American Horror Story 5x11

Die FX-Gruselanthologie American Horror Story hat in dieser fünften Staffel eine positive Entwicklung durchgemacht, weshalb ich für die letzten beiden Episoden von meiner Herangehensweise der „fünf größten WTF-Momente“ abkehren und wieder klassische Reviews schreiben will. Die Entscheidung für WTF-Recaps hatte ich nach der zweiten Episode, Chutes and Ladders, getroffen, weil mir die Serie nur noch vorkam wie eine Aneinanderreihung kaum zusammenhängender Schockmomente.
It's okay, mommy
Die jüngsten dramaturgischen Entscheidungen von Ryan Murphy, Brad Falchuk und Konsorten sind nun zwar keine Glanzbeispiele erzählerischer Kohärenz, bringen jedoch etwas in die Serie zurück, was ich seit langer Zeit vermisst habe - nachvollziehbare menschliche Emotionen. Und auch wenn die Episode Battle Royale mit ebendiesen Emotionen wahrlich dick aufträgt, so schafft sie es doch, ein Gefühl der Verbindung zwischen Zuschauer und Figuren herzustellen, wie es (bei mir) seit der zweiten Staffel keine mehr vermochte.
Gleich am Anfang servieren uns Drehbuchautor Ned Martel und Regisseur Michael Uppendahl eine Szene von großer emotionaler Präsenz. Mit Schrecken muss Hotelmanagerin Iris (Kathy Bates) darin feststellen, dass nicht nur Countess Elizabeth (Lady Gaga) zum Ziel ihres Überraschungsangriffs wurde, sondern auch ihr eigener Sohn Donny (Matt Bomer), zu dem sie eine furchtbar komplizierte, von gegenseitiger Schuldzuweisung geprägte Beziehung pflegt. Im Sterben liegend, bringt er gerade noch seinen letzten Wunsch hervor - nicht im Hotel seinen letzten Atemzug zu tätigen.
Unter Einsatz all ihrer mütterlichen Fürsorge und mit der Hilfe von Barkeeperin Liv Tyler (Denis O'Hare) hievt Iris ihren sterbenden Sohn auf die Straße, wo er seine letzten Worte spricht, die für sie nach Erlösung klingen: „Thank you, mom.“ Die Themen Mutterschaft und Verlassenwerden ziehen sich wie ein roter Faden durch die Episode, was ebenfalls eine spürbare dramaturgische Konzentration nach sich zieht. Im Schock über den Anschlag durch zwei ihrer ehemals Vertrauten beschließt Elizabeth, dem Cortez für alle Ewigkeit den Rücken zu kehren - und in diese Ewigkeit nur ihren Sohn mitzunehmen.

So einfach ist es jedoch nicht, denn es gibt mittlerweile mehrere Gegenspieler, die ein gesteigertes Interesse an ihrem Tod oder ihrem Verbleib im Hotel haben. Zunächst wird Elizabeth jedoch von Sally (Sarah Paulson) verarztet, die uns mittels einer Rückblende ins Jahr 1993 erhellt, warum sie nicht schon wieder verlassen werden will. Auch hier nimmt sich die Serie ihr offensichtliches Vorhaben zu Herzen, sämtlichen Subtext wiederholt in Text zu verwandeln, was angesichts der übertrieben stilisierten Umsetzung des Formats keine nachhaltigen negativen Auswirkungen hat.
Dinner is served
Im Tausch gegen frisches Vampirblut fordert Sally von der Gräfin Hilfe bei ihrem Ansinnen, John (Wes Bentley) für immer ans Hotel zu fesseln. Der ist gerade damit beschäftigt, seinen brüchigen Familienfrieden gegen die drängenden Fragen seiner Tochter Scarlett (Shree Crooks) zu verteidigen, wird dann aber von Sally und James Patrick March (Evan Peters) zurück ins Cortez gezwungen. Letztgenannter ist das einzige Mitglied der Fraktion „Elizabeth für immer im Hotel“, weshalb er John den Auftrag zum Mord an seiner Liebsten erteilt.
Und als wären das nicht schon genug Probleme, um der Countess üble Kopfschmerzen zu bereiten, braut sich an anderer Front weiteres Ungemach zusammen. Nach dem Tod ihres Sohnes und der sehr unzeremoniellen Verteilung seiner Asche fasst Iris neuen Mut im Kampf gegen ihre Erzfeindin. Gemeinsam mit Liv fasst sie den Plan, Ramona (Angela Bassett) aus ihrem royalen Bunker zu entlassen, um sie auf Elizabeth hetzen zu können. Die ist nach tagelangem erzwungenem Fasten jedoch in einem ähnlich schlechten körperlichen Verfassung wie ihre ehemalige Liebhaberin und jetzige Todfeindin.
Also müssen sich Iris und Liv auf Futtersuche machen, die sie allerdings nicht weiter als in die Hotellobby treibt. Dort wartet eine alte Bekannte darauf, endlich ihre Zimmerschlüssel in Empfang nehmen zu können. Die mit Voodookräften ausgestattete Hexe Queenie (Gabourey Sidibe) aus der dritten Staffel plant, bei der Spielshow The Price Is Right (zu deutsch: „Der Preis ist heiß“) den großen - und manipulierten - Reibach zu machen. Allzu weit kommt sie damit jedoch nicht - sie fällt den unwissentlichen Co-Verschwörern JPM und RR zum Opfer: „You may be a witch, but I'm a ghost.“

