American Horror Story 2x13

Was sich in den letzten beiden Episoden schon angekündigt hatte, findet im Staffelfinale leider seine Fortsetzung. Den Drehbuchautoren scheint wirklich der Erzählstoff ausgegangen zu sein beziehungsweise sie haben zu spät realisiert, dass sie einzelne interessante Charaktere zeitlich viel zu früh haben sterben lassen. So erlauben sie es sich, den Erzählstrang aus der ersten Episode über das frisch vermählte Horrortouripärchen Leo (Adam Levine) und Teresa Morrison (Jenna Dewan-Tatum) noch einmal beinahe komplett zu zeigen.
I wanna put America in the Asylum
Dieses Mal wird die schiefgelaufene Vergnügungstour aus der Sicht von Johnny Morgan (Dylan McDermott), dem Bloody Face der Gegenwart, gezeigt und mit den Worten von Lana Winters (Sarah Paulson) aus dem Hörbuch ihrer Bloody Face-Dokumentation unterlegt. Der Einsatz dieses Stilmittels schafft einen gelungenen Moment in dieser ansonsten wenig gelungenen Episode.
Im Wesentlichen wird das Staffelfinale aus der Sicht der einzigen bis in die Gegenwart überlebenden Insassin von Briarcliff erzählt: Lana Winters. Seit ihrer Flucht aus der Irrenanstalt, ihrer Abrechnung mit Thredson (Zachary Quinto) und der Veröffentlichung ihres Buches ging es in ihrer Karriere steil nach oben. Sie ist zur gefeierten Autorin und Enthüllungsjournalistin aufgestiegen. Im Herbst ihres Lebens möchte sie nun in einem Interview alle Geschehnisse noch einmal Revue passieren lassen und vor allem auch mit ihrer größten Lebenslüge aufräumen.
Der entscheidende Wendepunkt in ihrem Leben war gekommen, als sie sich dazu entschloss, der Öffentlichkeit die Geschehnisse in Briarcliff näherzubringen und für die Schließung der Anstalt zu sorgen. Dazu engagierte sie ein Kamerateam und drang durch den unterirdischen Tunnel in das inzwischen in eine staatliche Heilanstalt umgewandelte Horrorhaus ein. Ohne Drehgenehmigung ließ sie die menschenverachtenden Verhältnisse dort dokumentieren und machte sich hernach auf die Suche nach Judy Martin (Jessica Lange).
Die Ergebnisse ihrer Recherchen und Aufnahmen machte sie bald darauf in dem Dokumentationsfilm „Briarcliff Exposed“ der amerikanischen Öffentlichkeit zugänglich. Dieser öffnete ihr Tür und Tor für ihre Berufung als Enthüllungsjournalistin im Fernsehen. Nachdem Briarcliff von ihr erfolgreich geschlossen werden konnte, widmete sie sich ihrem letzten verbliebenen Peiniger aus der damaligen Zeit: dem inzwischen zum Kardinal von New York aufgestiegenen ehemaligen Monsignore Timothy Howard (Joseph Fiennes). Als Resultat ihrer hartnäckigen Konfrontation mit seinen Missetaten (vor allem den von ihm abgesegneten Menschenversuchen durch Dr. Arden) nahm sich dieser dann das eigene Leben (eine weitere gelungene Einstellung: der verblutende Howard in seiner Badewanne).
Schließlich blieb für sie ein letztes Rätsel zu lösen: der Verbleib der ehemaligen Oberschwester Jude. Ihre Recherchen führten sie zurück zu Kit Walker (Evan Peters). Dieser hatte sich nach dem Tod seiner beiden Partnerinnen Alma (Britne Oldford) und Grace (Lizzie Brocheré) dazu verpflichtet gefühlt, Jude aus dem Höllenloch Briarcliff zu befreien. Dieses Unterfangen war ihm sogleich ohne größere Gegenwehr gelungen. Vermutlich, weil keiner der Verantwortlichen von Briarcliff überhaupt noch wusste, wer die vor sich hinvegetierende Jude (die unter ihrem neuen Namen Betty Drake firmierte) überhaupt war.
Lies are like scars on your soul. They destroy you.
Laut eigener Aussage habe Kit Jude bei sich aufgenommen, weil er keinen anderen Weg gefunden habe, mit seiner Zeit in Briarcliff abzuschließen. Er habe selbst Vergebung üben müssen, um die Erinnerungen vergessen zu machen. In mehreren Rückblenden bekommt der Zuschauer Judes verbleibende Tage vorgeführt. Zu Kits Kindern hat sie nach anfänglichen Schwierigkeiten ein mütterliches Verhältnis aufgebaut, bis sie eines Tages in den Armen ebenjener zum letzten Mal Besuch des Todesengels (Frances Conroy) bekam und die alles entscheidende Frage zum ersten Mal mit einem entschiedenen „Ja“ beantwortete.
