig dem Tode verfallen“ der Serie „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“
Adar greift Eregion mit aller Macht an, während Sauron weiterhin Celebrimbors Geist täuscht, damit dieser die neun Menschenringe fertigstellt. In der hoffnungslosesten Stunde greifen Gil-Galad und Elrond ins Geschehen ein, der sich auf ein Hilfeversprechen von Durin IV verlässt. Im letzten Moment muss der Prinz jedoch sein Zwergenheer zurückrufen, weil der König von Khazad-dûm kurz davor ist, einen mächtigen Balrog zu erwecken, der das Reich zerstören könnte. Arondir befreit derweil Galadriel aus den Klauen Adars und gelangt gemeinsam mit ihr über einen geheimen Zwergentunnel nach Eregion, um dem wie aus einer Trance erwachten Celebrimbor beizustehen...
Schlecht geschrieben
So episch sich The Lord of the Rings: The Rings of Power bisweilen auch anfühlt, leider muss ich nach der intensiven Betrachtung von Ewig dem Tode verfallen feststellen, dass die Serie in vielen Belangen einfach nicht sehr gut geschrieben ist.
Man kann inzwischen nicht mehr einfach mehr nur von Referenzen oder einer Hommage an die große Hexalogie von Peter Jackson sprechen. Viele Szenen - vor allem dieser Folge - sind schlicht und ergreifend mehr oder weniger gut kopiert und offenbaren damit eine enttäuschende Ideenlosigkeit.
Sicherlich möchte man den typischen „Herr-der-Ringe“-Ton treffen, poetische Dialoge zum Besten geben, epische Schlachten zeigen und das ganz große Drama auf den kleinen Bildschirm bringen. Doch wie soll das wirklich gelingen, wenn selbst die Handlungsbögen der neu hinzugekommenen Figuren abgekupfert und damit vorhersehbar daherkommen?
Wenn Elrond zum Beispiel vor den Mauern der Stadt in Richtung Sonnenaufgang blickt und seinen Elbenkameraden zuruft, dass gleich von dort Hilfe herbeieilen wird, erinnert die Szene nicht zufällig an jene aus „Der Herr der Ringe: Die zwei Türme“, in der Gandalf fast exakt dieselben Worte spricht, als die Reiter Rohans eintreffen.
Nun kann man entgegenhalten, dass die Zwerge in diesem Fall ja nicht eintreffen und der Ring Nenya schließlich in die Hände Adars fällt. Doch macht das die Sequenz deshalb eigenständig, oder sind die Autoren John D. Payne, Patrick McKay und Justin Doble hier nicht vielmehr auf Fanservice aus?
Um es an dieser Stelle einmal klar hervorzuheben: Niemand hat etwas gegen ein wenig Fanservice. Davon lebt schließlich jede auf einem bekannten Franchise basierende Serie. Doch ganze Szenen und Dialoge zu klauen (man denke an Arondirs Angriff auf den Troll, der verdächtige Ähnlichkeit mit Legolas' Kampf gegen den Olifanten hat) ist dann auch nicht die feine Art.
Hinzu kommt, dass viele Dialoge fast wortgleich anderen Protagonisten in den Mund gelegt oder einfach nur in einen neuen Kontext gesetzt werden, um dem Publikum Ideenreichtum vorzugaukeln, wo keiner ist. Nach nunmehr fast 16 Stunden in Mittelerde (zum Vergleich: alle sechs Filme zusammen kamen in den Langfassungen auf 18,2 Stunden) ist das vor allem für diejenigen Zuschauenden ärgerlich, die das Franchise lieben.
Nutzlose Figuren und jammernde Orks
Hinzu kommt, dass sich einige Figuren erneut als vollkommen nutzlos offenbaren. Arondirs Szenen sind zwar wie immer actionreich und toll, doch welche Funktion hat der Elb denn nun eigentlich genau? In einer der letzten Szenen wird er im Kampf gegen Adar schwer verwundet oder getötet, womit eine audiovisuell zwar ansprechende Reise enden würde, die aber keinerlei bleibenden Wert für das Gesamtprodukt vorzuweisen hat.
Auch Adar ergibt als Protagonist immer noch nicht wirklich Sinn, zumal durch ihn die Figur des Sauron im Grunde genommen lediglich gesplittet wird. Gut, er verleiht den Orks eine gewisse Menschlichkeit. Er liebt seine Kinder und will sie befreien, doch sind wir einmal ehrlich: Wer braucht diese Art der Neuinterpretation des dunklen Kriegervolkes eigentlich?
Nicht, dass man die Darstellung der Orks rundweg ablehnen sollte. Tatsächlich entspricht ihre Interpretation in den Filmen nämlich nicht der von Tolkien. Der Erfinder des Mittelerde-Epos weist in seinen Texten darauf hin, dass sie sich ähnlich wie Menschen vermehren. Obwohl es also in den Büchern keine Orkfrauen gibt, ist ihre in der Serie gezeigte Existenz aber keineswegs unwahrscheinlich.
Doch die Orks waren immer schon Diener des Bösen. Ihnen ging es nie darum, irgendwo in Mittelerde friedlich zu leben. Sie hassten die Elben und Zwerge abgrundtief. Und selbst wenn die oft geäußerte Vermutung, sie seien verdorbene Abkömmlinge der Elben (auf dieser Theorie basiert Adar) zutrifft, so bleiben sie doch die primären Krieger in den beiden dunklen Armeen des Zweiten und Dritten Zeitalters. Warum man also eine zentrale Führerfigur für sie erfinden musste und sie gegen Sauron antreten lässt, bleibt nach wie vor ein ungelöstes Geheimnis von „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“.
Sauron

