American Horror Stories 1x01

American Horror Stories 1x01

Wem die übliche American-Horror-Story-Dosis nicht reicht, der kriegt in American Horror Stories nun kleine abgeschlossene Ein- oder Mehrteiler serviert, die mit zahlreichen alten Bekannten besetzt sind. Zum Start gibt es einen Zweiteiler namens Rubber (WO)MAN, der zurück ins Murder House aus Staffel eins geht.

Szenenfoto aus der Folge Rubber (WO)MAN von American Horror Stories (c) FX
Szenenfoto aus der Folge Rubber (WO)MAN von American Horror Stories (c) FX
© zenenfoto aus der Folge Rubber (WO)MAN von American Horror Stories (c) FX

Weil die Coronavirus-Pandemie die jĂ€hrliche American Horror Story-Staffel erst mal verschoben hat, gibt es ab 2021 gleich die doppelte Dosis des FX-Horrorfranchises. Denn ab sofort findet man eine Alternative zur staffelĂŒbergreifenden Mutterserie: eine Anthologie namens American Horror Stories, in der man kĂŒrzere Konzepte austesten oder alte erneut besuchen kann. So auch im Falle des Auftakts Rubber (WO)MAN, der direkt zum Start aber die Regel umgeht und aus zwei Episoden besteht. In Deutschland wird die neue Serie demnĂ€chst im Star-Bereich von Disney+ starten. Die meisten Staffeln des Originals kann man in der Flatrate bei Netflix vorfinden.

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American Horror Story“ ist bereits seit 2011 auf Sendung. In der ersten Staffel ging es dabei um ein mysteriöses Haus, das die Bewohner entweder umbrachte, zu SeitensprĂŒngen verfĂŒhrte oder in den Wahnsinn trieb. TatsĂ€chlich hatte ich dazu damals auch das Auftaktreview geschrieben und habe mir die gesamte Staffel angeschaut. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mir sonst Staffelthemen rausgepickt habe, die mich interessierten, weswegen ich den Rest der Serie eher stichprobenweise kenne. An das DebĂŒt kann ich mich allerdings noch ganz gut erinnern. Schon da wurden StĂ€rken und SchwĂ€chen des Formats deutlich, die spĂ€ter noch viel eklatanter wurden. Es ist sicherlich keine unschlaue Wahl, zurĂŒck zum Anfang zu gehen, das alles aber mit einem neuen, modernen Twist zu versehen. Man kriegt sogar sehr den Eindruck, dass Ryan Murphy und Co-Schöpfer Brad Falchuk eine Ministaffel im Zeitraffer durchziehen wollten.

Home Sweet Home im Murder House?

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Im Zentrum der ErzĂ€hlung stehen im ersten Teil Michael (Matthew Bomer), Troy (Gavin Creel) und ihre 16-jĂ€hrige Tochter Scarlett (Sierra McCormick), die in das berĂŒchtigte Mordhaus ziehen. Sie sind fixer upper, die das Haus renovieren und dann zu einer Touristenattraktion und Gelddruckmaschine machen möchten. Sie selbst glauben nicht an Geister, Spuk oder Ähnliches. Doch schon frĂŒh, als sich Scarlett umschaut, wird deutlich, dass dieses Haus einen unheimlichen Vibe hat. Als Teenager hĂ€ngt sie stĂ€ndig am Handy, hat aber nur eine Freundin namens Shanti (Belissa Escobedo).

Im Haus selbst spielen sich, wie man es aus der Mutterserie kennt, unerklĂ€rliche Dinge ab. Bald findet Scarlett den rubber suit von der Figur, die als Rubber Man bezeichnet wird. Zum Episodentitel passend wird sie dann zur Rubber (WO)MAN. Die Musik bleibt die altbekannte und auch Teile des Scores kommen Fans und Langzeitzuschauern der Reihe bekannt vor. ZusĂ€tzlich kommt der Twisted-Nerve-Song aus „Kill Bill“ rund ums Pfeifen mehrfach vor.

Als Scarlett den Rubber Suit zum ersten Mal anzieht, scheint ihr zu gefallen, was sie sieht und fĂŒhlt, doch als das Spiegelbild sich selbststĂ€ndig macht, merkt man, dass sie nicht immer die Kontrolle zu haben scheint. Allerdings ahnt man da wohl noch nicht, was sich hier abspielt, wenn man es nicht mit eigenen Augen sieht...

