American Horror Story 5x12

Wäre es nicht so bedauerlich, wäre es glatt beeindruckend, wie zielsicher die FX-Gruselserie American Horror Story in jeder Staffel aufs Neue die Landung vermasselt. Ich begleite die Dramedy seit der zweiten Staffel mit Reviews und mit einer Ausnahme kassierten diese Abschlussepisoden stets die schlechtesten Wertungen. Für das Ende der fünften Staffel hatte ich deshalb große Hoffnung - auch weil diese Staffel seit der zweiten die beste war. Leider wurde diese Hoffnung in Be Our Guest enttäuscht.
It was supposed to be the perfect ending
Wie frühere Staffelfinals dient diese Episode als Epilog, deren Inhalt aber so nichtssagend und uninteressant ist, dass man nichts verloren hätte, würde es sie nicht geben. Nach der endgültigen Umwandlung von Elizabeth (Lady Gaga) in eine geisterhafte Dauerbewohnerin des Cortez haben Iris (Kathy Bates) und Liz Taylor (Denis O'Hare) den Laden übernommen. Sie wollen das Hotel ins 21. Jahrhundert katapultieren - mit echter ägyptischer Baumwolle, einem weniger blut- und spermadurchtränktem Teppich und freiem W-Lan. Hierzu muss aber endlich auch das Töten aufhören, weshalb sie ein Meeting mit den ansässigen Geistern einberufen.
Das ist ganz amüsant, aber völlig belanglos - genau wie die nachfolgenden Ereignisse. Sally (Sarah Paulson) und Will Drake (Cheyenne Jackson) verweigern sich dem neuen Masterplan, weshalb sich die beiden Reformer alternative Pläne ausdenken müssen. Für Sally gestaltet sich das leichter als erwartet. Iris schenkt ihr einfach ein Smartphone mit bereits eingerichteten Social-Media-Accounts, woraufhin sie sich im weltweiten Netz der Aufmerksamkeiten verliert, was ihr so gut gefällt, dass sie sogar den Drogen entsagt. Will Drake wird indes mit der Aussicht auf neue und reaktivierte Geschäftstätigkeiten abgespeist.
Soweit läuft das Unterfangen wie geschmiert. Im Leben von Liz fehlt aber trotzdem etwas. Sie vermisst Tristan (Finn Wittrock) so sehr, dass sie untröstlich bleibt. Iris sucht deshalb die aus der ersten Staffel bekannte Hellseherin Billie Dean Howard (Sarah Paulson) auf. Die stellt Kontakt zu Tristan her, kehrt aber mit schlechten Nachrichten zu Liz ins Diesseits zurück: Ihr ehemaliger Geliebter habe ihr nichts zu sagen. Von Donovan hat Billie indes Erfreuliches zu berichten - ihr gegenüber wiederholt er noch einmal, was er seiner Mutter Iris bereits im Sterben offenbart hatte: „I love you, mom.“

Der Gram über den Tristan'schen Affront scheint verflogen zu sein, als Liz die frohe Botschaft erhält, Großmutter zu werden. Die nächste schlechte Nachricht lässt jedoch nicht lange auf sich warten: Liz erkrankt unheilbar an Krebs. Bald darauf findet sich aber auch dafür eine annehmbare Lösung: Liz beschließt, sich als Geist unter ihre Cortez-Familie zu mischen („I wanna be with you forever“). Für die entsprechende Zeremonie kehrt sogar Elizabeth zurück, die ihre abermalige Wiederauferstehung bis dahin geheimgehalten hatte.
Love kills
Das war es aber noch nicht mit den unerwarteten Rückkehrern. Zur allergrößten Freude von Liz taucht auch ihr Liebhaber Tristan wieder auf, der sich mit dem Hinweis entschuldigt, sie habe noch leben und nicht von einem Grufti wie ihm heruntergezogen werden sollen: „You had more living to do.“ Nun macht die Serie den mittlerweile obligatorischen Zeitsprung im Staffelfinale, der uns in die Devil's Night des Jahres 2022 teleportiert. Dort ärgern sich Iris und Ramona (Angela Bassett) darüber, was die Medienpräsenz der erfolgreichen Fernsehmacherin Billie Dean aus dem Cortez gemacht hat - eine Pilgerstätte für alle Freunde des morbiden Grusels.
Um die Kameras von dort zu verscheuchen, engagieren sie John (Wes Bentley), der mittlerweile seine lebende Tochter Scarlett (Shree Crooks) in ein Internat geschickt hat und mit der übrigen Vampirfamilie zurück ins Hotel gezogen ist. Er lädt Billie also zur Devil's Night ein - ebenjene Nacht, der er in der gleichnamigen Episode beigewohnt hatte. Dieses Mal bezweckt James Patrick March (Evan Peters) mithilfe seiner Massenmörder-Bagage jedoch nicht die Aufnahme eines neuen Mitglieds, sondern das Fortjagen der Geisterflüsterin. Wenig überraschend gelingt das auch - nun kann John wieder in Ruhe schlafen und Elizabeth auf Menschenjagd gehen.
Wie keine Episode dieser größtenteils gelungenen fünften Staffel offenbart Be Our Guest, wie schnell dem Autorenteam am Ende die Ideen ausgegangen sind. Im Finale müssen sie also tatsächlich auf eine Figur aus der ersten Staffel zurückgreifen, die seitdem kein einziges Mal aufgetreten ist. In der gleichen Kategorie spielt die plötzlich wiederentdeckte Sehnsucht von Liz nach Tristan oder das erneute Engagement von JPMs mordlustigen Freunden. Weil das alles mit einem guten Soundtrack unterlegt ist und Denis O'Hare eine weitere schauspielerische Glanzleistung abliefert, will ich in meiner Bewertung nicht ganz so harsch sein wie bei früheren Staffelfinals. Eine gute American Horror Story-Episode ist das hier aber bei weitem nicht.
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 14. Januar 2016American Horror Story 5x12 Trailer
(American Horror Story 5x12)
Schauspieler in der Episode American Horror Story 5x12
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