American Horror Story 3x12

Gegen Ende der neuen Staffel nimmt American Horror Story noch einmal Fahrt auf. In der neuen Episode sterben die drei zentralen Charaktere Delphine LaLaurie (Kathy Bates), Marie Laveau (Angela Bassett) und Fiona Goode (Jessica Lange). Natürlich können wir uns nicht sicher sein, ob sie zum Staffelfinale nicht doch wieder auftauchen. Die Serie täte jedoch gut daran, wenn sie die abscheulichsten ihrer Figuren nun endlich in der Hölle schmoren lassen würde. Glaubwürdigkeit würde sie dadurch freilich nicht zurückgewinnen, es würde lediglich dazu beitragen, sie nicht endgültig ins Lächerliche zu ziehen.
Welcome to hell
Die Probleme von „AHS“ bleiben indes weiter bestehen. Die Handlung kann sich einfach nicht entscheiden, wie sie die Zeit bis zur finalen Konfrontation sinnvoll überbrücken soll. Deshalb musste bisher auch jeder Charakter mindestens einmal sterben oder verschwinden - nur um kurze Zeit später wieder aufzutauchen. So ist es denn auch überhaupt keine Überraschung, als Zoe (Taissa Farmiga) wieder bei Miss Robichaux's einmarschiert, so nonchalant und selbstverständlich, als sei sie nie weg gewesen. Die Begründung ist so lapidar wie vorhersehbar: „I came back because I'm clearly the next ,Supreme'.“
Wieder stellt sich dabei die Frage: Wieso? Warum? Woher kam die plötzliche Erkenntnis? Weil sie einen Obdachlosen ins Leben zurückgeholt hat, nachdem FrankenKyle (Evan Peters) ihn ohne ersichtlichen Grund ermordet hatte? Mittlerweile verfügen ja sämtliche Junghexen über die meisten Fähigkeiten, die zur Ausrufung als neue „Supreme“ vonnöten sind. Madison (Emma Roberts) kann sich plötzlich durch den Raum teleportieren, die Fähigkeit ist ihr nach eigener Aussage einfach so zugefallen. Seit mehreren Episoden wissen die Autoren schon nicht mehr, was sie mit der verzogensten aller Nachwuchshexen anfangen sollen.
Mein Tipp für die nächste Hexenanführerin fällt indes auf Queenie (Gabourey Sidibe). Nicht umsonst erfuhr sie in den vergangenen Episoden die eingehendste Charakterisierung. Außerdem führte sie in Go to Hell mehrere der sieben relevanten „Wunder“ vor, die die nächste „Supreme“ beherrschen muss. In einer schönen Sequenz reist sie mit der Hilfe Papa Legbas (Lance Reddick) in ihre ganz persönliche Hölle. Darin arbeitet sie als Bedienung in genau dem Detroiter Fast-Food-Restaurant, aus dem sie erst kürzlich nach New Orleans entflohen war.