Damit kommen wir zu Sauron und Celebrimbor, die dank der hervorragenden schauspielerischen Leistung von Charlie Vickers und Charles Edwards immer noch ein visuell starkes Gespann bilden. Ob die Beziehung beider Figuren in der gezeigten Form jedoch zwingend logisch ist, sei einmal dahingestellt. Beispielsweise erschließt sich immer noch nicht wirklich, warum Sauron die Zerstörung von Eregion zulässt und welchen Zweck er damit verfolgt. Hier ist Tolkiens Version der Ereignisse, in der der dunkle Lord selbst die Elbenstadt angreift und vernichtet, wesentlich stimmiger.
In den Originaltexten erkennt Celebrimbor, dass Sauron die Ringe an sich bringen will, um sie mittels eines Meisterrings zu kontrollieren. Erst daraufhin marschiert der Herr der Täuschung in Eriador ein, foltert und tötet den Meisterschmied und überzieht das Land mit einem schrecklichen Krieg. Warum diese Version weniger actionreich oder unterhaltsam als die in der Serie gezeigte sein soll, gehört ebenfalls zu den großen Mysterien der Showrunner.
Die Schlacht

Nach der vielen Meckerei ist es an der Zeit, sich den positiven Aspekten der Folge zu widmen, denn es wäre durchaus unfair, die gesehenen 70 Minuten mit einer vollends schlechten Bewertung abzustrafen. Tatsache ist und bleibt nämlich, dass „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“, über hohe Produktionsstandards und ein insgesamt starkes Ensemble verfügt, was immer wieder für Schauwerte sorgt.
Das trifft insbesondere auf die Schlacht zu, die sich über einen Großteil der Episode zieht und lediglich von einer leider nicht immer ganz glücklichen Schnittführung unterbrochen wird. Dennoch ist der Angriff der Orks auf Eregion fraglos episch und groß inszeniert, wartet mit zahlreichen Statisten und einer toll choreografierten Action auf.
Vor allem der Auftritt Gil-Galads und Elronds sorgen für Spaß. Die Rüstungen der Spitzohren sehen fantastisch aus, Benjamin Walker glänzt als Krieger und Robert Aramayo gehört ohnehin zu den großen Gewinnern der Serie. Galadriel ist hingegen im Moment zu einer Nebenrolle verdammt, ein Umstand, der vielen von der Figur frustrierten Fans sicherlich nicht unbedingt leidtun wird.
Als Highlight des Kampfgetümmels lässt sich der toll anzusehende Angriff auf die Stadtmauern ausmachen, der am Ende in einer spannenden Schlachtszene im Durchbruch der Orks mündet, weil Durin IV seine Zwergenarmee im letzten Moment zurückziehen musste.
Legen wir einmal den Mantel des Schweigens darüber, dass auch hier viele Szenen der Schlacht um Helms Klamm nacheifern und konzentrieren uns auf die Kampfhandlungen, geschieht indes eine ganze Menge.
Rian (Selina Lo) stirbt als Heldin, Arondir unterliegt im Kampf Adar, die Mauern der Festungsstadt fallen, ein Troll stirbt lachend (warum auch immer) auf dem Schlachtfeld und Elrond fühlt sich von seinem besten Zwergenfreund verraten und verkauft. Es geht also in den letzten Minuten der Folge Schlag auf Schlag, wobei man sich fragen darf, warum das Ganze letztlich so lange gedauert hat.
Die Cliffhanger
Die Episode endet mit einigen Cliffhangern, die möglicherweise erst in der nächsten Staffel eine echte Auflösung finden. Schließlich müssen ja noch drei weitere Seasons irgendwie gefüllt werden, zumal der gesamte Númenor-Plot dieses Mal vollkommen außen vor bleibt.
Die Fragen, die sich stellen, sind folgende: Was tut Adar mit dem von Elrond eroberten Ring und wie lange wird er ihn behalten? Wie geht es mit Galadriel weiter? Wann wird Sauron endlich in den Besitz der neun Ringe gelangen? Fällt Eregion jetzt oder erst später? Wie wirken sich die Taten Durin III aus und treffen die Zwerge doch noch ein? Oder zerbricht durch das Handeln von Durin IV die Freundschaft zwischen ihm und Elrond? Das ist auf jeden Fall genug Material, um die letzten 70 bis 80 Minuten der zweiten Season zu füllen.
Fazit

Nein, wahre Freunde werden „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ und ich wohl nicht mehr. Mir persönlich ist die Serie zu langatmig, zu oft von den Filmen „inspiriert“ (um nicht zu sagen: dreist abgekupfert) und einige der Figuren laufen sinnbefreit durch Mittelerde.
Andererseits gibt es da diese tollen epischen Momente, wirklich schön geschriebene Dialoge, ein überwiegend tolles Ensemble und Szenenbilder, die sich wirklich sehen lassen können. Die Frage, die ich mir stellen muss, ist: Reicht mir das? Und da muss ich für mich resümieren, dass dem nicht so ist. Ich hatte mir so vieles gewünscht, so vieles erhofft und schwanke am Ende zwischen hin- und hergerissen und sogar enttäuscht. Das Format ist nach wie vor ein Blender, der ein überfrachtetes und mangelhaftes Storytelling mit teilweise grandiosem Bildmaterial zu übertünchen versucht. Um es einmal in Anlehnung an die (möglicherweise fiktiven) Worte des römischen Kaisers Augustus zu sagen: John und Patrick, gebt mir meinen „Herr der Ringe“ wieder...
Drei von fünf Ringen.
Verfasser: Reinhard Prahl am Donnerstag, 26. September 2024(The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x07)
Schauspieler in der Episode The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x07
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