Geist schlägt Vampir schlägt Hexe - dieser wacklige Dreisatz lässt sich in der großen Hotelrechnung mit viel Wohlwollen aufmachen. Nachdem sich Ramona also sattgefressen hat, schmeißt sie ein elegantes Abendgarderobenteil von Liv über - warum, weiß niemand so genau - und stolziert in ihre vermeintlich letzte Schlacht. Von Elizabeth wird sie jedoch mit maximaler Gelassenheit empfangen - ihre Macht geht eben nicht nur von ihren übernatürlichen Kräften aus, sondern zu einem großen Teil auch von ihrer betörenden Verführungstaktik.
I am a curse
Es dauert nur wenige Augenblicke, bis sie Ramona abermals um ihren Finger gewickelt und ihr das Versprechen abgenommen hat, das Cortez lebend verlassen zu können. Eine Variable hat die Gräfin jedoch außer Acht gelassen - die obsessive Versessenheit ihres Ehemannes damit, sie um jeden Preis für alle Ewigkeit an sein Hotel zu binden. John erledigt das für ihn mit ein paar einfachen Pistolenschüssen - und einer weniger einfachen Enthauptung. Der Ex-Polizist hat nun all seine ihm aufgetragenen Ten Commandment Kills erledigt, was eigentlich bedeutet, dass er ein freier Mann ist.
Sally hat jedoch andere Pläne, über deren letztendlichen Ausgang wir wohl erst im Finale erfahren. Eine bedrückende - und in mehrfacher Hinsicht bewegende - Szene später präsentiert uns die lustlose Gräfin, die nun erkannt hat, welches Schicksal ihr blüht - die Ewigkeit als Geist im Hotel, an der Seite ihres Ehemannes, den sie nicht liebt. Wenig Trost ist es denn wohl auch, dass sie dieses Schicksal mit Miss Evers (Mare Winningham) teilt, die als Reaktion auf ihre Lebensbeichte mit Verbannung durch ihre große Liebe JPM bestraft wird.
Die emsige Haushälterin („Post mortem excrement is the biggest stain challenge of them all“) fungierte bislang größtenteils als comic relief-Figur, schafft es aber hier, innerhalb weniger Momente einen emotionalen Fußabdruck zu hinterlassen. Mehr Vorarbeit wurde da schon in der Mutter-Sohn-Beziehung zwischen Iris und Donny geleistet, was sich gleich zu Beginn der Episode auszahlt. Die fünfte Staffel von American Horror Story ist aus qualitativer Sicht eine wahre Achterbahnfahrt, besinnt sich zum Ende aber auf das, was die meisten Geschichten zum Leben erweckt - emotionale Beziehungen und Konflikte zwischen Menschen (und Monstern). Deshalb ist Battle Royale für mich - trotz ausbleibender Schlacht - der bisherige Höhepunkt dieser Staffel.
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 8. Januar 2016American Horror Story 5x11 Trailer
(American Horror Story 5x11)
Schauspieler in der Episode American Horror Story 5x11
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