American Horror Story 2x02

American Horror Story 2x02

Die zweite Episode der aktuellen Staffel von American Horror Story bietet nach dem verheißungsvollen Auftakt mehr vom gleichen. Zusätzlich bekommt der Zuschauer einen symbolistisch aufgeladenen Exorzismus, neue Facetten einzelner Charaktere und ein paar weitere Geheimnisse offeriert.

Lana Winters (Sarah Paulson) bekommt die Elektroschocktherapie in „American Horror Story“ / Foto:  (c) FX Networks
Lana Winters (Sarah Paulson) bekommt die Elektroschocktherapie in „American Horror Story“ / Foto:  (c) FX Networks

Zu Beginn der Episode Tricks and Treats der zweiten Staffel der Serie American Horror Story starren wir wieder einmal in Bloody Faces unansehnliche Fratze. Im Gegenwartserzählstrang gibt er Adam Levine alias Leo den Todesstoß und lässt dessen Freundin Teresa (Jenna Dewan-Tatum) noch einmal ihr schönstes Horrorfilm-Geschreie ausstoßen, bevor sie sich in letzter Sekunde vor dem blutrünstigen Killer in Sicherheit bringen kann. Sofort kommt die Frage auf, wozu diese Storyline überhaupt weitererzählt wird. Etwa als Lückenbüßer oder wird noch einmal ein großer Spannungsbogen zwischen Vergangenheit und Zukunft geschlagen?

Das Rätsel um Bloody Face

Der Killer scheint jedenfalls die Jahrzehnte überdauert zu haben, oder zumindest Auferstehungs- beziehungsweise Zeitreisefähigkeiten zu besitzen, denn schon im nächsten Moment steht er bei unserer unbedarften, aber recht eigensinnigen Grundschullehrerin (Clea DuVall) vor der Tür, um sein unheilvolles Werk an ihr zu verrichten. Oder ist das Bloody Face aus der Zukunft etwa ein einfacher Nachahmer? Ein gelungener Drehbuchkniff sähe jedenfalls anders aus.

Endlich wechselt die Handlung an den aus der ersten Episode liebgewonnen Hauptschauplatz Briarcliff. Oberschwester Jude (Jessica Lange) führt ihre persönliche Vendetta gegen die unfreiwillig internierte Journalistin Lana Winters (Sarah Paulson) fort. Um die von Lana erträumte Exklusivreportage über Briarcliff zu verhindern, holt sie sich vom bösen Dr. Arden (James Cromwell) die Genehmigung, ihre Patientin einer Elektroschocktherapie zu unterziehen. Dieser wundert sich zwar über so viel plötzliche Begeisterung Judes für seine „wissenschaftlichen“ Methoden, gibt ihr aber schnell die Bewilligung.

Memories are her worst enemies

Die folgenden, schwer erträglichen Szenen lassen uns mit einem unguten Gefühl und der Frage zurück, wo denn nur die guten Geister in diesem Spukschloss hausen. Als könnten die Drehbuchautoren unsere Gedanken lesen, schreiben sie den unermüdlichen Dr. Oliver Thredson (Zachary Quinto) in die Geschichte. Er soll Kit Walker (Evan Peters) untersuchen und die Entscheidung fällen, ob der nach seinen angeblichen Morden gefängnistüchtig ist oder direkt in der Irrenanstalt behalten werden soll. Seine aus heutiger Sicht hanebüchene Diagnose lautet: akute klinische Geisteskrankheit.

Wenngleich er die Diagnose noch nicht vernommen hat, schwant Kit Böses. Gemeinsam mit Grace (Lizzie Brocheré), einer der sympathischsten Patientinnen von Briarcliff, schmiedet er einen Plan zur Flucht. Den Schlüssel zu diesem Plan hält jedoch die elektroschocktherapierte Lana Winters in den Händen, die sich aber weigert, ihr Geheimnis zu verraten. Gegen Ende wird sie es auch sein, die Kits Unfreiheit als angeblicher Serienmörder ihrer eigenen Freiheit vorzieht und dafür sorgt, dass er mal wieder eine ordentliche Tracht Prügel einstecken muss.

Dr. Thredson positioniert sich sogleich als weiterer Gegenspieler von Schwester Jude. Er prangert die barbarischen Zustände in der Heilanstalt an und bemängelt die Abwesenheit psychiatrischer Heilmethoden. Überraschenderweise wirft er einige seiner Überzeugungen über Bord, als er beim Exorzismus eines jungen Patienten mithilft, der von seinen verzweifelten Eltern beim Verspeisen eines Viehherzens erwischt wurde.

