American Horror Story 2x11

American Horror Story 2x11

Die zweite Staffel von American Horror Story taumelt mit der aktuellen Episode ihrem vermeintlich versöhnlichen Ende entgegen. In beeindruckender Optik wird unter anderem erneut die ganze MonstrositÀt eines gigantischen Mutterkomplexes thematisiert.

Lana Superstar: Nach ihren diversen Aufenthalten in Briarcliff prÀsentiert Lana Winters (Sarah Paulson) die Rechnung / Foto (c) FX Networks
Lana Superstar: Nach ihren diversen Aufenthalten in Briarcliff prÀsentiert Lana Winters (Sarah Paulson) die Rechnung / Foto (c) FX Networks

Die Autoren und Produzenten von American Horror Story scheinen zu glauben, ihrem Publikum mit dem Verlauf der zweiten Staffel etwas viel zugemutet zu haben. Die neue Episode Spilt Milk schlĂ€gt nĂ€mlich eindeutig versöhnlichere Töne an und lĂ€sst fĂŒr das kommende Staffelfinale wenige ErzĂ€hlstrĂ€nge offen. Zwar zitieren die Autoren noch einmal Thredsons an seinen Sohn weitergetragenes perverses Lebenstrauma, allerdings kann dies den Zuschauer nur noch mittelmĂ€ĂŸig beeindrucken.

Das weinerliche Mamakind kehrt zurĂŒck

Die Episode eröffnet mit ebendieser Szene. Thredson junior (Dylan McDermott) empfĂ€ngt eine vollbusige Prostituierte. Schnell wird klar, dass die Dame kĂŒrzlich ein Kind zur Welt gebracht hat und der psychopathische Thredson jr. einzig und allein an einem interessiert ist: ihrer Muttermilch. Gegen ein beachtliches SĂŒmmchen spielt sie bei seiner fehlgeleiteten Suche nach mĂŒtterlicher Zuneigung mit und hört sich auch noch sein Wehklagen ĂŒber das Fehlen ebenjener an. Der Zuschauer weiß da schon lĂ€ngst, wer seine Mutter ist, und erfĂ€hrt in der neuen Episode außerdem, wieso dem kleinen Vorzeigepsychopath ĂŒberhaupt das Leben geschenkt wurde.

Davor jedoch wird die reichlich verfahrene Situation zwischen Thredson senior (Zachary Quinto), Lana Winters (Sarah Paulson), Kit Walker (Evan Peters), Grace (Lizzie Brocheré) und dem Monsignore Timothy Howard (Joseph Fiennes) aufgelöst. Kit wird zunĂ€chst von Thredson aus der Einzelhaft geholt, um Zeit mit Grace und ihrem gemeinsamen Baby verbringen zu können. NaturgemĂ€ĂŸ ist Kit skeptisch ĂŒber soviel Wohlwollen des psychopathischen Doktors. Schnell wird sich sein Misstrauen bewahrheiten. Kurz nachdem Thredson dem PĂ€rchen einen glĂŒcklichen Moment der familiĂ€ren Eintracht zugestanden hat, zerstört er ebenjenes augenblicklich wieder.

Den liebevollen Eltern wird ihr Kind entrissen, um es in ein vermeintlich schönes Kinderheim zu bringen. Das Schicksal mehrerer Insassen von Briarcliff hĂ€ngt nun an einer einzigen Person: Lana Winters. Sollte sie es schaffen, aus dem Horrorhaus zu entkommen und das Tonband mit Thredsons GestĂ€ndnis herauszuschmuggeln, wĂŒrde dessen mĂŒhsam errichtetes Kartenhaus im Nu in sich zusammenbrechen. Um es kurz zu machen: Sie schafft es.

Mit den UmstĂ€nden ihrer Flucht haben es sich die Autoren jedoch etwas zu einfach gemacht. Gleich in mehreren Szenen muss sich der Zuschauer fragen, wie plausibel der konstruierte Ereignisablauf wirklich ist. Zuerst taucht eine Schwester auf, die weder Lana noch der Zuschauer zuvor jemals kennengelernt haben. Diese Schwester scheint ein gesteigertes Interesse daran zu haben, Lana zur Flucht zu verhelfen, nach eigenen Angaben, um die schrecklichen Geschehnisse in Briarcliff aufzudecken und die Irrenanstalt fĂŒr immer zu schließen. Sie hĂ€ndigt Lana deren persönliche Akte aus, die diese als weiteres BeweisstĂŒck nutzen solle.

Wird man als Zuschauer nach dieser Szene immer noch nicht stutzig, dann sollte man es spĂ€testens nach der doch sehr hanebĂŒchen inszenierten Flucht Lanas sein. In ihrer Zivilkleidung kommt sie zusammen mit ihrer Fluchthelferin den stairway to heaven herunter, an dessen Ende Thredson gerade Kit dazu zu ĂŒberreden versucht, seine Taten als bloody face dem toten Arden anzuhĂ€ngen. Kit erkennt sofort die Dringlichkeit der Situation und lenkt Thredson von der Treppe ab, damit Lana hinter dessen RĂŒcken ins Freie schleichen kann. Sicherlich hĂ€tte es die eine oder andere Möglichkeit gegeben, die erneute Flucht Lanas etwas eleganter zu inszenieren. Leider entschieden sich die Macher von American Horror Story fĂŒr die denkbar einfachste.

