The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x05

The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x05

Die fünfte Folge der zweiten Staffel von „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ erzählt die Geschichte der sieben Zwergenringe und verfolgt den Weg der Familie Durin weiter. Dabei verliert sich die Serie erneut in zu vielen Erläuterungen, ohne die Erzählung wirklich voranzutreiben.

Galadriel auf einem Szenenfoto aus der „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“-Episode „Hallen aus Stein“
Galadriel auf einem Szenenfoto aus der „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“-Episode „Hallen aus Stein“
© Prime Video

Das passiert in der Folge „Hallen aus Stein“ der Serie „Der Herr der Ringe: die Ringe der Macht“

Sauron setzt seine Manipulationskünste ein, um Celebrimbor dazu zu bewegen, nach den Elben- und Zwergenringen auch die neun für die Menschenkönige zu schmieden. Durin IV. setzt seinen Ring derweil ein, um Khazad-dûm das Sonnenlicht zurückzubringen. Er bietet den anderen sechs Herrschern an, an seiner Macht teilzuhaben, wenn diese ihn dafür mit Gold entlohnen. Adar bietet indes Galadriel ein Bündnis gegen Sauron an, doch seine Orks rücken unerbittlich gegen Eregion vor...

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Die Zwerge

Sophia Nomvete als Disa und Owain Arthur als Prince Durin IV
Sophia Nomvete als Disa und Owain Arthur als Prince Durin IV - © Prime Video

Hieße die aktuelle „Herr-der-Ringe“-Serie „Die Zwerge“ und würde sich auf dieses interessante Volk fokussieren, hätte dies wahrscheinlich zwei positive Effekte zur Folge: Erstens könnte man den Handlungsbogen wesentlich straffen und zweitens die Dichte der Spannungsspitzen erhöhen. Genau diese beiden Faktoren sind es, an denen die Serie von Anfang an krankt und die Patrick McKay und John D. Payne auch nach nunmehr dreizehn ausgestrahlten Episoden noch nicht in den Griff bekommen haben.

Im Großen und Ganzen fühlt sich die gesamte Serie bislang nämlich nach einer geradezu megalomanischen Exposition an. Ständig wird irgendein großes Ereignis angeteasert, letztlich dann aber doch wieder nur in endlos erscheinenden Dialogen vorbereitet. So auch in der aktuellen Episode Hallen aus Stein.

Immerhin: Endlich erhalten die toll gestalteten Zwerge einmal die meiste Sendezeit und sorgen für ein wenig Entwicklung. Durin IV setzt seinen Ring ein, mit dem es ihm gelingt, das Licht zurück nach Khazad-dûm zu bringen. Das Volk inklusive Durin III sind zunächst begeistert, doch schon bald offenbart sich dank des hervorragend nuancierten Spiels von Peter Mullan die Schattenseite des Erfolgs.

Es versteckt unter einem mächtigen Bart dennoch zu schaffen, das Publikum zu fesseln, ist eine tolle Leistung, die jede Würdigung verdient. Das Zusammenspiel zwischen ihm, Owain Arthur und der ebenfalls fantastischen Sophia Nomvete funktioniert so gut, dass man am liebsten den Rest der Staffel mit dem Darstellertrio verbringen möchte. Die digitalen Matte-Paintings, die Sets, die Kostüme und die Requisiten präsentieren die Welt im Berg als ebenso düsteres wie lebensfrohes und gleichsam bedrohliches Szenario.

Es hat schon etwas Dramatisches mitanzusehen, wie der König zunächst die besten Absichten für sein Volk hegt, durch das Tragen des Rings aber immer goldgieriger wird. Einerseits zeigt er Durin III seine Dankbarkeit, indem er ihm den herrschaftlichen Halsschmuck zurückgibt, andererseits gelingt es diesem aber auch nicht, zu seinem Vater durchzudringen.

Disa lässt ihn daraufhin in weiser Voraussicht schwören, den Ring niemals selbst zu tragen. Es soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass die Serienmacher hier dem Tolkien-Werk weitestgehend treu bleiben, da die Zwergenkönige den Ringen zwar nicht verfielen, aber doch eine übermäßige Goldgier entwickelten.

