The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x04

The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x04

Die vierte Episode der zweiten Staffel von „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ bei Amazon Prime Video wartet phasenweise mit purer Poesie und hübschen Ideen auf, hat aber auch mit gewissen Längen zu kämpfen. Wo wir diese ausmachen, verraten wir Euch in unserem Review zur Folge „Der Älteste“.

Rory Kinnear als Tom Bombadil in der Serie „The Lord of the Rings: The Rings of Power“
Rory Kinnear als Tom Bombadil in der Serie „The Lord of the Rings: The Rings of Power“
© Amazon Prime Video

Das passiert in der Episode „Der Älteste“ der Serie „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“

Elrond und Galadriel machen sich in Der Älteste der Serie The Lord of the Rings: The Rings of Power mit einer kleinen Schar auf den Weg nach Eregion, um Celebrimbor zu warnen und geraten dabei an eine Horde wütender Grabunholde. Der Fremde lernt auf der Suche nach Nori und Poppy Tom Bombadil kennen, während die beiden Hobbitfrauen Zuflucht bei der Sippe der Starren finden. Gleichzeitig suchen Isildur und Arondir in den Wäldern nahe Pelargirs nach dem verschollenen Theo.

Konzeptschwächen

Das Autoren-Trio John D. Payne, Patrick McKay und Glenise Mullins (The Continental, Star Trek: Discovery) halten sich auch in dieser Episode an die etablierte Drei-Plot-Struktur mit drei (oder zwei) Actioneinlagen und zwei Wendepunkten. Obwohl der Ansatz vornehmlich in den letzten beiden Teilen ganz gut funktionierte, wirkt die Fortsetzung der Geschichte nun aber aufgrund einiger Timing-Entscheidungen ein wenig zerfahrener.

Das liegt zum Teil daran, dass die Serienmacher die Folge mit dem Aufbruch Elronds und Galadriels nach Eregion beginnen und in fünf Minuten abhaken, während Der Fremde anschließend gute 20 Minuten Screentime erhält, die er sich mit Nori und Poppy teilt. Es folgt erneut eine rund sechsminütige Sequenz der Elben, die aber lediglich als Actioneinschub fungiert. Dem schließt sich eine zehnminütige, temporeich inszenierte Sequenz um Arondir, Isildur und Estrid an.

Von hier aus führt uns der Weg zu den Starren von Rhûn, die wir bereits kurz im „Gandalf-Abschnitt“ (wir gehen mal davon aus, der Fremde sei Gandalf) kennenlernen durften. Nur wenige Szenen später befinden wir uns allerdings im Wald von Lindon wieder und folgen einem wenig erbaulichen Dialog zwischen Galadriel und Elrond. Nach einem Schnitt erzählt die Folge „Der Älteste“ nun den Part um Arondir mit neun Minuten Laufzeit weiter und endet mit der dritten Actionszene, die erneut von Galadriel vorgetragen wird.

Inhaltliche Schwächen

Dieser skizzenartige Überblick soll einen kleinen Eindruck davon vermitteln, wie viele Baustellen die Serienmacher in 60 Minuten beliefern müssen. Dass es so schwer wird, ein wirklich rundes und vollkommen überzeugendes Bild abzuliefern, ist evident. Einerseits passiert zu viel auf wenig Raum, während andere Handlungsstränge relativ ausführlich vor dem Publikum ausgebreitet werden. Das sorgt für Unruhe sowohl in der Erzählstruktur als auch in der Schnittführung.

Den narrativen Schwachpunkt bildet dabei erneut der Bogen um Galadriel und Elrond, der die Hauptgeschichte keinen Zentimeter weiterbringt und lediglich als Actionpool dient. Immerhin gehen zwei von drei temporeichen Einschüben auf das Konto der auf dem Weg nach Eregion befindlichen Elbenschar. Welchen anderen Sinn sollte es sonst haben, dass die kleine Gruppe zuerst auf leider nicht vollends überzeugende Grabunholde trifft und Galadriel sich zum Abschluss der Folge im Alleingang mit einer Horde Orks herumschlägt?