I am tough, but I'm no cookie

Jedenfalls glĂŒckt Lanas Fluchtversuch dieses Mal endgĂŒltig. Trotzdem lĂ€sst sie es sich nicht nehmen, in die Höhle des Löwen zurĂŒckzukehren und ihre persönlichen RachegelĂŒste an Thredson auszukosten. Nach kurzem Tete-Ă -Tete in seinem Wohnzimmer, inklusive recht kĂŒnstlich erzeugter Spannung, erledigt sie das Monstrum mit einem gezielten Kopfschuss. Die kaltblĂŒtige Exekution verschafft nicht nur Lana, sondern auch dem Zuschauer einen kurzen Moment tiefer Befriedigung.

Lana hat jedoch noch andere Sorgen. In ihr wĂ€chst das Monsterkind, und Jude (Jessica Lange) vegetiert in Briarcliff immer noch vor sich hin. Zumindest bei der Empathie fĂŒr Jude kann man als Zuschauer wieder einmal die metaphorische Augenbraue heben, nicht zuletzt war diese fĂŒr Lanas doppelte Einkerkerung im Irrenhaus verantwortlich. Lana gibt sich jedoch lieber selbst die Schuld - zumindest fĂŒr den Tod ihrer Partnerin Wendy.

Dann geht sie ihre Probleme an. Einer Ärztin, die illegal und mit rudimentĂ€rer Ausstattung Abtreibungen durchfĂŒhrt, vertraut sie ihre Geschichte an. Die Ärztin will sofort helfen, mahnt Lana jedoch zu absoluter Stille und Verschwiegenheit. Im letzten Moment bricht diese jedoch den Eingriff ab. Die Frage nach dem Warum dĂŒrfte sich erĂŒbrigt haben, als die Autoren in den Episoden The Origins of Monstrosity und The Coat Hanger die IdentitĂ€t Thredson juniors frĂŒhzeitig enthĂŒllten.

Bleibt noch der ErzĂ€hlstrang um Kit und Grace. Durch Lanas Aufdeckung des ganzen monströsen Thredson-Briarcliff-Universums wurde gleichzeitig die Unschuld Kits bewiesen. Er ist ein freier Mann. Durch einfache Erpressung des Monsignore gelingt es ihm auch noch, seine Familie wieder zu vereinen. GlĂŒcklich kehren sie in sein Haus zurĂŒck, wo die nĂ€chstgrĂ¶ĂŸere Überraschung wartend auf dem gemeinsamen Bett sitzt.

Und die ehemalige Oberschwester Jude? Die hat von allen Charakteren momentan die finstersten Zukunftsaussichten. Lana will sie zwar befreien, trifft bei ihrem Versuch jedoch auf die nÀchste Briarcliff'sche Verschwörung. Monsignore Howard erklÀrt, Jude habe Selbstmord begangen und sei eingeÀschert worden. Die Wahrheit sieht jedoch etwas anders aus.

Fazit

My lover was murdered by the man who raped me and got me pregnant.“ Lanas Worte gegenĂŒber der AbtreibungsĂ€rztin fassen die Handlung der zweiten Staffel von American Horror Story recht umfassend zusammen. Die Auflösung der verschiedenen ErzĂ€hlstrĂ€nge gelingt den Autoren aufgrund der im Artikel genannten UnzulĂ€nglichkeiten jedoch leider nur sehr dĂŒrftig.

Ein Grund dafĂŒr könnte sein, dass sich die Produzenten der Serie mit dem Zitat zahlreicher Horrorelemente etwas ĂŒbernommen haben. Das Ende von Eunice, Arden und Thredson kommt sehr ĂŒberraschend und reichlich konstruiert daher. Außerdem werden einige Geschichten doppelt und dadurch rudimentĂ€r erzĂ€hlt. Als Beispiele wĂ€ren hier Lanas mehrmalige Flucht aus Briarcliff oder die identischen Mutterkomplexe von Vater und Sohn Thredson zu nennen.

Im Staffelfinale bekommen die Autoren noch einmal die Chance, die Geschichte einem vernĂŒnftigen Ende zuzufĂŒhren. Ob dies gelingt, hĂ€ngt ganz von der Auflösung der Storylines um Jude, Alma und den Außerirdischen ab. Ein gelungener Abschluss wĂ€re American Horror Story zu wĂŒnschen, denn die zweite Staffel war bisher eigentlich eine starke.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 11. Januar 2013
Episode
Staffel 2, Episode 11
(American Horror Story 2x11)
Deutscher Titel der Episode
Muttermilch
Titel der Episode im Original
Spilt Milk
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 9. Januar 2013 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 13. Februar 2013
Autor
Brad Falchuk
Regisseur
Alfonso Gomez-Rejon

Schauspieler in der Episode American Horror Story 2x11

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