The Walking Dead: World Beyond 1x01

© he Walking Dead - World Beyond (c) AMC
Würde man 100 Zuschauer von The Walking Dead befragen, ob die Serie ihren Höhepunkt bereits hinter sich hat, dann würde die Mehrheit wohl mit einem Ja antworten. Zehn Staffeln von The Walking Dead, bald sechs Staffeln von Fear the Walking Dead und nun startet auch noch The Walking Dead: World Beyond bei AMC (in Deutschland ab sofort bei Amazonn Prime Video). Immerhin wurde bei diesem zweiten Spin-off vorab bereits verraten, dass die Handlung auf zwei Staffeln begrenzt sein wird. Obwohl der große Hype sicherlich längst vorbei ist, sollte man der neuen Serie eine faire Chance einräumen. Worum geht es also?
Wovon handelt The Walking Dead: World Beyond?
Wir befinden uns in einer Welt, in der Zombies seit zehn Jahren zur Tagesordnung gehören. Wir lernen eine Community aus Nebraska kennen, die die Lage größtenteils im Griff hat und deren Bewohner halbwegs normale Leben führen können. Es gibt Schule, Ausflüge, Alltag und auch neue Feiertage. Sicherheit spielt eine große Rolle und die Zombies, die hier empties heißen, werden gezielt ausgeschaltet oder markiert.

Es ist die Lebensrealität der Schwestern Iris (Aliyah Royale) und Hope (Alexa Mansour). Iris ist ambitioniert, Klassenbeste, Schulsprecherin und sorgt sich um die Zukunft. Hope ist eher eine Slackerin und dazu Unruhestifterin. Sie sabotiert festliche Banner, schmuggelt Alkohol auf Partys und sie schleicht sich im Gepäckfach des Schulbusses weg, um das Grab ihrer Mutter zu besuchen. Dabei entdeckt sie, dass die Gäste vom CRM womöglich Dinge verbergen. Ihr Vater Dr. Leo Bennett (Joe Holt) befindet sich beim besagten CRM, was für Civil-Republic Military steht, und forscht dort. Allerdings ist vieles über das CRM geheim. Wo genau es sich befindet beispielsweise und somit auch, wo die Grenzen verlaufen.
Was wir aus dem Auftakt Mutig lernen, ist, dass drei Gemeinschaften zusammen eine Große bilden, wofür auch die drei Ringe im Logo zu stehen scheinen. Portland und Omaha gehören noch dazu. Die Logos des CRM haben wir sowohl in The Walking Dead (bei Ricks (Andrew Lincoln) Abtransport mit dem Hubschrauber in der neunten Staffel) als auch in Fear the Walking Dead (bei Althea (Maggie Grace) und Isabelle (Sydney Lemmon) in Staffel fünf) schon gesehen. Man kann also gespannt sein, ob man besagte Figuren noch zu Gesicht bekommt.
Die erste Folge stellt uns allerdings zunächst einmal die Figuren im Zentrum vor. Denn der sogenannte „Monument Day“ steht an, also der zehnjährige Jahrestag der Katastrophe. Die Überlebenden feiern sich als Monumente, die verblieben sind, und es kommt zu hohem Besuch durch Lieutenant Colonel Elizabeth (Julia Ormond), die die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft zelebrieren will. Doch das Problem ist, dass man ihr und ihrer Gruppierung aufgrund der Geheimniskrämerei nicht über den Weg traut. Iris und Hope erhalten im Geheimen über einen Ticker Botschaften von ihrem Vater. Als diese immer beunruhigender werden, beschließen sie, etwas zu unternehmen. Auch Elizabeth wird kurz vor der wichtigen Nacht konfrontiert und versorgt die Mädchen mit einer angeblich geheimen Landkarte vom CRM, bei welchem auch ihr Vater forscht. Doch, wie sich noch herausstellt, sieht das nach einem Teil ihres Plans aus.
Iris träumt ständig von der verhängnisvollen Nacht vor zehn Jahren und geht deswegen auch zur Therapie. Als jedoch ihre Psychologin stirbt, die ihr kurz zuvor geraten hat, mehr im Jetzt und weniger für eine ungewisse Zukunft zu leben, wird beschlossen, dass man sich auf die Suche nach dem Vater machen soll. Die Jugendlichen Elton (Nicolas Cantu) und Silas (Hal Cumpston) wollen sie aus verschiedenen Gründen begleiten. Und ihr Vormund Felix (Nico Tortorella) sowie die befreundete Huck (Annet Mahendru), die wissen, was sie vorhaben, nehmen die Verfolgung auf. Kurz nach dem Verlassen von Omaha schlägt derweil der CRM zu und startet eine Attacke auf die Ortschaft, die viele Todesopfer erfordert. Ist das eine feindliche Übernahme?
1100 Meilen zu Fuß