An dieser Stelle droht die Episode endgültig in Richtung schnulziges Melodram abzudriften. Zwar ist es durchaus nachvollziehbar, Jude einen würdigen Abgang zu gewähren, jedoch haben es die Autoren mit ihrer Realisierung doch ein wenig übertrieben. Sie machen es sich reichlich einfach und entscheiden sich für die beliebigste aller möglichen Abschlüsse. Das hält sie jedoch keinesfalls davon ab, kurze Zeit später den Schmalz noch ein bisschen dicker aufzutragen.
Die alte Lana ist in ihrer Erzählung mittlerweile bei dem weiteren Schicksal Kits und seiner Kinder angelangt. Dieser sei früh an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt, habe aber während seiner als fatal eingestuften Krankheit so friedlich gewirkt wie noch nie zuvor. Dann sei etwas Merkwürdiges passiert. Von einem Tag auf den nächsten sei er verschwunden. In diesem Moment weiß nur der Zuschauer: Die Aliens haben ihn geholt. Über sein weiteres Schicksal wird danach kein Wort mehr verloren.
Seine Kinder jedenfalls hätten kein Begräbnis gewollt und hätten auch jedwede Art von Trauerveranstaltung für ihren Vater abgelehnt. Kit habe von ihnen immer in den höchsten Tönen geschwärmt und ihnen eine glänzende Zukunft prophezeit. Als Lana dann vom Lebensweg der Kinder erzählt, ist der Tiefpunkt der Episode erreicht: Thomas sei Juraprofessor in Harvard und Julia eine angesehene Neurochirurgin an der John-Hopkins-Universität. „Wie bitte?!?“, mag sich da der entsetzte Zuschauer fragen. Die Kinder der Außerirdischen führen also ein biederes Vorzeigeleben in den Vorstädten von Boston beziehungsweise Baltimore?
Dann endlich berichtigt Lana ihre große Lebenslüge. Das bei der Vergewaltigung durch Thredson aka Bloody Face gezeugte Kind sei gar nicht während der Geburt gestorben. Überzeugen kann sie sich davon schließlich selbst. Johnny hat sich unter das Filmteam gemischt und wartet seine Chance ab, mit Lana alleine zu sein. Schlussendlich kommt es zur hanebüchenen Konfrontation zwischen den beiden. Lana gelingt es abermals, mit dem Vorspielen mütterlicher Gefühle seine Zuneigung zu gewinnen, ihm seine Pistole abzunehmen, um ihn damit sogleich zu erschießen. Übrig bleibt: ein entsetzter Zuschauer.
Fazit
Die Macher von American Horror Story haben sich mit dem Abschluss der zweiten Staffel ordentlich vergaloppiert. Die Finalepisode driftet schnell in ein seichtes Rührstück ab, bei dem am Ende alle von Anfang an positiv gezeichneten Figuren ein Happy End erleben. Hier haben die Autoren die denkbar einfachste und damit auch schlechteste Abschlussvariante gewählt.
Sämtliche interessanten Erzählstränge wurden durch frühzeitiges Charaktersterben beendet. Trotzdem hätte man aus der Geschichte um die Außerirdischen oder einer Flucht Judes aus Briarcliff mehr dramaturgisches Kapital schlagen können. Ein weiteres vorstechendes Merkmal ist das in einer vorhergehenden Rezension bereits erwähnte Redundanzproblem der Drehbücher. Einige Handlungsstränge werden mehrmals eingesetzt.
So auch im Staffelfinale, in dem Johnny noch einmal denselben Elternkomplex ausleben darf wie sein Vater. Was bei Thredson noch einigermaßen glaubhaft kolportiert wurde, wirkt bei Johnny nur noch flach und abgedroschen. Der Horror scheint komplett aus der Serie verschwunden zu sein, was sich wohl auch leicht aus dem Titel der Episode (Madness Ends) hätte ablesen lassen können.
Es bleibt jedenfalls festzuhalten, dass der Zuschauer mit einem sehr ambivalenten Gefühl aus dem Finale der zweiten Staffel von American Horror Story entlassen wird. Bis kurz vor Schluss bot die Staffel eigentlich sehenswerte Unterhaltung, die teilweise intelligent mit Gesellschaftskritik unterfüttert war. Die letzten drei Episoden offenbaren jedoch relativ schonungslos die Ideenlosigkeit der Autoren.
Der Schmerz darüber sollte nicht allzu lange anhalten, denn in der bereits angekündigten dritten Staffel heißt es dann wieder: neuer Schauplatz, neue Charaktere, neue Geschichten.
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 24. Januar 2013(American Horror Story 2x13)
Schauspieler in der Episode American Horror Story 2x13
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