American Horror Story 2x09

American Horror Story 2x09

In der neuen Episode von American Horror Story kehrt ein alter Bekannter aus Staffel eins zurück und outet sich sogleich als Nachfahre eines sehr prominenten Massenmörders. Die Serie überschreitet derweil immer weiter die Grenze zwischen den Genres Horror und Psychothriller.

Dylan McDermott als Thredson junior will unbedingt in die vermeintlich großen Fußstapfen seines Vaters treten. / Foto: (c) FX Networks
Dylan McDermott als Thredson junior will unbedingt in die vermeintlich großen Fußstapfen seines Vaters treten. / Foto: (c) FX Networks

In der neuen Episode The Coat Hanger entfaltet American Horror Story zum ersten Mal in der zweiten Staffel sein volles Potential. Das Mysterium rund um die multiplen Bloody Faces wird erzählerisch elegant gelüftet, wobei ein bekanntes Gesicht aus der ersten Staffel zurückkehrt. Zudem wird das mehrfache Auftauchen der Außerirdischen zum ersten Mal eingehend thematisiert, was zu einem unheilvollen Experiment führt. Schließlich erwarten zwei neue alte weibliche Insassen von Briarcliff Nachwuchs, was scheinbar nur eine der beiden in Hochgefühle versetzt.

The ultimate cosmic joke

Das größte Spektakel zelebriert aber wieder einmal Leigh Emerson (Ian McShane) in seinem zweiten aufeinanderfolgenden Gastauftritt. Nachdem er in der Weihnachtsepisode der vergangenen Woche den unbelehrbaren Mörder aus Leidenschaft gab, zeigt er sich in der neuesten Ausgabe vorerst geläutert. Überraschend ist vor allem, dass er Judes (Jessica Lange) Notwehr überhaupt überstanden hat.

Nun hilft er also der unheiligen Allianz aus Monsignore Timothy Howard (Joseph Fiennes), der neuen Oberschwester Mary Eunice (Lily Rabe) und Oberarzt Dr. Arden (James Cromwell), sich endgültig der penetranten Jude zu entledigen. Ein herbeigerufener Richter hört sich ihre Statements an und verurteilt Jude in Abwesenheit zu lebenslangem Aufenthalt in Briarcliff. Zur Krönung der höchst amüsanten Ironie der Geschichte kommt es, als Howard den durchgeknallten Emerson zur gefesselten Jude vorlässt und er ihr seine Vergebung ausspricht. In diesem Moment taucht American Horror Story tief ein in die Gefilde der schwarzen Komödie. Ian McShane hat daran den größten Anteil und spielt seinen Leigh weiter als wunderbar Wahnsinnigen. Als Zuschauer wünscht man sich fast, er würde die Serie nicht mehr verlassen.

Hinter der angeblichen Läuterung Emersons lodert jedoch immer noch sein weiterhin zu befriedigender Mordinstinkt. Er nutzt Howards kühnen Ehrgeiz dazu, die Vergebung seiner Sünden mittels einer Taufe voranzutreiben. Von seinen Fesseln befreit, schlägt er jedoch erneut zu und drapiert Howard für alle sichtbar auf dem heiligsten Symbol der katholischen Kirche. Es kommt zu einem hervorragend inszenierten Moment voller Symbolismus und stiller Eleganz, welcher auch dem Dark Angel (Frances Conroy) einen weiteren Kurzauftritt verschafft.

Nachdem Dr. Arden ein integraler Bestandteil bei der Verurteilung Judes war, widmet er sich fortan der Aufklärung seiner Begegnung der dritten Art. Ihm gelingt es, Kit Walker (Evan Peters) dazu zu überreden, sich für einen kurzen Moment in den klinischen Todeszustand versetzen zu lassen. Arden glaubt, die Außerirdischen hätten ein wissenschaftliches Interesse an Kit und würden ihn schützen, sobald er im Sterben liege. Die Aussicht auf ein Wiedersehen mit Alma (Britne Oldford) lässt Kit nicht lange an der Sinnhaftigkeit des riskanten Experiments zweifeln.

Die Vermutungen Ardens bestätigen sich sogleich, nachdem er Kit das tödliche Serum verabreicht hat. Jedoch passiert etwas, das Arden so nicht unbedingt erwartet hätte. Höllischer Lärm und gleißendes Licht erscheinen, kommen jedoch aus einem anderen Raum. Dort entdeckt er zuerst die weniger geisteskrank als zuvor wirkende Pepper (Naomi Grossman), die sich um die hochschwangere und scheinbar quicklebendige Grace (Lizzie Brocheré) kümmert.