Smart ist the New Perfect Ten

In der Schule sucht Scarlett Anschluss. Sie ist lesbisch, hatte jedoch noch kein Coming-out. Innerhalb der Folgen lernen wir, dass sie gewisse BDSM-Vorlieben hat, was sich auch in ihrem Porno-Konsum ausdrĂŒckt, der ihren Dads Sorgen macht und fĂŒr eine Therapie sorgt.

Bald macht sie einer gewissen Maya (Paris Jackson, Tochter von Michael Jackson) schöne Augen, die das Geflirte offenbar erwidert. Es wĂ€re natĂŒrlich keine Ryan-Murphy-Serie, wenn es nicht Sex, Selbstbefriedigung, Fetischvorlieben, Mord und SeitensprĂŒnge gĂ€be und einiges passiert. Wenn nicht in den ersten 15 Minuten, dann im Verlauf des 90-minĂŒtigen Auftakts. Es ist vollkommen okay, wenn man mit 16 Jahren den eigenen Körper und die SexualitĂ€t ergrĂŒndet und diese Facette der Folge ist auch noch vergleichsweise harmlos. Es ist allerdings, wie öfter mal im „AHS“-Franchise so, dass es mit lĂ€ngerer Laufzeit immer abstruser wird. Persönlich hĂ€tte ich kein Problem damit gehabt, nach dem ersten Teil aufzuhören und es dabei zu belassen, denn der zweite Teil fĂŒhrt zur großen Eskalation. Aber damit greife ich etwas vor....

Scarlett wĂŒrde Maya jedenfalls gerne nĂ€her kennenlernen, droht jedoch, nach einem GesprĂ€ch mit den Eltern die Chance zu verpassen. Denn die beiden sorgen sich um ihre Entwicklung und ihre sadistischen oder masochistischen Tendenzen (es ist an dieser Stelle noch TBD). Das GesprĂ€ch darĂŒber finde ich relativ offen und ehrlich und eines der besseren, was ich dazu im Serienbereich gesehen habe. Denn die Dads bemĂŒhen sich um VerstĂ€ndnis und einen lösungsorientierten Ansatz, wĂ€hrend Scarlett natĂŒrlich als Teen nicht unbedingt die Bevormundung gut findet.

Amityville Horror on Crystal Meth

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Die Therapiesitzung wirkt ebenfalls sehr offen und ehrlich und scheint erste Resultate zu bringen. Dr. Andi Grant (Merrin Dungey) meint, dass sie zwar ebenfalls nicht unbedingt an Geister und Paranormales glaubt, aber dass es auf rein psychologischer Ebene durchaus passieren kann, dass man wegen des Hauses in Depression verfĂ€llt oder sein Verhalten Ă€ndert. So sei es beispielsweise auch bei Friedhöfen. Auf die Pyjamaparty darf Scarlett nach der Sitzung offiziell nicht gehen, was sie erbost. Als sich die Therapeutin dann verabschiedet, schlĂ€gt das Rubber Girl aber erneut zu und macht das Murder House um einen Geist reicher. Es soll nicht der einzige bleiben... Es kommt zu einer Situation, in der Scarlett als Rubber Girl ihre Eltern heimsucht und Troy versehentlich (?!?) mit dem Messer an der Hand verletzt. Das fĂŒhrt eigentlich zu Hausarrest.

Es ist oft etwas unklar, wann wer durch was kontrolliert wird. Eigentlich Ă€ndern sich die Pupillen, wenn sie die Maske aufsetzt, was fĂŒr eine Fremdkontrolle spricht. Doch dann spricht sie doch von einem Prank den Eltern gegenĂŒber. Konsequenz war aber eben noch nie eine StĂ€rke von „AHS“. Zudem gibt es immer wieder Momente oder Hintergrundinformationen zu den Figuren, die nur da sind, um zu schocken. Das ist sicherlich okay fĂŒr eine Serie aus dem Genre. Aber sowohl die Kidnapping-Story, als auch die Backstory von Ruby (Kaia Gerber) in Folge zwei, sind eigentlich nur dafĂŒr da, um möglichst viele Tabus zu brechen und eben um zu schockieren.

