The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x06

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Das passiert in der Folge „Wo ist er?“ der Serie „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“
In Númenor muss sich Elendil einem Gottesurteil stellen, da das angebliche Verbrechen des Hochverrats aber im Namen Míriels geschah, besteht die Königin-Regentin auf das Recht, die Strafe selbst in Empfang zu nehmen. Galadriel und Adar einigen sich darauf, dass Sauron für immer vernichtet werden muss. Statt ein Bundis zu schmieden, greift der korrumpierte Elb aber mit einer riesigen Streitmacht Eregion an, wo Meister Celebrimbor gerade an der Herstellung der neun Ringe für die Menschenkönige arbeitet. Durin III verfällt in Khazad-dûm immer mehr der von seinem Ring ausgehenden Goldgier und ist für keinen guten Rat zugänglich, bis sich Disa und Durin IV schließlich verzweifelt gegen seine Befehle stellen. Tom Bombadil rät dem Fremden in Rhûn derweil, endlich seinen Stab zu erwählen...

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Es geschieht etwas in Mittelerde
Nachdem der Mittelteil der zweiten Staffel von The Lord of the Rings: The Rings of Power stellenweise doch arg vor sich hinplätscherte und kaum tolle Momente bot, kommt nun endlich Spannung in Mittelerde auf. Um die Handlung ihren Höhepunkten entgegenzutreiben, bedienen Regisseurin Sanaa Hamri (The Wheel of Time, Empire) und das Autorengespann Payne/McKay diesmal gleich alle bisher etablierten Handlungsstränge.
Das mag bei einer Laufzeit von nur einer Stunde für die Folge schon fast zu ambitioniert wirken, gelingt aber dank der integrierten Plotpoints ausnehmend gut. Das bestätigt erneut die Vermutung, dass die Serie wahrscheinlich mit drei Staffeln zu je sechs Episoden besser gefahren wäre, da der Handlungsbogen so wesentlich gestrafft worden wäre.
Sicherlich bieten die Anhänge und die offiziell ja nicht verwendeten Werke „Das Silmarillion“ und „Nachrichten aus Mittelerde“ (inoffiziell steckt allerdings eine ganze Menge von beiden Büchern in dem Format) viel Stoff. Allein die von Brian Sibley 2022 unter dem Titel „Der Untergang von Númenor und andere Geschichten aus dem Zweiten Zeitalter von Mittelerde“ zusammengestellte Sammlung umfasst immerhin 432 Seiten. Das ist reichlich Material, das die Serienmacher irgendwie einbringen müssen.
Bedenkt man zudem, dass der Númenor-Plot nur einer von insgesamt vier ist, die am Ende zu einem großen Ganzen zusammengeführt werden wollen, ist der oben verwendete Terminus ambitioniert fast schon geschönt.
Zurück nach Eregion
Nun haben sich John D. Payne und Patrick McKay aber nun einmal für diese Struktur mit einer riesigen Anzahl von Figuren entschieden, die narrativ bedient werden wollen. Im Speziellen bedeutet das, dass es dringend Zeit wurde, an der Sehne des Spannungsbogens zu ziehen. Und genau das geschieht in Where Is He?.

Starten wir unseren kleinen Exkurs in Eregion, wo sich Celebrimbor unter dem Einfluss Saurons immer mehr darin verliert, die neun Ringe herzustellen. Charles Edwards und Charlie Vickers leisten hier als Protagonisten-Antagonistenteam einen sehr guten Job. Celebrimbor ist von seiner Arbeit besessen, aufbrausend und wirkt fahrig. Dennoch spürt man immer noch seine aus Güte entspringende Sorge um Mittelerde. Saurons Niedertracht tritt inzwischen offen zutage, von Vickers mittels kaltherzigen Lächelns, Autorität und Würde ans Publikum getragen.
Stark ist auch die Szene, in der Sauron Celebrimbor eine heile Welt in Eregion vorgaukelt, obwohl längst eine riesige Ork-Armee vor den Toren liegt und die Katapulte lädt. Endlich spürt man, wie mächtig und dunkel der Maia ist. Er kennt weder Mitgefühl noch Sympathie oder die Schönheit eines reinen Herzens. Für ihn gibt es nur die alleinige Macht, seinen Willen und die Brutalität der Sklaverei. Charlie Vickers erweckt Sauron mit einer gewissen schauspielerischen Minimalistik in der Sequenz wahrlich zum Leben, eine tolle Leistung.
Galadriel und Adar
Endlich erhält auch Adars Existenz einen Sinn, die allerdings etwas fadenscheinig damit erklärt wird, dass Sauron schließlich nicht über eine eigene Armee verfüge und er den Vater der Orks deshalb manipulieren müsse. Dass der Dunkele Herrscher seine Schergen auch einfach hätte im Verborgenen halten können, wie es in den Originaltexten impliziert wird, nehmen wir einmal als gegeben hin und freuen uns darüber, dass der Writer's Room sich zumindest um eine einigermaßen vernünftige Erklärung bemüht.
Der eigentliche Höhepunkt ist aber die Szene, in der Adar Galadriel austrickst und dem Publikum endlich ihre Unzulänglichkeiten vor Augen geführt werden. Aus dem beinahe perfekten strahlenden Racheengel wird allmählich eine Person, die die drastischen Auswirkungen ihrer Entscheidungen mitansehen muss und dadurch vielleicht zu der Elbin wird, die wir aus den Filmen kennen. Positiv wirkt sich zudem aus, dass der Handlungsstrang um die spätere Herrin des Waldes merklich zurückgefahren wurde, um den Fokus von den Figuren weg hin zu den großen Ereignissen des Zweiten Zeitalters zu lenken. In den letzten Szenen der Episode beginnt endlich der bisher toll inszenierte Angriff auf Eregion, der hoffentlich von den epischen Bildern gespeist wird, auf die wir uns von Beginn der Staffel an gefreut haben.
Am Rande erwähnt sei, dass Ismael Gruz Cordova als Arondir nur eine einzige kurze, verknüpfende Szene bekommt, in der er drei Orks mit einer Karte in der Tasche niedermachen darf. Fraglos wird der flinke und kampfgewandte Elb rechtzeitig zum großen Krieg eintreffen, um dort sein ganzes Können für das Publikum einzusetzen.
Bei den Zwergen
Der Angriff auf die Elbenhochburg ist wiederum untrennbar mit dem Schicksal der Zwerge in Khazad-dûm verbunden. Das Schauspieltrio Owain Arthur, Sophia Nomvette und Peter Mullan erweist sich erneut als Unterhaltungsgarant, das in toller Kulisse agiert und für Schauwerte sorgt. Durin III verfällt immer mehr der Goldgier. Statt der Gefahr des Untergangs aller freien Völker in Mittelerde, ist er inzwischen so sehr dem Ring ergeben, dass er in dem kommenden Krieg nur eine Einnahmequelle sieht.
Ob die Autoren bei den entsprechenden Dialogen eine Allegorie auf die weltweit steigende Bereitschaft zur Aufrüstung und waffengeführten Konflikten im Sinn hatten, ist nicht klar, die Vermutung liegt jedoch anhand der Wortwahl zumindest nahe. Als wichtigster Satz erweist sich indes die von Durin IV ausgesprochene Feststellung, dass der Ring nicht seinem Vater gehört, sondern er dem Ring. Der Moment, in dem sich der König nach der Bitte seines Sohnes weigert, das mächtige Schmuckstück abzunehmen, ist zugegebenermaßen aus der Filmtrilogie abgekupfert, nichtsdestotrotz aber wirkungsvoll.
Elendil und Míriel

