American Horror Story 2x08

American Horror Story 2x08

Pünktlich zur aufkeimenden Festtagsstimmung liefert die US-Serie American Horror Story ihre Weihnachtsepisode Unholy Night ab. Neben einem sehenswerten Gastauftritt wird im wörtlichen und übertragenen Sinne gestorben, was das Zeug hält.

Der wunderbar wahnsinnige Weihnachtsmann Leigh Emerson (Ian McShane) wirbelt Briarcliff gehörig durcheinander. / Foto: (c) FX Networks
Der wunderbar wahnsinnige Weihnachtsmann Leigh Emerson (Ian McShane) wirbelt Briarcliff gehörig durcheinander. / Foto: (c) FX Networks

Wird dem Zuschauer eine Weihnachtsepisode seiner Lieblingsserie angekündigt, so hat er dafür oftmals nicht mehr als ein müdes Lächeln übrig. Und das aus gutem Grund, denn Weihnachtsepisoden lassen sich getrost als für den Fortlauf der Geschichte nicht weiter relevante Lückenfüller bezeichnen, die den Zuschauer wohl in Festtagsstimmung und Konsumlaune bringen sollen.

It's milk and cookies time!

Glücklicherweise geht die Episode Unholy Night von American Horror Story einen anderen Weg. Die Handlung wird ohne Unterlass vorangetrieben, Rätsel werden aufgelöst, Charaktere symbolisch wiedergeboren und die mysteriösen Außerirdischen bekommen ihren nächsten Auftritt. Außerdem dürfen sich die Neunmalklugen unter den Zuschauern darüber streiten, ob die Konzeptkunst von Marcel Duchamp wirklich als solche bezeichnet werden sollte. Ist bereits die Auswahl eines Gegenstandes Kunst, wie Duchamp behauptet?

Lässt man die komplette Serie American Horror Story als Kunstprodukt mal außen vor, so befinden sich unter den Insassen und Angestellten von Briarcliff doch eher wenige Kunstbeflissene. Immerhin haben einige Protagonisten ein Auge für das Schöne, Wahre, Glanzvolle. Die vom Teufel besessene Schwester Mary Eunice (Lily Rabe) spielt dabei eine zentrale Rolle. Sie wird von gleich zwei Autoritätsfiguren beschenkt. Monsignore Timothy Howard (Joseph Fiennes) übergibt ihr und den Insassen einen Weihnachtsstern für die Spitze des im Gemeinschaftsraum aufgestellten Tannenbaums. Dr. Arden (James Cromwell) lässt sich davon jedoch nicht lumpen und schenkt ihr wertvolle Rubinohrringe, die er einer wohlhabenden Jüdin im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau abgenommen haben will.

Und da ist sie auch schon, die erste Enthüllung. Arden war also tatsächlich ein Nationalsozialist und SS-Scherge. Die dunkle Gewissheit von Oberschwester Jude (Jessica Lange) und der angeblichen Anne Frank (Franka Potente in einem zweiteiligen Gastauftritt vor zwei Wochen) wird zur traurigen Wahrheit. Der Horrorarzt scheint zudem ein doppeltes Spiel zu spielen, wovon Eunice im Endeffekt in ihrem Kampf gegen Jude profitiert. Er schafft es, Jude davon zu überzeugen, ihm bei der Bekehrung von Schwester Eunice zu helfen. Für dieses etwas naive Vertrauen in Arden wird sie beinahe mit ihrem Leben bezahlen müssen.

Denn der sorgt dafür, dass Jude mit einem völlig durchgeknallten Psychopathen im Weihnachtsmannkostüm in ihrem Büro eingeschlossen wird. Mit wunderbar irrem Blick spielt Ian McShane (Deadwood) diesen wahnsinnigen Serienmörder, der seinen im Gefängnis entwickelten Weihnachtskomplex an wahllos ausgesuchten Opfern auslebt. Nach seiner Ergreifung wurde er in Briarcliff interniert und von Oberschwester Jude wegen eines weiteren Gewaltausbruchs gegen einen Pfleger in die vollständige Isolationshaft gesteckt.

You're either with me or against me

Nun gibt ihm die diabolische, machtlüsterne Eunice die Gelegenheit, Rache zu nehmen. Um ihn aus seinem dunklen Verlies zu befreien, schlitzt sie kurzerhand dem sympathischen Oberwächter Frank (Fredric Lehne) die Kehle auf. Praktischerweise würde er somit ihre größte Gegenspielerin aus dem Weg räumen und sie hätte mit Ardens Rückendeckung freie Bahn, ihr nicht wirklich spezifiziertes Unwesen in Briarcliff zu treiben.

