The Lord of the Rings: The Rings of Power 1x07

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Nachdem die letzte Episode („Udun“) mit der plötzlichen Erschaffung von Mount Doom und in Verlängerung in Mordor endete, fragt man sich, wie es in Mittelerde und vor allem in den (ehemaligen) Southlands weitergehen wird. Wer hat überlebt und was ist der nächste Schritt, wenn es überhaupt einen gibt? Das offizielle Promo-Material zur Folge deutete außerdem an, dass das Böse sich enthüllen wird. Gibt es also endlich Antworten? Taucht Sauron schließlich auf, wie der Episodentitel „The Eye“ suggeriert? Oder ist etwas ganz anderes aus den Schatten gemeint?
Mordor
Die Folgen des aktivierten Mount-Doom-Mechanismus sind tatsächlich erheblich. Nicht nur, weil die Southlands fortan nur noch ein für Orks lebensfreundlicher Raum sind, sondern auch, weil die Gegend direkt nach dem Kataklysmus eine regelrechte Hölle darstellt, so dass auch dies Folge gut „Udun“ hätte heißen können. Von Glut und Asche umgeben machen sich die Überlebenden daran, verschüttete und verbrannte Mitmenschen aufzulesen, wobei Isildur (Maxim Baldry) einen seinen Kameraden verliert und scheinbar selbst von einem einstürzenden Dach in den Tod gerissen wird. Tolkien-Fans, die wissen, was er noch zu tun hat, fallen natürlich nicht darauf rein.
Miriel (Cynthia Addai-Robinson) trifft auf Elendil (Lloyd Owen), der feststellen muss, dass seine Regentin ihr Augenlicht verloren hat, während sie sich gemeinsam zum numenorischen Camp aufmachen, wo die Verletzten verpflegt werden. Galadriel (Morfydd Clark) macht sich parallel mit Theo (Tyroe Muhafidin) auf den Weg, wobei sie erneut gute Ratschläge erteilt, die sie selbst nicht zu befolgen scheint - doch diesmal merkt sie, wie ihre weisen Worte auch ihr selbst guter Rat wären. „It darkens the heart to call dark deeds good. It gives place for evil to thrive inisde us.“ Später ermutigt sie den desillusionierten Jungen, sein Vertrauen in die Valar nicht zu verlieren, während kurz das Valinor-Theme aus dem Prolog anklingt. Nur fällt es ihm verständlicherweise schwer, nach der Zerstörung seiner Heimat einen göttlichen Plan zu erkennen, den selbst die elbische Kommandantin noch nicht sehen kann.
Bei der zarten Unterhaltung von Elbin und Menschenjunge, von der wir nicht wussten, dass wir sie brauchen, erfahren wir übrigens auch, dass Galadriel doch schon verheiratet ist, wie sie es zu diesem Zeitpunkt auch in der kanonischen Tolkien-Zeitlinie wäre. Nur hat sie ihren Mann Celeborn seit dem Krieg nicht gesehen und hält ihn für einen der Gefallenen. Bisher hatte man angenommen, ihre Romanze wäre auf einen späteren Zeitpunkt in der Serie verschoben worden. Witzig, wie die Serie es manchmal schafft, vermeintliche Abweichungen von Kanon doch noch auf Linie zu bringen. Haben wir ihn also auch schon im Prolog gesehen? Ist er einer der Elben, die zusammen mit ihrem Bruder Finrod (Will Fletcher) die Schwerter hoben? Interessant ist auch, dass man auf den gleichen Weihnachtsbaumlichter-Trick zurückgegriffen haben scheint, um das Funkeln in Galadriels Auge zu erreichen, wenn sie über Celeborn spricht.
