American Horror Story 2x03

Zum wiederholten Male erwacht eine neue Episode (Nor'easter) der zweiten Staffel von American Horror Story in der Gegenwart. Und das Rätsel um Bloody Face steht beileibe noch nicht vor seiner Lösung. Es wird eher noch um einige Facetten bereichert. Nach kurzem Kampf gelingt es dem schwer verwundeten Ted (Adam Levine) und seiner Angetrauten Teresa (Jenna Dewan-Tatum), Bloody Face zu erledigen - nur um festzustellen, dass sich mehrere hautmaskierte Übeltäter in dem Spukschloss herumtreiben.
Bloody Face wohin man schaut
Zwei Jungspunde auf einer fürchterlich schiefgelaufenen Vergnügungstour erschießen die beiden schließlich als Rache für ihren ermordeten Kumpel. Im nächsten Moment werden sie jedoch von dem - dieses Mal echten Bloody Face? - angegriffen. Dieser Teil der Geschichte wird sich mit seiner Auflösung wohl bis zum Ende der Staffel Zeit lassen.
In Briarcliff nimmt das Erzähltempo wieder an Fahrt auf und die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen. Dieses Mal soll Schwester Jude (Jessica Lange) zum Ziel multipler Angriffe auf ihre geistige und leibliche Gesundheit werden, was sie sogleich mit dem Griff zur Weinkaraffe beantwortet. Jemand scheint über das Schicksal des von ihr totgefahrenen Mädchens bestens informiert zu sein und sie mit diesem Wissen terrorisieren zu wollen.
Nachdem sie einige der aus Ihrer Sicht Hauptverdächtigen offen konfrontiert, diese jedoch keine Ahnung zu haben scheinen, dürfte die einen radikalen Gemütswandel durchlaufende Schwester Eunice (Lily Rabe) ins Visier des mitfiebernden Zuschauers geraten. Sowieso drängt sich diese Figur recht bestimmt in den Mittelpunkt der Serie. Was sich vorige Episode schon angedeutet hatte, kann nun als bestätigt angesehen werden: Der Teufel oder ein ähnliches Wesen hat Besitz von ihr ergriffen.
Die Verwandlung
Wie ein Derwisch fegt sie durch die Episode, entdeckt ihre neue Faszination für Sex und Rausch und bietet sich sogleich dem verdutzten und mit dumpfer Gewalt reagierenden Oberbösewicht Dr. Arden (James Cromwell) an. Ihr sonst durch und durch demütiges Auftreten gegenüber der Oberschwester wandelt sich in eine freche und vorlaute Aufmüpfigkeit. Schließlich kulminiert ihre Verwandlung im kaltblütigen und mit spritzigem Gore inszenierten Mord an einer Anstaltsinsassin, die in ihr sogleich den Teufel erkannt hatte.
Dr. Arden darf sich unterdessen weiter ungestört seinen Menschenversuchen widmen. Er will stellvertretend für den Zuschauer herausfinden, was es mit dem kleinen krabbelnden Mikrochip auf sich hat. Nachdem dieser sich aus seinen Einzelteilen wieder eigenständig zusammengesetzt hat, verdächtigt Arden Kit Walker (Evan Peters) der Spionage. Seine wilden Verschwörungstheorien umspannen den halben Globus, selbst die eigene Regierung verdächtigt er, kruder Antisemitismus inklusive.
Draußen tobt ein schrecklicher Sturm - der namensgebende Nor'easter - und zur Beruhigung soll den Insassen ein Film vorgespielt werden. Während sich die Oberschwester mit dem irren Arzt um die Deutungshoheit über Schwester Eunices neuen Lebenswandel streitet, schmieden Kit und Grace (Lizzie Brocheré) schon wieder neue Ausbruchspläne. Im Laufe der Filmvorführung wollen sie die abgelenkten Wärter überlisten. Die nymphomanische Shelley (Chloe Sevigny) will sich ihnen anschließen, was ihr nach kurzer Überzeugungsarbeit auch gewährt wird. Ebenso stößt zu einem späteren Zeitpunkt wieder die Journalistin Lana Winters (Sarah Paulson) zu dem Trio dazu, nachdem sie einen etwas unplausibel schnellen Sinneswandel in Sachen Kit Walker alias Bloody Face durchlaufen hat.