Der oben kurz erwähnte Númenor-Handlungsbogen gehörte aufgrund seiner starken Vorhersehbarkeit bisher zu den schwächeren Teilen der Serie, da von vornherein klar war, dass Ar-Pharazôn der letzte König des Menscheninselreichs ist und schuld an seinem Untergang trägt. Die Darstellung Pharazôns hält sich relativ nah an das „Silmarillion“, in dem die Figur ebenfalls als machtgieriger Intrigant dargestellt. In der Episode Der Adler und das Zepter ließ er sich zum Herrscher ausrufen, nun muss er mitansehen, wie Míriel von den Valar auserwählt wird.
Das ist ein netter Twist, der allerdings nur darin münden kann, dass er die Macht zurückerlangt. Im „Akallabêth“ geschieht dies, in dem Pharazôn die Königin-Regentin zur Heirat zwingt, obwohl dies laut númenorischem Gesetz aufgrund der nahen Verwandtschaft der beiden verboten ist. Hält sich das Produktionsteam an den Originaltext, wird es spannend sein zu sehen, wie sich Elendil in diese Entwicklungen einfügt, zumal er und einige seiner Getreuen zu den wenigen Überlebenden gehören werden.
Der Fremde und Tom Bombadil

Das fünfte Teilstück der Folge befasst sich mit dem Fremden und Tom Bombadil, der den Istari sanft auf seinen Weg hin zur Macht eines Zauberers führt. Die Bedrohung, der die Hobbits ausgesetzt sind, wird nur am Rande gestreift, dennoch aber nicht vergessen, so dass man sich auch hier auf einen Höhepunkt zubewegt. Der Fremde muss seine Sorge für Nori überwinden, um in einem Wald voller vertrockneter Bäume seinen Stab zu finden. Dafür muss er sich, wie es Tom ausdrückt, von seinem inneren Feuer leiten lassen. Es ist gut möglich, dass die Szenen bereits auf die dritte Staffel abzielen, in der sich möglicherweise endlich die Identität des Istari sowie jene des Dunklen Magiers offenbaren. Man darf sich außerdem einerseits fragen, ob der Handlungsstrang um die Hobbits und ihren Begleiter nicht besser in die nächste Folge gepasst hätte, womit mehr Zeit für die anderen Figuren generiert worden wäre. Andererseits haben wir hier aber eine Folge vor uns, in der die einzelnen Stränge miteinander verknüpft werden, um das große Finale vorzubereiten. Das gelingt insgesamt dann doch wieder recht gut.
Fazit

Der Mittelteil von „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ fühlte sich wie eine lange Durststrecke an, insofern wurde es Zeit, dass die Serienmacher endlich Gas geben. „Wo ist er?“ tut genau das in einer zwar komplizierten, aber hervorragend durchstrukturierten Episode, die darauf abzielt, Figuren und Handlungsstränge zusammenzuführen und das große Finale vorzubereiten. Robert Aramamayos Elrod bleibt diesmal außen vor und wird nur kurz erwähnt, schade, aber verständlich. Die Figur der Galadriel wird angenehm zurückgefahren und das Storytelling rund am Adar wird nachvollziehbarer.
Das passt so, daher gibt es für die sechste Folge der zweiten Staffel von uns vier von fünf Ringen.
Verfasser: Reinhard Prahl am Donnerstag, 19. September 2024(The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x06)
Schauspieler in der Episode The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x06
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