The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x01

The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x01

Die Debütepisode der zweiten Staffel von „The Lord of the Rings: The Rings of Power“ bei Amazon Prime Video macht nahtlos da weiter, wo die Serie im Oktober 2022 endete. Dabei setzen die Serienmacher in der Fortsetzung auf altbewährte Tugenden, ändern aber auch nichts an den erzählerischen Schwächen. Mehr dazu gibt es in unserem Review zu Folge eins.

Szenenfoto aus der zweiten Staffel der Serie „The Lord of the Rings: The Rings of Power“
Szenenfoto aus der zweiten Staffel der Serie „The Lord of the Rings: The Rings of Power“
© Prime Video

Das passiert in „Elbenkönige hoch im Licht“, der ersten Folge der zweiten Staffel von The Lord of the Rings: The Rings of Power

Elrond verbirgt in Elbenkönige hoch im Licht die drei Elbenringe vor dem Hochkönig Gil-Galad und Herrführerin Galadriel in der Befürchtung, sie könnten durch Sauron korrumpiert worden sein. Im Schiffsbaumeister Cirdan von Lindon glaubt er, einen Verbündeten gefunden zu haben, doch dieser entscheidet sich dafür, eines der mächtigen Schmuckstücke selbst zu tragen und die anderen beiden an Gil-Galad auszuhändigen.

Währenddessen schmiedet der von den Orks verschmähte Sauron düstere Pläne, um Adars Vertrauen zu gewinnen, Celebrimbor endgültig auszuschalten und Eriador zu vernichten. Der fremde Zauberer und Nori wandern zur selben Zeit durch die Wüste und bekommen einen unerwarteten Begleiter...

Unterschiedliche Meinungen

Es ist kein allzu großes Geheimnis, dass die erste Staffel von The Lord of the Rings: The Rings of Power gelinde gesagt für Kontroversen sorgte. Während das bekannte Portal Rotten Tomatoes bei professionellen Kritikerinnen und Kritikern eine 83-prozentige Zustimmung listet, bewerten nur 38 Prozent der Fans die Fantasyserie bislang positiv. Nun sollte man solche Zahlen in Zeiten von Review-Bombing und ähnlichen Praktiken mit Bedacht nehmen, andererseits zeigt dies in Verbindung mit den vielen hart geführten Diskussionen im Netz aber auch eine starke Uneinigkeit in der Community.

Ich erwähne das deshalb, weil die Start-Season anders als ursprünglich geplant noch von meinem verehrten Kollegen Mario Giglio begutachtet wurde, der die ersten acht Folgen wesentlich positiver bewertete, als ich es getan hätte. Nicht etwa aus den in den sozialen Netzwerken häufig angeführten Gründen des mangelnden Kanon-Respekts, sondern weil ich die Staffel auf den Kern heruntergebrochen für einen narrativen Blender halte.

Die Serienerfinder Patrick McKay und John D. Payne überfielen uns geradezu mit einem beinahe unübersichtlichen Wust an Figuren, die mal mehr, mal mehr weniger prominent auftauchten, trotz starker Dialoglastigkeit im Grunde genommen aber nicht wirklich viel zu erzählen hatten. Die Bildkompositionen, das Sounddesign, die Ausstattung: All das war und ist zweifellos wunderschön. Doch was habe ich von dem ganzen Chic, wenn am Ende das Gefühl bleibt, eine bis ins Unendliche aufgeblähte Geschichte erlebt zu haben, die viel zu oft spannungsarm vor sich hinplätschert und für die lange Laufzeit (immerhin acht Folgen mit je circa 70 Minuten) kaum echte Höhepunkte bietet?

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Gefangene in „The Lord of the Rings: The Rings of Power“
Gefangene in „The Lord of the Rings: The Rings of Power“ - © Prime Video

Es ist nicht so, dass die erste Staffel nicht ihre unterhaltsamen Momente gehabt hätte. Die Geschichte von Arondir und Brownwyn hatte durchaus Potential, wird aber aufgrund von Nazanin Bonladis Ausstieg leider nicht fortgeführt. Überhaupt sorgte Schauspieler Ismael Cruz Cordova als kriegerischer Elb und einer an Orlando Bloom erinnernden Körperlichkeit für einige Schauwerte. Es bleibt zu hoffen, dass wir ihn in der Fortsetzung oft zu sehen bekommen.

Weniger erbaulich ist hingegen die Figurenzeichnung von Heerführerin Galadriel (Morgydd Clark), die sich in der ersten Folge von Staffel zwei leider nicht wesentlich ändert. Noch immer kommt die künftige Königin besserwisserisch herüber, noch immer sind ihre Entscheidungen nicht wirklich nachvollziehbar und höchst ambivalent.

Damit sind wir auch schon mittendrin in Episode 2.1, die sich in den ersten Minuten wenig erfolgreich um eine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse bemüht. Allein schon die Tatsache, dass der Rückblick mehrere Minuten beansprucht, legt Zeugnis von der Tatsache ab, dass der Writers' Room so viele Erzählfässer geöffnet hat, dass sie sich am Ende womöglich nur schwer sinnvoll schließen lassen werden.