Im „Silmarillion“ fasst Tolkien das so zusammen: „Die Zwerge allerdings zeigten sich widerspenstig und waren schwer zu zähmen, denn schlecht fügen sie sich unter die Herrschaft anderer, und die Gedanken in ihren Herzen sind schwer zu ergründen. Auch lassen sie sich nicht in Schatten verwandeln. Nur zur Mehrung ihres Reichtums gebrauchten sie die Ringe, doch der Zorn und die überwältigende Gier nach dem Golde waren in ihren Herzen entfacht, woraus später genug Unheil erwuchs.

Der Hauptaspekt, warum der Zwergen-Plot so viel Spaß macht, liegt aber gar nicht mal unbedingt in der Nähe zu Tolkiens Werk begründet, sondern in der Authentizität, mit der sie gestaltet sind. Beide Durins sind stur, zäh und widerborstig. Durin IV hat jedoch den Vorteil, eine weise Frau an seiner Seite zu haben, die ihm mit Rat und Tat zur Seite steht, ohne übermächtig auf ihn einzuwirken.

Der Prinz hat das Herz am rechten Fleck, ist klug und kritisch und deshalb auch nicht korrumpierbar. Im Gegensatz dazu fehlt dem König der Weitblick. Sein Verhältnis zu den Elben beruht auf einem alten Zwist, er hat für keinen seiner Berater ein offenes Ohr und lässt sich aufgrund seiner fehlenden Kritikfähigkeit schnell von dem Ring vereinnahmen. In den Figuren schwingt sozusagen eine natürliche Ambivalenz mit, die gut nachvollziehbar und glaubwürdig ist.

Celebrimbor und Annatar

Von den Elben lässt sich das leider nicht behaupten, weshalb der Handlungsstrang auch weniger zugänglich ist. In fast jedem Protagonisten schwingt die Arroganz der angeblichen Allwissenheit mit, von Weisheit ist da kaum eine Spur. Sicherlich ist Überheblichkeit eine bekannte Schwäche der Elben, doch in einer langen Fantasyserie wie „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ darf man dann doch mehr Widerstände erwarten. Wenn man von jedem Konflikt von vornherein weiß, wie er ausgehen wird, lässt das Interesse an den Figuren und den jeweiligen Situationen irgendwann nach, egal wie sehr die Dialoge auch einen Spannungsbogen heraufbeschwören möchten.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Streit um das Schmieden der neun Menschenringe, dem Celebrimbor zunächst nicht zustimmt. Es ist absolut verständlich, dass die Autorinnen und Autoren den von Tolkien leer gelassenen Raum um die Ereignisse irgendwie füllen müssen. Doch einen Konflikt heraufzubeschwören, dessen Ausgang von Anfang an klar ist, ist letztlich kontraproduktiv, vor allem, wenn er sich so schnell auflöst wie in diesem Fall.

In solchen Situationen ist die Schauspielkunst von Charles Edwards und Charlie Vickers nutzlos, weil die geführten Dialoge - so hübsch sie auch geschrieben sind - handlungstechnisch verpuffen. Bricht man die Geschichte nämlich auf den Kern herunter, gibt es schlicht nicht genug Material, um insgesamt sieben Folgen (das Schmieden wurde im Finale von Staffel eins bereits eingeleitet) zu füllen. Genau das merkt man der Serie allerdings viel zu oft an. Es fehlt an Dramatik, unvergesslichen Augenblicken und Spannung.

Zurück nach Númenor

Leon Wadham als Kemen und Trystan Gravelle as Pharazon
Leon Wadham als Kemen und Trystan Gravelle as Pharazon - © Prime Video

Das gilt leider auch für den Númenor-Plot, dem die Showrunner mit dem Tod Valandils (Alex Tarrant) durch den machtgierigen, arroganten und bornierten Kemen (Leon Wadham eine dramatische Wendung zu geben versuchen. Die Szenen laufen nach dem altbekannten „Kill-your-darlings“-Schema ab, wobei die gezeigte Entwicklung allerdings viel zu früh eingeleitet wird und deshalb vorhersehbar ist.