Wenig spĂ€ter schleicht Scarlett sich, als die Eltern eine Schlaftablette nehmen und The Crown schauen, davon und besucht die Schlummerparty bei Maya. Was zunĂ€chst wie eine offene AtmosphĂ€re unter Schulkameraden beginnt, entwickelt sich zu einer Make-out-Session zwischen Scarlett und Schwarm Maya, die zu einem Prank wird, der Scarlett bloßstellen soll. Denn die vier MĂ€dchen streamen den Moment der Zweisamkeit und ihr Outing fĂŒr das ganze Internet live, von dem sie nur wegen Freundin Shanti und ihrer Textnachricht erfĂ€hrt. Das lĂ€sst Scarlett vor Scham in den Boden versinken und weinend nach Hause fahren. Doch der Rubber Suit, den sie eigentlich schon weggeschmissen hatte, kehrt immer wieder zurĂŒck und kommt natĂŒrlich zum Einsatz als Racheinstrument.

Scarlett ist mit einem anderen Fall vertraut, in dem sich ein queerer Teenager das Leben genommen hat, nachdem ein Ă€hnlicher Vorfall geschehen war und droht den Klassenkameradinnen nun mit Ähnlichem, außer sie erscheinen in einer halbe Stunde in ihrem Haus. Dort vollzieht sie ihre Rache und ermordet die Peiniger auf grausame Weise und tut spĂ€ter so, als wĂ€re nichts geschehen.

Ruby, the Unfriendly Ghost Girlfriend

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In der zweiten Folge ist dann etwas Zeit vergangen. Der Mörder der MĂ€dels wird gesucht und Scarlett hat eine Geister-Freundin namens Ruby, mit der sie sich auf einer WellenlĂ€nge befindet (und die fast wie eine junge Rachel Bilson aussieht). Ihre Backstory ist wie bereits angedeutet ziemlich tragisch, aber das haben alle Bewohner der Geistervilla gemein. Von den eigenen Eltern verkauft worden zu sein, ist natĂŒrlich noch einmal ziemlich harter Tobak - auch im Gegensatz zum ZufĂ€llig-in-ein-Mordhaus-Ziehen.

WĂ€hrend die erste Episode erzĂ€hlerisch eigentlich recht rund ist, wird es im zweiten Teil gefĂŒhlt etwas gehetzter, chaotischer und vollgestopfter. NatĂŒrlich tauchen Ermittler auf, die Hinweise fĂŒr den Mord in Scarletts Richtung deuten. Dann gibt es immer weitere Geister, wĂ€hrend Ruby aber als BeschĂŒtzerin fungiert und auch die Therapeutin als Geist weitermacht. Dazu kommen Cameos oder Easter Eggs wie der Pig Man und natĂŒrlich der gute alte Seitensprung, der die Beziehung von Troy und Michael sabotiert, wie es einst auch in Staffel eins der Mutterserie war. Adam (Aaron Tveit) heißt der Mann, der helfen soll, den aber Troy auch anziehend findet und der spĂ€ter die Leichen in den WĂ€nden finden soll und blitzschnell bereit dazu ist, einen Zeugen zu ermorden, aber dann selbst wenig spĂ€ter umgebracht wird...

Wenn dieses Recap schon gehetzt wirkt, dann muss man sich nur die Episode anschauen - denn das passiert dort wirklich alles in nur wenigen Minuten. Man kann Murphy und Co gerne vorwerfen, dass ihnen in der Hauptserie die Ideen ausgehen und sie auf die eigens eingefĂŒhrten Regeln pfeifen. Hier ist es nun eben so, dass es eigentlich positiv ist, wenn man kleinere Horror-Dosen verteilt und dennoch wird einfach eine Menge in zwei Teile gequetscht und dafĂŒr dann schnell wieder eher QuantitĂ€t statt QualitĂ€t prĂ€sentiert. Es wird nicht unbedingt gruseliger, weil es mehr oder extremer ist. Im Horror rangiert doch oft genug die Regel „weniger ist mehr“ weit oben, was hier mit Messern zerschnitzt wird. Da kann man sich vielleicht mal anschauen, was die Kollegen von Evil machen, da es deutlich gruseliger auf mich wirkt.

Bonnie and... Bonnie?