Die beiden neuen alten Insassen von Briarcliff, Lana Winters (Sarah Paulson) und Kit Walker (Evan Peters), feilen derweil tüchtig an ihrer erneuten Flucht aus der sie scheinbar magisch anziehenden Irrenanstalt. Während Kit schwer sediert vor sich hin döst und luzide Wachträume von seiner schwangeren Frau Alma (Britne Oldford) und seiner liebsten Mitinsassin Grace (Lizzie Brocheré) durchlebt, versucht ihn Lana davon zu überzeugen, dass er unschuldig sei und sie es auch noch beweisen könne.

Do you believe in fate, Lana?

Nachdem sie jedoch seine Fesseln gelöst hat, ist er weiterhin zu nichts zu gebrauchen. Also macht sie sich auf die Suche nach einem Telefon, um damit die Behörden zu kontaktieren. Zum dritten Mal kommt es dabei in der aktuellen Episode von American Horror Story zum klassischen „Es-taucht-plötzlich-jemand-hinter-dir-auf“-Moment. Thredson (Zachary Quinto) überrascht sie, erklärt ihr, wie er sie gefunden hat (Polizeibericht) und was er als Nächstes mit ihr anstellen wird (töten).

In einem für ihn nicht ungewöhnlichen Anflug von Größenwahn oder schlicht Irrsinn bezeichnet er sich als den neuen Bloody Face, der wie Phönix aus der Asche des alten auferstanden sei. Er habe jegliche Spuren in seinem Haus akribisch entfernt und wende sich nun erneut ihrem Schicksal zu. Im Augenblick größter Not kommt jedoch Kit zur Rettung herangestürmt. Über den ausgeknockten Körper Thredsons gebeugt, beraten Kit und Lana ihr weiteres Vorgehen. Sie müssten ihn am Leben halten, um seine Unschuld zu beweisen. Lana arrangiert sich damit - allerdings nicht, ohne Thredson eine letzte Gewissheit ins Ohr zu hauchen: „One day I'll bury you.

Grace bekommt zum Ende der Episode auch noch einen kurzen postmortalen Auftritt. Während Arden sich ihrer Leiche auf dem üblichen Wege entledigen will, erscheinen das altbekannte gleißende Licht und der ohrenbetäubende Lärm. Die Außerirdischen nehmen Grace mit und lassen Arden unverletzt zurück. Noch.

Fazit

Der größte Lichtblick in der Episode Unholy Night von American Horror Story ist Leigh Emerson, der wunderbar irre Serienkiller, den Schwester Eunice erst auf Patienten und Angestellte, dann auf die ehemalige Oberschwester Jude loslässt. Ian McShane porträtiert ihn entlang der feinen Grenze zwischen Wahnsinn und Klamauk, wobei es ihm gelingt, seine Figur nicht ins Lächerliche fallen zu lassen.

Für Gore-Fans bietet die Episode auch einige blutige Szenen. Auffallend an American Horror Story ist, dass als Tötungsinstrumente bevorzugt Messer, Klingen oder sonstige spitze Gegenstände eingesetzt werden. Die Intention ist klar: Das Blut soll spritzen, fließen, sich über alles und jeden verteilen. Dies trägt dann auch wenig zur Konstruktion eines etwas subtileren Horrorgefühls bei. Manchmal wünscht man sich dann doch statt ein paar kurzer Schockmomente einen nachhaltigeren Spannungsaufbau.

Dennoch kommen die Fans der Serie auch in dieser Ausgabe wieder voll auf ihre Kosten. Neben den vielen Horrorelementen wird die Geschichte plausibel weitererzählt und die Charaktere folgen ihrem eingeschlagenen Pfad. Nur: Kurz vor Weihnachten sollte man sich die dem Fest der Liebe gewidmete Episode nicht unbedingt zu Gemüte führen. Sie könnte einem leicht den Appetit verderben.

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 6. Dezember 2012
Episode
Staffel 2, Episode 8
(American Horror Story 2x08)
Deutscher Titel der Episode
Unheilige Nacht
Titel der Episode im Original
Unholy Night
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 5. Dezember 2012 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 23. Januar 2013
Autor
James Wong
Regisseur
Michael Lehmann

Schauspieler in der Episode American Horror Story 2x08

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