Star Trek: Lower Decks 2x01

© Paramount+
Eröffnungssequenz
Noch ehe die Opening Credits laufen, befinden wir uns in einem neuen Abenteuer. Doch nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Offenbar ist Mariner (Tawny Newsome) von Cardassianern entführt worden und soll nun verhört und ein bisschen gefoltert werden. Aber weshalb trägt sie ein sportliches Outfit und weshalb spricht sie ständig von ihrer Mutter Captain Freeman (Dawnn Lewis)? Die Auflösung liefert Boimler (Jack Quaid), der sich ebenfalls in Gefangenschaft befindet und als Hologramm bezeichnet.
Richtig, wir folgen hier „nur“ einer Trainingssequenz auf dem Holodeck, die plötzlich unterbrochen wird und uns wie Mariner zurück in die „Realität“ holt. Aber nicht, ohne uns auf das kommende Abenteuer vorzubereiten, welches vordergründig einen zweiten Kontakt mit den Apergosianern bereithält, leicht tiefer geblickt aber das neue Verhältnis zwischen Freeman und Mariner thematisiert, mit welchem beide offenbar nicht ganz glücklich sind. Und Boimler hat sich nicht einmal von Mariner verabschiedet, als er zur USS Titan aufgebrochen ist. Ein Unding, was direkt angesprochen wird.
Die Eröffnungssequenz wirft uns somit direkt mit einem kleinen Twist ins Geschehen, wie es einst auch Second Contact (wenn auch ein wenig kürzer) gemacht hat. Gleichzeitig wird uns aber kurz ins Gedächtnis gerufen, was im ersten Staffelfinale passiert ist, sowie die Thematik vorgegeben und Mariners Gemütszustand aufgezeigt, der wie gewohnt Auswirkungen auf andere Besatzungsmitglieder haben wird. Ein schöner Start, dem nach den Opening Credits das eigentliche Abenteuer folgen soll.
Second Contact, die zweite
Captain Freeman gewährt ihrer Tochter eigene, kleine Missionen, die sie unabhängig vom Rest des Außenteams absolvieren darf. Dass ein Commander Ransom (Jerry O'Connell) darüber nicht glücklich ist, versteht sich von selbst - steht er doch zu Beginn unbemerkt im Raum und wartet auf seine Befehle. Später auf dem Planeten führt uns Mariners Putzaktion in die Krise der Woche, denn sie legt neben hinter Schmutz versteckten Malereien einen Apparat frei, der Ransom mit seltsamer Energie versorgt, welche ihn zu einem Gary Mitchell (Gary Lockwood) werden lässt.
Autor und Serienschöpfer Mike McMahan kann sich im Auftakt der zweiten Staffel richtig austoben. Er nimmt die neue Mutter-Tochter-Beziehung zum Anlass, um das Außenteam und schließlich auch die USS Cerritos in ein absurdes Abenteuer zu werfen. Als Referenz dient die dritte Folge der ersten Staffel Star Trek, Where No Man Has Gone Before (dt.:„Die Spitze des Eisberges“), welche nach „The Cage“ (dt.:„Der Käfig“) als zweiter Serienpilot produziert wurde. Wer die Folge gesehen hat, dürfte sich auch nicht über die vorgeschlagene Lösung von Dr. T'Ana (Gillian Vigman) wundern, die einen Felsbrocken involviert. Glücklicherweise folgt Commander Ransom aber nicht dem Schicksal eines Gary Mitchell.
Ich persönlich hatte jedenfalls jede Menge Spaß mit der Außenmission und habe mehr als einmal laut gelacht. Zwar hat es auch ein wenig geschmerzt, als Ransom die Tritte in seine „neutrale Zone“ bekommen hat (das waren einfach ein paar zuviel) und irgendwie habe ich Stevens (Ben Rodgers) weniger unterwürfig in Erinnerung. Aber insgesamt und auch mit Blick auf die Konsequenzen für Mutter und Tochter, die realisieren, dass die aktuelle Vorgehensweise im Grunde genommen beiden nicht zusagt, funktioniert das Abenteuer fast perfekt.

Tendi und Rutherford
In der Nebenhandlung diagnostiziert Tendi (Noel Wells) Rutherford (Eugene Cordero) mit SMD (Synthetic Memory Degradation, dt.:„SGS, Synthetik-Gedächtnis-Schwund“), nachdem dessen Vorlieben sich verändert haben, was auf die Ereignisse im ersten Staffelfinale zurückzuführen ist. Sie möchte ihrem Freund helfen und geht dabei immer extremer vor, hat es schließlich auf Rutherfords Gehirn abgesehen, welches sie sich kurz borgen möchte. Augenscheinlich ist Tendi eifersüchtig auf Barnes (Jessica McKenna), mit der Rutherford nun bereits ein drittes Date hat, obwohl er Barnes vorher ebenso wenig mochte wie Birnen. Doch mit dieser Annahme sind wir auf dem Holzweg, denn Tendis Angst rührt daher, dass Rutherford möglicherweise die Freundschaft mit ihr beendet.
Auch die Nebenhandlung nimmt absurde Züge an und erhält schließlich eine absurde, aber doch herzliche Lösung, die alles gut werden und die Charaktere ein Stück weit wachsen lässt. Aber irgendwie hat mich das nicht so ganz abgeholt und wirkte mit jedem weiteren, extremeren Schritt, den Tendi anvisiert, mehr gekünstelt. Keine Ahnung, wie ich das ausdrücken sollte, aber die Direktheit von Commander Ransom, der in seinem gottähnlichen Zustand Freeman und Mariner alles an den Kopf wirft, was ihm zu schaffen macht, fehlte mir hier die meiste Zeit.
Und Boimler?
Boimler habe ich vermisst, outet er sich doch in der Eröffnungssequenz direkt als Hologramm und erhält auf der USS Titan nur etwas mehr Screentime, als bereits im Trailer zur zweiten Staffel zu sehen war. Die Freude über den kleinen Gastauftritt von Jonathan Frakes als Riker kann jedenfalls nicht darüber hinwegtäuschen, dass Boimler viel besser bei seinen Freunden aufgehoben ist. Und die heißen Mariner, Rutherford und Tendi.
Ich bin zwar gespannt auf das derzeitige Abenteuer, welches Boimler an Bord der Titan erlebt - davon wird es sicher noch mehr zu sehen geben. Aber früher oder später müssen unsere vier Hauptfiguren wieder zusammenfinden. Denn gerade die gemeinsamen „Missionen“ von Boimler und Mariner machten mir in der ersten Staffel am meisten Spaß und werden jetzt schon vermisst.
Fazit
Ein gelungener Auftakt zur zweiten Staffel. Ich habe Boimler zwar über weite Strecken vermisst und bei der Nebenhandlung um Tendi und Rutherford fehlte mir ein wenig was, aber die Haupthandlung mit der Außenmission hat gesessen. Ich würde vier von fünf Sternen vergeben. Und ihr?
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Verfasser: Christian Schäfer am Samstag, 14. August 2021Star Trek: Lower Decks 2x01 Trailer
(Star Trek: Lower Decks 2x01)
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