Während die besoffene Jude sich also auf die Suche nach der vermissten (der Zuschauer weiß: getöteten und im Wald abgelegten) Insassin macht, dabei einem außerirdischen Wesen begegnet und die Aufpasser von so viel nackter Haut auf der Leinwand abgelenkt sind, macht sich das Ausbrecher-Quartett auf den Weg. Nachdem Shelley ihre zweifelhaften Talente zur Ablenkung eines weiteren Wachmannes einsetzt und von der Gruppe getrennt wird, gelingt dem Trio über einen geheimen Tunnel die Flucht ins Freie.
Dort erwartet sie aber nicht die erhoffte Freiheit, sondern eine weitere grausame Entdeckung. Im anliegenden Wald leben zombieähnliche Wesen, die sich gerade an dem Leichnam der Teufelsentdeckerin laben. Den dreien bleibt nichts anderes übrig, als wieder zurück in das Schloss zu flüchten. Wenigstens schaffen sie es rechtzeitig zurück, bevor die Filmvorführung von Schwester Jude jäh unterbrochen wird. Ein schlimmeres Schicksal ereilt hingegen Shelley. Nachdem sie bei ihrem Fluchtversuch dem offensichtlich gerade seine zahlreichen Psychosen verarbeitenden Dr. Arden in die Hände gelaufen ist, erwacht sie auf dessen Operationstisch. Für ihr Betteln, sie doch bitte laufen zu lassen hat er nur ein sarkastisches Lächeln übrig. Der Rest ist purer Horror.
Fazit
Nach kurzer Verschnaufpause in Episode zwei erreicht American Horror Story beinahe wieder das Niveau der Auftaktepisode. Für das Lüften eines Geheimnisses - den Zombiemenschen - bezahlt der Zuschauer zwar den Preis einer erneuten Erweiterung des Horrorrepertoires. Dies scheint jedoch leicht verzeihlich im Angesicht des neu hinzugewonnenen Gruselpotentials.
Ein sehr kurzer Exkurs soll an dieser Stelle gestattet sein. Dem Rezensenten kommt es nämlich so vor, als befinde er sich in einem gigantischen Pawlow'schen Experiment. Sollte der Zuschauer jemals den Song „Dominique“ von Soeur Marie außerhalb einer Episode von American Horror Story zu hören bekommen, so dürfte ihn sofort das beklemmende Gefühl eines Irrenanstalt-Aufenthaltsraumes beschleichen. Hier muss man den Machern wirklich ein (wenn auch nicht ganz ernst gemeintes) Kompliment aussprechen. Gegen jegliche Sehgewohnheiten beziehungsweise Erträglichkeitsgrenzen lassen sie konsequent dieses eine Lied im Hintergrund laufen.
Einige Figuren entwickeln sich jedenfalls weiter in die gleiche Richtung, während andere einen fulminanten Wandel durchlaufen. So wird Dr. Arden immer böser und widerwärtiger und die Geschichte von Oberschwester Jude immer komplexer. Schwester Eunice nimmt jedoch die interessanteste Wendung: Vom Liebchen zum Teufelchen. Wir als Zuschauer dürfen uns jedenfalls darauf freuen, ob sich die bösen Kräfte vereinen oder ob es weiterhin ein Hobbes'scher Krieg aller gegen alle bleibt und sich am Ende der Naturzustand (das wären dann die Zombies?) von alleine wiederherstellt.
Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 2. November 2012(American Horror Story 2x03)
Schauspieler in der Episode American Horror Story 2x03
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