So kommen bald auch Michael und Troy durch Ruby um. Dann wird etabliert, dass an Halloween besondere Regeln fĂŒr Geister gelten und Scarlett soll sich nun entscheiden, ob sie fĂŒr immer im Spukhaus leben will oder doch anders als der Rest ihre menschlichen Freiheiten genießen darf. Nebenbei taucht Shanti auch abseits des Handys auf und zeigt Scarlett, dass sie sich verĂ€ndert hat und sich Menschlichkeit doch lohnt. Die vier ermordeten Jugendlichen wollen Rache und Ruby beschĂŒtzt ihre Freundin weiter. It's a lot. WĂ€hrend der Halloween-Feier sieht eines der MĂ€dchen namens Nicole ihren Bruder William wieder, dem dann erklĂ€rt wird, was vorgefallen ist. Ruby nimmt statt Scarlett die Schuld auf sich und alles ist gut oder so.

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Fast schon etwas Disney-mĂ€ĂŸig ist dann das Ende des Ganzen. Statt eines Happy Ends (wie es die Autoren wohl bezeichnen wĂŒrden) gibt es in meinen Augen eher ein Crappy End, bei dem mehrfache Mörder einfach davonkommen, weil es nun mal so ist und sie teils noch schlechtere Menschen aus dem Weg geschafft haben. Denn zehn Monate spĂ€ter sind alle im Spukhaus plötzlich eine Happy eine Geisterfamily mit funktionierendem Handyempfang und weniger einander Abstechen aus Spaß an der Freude. Scarlett ist ein Racheengel im Rubber Suit, die den „Onkel“ von Ruby aus der Welt schafft, wĂ€hrend sie einmal im Jahr zum alten Zuhause zurĂŒckkehrt.

Fazit

WĂ€hrend ich der ersten Folge noch gute 3 1/2 Sterne zugestehen wĂŒrde, driftet mir alles im zweiten Teil doch wieder zu sehr ins Abstruse ab und das wĂŒrde ich eher in Richtung 2 1/2 Sterne bewerten.

Die Grundidee, dass man pro Folge ein neues Setting mit neuen Figuren prÀsentiert, wie zum Beispiel bei Creepshow, The Twilight Zone oder Black Mirror, finde ich gar nicht verkehrt, weil ich ohnehin den Eindruck habe, dass Murphy und Konsorten bei American Horror Story schnell die Lust oder Motivation verloren hatten. Denn nach guten Einstiegen wurden Staffeln dort oft sehr extrem, manchmal einfach zu einer Musikclipshow oder aber Charaktere wurden umgebracht, wiederbelebt und diverse Gruselregeln missachtet. Suspense und SubtilitÀt ist beim Franchise oft ohnehin ein Fremdwort.

Der Auftakt wirkt nun wie der Versuch eines redo: Man möchte also die damalige Staffel mit mehr Queerness neu drehen und im Zeitraffer durchziehen. Das kann man durchaus machen und einige Themen und Diskurse - vor allem in der ersten Folge - sind interessant, aber schon bald verliert man wieder einmal das Wesentliche aus den Augen und tut einfach alles in die Folge rein, was einem in den Sinn kommt - und das eben manchmal gefĂŒhlt ohne Verstand. Persönlich finde ich es noch nicht so schlimm wie bei manchen Netflix-Produktionen des Teams, bei denen mir vor allem Ratched in den Sinn kommt. Bei American Horror Stories hat man nun immer wieder eine neue Chance fĂŒr eine sehenswerte Folge. Darum will ich die Hoffnung nicht vorschnell aufgeben. Die Darsteller sind meistens gute Leute (wie Bomer) und machen ihre Sache mehr als nur solide. DarĂŒber hinaus muss die Zusammenarbeit mit Murphy ja irgendwie Spaß machen, sonst gĂ€be es mit Sicherheit nicht so viele „WiederholungstĂ€ter“.

American Horror Stories: FX-Serientrailer

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „American Horror Stories“ auf dem amerikanischen Kabelsender FX:

Du kannst die Serie „American Horror Story“ jetzt sofort bei Amazon Prime Video, Netflix, iTunes oder Magenta TV streamen.

Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 16. Juli 2021

American Horror Stories 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(American Horror Stories 1x01)
Titel der Episode im Original
Rubber(wo)Man
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 15. Juli 2021 (Hulu)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 8. September 2021
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Mittwoch, 8. September 2021
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Mittwoch, 8. September 2021
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Mittwoch, 8. September 2021
Autoren
Ryan Murphy, Brad Falchuk
Regisseur
Loni Peristere

Schauspieler in der Episode American Horror Stories 1x01

Darsteller
Rolle
Gavin Creel
Sierra McCormick
Paris Jackson
Selena Sloan
Ashley Martin Carter
Valerie Loo

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?