Vor Ardens unheilvollem Vorschlag wird Kit jedoch an anderer Front gebraucht. Die von Thredsons Vergewaltigung geschwängerte Lana Winters (Sarah Paulson) hat einen perfiden Plan ausgeheckt, um dem von ihr und Kit gefangengehaltenen Thredson zum Geständnis seiner Bloody Face-Verbrechen zu bringen. Sie instrumentalisiert seine verqueren Psychosen, indem sie ihm von ihrer Schwangerschaft berichtet. Die Aussicht auf eigenen Nachwuchs lässt seine Fassade zusammenschmelzen wie ein Stück Butter in der Sonne. Er beichtet und Kit nimmt im Hintergrund alles auf Band auf.

The monster inside me

Als Lana sich und Kit in Sicherheit wiegt, schreitet sie zum zweiten Teil ihres Racheplans. Sie eröffnet Thredson, dass sie sein Baby abgetrieben habe und nun beabsichtigt, ihn in die ewigen Jagdgründe zu schicken. Die diabolische Eunice durchkreuzt jedoch ihre Pläne und weist sie galant darauf hin, dass ihre versuchte Abtreibung mittels Kleiderbügel (The Coat Hanger) nicht erfolgreich war. Sie trage weiterhin ein Kind in ihrem Bauch, es sei ein Junge.

Ohne viel spekulieren zu müssen, lässt sich leicht eine Verbindung zur Anfangs- und Schlusssequenz der Episode herstellen. Dort bekommt der Zuschauer den ausgewachsenen Thredson junior (Dylan McDermott) präsentiert. Dieser ist mindestens genauso schwer mit Psychosen, Neurosen und Zwangskrankheiten belastet wie sein fürchterlicher Vater. Im Gegensatz zu seinem Erzeuger (Mutterkomplex) leidet er jedoch an einem monströsen Vaterkomplex, was sich vor allem darin niederschlägt, dass er angeblich nie die medizinischen Fertigkeiten seines Vaters erlernt habe und somit wohl niemals in dessen Fußstapfen treten könne.

Immerhin sucht er Rat bei einer auf Zwangskrankheiten spezialisierten Psychotherapeutin auf. Als diese jedoch merkt, in welche Richtung das anfangs harmlos verlaufende Gespräch geht, ist es schon zu spät und Bloody Face junior kann ein weiteres Opfer auf seinem Kerbholz markieren.

Fazit

American Horror Story macht derzeit eine sicherlich nicht von allen Anhängern der Serie gutgeheißene Wandlung durch. Der Einsatz klassischer Stilmittel des Horrorgenres nimmt immer weiter ab, während Elemente des auf mehreren transzendentalen Ebenen (philosophisch, religiös, psychologisch, übernatürlich) funktionierenden Psychothrillers in den Vordergrund rücken.

Diese Entwicklung gibt der Serie eine größere dramaturgische Tiefe, sind klassische Horrorstoffe doch eher auf sofortige (Schock-)Effekte denn auf die Herstellung von Beklommenheits- und Unwohlgefühlen beim Zuschauer aus. Zudem kommen die einzelnen erzählerischen Versatzstücke so langsam zu einer großen, ganzheitlichen Geschichte zusammen. Die Zusammenführung von Außerirdischen, Racheengeln und aus Lust am Töten mordenden Wahnsinnigen hat innerhalb des „AHS“-Kosmos durchaus Sinn.

Im übertragenen Sinne folgt die Dramaturgie von American Horror Story momentan dem Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche. Bestimmte Rätsel werden von Episode zu Episode häppchenweise aufgelöst, während immer wieder neue hinzukommen. Es bleibt also spannend. Und unterhaltsam allemal.

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 13. Dezember 2012
Episode
Staffel 2, Episode 9
(American Horror Story 2x09)
Deutscher Titel der Episode
Der Kleiderbügel
Titel der Episode im Original
The Coat Hanger
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 12. Dezember 2012 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 30. Januar 2013
Autor
Jennifer Salt
Regisseur
Jeremy Podeswa

Schauspieler in der Episode American Horror Story 2x09

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