American Horror Story 4x03

Zu Beginn der neuen Episode der vierten Staffel von American Horror Story folgen wir den beiden angeblichen Wissenschaftlern „Dr. Hemmings“ (Denis O'Hare) und „Ms. Rothchild“ (Emma Roberts) in eine Ausstellung des American Morbidity Museum. Dort versuchen sie erfolglos, der Museumsleitung einen Fötus des Fabelwesens Sasquatch anzudrehen. Von der in finanziellen Nöten steckenden Museumsdirektorin bekommen sie schließlich den Hinweis, dass es in Florida eine Freakshow gebe, für deren Ausstellungsteile sie gutes Geld bezahle.
They were losers in life
Der Plan der beiden Hochstapler sieht nun vor, sich Zugang zu Elsas Zirkus zu verschaffen. Während sich Denis O'Hare mit einem Callboy vergnügt und dabei etwas Verwirrendes an seinem Unterleib preisgibt, infiltriert Emma Roberts die Freakshow. Sie gibt sich beim Vorsprechen vor Elsa (Jessica Lange) als Wahrsagerin Esmeralda aus und hat gleich bei ihrem ersten Versuch Erfolg. Die nötigen Zutaten sind bequemerweise in Elsas Zelt ausgestreut, so dass es Esmeralda ein Leichtes ist, sich schnell ein Bild von der Vergangenheit der verhinderten Sängerin zu machen.
Elsa ist inzwischen so verzweifelt und desillusioniert, dass sie wohl jedem Glauben schenken würde, der ihr eine glänzende Zukunft prophezeit. Entgegen eindringlicher Warnungen ihrer Kollegen nutzt sie an Halloween die wiedergefundene Hoffnung, um neue Songnummern einzustudieren. Zuvor gerät sie mit Dot (Sarah Paulson) aneinander, weil die sich dank des Auftritts in Massacres and Matinees neuem Selbstbewusstsein erfreut und nun den Platz als Star des Abends für sich beansprucht.
Elsa vertreibt den Doppelkopf daraufhin von der Bühne und kommandiert die übrigen Mitglieder der Freakband, die Hintergrundmusik zu ihrer Interpretation des Lana-del-Rey-Songs „Gods and Monsters“ beizusteuern. Dabei kommt es, wie zuvor von Ethel (Kathy Bates) angekündigt: Elsa beschwört die Geister von Edward Mordrake (Wes Bentley) und seiner Begleiter herauf.
Mordrake ist ein ganz besonderer Freak. Auf seinem Hinterkopf trägt er ein zweites Gesicht, das ihn einst in den Wahnsinn trieb und dazu veranlasste, an Halloween alle Mitglieder seiner Freakshow zu ermorden, nachdem es ihm zuvor nicht gelungen war, sein zweites Ich auszumerzen. Nun erscheint er nicht nur Elsa und den Bandmitgliedern, sondern auch Ethel. Ihr deutet er, Platz zu nehmen und wahrheitsgemäß aus ihrer Vergangenheit und von ihren dunkelsten Geheimnissen zu berichten.
If you lie, it will know
Was er dabei erfährt, soll wohl schockieren, konnte mir aber nicht mehr als ein müdes Schulterzucken entlocken. Ethel hatte einst Erfolg als Hauptattraktion einer Bühnenperformance. Ihr damaliger Partner und Freund Dell (Edward Gelhaus) wollte die Idee nach Europa exportieren, was jedoch gründlich schiefging. Auf dem Rückweg nach Amerika wurde Ethel von Dell schwanger, was der sogleich ausnutzte, um aus der Geburt ihres Sohnes Jimmy ein Event zu machen, die Live Freak Birth. Keine Ahnung, ob es in den späten zwanziger, frühen dreißiger Jahren wirklich Leute gegeben haben könnte, die Geld dafür bezahlt hätten, einer Frau bei der Geburt ihres Kindes zuzuschauen. Jedenfalls fiel dieser billige Schockmoment bei mir völlig flach.