Im Camp angekommen kommt es zu einer emotionalen Wiedervereinigung von Theo mit seiner Mutter Bronwyn (Nazanin Boniadi) und sogar Elbenstiefvater in spe Arondir (Ismael Cruz Cordova), nachdem man die beiden bis in die spätere Hälfte der Episode nicht zu Gesicht bekommen hat. Galadriel wird unterdessen bei Miriel vorstellig, die numenorische Vergeltung schwört und muss feststellen, dass Halbrand (Charlie Vickers) ebenfalls schwer verletzt wurde. Der Mann mit den vielen Ringen an der Rüstung, der des Schmiedens mächtig ist und gerade zum König der Southlands erklärt wurde, wird deshalb für bessere medizinische Versorgung ins Elbenreich eskortiert, wo gerade die Schmiede fertiggestellt wird, in der ein Gewisser Dark Lord dem Elben Celebrimbor (Charles Edwards) die Herstellung der Ringe der Macht beibringen müsste... Wir schmieden unterdessen ein paar weitere Alarmglocken aus der Halbrand=Sauron-Kollektion.
Für alle, die dann immer noch nicht geschnallt haben, dass in der letzten Episode Saurons Schattenland geschaffen wurde, gibt es ganz am Ende sogar noch eine ulkige Insert-Einblendung der Ortsbezeichnung „The Southlands“, die sich dramatisch in den finsteren Schriftzug „Mordor“ im Font des Bösen verwandelt, als wären wir in einem alten Abenteuer-Serial oder in einem Hammer-Horrofilm aus den 70ern. Das ist so altbacken und abgeschmackt genremäßig, dass es regelrecht niedlich ist.
Die Harfüße und der Fremde
Die Harfüße erreichen auf ihrer Migration einen Zwischenstopp, den sie von einigen Vulkanauswürfen verwüstet vorfinden. Kein gutes Zeichen, wie Sadoc (Lenny Henry) ahnt, der aus Überlieferungen weiß, dass der schlafende Berg im Süden erst erneut erwacht, wenn das Böse zurückkehrt. Der Fremde (Daniel Weyman) verzaubert daraufhin einen Baum und verletzt damit fast eines der Kinder, was wieder nicht viel für seinen Beliebtheitsstatus macht. Erst am nächsten Morgen wird klar, dass er damit die Flora vor Ort revitalisiert hat und es ein Übermaß an Früchten und anderen Leckereien gibt.
Sadoc schickt den Fremden daraufhin Richtung Mirkwood aka Düsterwald, wo er die besten Chancen haben soll, die von ihm gesuchte Konstellation zu finden. Kurz darauf kreuzen dann die drei in Weiß gekleideten, finster aussehenden Frauen den Weg der Harfüße. Nori versucht mutig, sie von der Fährte des Fremden abzubringen und Largo (Dylan Smith) versucht, sie zu beschützen. Als Reaktion verbrennen die drei Kultistinnen (?) die Wagen der Karawane. Werden die Harfüße dadurch sesshaft in diesem durch Magie fruchtbar gemachten Land? Laut Tolkien sollen die Harfüße mit die ersten Hobbit-Vorfahren gewesen sein, die ihr Nomadenleben aufgaben.
Nori beschließt, ihren langgewachsenen Freund zu warnen, woraufhin sich überraschenderweise eine Art fellowship of the Harfoots gründet, denn neben ihrer Sam-ähnlichen, besten Freundin Poppy (Megan Richards) kommen auch ihre Mutter Marigold (Sara Zwangobani) und Sadoc mit. Letzterer nach Motivation von ausgerechnet Malva (Thusitha Jayasundera), die sich auch endlich ein Herz fassen konnte, was den fremden Riesen angeht. Viel besser als in der losgelösten Trailer-Szene funktioniert hier auch die Ansprache von Noris Vater Largo, der die Gemeinschaft daran erinnert, dass es Zusammenhalt ist, der Harfüße ausmacht.
Die Entscheidung, allen Gefahren zum Trotz vom Weg abzukommen, ist hier sozusagen das aus der Tür gehen Bilbos am Anfang von „The Hobbit“ - ein mutiger Schritt ins Abenteuer, das sowohl der Welt helfen könnte, als auch persönliches Wachstum beweist.