Dass es ihr in der Szene laut Elrond lediglich um die Rettung des Rings geht, ist in Bezug auf die bisherige Charakterisierung der Figur keine allzu große Überraschung, die einer Erwähnung bedurft hätte. Nur am Rande sei übrigens erwähnt, dass dem Ring Nenya in der Serie Kräfte zugeschrieben werden, die in den Tolkien-Texten nie (oder zumindest so nie) erwähnt wurden. Die Tatsache stört aber auch nicht wirklich und führt den derzeitigen Zwist zwischen ihr und Elrond nur konsequent fort.

Bekanntermaßen bin ich kein großer Fan der Heerführerin, dennoch muss ich die Serienmacher an dieser Stelle einmal in Schutz nehmen. Viele Zuschauende haben durch die „Der-Herr-der-Ringe“-Trilogie ein recht festgefahrenes Bild von der Elbin, das in etwa auch so in der Romantrilogie transportiert wird. Arbeitet man sich aber intensiver in die Texte ein und liest das Kapitel IV namens „Teil zwei: Das Zweite Zeitalter“ aus dem von Christopher Tolkien zusammengestellten und kommentierten Kompendium „Nachrichten aus Mittelerde“, ergibt sich ein anderes Bild.

Tatsächlich wird Galadriel nämlich in „Die Geschichte von Galadriel und Celeborn und von Amroth, König von Lórien“ als stolze und sture Person bezeichnet, was recht gut zur in der Serie gezeichneten Figur passt. Allerdings lassen sich über eine gewisse Besserwisserattitüde hinaus noch andere Eigenschaften feststellen, die zu Recht bei Teilen des Publikums auf Widerstand stoßen und die einen überzogenen Eindruck hinterlassen. Dazu gehört auch, dass Galadriel nicht nur fast unbesiegbar erscheint, sondern nun auch noch dank ihres Ringes heilen kann und damit beinahe eine Art „Gottstatus“ erhält. Insofern wäre es sicherlich eine gute Idee gewesen, die Elbin weniger unnahbar zu gestalten.

Inhaltliche Stärken: über Tom Bombadil

Die große Stärke der Episode ist indes der Stranger/Nori-Plot, der einige hübsche Ideen aufweist. Der Auftritt Rory Kinnears als Tom Bombadil ist eine respektvolle Hommage an das von J. R. R. Tolkien absichtlich nie voll ausgearbeitete mächtige Wesen. Zwar könnte man monieren, dass Tom diesen Namen erst im Dritten Zeitalter von den Hobbits erhielt, und in dieser Zeit der Herr des Alten Waldes in Eriador ist. Doch zwischen den Ereignissen in der Fantasyserie und dem Dritten Zeitalter liegen rund viertausend Jahre, die dem Autorenteam viel Zeit und Raum für Interpretationen gibt.

Und warum sollte Tom als naturverbundene Entität nicht in einer einst grünen Wüste leben, um die dort noch existierenden Tiere und Pflanzen zu schützen? Im Endeffekt spielt unser bisheriges Wissen über den Ältesten für die Handlung der Serie also keine Rolle. Wichtig ist lediglich die passende und sympathische Darstellung, die obendrein der Figur des Fremden einen Schub verleiht. Der Istar lernt einige entscheidende Dinge von dem Uralten, die spannende und zauberhafte Dinge in den nächsten Folgen von The Lord of the Rings: The Rings of Power erwarten lassen.

Hobbits und Zauberer

Schön ist auch die Idee, den Hobbits mit der Einführung der Starren weiteren Background für das Zweite Zeitalter zu verleihen. Die Verbindung zwischen Harfüßen und Starren ist unterhaltsam und nachvollziehbar erzählt und verdichtet die Welt, in der wir uns bewegen. Schien Nori zunächst nur ein schlichter Sidekick für „Wahrscheinlich-Gandalf“ zu sein, entwickelt die Figur auch dank ihrer amüsant von Megan Richards gespielten Begleiterin Poppy ein interessantes Eigenleben. Die Dialoge zwischen Nori und Gundabale Earthauler (Tanya Moodie) sind schlicht, aber treffend geschrieben und enthalten wertvolle Informationen über den Werdegang der Hobbits, die sich im Dritten Zeitalter schließlich im Auenland niederlassen werden.