Der Besessene wurde wohl in das Drehbuch eingebaut, um die Geister aus der Vergangenheit zweier Protagonisten heraufzubeschwören. Kurz erfährt der Zuschauer, dass Dr. Thredson wohl von seiner Mutter oder einer wichtigen Person in seinem Leben verlassen wurde. In einem Moment, in der Jude mit dem Patienten alleingelassen wird, gibt dieser sein ganzes unheimliches Wissen über ihre Vergangenheit preis. Wie in der ersten Episode schon angedeutet wurde, war sie in ihren jüngeren Tagen dem anderen Geschlecht wohl sehr stark zugeneigt. Außerdem hat sie im Vollrausch auf den Heimweg ein junges Mädchen überfahren. Das Pendel auf der Gut-und-Böse-Skala schlägt bei Schwester Jude nach jetzigem Stand dann doch eher in die böse Richtung aus.

Dem anderen großen Bösewicht, Dr. Arden, wird ein weiteres dunkles Geheimnis auf den Leib geschrieben. In seinem Zuhause empfängt er offenbar wiederholt Prostituierte, um sie nach vorheriger intellektueller Demütigung und diversen fetischistischen Kostüm- und Fesselspielchen zu massakrieren. Sein neuestes Opfer schafft es jedoch, seinen dunklen Absichten nach beherzter Gegenwehr inklusive Beißen und Treten zu entkommen. Später erwischen wir ihn auch dabei, wie er der leichtbekleideten und gar nicht mehr so braven Schwester Eunice (Lily Rabe) lüsterne Blicke zuwirft. Deren Rolle wird in wenigen Szenen und mit einem gekonnten Minenspiel so ziemlich auf den Kopf gestellt. In Briarcliff warten also noch einige Überraschungen auf den gewillten Zuschauer.

Fazit

Dieses Mal enthält die Episode weniger Aliens, dafür kommt ein Exorzismus hinzu. Die Drehbuchautoren scheinen wirklich die ganze Palette an Horrorelementen auffahren zu wollen, bevor sie sich (hoffentlich) für eine etwas kohärentere Erzählweise entscheiden.

Zudem beladen sie diese Episode mit einer gehörigen Portion Symbolismus: Dr. Arden verführt die bis dahin unbedarfte Schwester Eunice zu einem Biss in den karamellisierten Sündenapfel, woraufhin deren ängstliches Gemüt sich zu wandeln scheint. Oder war sie etwa schon immer so verschlagen und spielte die Rolle der ängstlichen Gottesfürchtigen nur? Nach misslungenem Exorzismus und Tod des Patienten durch Herzstillstand fällt sie jedenfalls in Ohnmacht und mit ihr der bekreuzigte Jesus von der Wand.

Hat in dem geschundenen Leib des Bauernjungen also wirklich der Teufel gewohnt? Die übernatürlichen Kräfte, die bei ihm während des versuchten Exorzismus freigesetzt werden, legen einen solchen Schluss ziemlich nahe. Sein Tod war jedenfalls der einzige schlüssige Ausweg aus dem Dilemma, dass ein einzelner Patient die Energieversorgung eines ganzen Schlosses lahmlegen kann. Der Zuschauer sollte also davor gefeit sein, weiteren Exorzismen beiwohnen zu müssen.

Die zweite Episode brachte viel Gleiches und Ähnliches zur Auftaktepisode. Es beschleicht einen das Gefühl, dass die Autoren sich noch einmal so richtig im Horrorgenre austoben wollten, bevor sie anfangen, eine wirklich fesselnde Geschichte zu erzählen. Weitere Geheimnisse kamen hinzu, keine wurden gelüftet und die etwas unnötig erscheinende Gegenwartsstory scheint ihr Ende auch noch nicht gefunden zu haben.

In Sachen mehrschichtige Charakterzeichnung konnten wieder neue Facetten bestaunt werden. Es bleibt abzuwarten, ob die Macher von American Horror Story an die starke Auftaktepisode anknüpfen können oder sich doch in der Durchdeklination aller gängigen Horrorfilmklischees verlieren. Das erstere wäre sehr wünschenswert.

Verfasser: Axel Schmitt am Freitag, 2. November 2012
Episode
Staffel 2, Episode 2
(American Horror Story 2x02)
Deutscher Titel der Episode
Süßes und Saures
Titel der Episode im Original
Tricks And Treats
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 24. Oktober 2012 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 5. Dezember 2012
Autor
James Wong
Regisseur
Bradley Buecker

Schauspieler in der Episode American Horror Story 2x02

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