Zurück in ihrem irdischen Dasein beschließt Queenie, dass sie die eigentlich unsterbliche Delphine umbringen will. Papa Legba erklärt ihr, dass dies nur funktioniere, wenn sie diejenige Person, die Delphine die Unsterblichkeit verliehen hat, ebenfalls umbringe: Marie Laveau. Die ist bekanntlich ebenso unsterblich, was Queenie jedoch dadurch umgeht, dass sie Papa Legba davon überzeugt, seinen „Unsterblichkeitsvertrag“ mit Laveau aufzulösen. Überraschend schnell lässt sich der koksende Kabatrinker (waren das Marshmallows in seinem Heißgetränk?) von Queenies Logik überzeugen. Delphine und Marie landen in der Hölle, gemeinsam mit LaLauries Töchtern. Warum die in der Hölle schmoren - wer weiß das schon?
No one gets away with sin
So amüsant all diese Storylines auch sind, so eklatant zeigen sie die Schwächen der dritten Staffel auf. Ich finde keinen Gefallen mehr daran, dass sämtliche aufgestellten „Regeln“ ständig gebrochen und überworfen werden. Nicht einmal die Autoren selbst scheinen zu wissen, welche (von ihren aufgestellten) Vorgaben nun Bestand haben. Das Resultat ist absolute Beliebigkeit. Mir ist es mittlerweile wahrlich egal, ob eine Figur stirbt, ob sie flieht, wiederaufersteht oder zurückkehrt.
Mir ist auch immer noch nicht ganz klar, wie der Axeman (Danny Huston) in die Geschichte passt - mehr noch: was überhaupt seine Berechtigung ist. Bisher fungierte er als Fionas Liebhaber und als Vollbringer eines Dienstes, den die Hexen spielend leicht auch selbst hätten erledigen können. Schließlich bringt er Fiona um. Kurze Zeit später stürzen sich die Junghexen auf ihn und metzeln ihn grausam nieder. Die ganze Zeit frage ich mich schon: Ist der Axeman nicht ein Geist, der Miss Robichaux's heimgesucht hat? Kann man einen Geist mit einem Messer erstechen? Auch hier gilt wieder: keine Regeln, keine Grenzen, kein Mitgefühl.
Federführend beim Anschlag auf den Axeman ist die Sumpffee Misty Day (Lily Rabe). Sie wurde kurz zuvor von Queenie und Cordelia (Sarah Paulson) aus ihrem steinernen Grab befreit. Cordelia hat nämlich ihre seherischen Fähigkeiten zurückerhalten, womit die Auslöschung des eigenen Augenlichts jedoch herzlich wenig zu tun hatte. Ihre Mutter Fiona eröffnet ihr vielmehr, dass sie diese Fähigkeit schon immer in sich getragen hätte, mit ihrem Augenlicht habe dies ganz und gar nichts zu tun.

Auch hier frage ich mich nach dem „Warum“. Wozu soll es gut sein, dass Cordelia sich erst die Augen aussticht und dann erfährt, dass die Maßnahme völlig wirkungslos ist? Soll uns das etwa schockieren? Ist das der Horror, den Murphy und Falchuk mit ihrer Serie verbreiten wollen?
Everybody suffers
Mich hat diese Wendung jedenfalls völlig kalt gelassen. Bei aller Kritik will ich jedoch eingestehen, dass mich die neue Episode besser unterhalten hat als ein Großteil der neuen Staffel. Dies liegt vor allem an den schauspielerischen Leistungen, der technischen Umsetzung und der großen Portion Humor. Delphine LaLaurie als geschichtskittende Tourführerin durch ihre eigenen Gemächer - das macht einige Fehltritte wieder wett.
Die Dramaturgie von American Horror Story bleibt indes auch in Go to Hell ein einziges, undurchsichtiges Durcheinander. Die vorgezeichnete Geschichte ist einfach viel zu dünn, um daraus eine 13-stündige Serie zu machen. Dabei hätte das Material sicherlich mehr hergegeben.
Man hätte zum Beispiel den Kampf einer Junghexe zeigen können, sich der Gesellschaft anzupassen. Vielleicht wäre es auch interessanter gewesen, nicht nur Hexen, Voodookünstlerinnen und Geister aufeinandertreffen, sondern die Hexen mit ihrer Umwelt interagieren zu lassen. Oder man hätte den Weg zeigen können, den die jungen Bewohnerinnen von Miss Robichaux's nehmen, um zur nächsten „Supreme“ zu werden. So fallen ihnen einfach nur neue Fähigkeiten zu, ohne dass sie irgendetwas dafür tun müssen.
„Don't be proud of anything you didn't accomplish“ - das würde ich den verzogenen Junghexen gerne zurufen. Womit wir beim nächsten Problem angelangt wären (es ist das letzte, versprochen!): Keiner der Charaktere ist wirklich sympathisch. Zumindest konnte bei mir keine Hexe empathische Gefühle wecken (vielleicht Cordelia ein bisschen, vielleicht Misty Day?). Nächste Woche hat der Spuk ein Ende - und wir können darauf hoffen, dass es in der neuen Staffel wieder gruseliger zugeht.
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 23. Januar 2014(American Horror Story 3x12)
Schauspieler in der Episode American Horror Story 3x12
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