Schon vorher hatten wir die Bestätigung bekommen, dass Jimmy der Sohn von Dell (Michael Chiklis) ist. Ethel deutet ihrem ehemaligen Liebhaber jedoch, gegenüber Jimmy kein Wort über seine Vaterrolle zu verlieren - ein sicheres Anzeichen dafür, dass Jimmy wohl bald davon erfahren wird. Dell und Ethel ertränken währenddessen jeweils ihre eigenen Sorgen im Alkohol. Dell schafft es seit längerer Zeit nicht mehr, seine Freundin „Triple-Tits“ Desiree (Angela Bassett) zu befriedigen - Ethel hat die ernüchternde Nachricht erhalten, dass sie wegen einer Leberzirrhose wohl nur noch höchstens ein Jahr zu leben habe.
American Horror Story gibt sich in seiner vierten Staffel bislang alle Mühe, überall Tristesse zu verbreiten - so auch im Handlungsstrang um Twisty (John Carroll Lynch) und Dandy (Finn Wittrock). Der verwöhnte Bengel regt sich furchtbar über das Kostüm auf, das ihm Haushälterin Nora (Patti LaBelle) genäht hat. In Eigenarbeit bastelt er daraus ein Clownskostüm und tritt Nora mit erhobenem Messer entgegen. Sie lässt diese drohende Geste jedoch kalt. Völlig abgebrüht fordert sie den Geistesschwachen dazu auf, sie zu erstechen. Er bringt es natürlich nicht über sich.
Zuflucht findet er einmal mehr bei Twisty, seinem Verbündeten im Geiste. Der macht sich zuvor an Halloween auf die Suche nach neuen Opfern und findet eines in Form des fiesen Bruders eines kleinen Mädchens, das furchtbare Angst vor Clowns hat, von seiner Mutter deswegen aber nicht ernst genommen wird. Dandy hat da schon einen weiteren erfolglosen Mordversuch hinter sich gebracht, freut sich aber über neues Anschauungsmaterial.
I was the joke
Sein Jubel - „More fun!“ - trifft indes nur auf ihn zu - nicht auf mich. Ja, American Horror Story sieht gut aus und darf sich einer anspruchsvollen visuellen Umsetzung erfreuen. Viel mehr ist momentan aber leider nicht vorzufinden. Es gibt keine Figur, die als Held taugen würde, geschweige denn eine, der man irgendwie Sympathie entgegenbringen könnte. Alle sind ständig fies oder wütend oder durchgeknallt oder gemein oder all das zusammen.
Außerdem fehlt dieser Erzählung ein ordentlicher Plot. Momentan hangelt sich die Geschichte noch von einer neuen Charaktereinführung zur nächsten. Dazwischen gibt es eigentlich nur Figuren, die eifersüchtig auf andere sind oder ihnen etwas antun wollen. Warum das so ist, erfahren wir nicht. Und wenn dann einmal der Versuch gestartet wird, die Vorgeschichte eines Charakters (in diesem Falle Ethel) zu beleuchten, endet dies in einer solch abstrusen Szene wie der Freakgeburt.
Bei einigen Szenen in Edward Mordrake (1) musste ich dennoch schmunzeln, einmal sogar laut auflachen. Da taucht Nora in einem Kostüm von Woody Woodpecker auf, weil der Specht Dandys liebste Comicfigur ist. Nora ist derzeit die einzige Figur, mit der ich etwas anfangen kann. Sie gibt all dem Wahnsinn, dem Ryan Murphy einmal mehr keinen Einhalt gebietet, wenigstens einen Rahmen. Ich habe zwar keine Ahnung, wo diese Geschichte noch hinführen soll. Solange aber Nora ein Teil von ihr ist, bleibt mein Interesse bestehen.
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 23. Oktober 2014(American Horror Story 4x03)
Schauspieler in der Episode American Horror Story 4x03
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