Khazad-dum
Während die Ereignisse in den Southlands und bei den Harfüßen große emotionale Momente bereithalten, wartet der größte Schlag in die Magengrube in Khazad-dum auf uns, wo Elrond (Robert Aramayo) demütig vor Zwergenkönig Durin (Peter Mullan) vorstellig wird, um das Mithril-Gesuch der Elben darzulegen. Dass dieser das Gesuch ablehnen will, bricht Prinz Durin (Owain Arthur) das Herz, als er seinem Freund die Nachricht überbringen muss. „The Rings of Power“ hat mit die beste Arbeit geleistet, wenn es darum geht, die bedeutsame Freundschaft von Elrond und Durin aufzubauen, so dass diese Szene absolut zerschmetternd ist.
Emotionaler wird es dann noch einmal, nachdem Durin entdeckt, dass Mithril tatsächlich die schwarze Fäule aus dem Blatt des Lindon-Baums zu vertreiben in der Lage ist, und sich mit Elrond im impulsiven Alleingang daran, das gefährlich zu gewinnende Erz im Berg freizulegen. Dabei verrät der Zwerg seinem elbischen Freund beinahe seinen wahren zwergischen Namen, was nur für die engste Familie vorgesehen ist. Leider bleibt das Unterfangen nicht lange unbemerkt, woraufhin der König seinem Sohn den Durin-Titel abspricht. Das funktioniert immer noch nicht so wie im Original-Lore, sorgt aber dafür, dass es womöglich kanonkonform keine zwei Durins in Folge geben wird.
Mythologie-Purist:innen werden sich auch etwas darüber wundern, dass die zweifelhafte Sage über das Silmaril-Licht im Mithril doch wahr sein könnte und der Balrog, bei dem es sich nun doch um Durin's Bane handeln könnte, bereits jetzt durch die Minenarbeiten der Zwerge erweckt wurde, womit er ein bisschen früh dran wäre. Eigentlich wird dieser nämlich erst Durin VI. zum Verhängnis, wodurch er sich den Namen verdient.
Nicht unerwähnt bleiben darf auch trotz der alles überstrahlenden Elb-Zwerg-Freundschaft Disa (Sophia Nomvete), die in dieser Folge ihre ganz eigenen Ambitionen offenlegt. Sie will mit ihrem Mann weniger vorsichtig als der amtierende König nach Schätzen graben, um sich und ihrer Dynastie einen Namen zu machen. War ihr steinversetzender Gesang es am Ende, der den Balrog aus seinem Schlummer erweckt hat?
Fazit
Nicht die verheerende Southlands-Schlacht selbst, sondern das höllische Nachspiel in der Folge „The Eye“ lässt die Augen mehrfach feucht werden, auch wenn genauso gut der Handlungsbogen bei den liebenswerten Harfüßen und vor allem die herzzerreißende Elrond-Durin-Freundschaft dafür verantwortlich sein könnten. Storylines werden auf unverhoffte Weise zusammengeführt, wobei vor allem Galadriel und Theo sowie die (vermeintlichen) Kultistinnen und Nori zu den überraschenden Begegnungen, von denen wir nicht wussten, dass wir sie brauchten, zählen. Wer letzte Woche bereits von Charlotte Brändströms Inszenierung der Kämpfe beeindruckt war, wird staunen, wie sie ebenso gekonnt das stimmungsvolle Hinterher inszenierte, wobei trübe Themen wie Tod, Bedauern und Abschied in den Vordergrund rücken.
Viereinhalb von fünf Sternen gibt es deshalb für diese atmosphärische aftermath-Episode.
Hier abschließend noch der Trailer zu Episode 1x07, „The Eye“, der Serie „The Lord of the Rings - The Rings of Power“:
Verfasser: Mario Giglio am Freitag, 7. Oktober 2022(The Lord of the Rings: The Rings of Power 1x07)
Schauspieler in der Episode The Lord of the Rings: The Rings of Power 1x07
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?