Die Figur des Kemen hat darüber hinaus, ebenso wie jene der Eärien (Ema Horvath), eine nervige Attitüde, die mehr Ärger als Abneigung hervorruft. Das Schreiben von Antagonisten mit glaubhaften Motiven ist eine hohe Kunst, die das Einweben einer gewissen charakterlichen Ambivalenz mit einem Hauch Dysfunktionalität beinhalten sollte. Als Zuschauende wollen wir die Taten der auf dem Bildschirm agierenden Figuren verstehen und mitfühlen, auch wenn wir sie vielleicht hassen.

Das ist aber vor allem bei Kemen nicht gegeben. Die Serienmacher präsentieren mit ihm nichts weiter als einen verwöhnten Jungen, der von seinem machtgierigen Vater nicht geliebt wird und deshalb unter einem Minderwertigkeitskomplex leidet. Das ist eindeutig zu wenig, um den Untergang Númenors einzuleiten.

Der Sekunden-Twist

Kommen wir damit zum Finale von „Hallen aus Stein“, dass dem Publikum leider stolpernd vor die Füße geworfen wird. So unnötig die Figur des Adar ist, blitzt doch immer wieder durch, dass man aus der Figur durchaus etwas hätte machen können. Offensichtlich giert der korrumpierte Elb nicht nur nach Macht, sondern auch nach der Anerkennung seines Volkes in Form von Galadriel.

Zwar beginnt er soeben mit der Belagerung Eregions, doch erkennt auch, dass sein wahrer Feind Sauron ist. Um ihn zu besiegen, benötigt der jedoch Hilfe, die er sich in einem möglichen Bündnis mit der Heerführerin erhofft. Natürlich ist diese Wendung an den Haaren herbeigezogen und kann gar nicht anders als in Galadriels Flucht oder Befreiung enden.

Die Idee, Galadriel zunächst auf das Angebot eingehen zu lassen, könnte sich aber positiv auf ihre Entwicklung auswirken. Eine mögliche Option wäre zum Beispiel, sich zum Schein darauf einlassen, Adar zu töten und Sauron damit erst recht den Weg an die Macht ebnen. Auf diese Weise wäre es möglich, der Figur ihre vielen Fehler in aller Drastik vor Augen zu führen und ihre Wandlung hin der Galadriel, die man aus dem Dritten Zeitalter kennt, einzuleiten. Es bleibt abzuwarten, welchen Weg der Serienmacher hier einschlagen.

Fazit

Cynthia Addai-Robinson als Queen Regent Míriel und Lloyd Owen als Elendil
Cynthia Addai-Robinson als Queen Regent Míriel und Lloyd Owen als Elendil - © Prime Video

Warum ist The Lord of the Rings: The Rings of Power nur eine Serie mit so vielen guten Ansätzen, die in zu viel Geschwafel und Vorhersehbarkeiten versinken? Fast jede dramatische Entwicklung ist entweder abgedroschen (zum Beispiel Valandils Tod) oder zu langatmig (das Schmieden der Ringe). Echte Unwägbarkeiten oder nicht zu überwindende Hindernisse gibt es nicht oder viel zu wenig.

Der Númenor-Plot hat zudem etwas von einer Seifenoper und der Elbenstrang ist audiovisuell toll, aber irgendwie auch belanglos. Gäbe es die starken Hinweise auf die kommende Schlacht und die grandiosen Zwerge nicht, würde die Bewertung wahrscheinlich einen Punkt schlechter ausfallen.

Dank der Tatsache, dass Durin III und IV so viel Sendezeit erhielten und die Vorfreude auf ein zünftiges Elbengemetzel steigt, vergeben wir wohlwollende drei von fünf Ringen.

Verfasser: Reinhard Prahl am Donnerstag, 12. September 2024
Episode
Staffel 2, Episode 5
(The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x05)
Deutscher Titel der Episode
Hallen aus Stein
Titel der Episode im Original
Halls of Stone
Länge der Episode im Original
1 Stunde 1 Minute
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 12. September 2024 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 12. September 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Donnerstag, 12. September 2024
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 12. September 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 12. September 2024

Schauspieler in der Episode The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x05

Darsteller
Rolle
Charlie Vickers
Morfydd Clark
Charles Edwards
Owain Arthur
Daniel Weyman
Markella Kavenagh
Megan Richards
Ismael Cruz Cordova
Sam Hazeldine
Benjamin Walker
Lloyd Owen
Ema Horvath
Leon Wadham
Trystan Gravelle

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