Nachdem wir auf dem aktuellen Stand gebracht wurden, setzt „The Lord of The Rings: The Rings of Power“ fast nahtlos an der letzten Szene der Finalepisode von Season eins an, in der Sauron Mordor und den Schicksalsberg erschafft. Tief unter dem Berg versucht der dunkle Herrscher, die unter Adars (nach dem Ausstieg von Joseph Mawle nun von Sam Hazeldine gespielt) Führung stehenden Orks davon zu überzeugen, sich ihm anschließen. Statt einer Armee findet der Abscheuliche Schrecken, wie er von den Elben genannt wird, allerdings nur Verrat und Folter.

Die entsprechenden Szenen sind hübsch düster gehalten und ansprechend fotografiert, inhaltlich aber leider relativ wertlos. Dass Sauron nicht stirbt, sondern seine Macht festigen und zum Kriegstreiber von Mittelerde wird, dürfte auch den nicht so eingefleischten Fans bekannt sein. Insofern dient die Szene lediglich dazu, den eigens von den Machern erfundenen Adar ins rechte Licht zu rücken.

An dieser Stelle setzt übrigens ein weiterer Kritikpunkt an, denn gebraucht hätte es den korrumpierten Elben eigentlich nicht. Zwar versuchen McKay und Payne, die Figur sinnvoll zu kontextualisieren, dies gelingt jedoch nur leidlich, da vollkommen klar ist, dass Adar am Ende Sauron unterliegt. Der dunkle Lord wird Orks, Trolle und Warge um sich scharen, um Tod und Verderben über die freien Völker zu bringen.

Rein dramaturgisch setzt die Episode hier allerdings einerseits einen visuell beeindruckenden actionreichen, blutigen Höhepunkt, der andererseits darin mündet, uns Saurons Taktik zur Unterwerfung der freien Welt zu offenbaren. Die Erklärung dafür, warum das Ganze aber gleich fast zwanzig Minuten in Anspruch nehmen muss - inklusive eines zwar schönen aber verzichtbaren Dialogs zwischen Sauron und einem flüchtenden alten Mann - bleibt man dem Publikum indes schuldig.

Zu lang

Um es in einem Satz auszudrücken: Die Episode ist zu lang und hätte gut und gerne zehn bis 15 Minuten kürzer sein dürfen. Das ist ein bereits aus Season eins bekanntes Phänomen, das zu Recht des Öfteren bemängelt wird und sich nun fortsetzt, da dies nur einer von drei teils verwirrenden und sprunghaft erzählten Hauptsträngen ist, denen wir folgen müssen. Dabei bleiben Arondir und die Zwerge zunächst noch vollkommen außen vor, denn die Episode konzentriert sich „lediglich“ auf die Elbenringe, den Fremden und Nori sowie Sauron und Adar.

Saurons Weg führt den Dunklen Lord schließlich in einer schlecht gemachten Szene nach Eriador, wo Celebrimbor ihn nicht erkennt und ihm Einlass gewährt. Die Sequenz dürfte manchem Fan bereits aus dem im Vorfeld veröffentlichten Trailer bekannt sein. Sie zeigt Schauspieler Charlie Vickers, der lediglich mit Perücke bewehrt in die Stadt einreitet; viel ideenloser geht es eigentlich kaum. Natürlich kann man Celebrimbors Blindheit mit Saurons Macht wegargumentieren, wenn man mag. Doch ein wenig szenisches Feingefühl und Geschick, beispielsweise in Form der Visualisierung seines verschleierten Blicks (Celebrimbor sieht beispielsweise eine vollkommen andere Person in Sauron) hätte da schon sein dürfen. Das sind kleine, aber ärgerliche Momente, da viele Szenen auf visueller Ebene sehr ansprechend sind, in solchen Momenten aber zulasten der Immersion geschludert wird.

Dasselbe gilt übrigens für zahlreiche Dialoge, die teilweise mit viel dichterischem Geschick geschrieben sind, sich aber vom Timing her endlos gezogen anfühlen und daher ihren eigentlichen Sinn verschleiern. Es kommt einfach zu oft vor, dass die Protagonisten nur um der Worte willen über Dinge diskutieren, die dem Publikum schon längst klar sind, so geschehen etwa in den Gesprächen zwischen Galadrial und Elrond.

Galadriel

Die Elbin ist, wie erwähnt, einer der großen Knackpunkte der Serie, der sich noch weiter zu vertiefen scheint. Ständig fordert die Figur Vertrauen, Freundschaft und Gefolgschaft ein, ohne gefühlt aber auch nur eine vernünftige Entscheidung zu treffen. Sie war es, die Sauron zu den Elben brachte und die Erschaffung der Ringe überhaupt erst ermöglichte. Sie ist es, die in ihrem Hass auf den dunklen Lord keinerlei Rücksicht auf andere nimmt und Gil-Galad nicht sagen möchte, wer Halbrand in Wirklichkeit ist. Der Hohekönig muss seine Heerführerin geradezu dazu zwingen, obwohl die Information für das Überleben der Elben entscheidend ist.