Eng verknüpft mit den Hobbits und dem Fremden ist eine bereits in der letzten Folge neu hinzugekommene Figur, die in der Serie nur „Der dunkle Zauberer“ genannt wird. Hier liegt die Vermutung nahe, dass es sich um Saruman handelt, und das nicht nur, weil die ihm dienenden Rhûn-Reiter das Auge des Sauron auf ihrer Kriegsflagge tragen (vergleiche hierzu die Folge Elbenkönige hoch im Licht). Auch hier verlassen die Serienmacher möglicherweise bewusst den Pfad des Bekannten, um einen gefährlichen Antagonisten und Getreuen Saurons zu kreieren, der ein adäquates Gegengewicht zum Fremden bildet.

In Anbetracht der weiteren Geschichte Mittelerdes wäre die Etablierung Sarumans jedoch relativ unlogisch, da der weiße Zauberer im Dritten Zeitalter der Vorsitzende des Weißen Rats wird. Es wird also spannend sein zu beobachten, welche Enthüllungen uns bezüglich des Dunklen Zauberers noch ins Haus stehen.

Nicht Fleisch, nicht Fisch

Am schwersten zu bewerten ist abschließend der Handlungsstrang um Arondir, Isildur und Estrid. Es ist offensichtlich, dass der Elb - wie bisher die meisten Elben - entweder zur Unterbringung poetischer Dialoge oder als Actiongarant eingesetzt wird. In diesem Fall gelingt vornehmlich zweiteres recht gut, als sich die drei Figuren auf die Suche nach Theo begeben und auf einen „Riesenwurm“ treffen. Technisch betrachtet und auf den Unterhaltungswert bezogen ist die Szene besser gemacht als jene Galadriels gegen die Unholde und macht daher Spaß, ist aber ebenfalls für die eigentliche Geschichte unnötig.

Dennoch braucht es solche Einlagen, um das Tempo zu steigern und für Schauwerte zu sorgen, die für eine Serie wie diese definitiv wichtig sind. Ansonsten gehört das Zusammentreffen mit den allseits beliebten Ents fraglos zu den Highlights der Episode, auch wenn es sich hier letztlich um reinen Fanservice handelt. Welche Funktion Theo einnimmt, erschließt sich indes immer noch nicht, weshalb sich die berechtigte Frage stellt, was das Produktions-Team abseits der weiteren Positionierung von Arondir nun eigentlich vorhat. Auch wird nicht klar, warum das Autorentrio Isildur erst eine Liebesgeschichte andichtet, nur um diese anschließend gleich wieder platzen zu lassen. Füllmaterial? Oder bewegen wir uns auf eine intensive Verbindung der beiden zu, die den Númenorer reifen und zum Anführer werden lässt?

Fazit

Die Episode „Der Älteste“ hat ihre schönen Momente und Schauwerte, will aber zu viel und wirkt daher erzählerisch und schnitttechnisch unrund. Der Plot um Galadriel bringt uns genauso wenig weiter wie jener um Arondir, während der Löwenteil dieses Mal eindeutig auf den Schultern der Hobbits und des Fremden ruht. Einige Dialoge klingen wie pure Poesie, sind dafür aber auch relativ schamlos aus dem Filmen abgekupfert. Andererseits erwartet man als Mittelerdefan auch ein bestimmtes, die Immersion steigerndes Vokabular.

Dem Wunsch trägt der Writer's Room eindeutig Rechnung, wobei mir manchmal ein wenig das Eigenständige fehlt, das mich in Episode drei noch so begeistert hat. Alles in allem ist das Gesamtergebnis nicht schlecht, aber eben auch nicht so gut wie die Vorgänger.

Wir vergeben daher: dreieinhalb von fünf Ringen.

Verfasser: Reinhard Prahl am Donnerstag, 5. September 2024
Episode
Staffel 2, Episode 4
(The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x04)
Deutscher Titel der Episode
Der Älteste
Titel der Episode im Original
Eldest
Länge der Episode im Original
1 Stunde 6 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 5. September 2024 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 5. September 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Donnerstag, 5. September 2024
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 5. September 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 5. September 2024

Schauspieler in der Episode The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x04

Darsteller
Rolle
Charlie Vickers
Morfydd Clark
Charles Edwards
Owain Arthur
Daniel Weyman
Markella Kavenagh
Megan Richards
Ismael Cruz Cordova
Lloyd Owen
Sam Hazeldine
Benjamin Walker
Trystan Gravelle
Ema Horvath

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