Ein großes Problem von The Walking Dead: World Beyond in der ersten Episode ist die fehlende Spannung. Die Sicherheit der Gemeinschaft sorgt dafür, dass ich persönlich mich schwer getan habe, mit den Charakteren warm zu werden. Das ändert sich zum Ende der Folge, als gewisse Wendungen gezeigt werden, aber wenn man dieses Erzähltempo beibehält, dürfte es schwer fallen, die meisten Zuschauer bei der Stange zu halten. Es ist zwar interessant zu sehen, wie die Gesellschaft organisiert ist und was man im Kontrast zu Rick, Daryl (Norman Reedus), Morgan (Lennie James) und Co gelernt zu haben scheint, aber die anderen Serien sind alle an Punkten in ihrer Handlung angekommen, wo die Untoten eigentlich eher Beiwerk sind. Eine Übersättigung stellt sich ein.
9671 leben in Omaha und es scheint fast so etwas wie Erste-Welt-Probleme zu sein, mit dem die Jugendlichen sich hier antreiben lassen. Denn eigentlich läuft es ja für sie. Völlig normale Kleidung, Nahrung und Infrastruktur sind vorhanden und nun geht es eher darum, ob man optimistisch oder fatalistisch eingestellt ist. Darum wird das CRM zur Gefahr und auch die interpersonellen Konflikte dürfen nicht fehlen. Denn über Flashbacks erfahren wir, dass Hope und Iris damals getrennt wurden. Iris war bei ihrem Vater, Hope bei der Mutter und um sie herum ist ein Flugzeug abgestürzt. Kurz darauf wurde ihre Mutter von einer schwangeren Person erschossen, die es auf das gleiche Fluchtauto abgesehen hatte wie Hope und ihre Mutter. Diese Person lässt die Waffe fallen, die dann Hope benutzt, um Rache für den Mord an ihrer Mutter zu nehmen. Nun stellt sich am Ende der Folge heraus, dass Elton ein Sohn besagter schwangerer Frau ist, was sicherlich noch für Reibungen sorgen wird, denn wir sehen ein Foto von ihr in seinen Händen. Immerhin kann man den Jugendlichen beim Start ihrer Reise nicht vorwerfen, dass sie zu wenig für die lange Reise mitnehmen, denn man sieht Rucksäcke und Schlafsäcke. Ob sie allerdings wirklich auf das vorbereitet sind, was sie on the road erwartet, bleibt abzuwarten.
Wer hat danach verlangt?

Die darstellerischen Performances sind eher durchschnittlich und ragen nicht besonders heraus. Bisher gibt es allerdings noch keinen Totalausfall. Das kann sich aber sicherlich noch ändern (Stichwort Chris (Lorenzo James Henrie) in Fear the Walking Dead). Mit Ormond und Tortorella hat man zumindest einige bekannte Film- und Fernsehgesichter mit dabei.
Man stellt sich aber unweigerlich die Frage, wenn man einen Blick auf die Einschaltquoten-Entwicklung der beiden anderen Formate wirft, ob wirklich überhaupt erst die Nachfrage nach einer dritten Serie besteht. Mit dem Ansatz, das man sich einer Young-Adult-/Coming-of-Age-Geschichte widmet, kann man vielleicht in der jungen Zielgruppe ankommen. An frühere Erfolge wird man aber sicherlich kaum anknüpfen können. Ob mit der Serie die eine Brücke etwa zu den Rick-Grimes-Kinofilmen aufgebaut werden soll, muss sich auch erst noch zeigen.
Die Neugier darauf könnte einige verbliebene Altfans vielleicht anlocken. Aber The Walking Dead: World Beyond bietet einfach nichts, was man so oder so ähnlich in den bisher knapp 15 Staffeln des Franchises noch nicht gesehen hat - außer vielleicht neue geografische Regionen. Sportlich ist es natürlich auch, 1100 Meilen zu Fuß zurückzulegen, wenn man sonst behütet hinter Mauern groß geworden ist. Road-Movie-Settings hatten wir allerdings auch schon in Staffelabschnitten der beiden anderen Serien. Jugendliche gab es auch in beiden Serien, die allerdings oft eher schnell zu den nervigeren Figuren gehörten.
Fazit
Mit einem leider relativ lahmen Einstieg liefert The Walking Dead: World Beyond wenig überzeugende Gründe, warum man diese dritte Serie aus dem The Walking Dead-Universum unbedingt verfolgen sollte. Der Auftakt überzeugt mich also nicht, da er stellenweise langweilt. Dennoch bleibe ich als Franchise-Verfolger wohl zumindest noch etwas dran, um zu schauen, wie sich das entwickelt.
Die Hoffnung auf ein Wunder hält sich bei mir aber arg in Grenzen, denn die anderen Serien haben einfach schon viel des Potentials rund um die Zombie-Apokalypse ausgeschöpft. Abschließend eine Frage, die mich beschäftigt: Würden die Zuschauer die Serie ohne das „The Walking Dead“-Branding überhaupt einschalten? Verratet mir Eure Gedanken dazu in den Kommentaren.
Hier abschließend noch ein Serientrailer zu The Walking Dead: World Beyond:
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Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 2. Oktober 2020The Walking Dead: World Beyond 1x01 Trailer
(The Walking Dead: World Beyond 1x01)
Schauspieler in der Episode The Walking Dead: World Beyond 1x01
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