Last, but not least überwirft sie sich mit Elrond, der die drei Elbenringe vernünftigerweise vernichten oder wenigstens verstecken möchte, da sie durch Sauron korrumpiert sein könnten. Er ist zudem der Einzige, der Galadriels Motivation und Absichten hinterfragt. Ansonsten schaltet und waltet die Heerführerin wie sie es für richtig hält. Immerhin überlassen die Autoren das Überbringen der Ringe nicht ihr, sondern dem Herrn der Grauen Anfurten Cirdan (Ben Daniels), den die Macht des Rings des Feuers namens Narya zu sehr lockt. Die dazu gehörige Szene, die den Baum von Lindor wiedererweckt, ist dank eines von Benjamin Walker (Gil-Galad) beeindruckend schön in Sindarin vorgetragenen, melancholischen Lieds das absolute Highlight der Episode und einer „Herr-der-Ringe“-Adaption mehr als würdig.

Nori und der Fremde

Werfen wir abschließend noch einen Blick auf den Fremden (Daniel Weyman) und Nori Brandyfoot (Markella Kavenagh), die sich in der Wüste verlaufen und von einem geheimnisvoll und gefährlich aussehenden Krieger verfolgt werden. Die Szenen zwischen Weyman und Kavenagh lockern die Episode in vielerlei Hinsicht auf und halten mit der Rückkehr einer Figur eine Überraschung parat, die wir aus Spoiler-Gründen an dieser Stelle nicht herausposaunen wollen.

Der Handlungsstrang der Figuren kommt in der Episode deutlich kürzer als die beiden anderen daher und wird nicht mit diversen Nebenbaustellen künstlich gestreckt. Das sorgt für eine gewisse Stringenz, die ich mir an anderen Stellen durchaus gewünscht hätte. Die Vermutung, dass der Fremde niemand Geringeres als Gandalf ist, liegt natürlich nahe, es bleibt abzuwarten, wann die wahre Identität des Zauberers letztlich offenbart wird. Stellt sich noch die Frage, welcher (möglicherweise) unheimliche Feind das ungleiche Duo verfolgt und welches Ziel die Reise hat.

Fazit

Die Landschaften bleiben schön in „The Lord of the Rings: The Rings of Power“
Die Landschaften bleiben schön in „The Lord of the Rings: The Rings of Power“ - © Prime Video

The Lord of the Rings: The Rings of Power setzt weiterhin auf seine audiovisuellen Stärken, führt aber auch die bisherigen narrativen Schwächen der Serie weiter. Die Figur der Galadriel ist inhomogen geschrieben und lässt die nötige Sympathie vermissen, Adar ist als Charakter im Grunde genommen nutzlos, es gibt zu viel Füllmaterial und einige Dialoge ziehen sich wie Kaugummi. Andererseits versprüht die Episode aber auch eine wunderschöne Poetik in Wort und Bild und bietet einige fantastische Darstellerinnen und Darsteller auf. Charlie Vickers, Markella Kavenagh, Robert Aramayo, Benjamin Walker: Sie alle sind zurecht Teil der teuersten Serie aller Zeiten, die ein unvergessliches Erlebnis sein könnte, wenn der Writers' Room schneller auf den Punkt käme.

Künstlerische Freiheiten, Ausklammerungen von kanonischen Begebenheiten, gestraffte zeitliche Abläufe und andere Faktoren lassen wir bei der Bewertung der Episoden dabei außen vor. All dies gehört zum gängigen und normalen Schaffungsprozess einer Serie. Man kann nun einmal einem literarischen Stückwerk (denn letztlich ist die Mittelerde-Saga genau das) nicht wortgetreu folgen, wenn man es als TV-Serie mit fünf Staffeln adaptieren möchte. Dennoch fehlt es der Produktion bei aller optischen und bisweilen auch literarischen Eleganz bisher an Stringenz, einer straffenden Hand und einem bei der Stange haltenden Tempo.

Für Episode eins vergeben wir daher drei von fünf Ringen.

Verfasser: Reinhard Prahl am Donnerstag, 29. August 2024

The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x01 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 1
(The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Elbenkönige hoch im Licht
Titel der Episode im Original
Elven Kings Under the Sky
Länge der Episode im Original
1 Stunde 17 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 29. August 2024 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 29. August 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Donnerstag, 29. August 2024
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Donnerstag, 29. August 2024
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Donnerstag, 29. August 2024

Schauspieler in der Episode The Lord of the Rings: The Rings of Power 2x01

Darsteller
Rolle
Charlie Vickers
Morfydd Clark
Charles Edwards
Owain Arthur
Daniel Weyman
Markella Kavenagh
Megan Richards
Ismael Cruz Cordova
Lloyd Owen
Sam Hazeldine
Benjamin Walker
Trystan Gravelle
Ema Horvath

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