„Dope Thief“ - Darum solltet Ihr die Thrillerserie auf keinen Fall verpassen

„Dope Thief“ - Darum solltet Ihr die Thrillerserie auf keinen Fall verpassen

Mit „Dope Thief“ bringt Apple TV+ einen Thriller von zwei Star-Regisseuren auf die Mattscheibe, der mit Topleistungen der Beteiligten glänzt.

Poster zur Serie „Dope Thief“ - ab jetzt bei Apple TV+
Poster zur Serie „Dope Thief“ - ab jetzt bei Apple TV+
© Apple TV+

Das passiert in der Serie „Dope Thief“

Ray Driscoll (Brian Tyree Henry) und Manny Carvalho (Wagner Moura) sind in Dope Thief schon seit Kindestagen Freunde - und Gauner, die als DEA-Agenten verkleidet kleine Straßendealer ausnehmen. Als sie der Exknacki Jack (Gabriel Ebert) eines Tages auf einen großen Coup außerhalb der Stadt aufmerksam macht, glauben sie, endlich den ganz großen Fisch an Land gezogen zu haben.

Doch der Überfall auf die abgelegene Farm geht schief. Erst erschießt Jack einen Bewohner der Methküche, dann wird er selbst erschossen und im Chaos des Gefechts gehen alle Drogenhersteller bis auf eine Frau drauf. Die entpuppt sich aber ausgerechnet als in einen mächtigen Verbrecherring eingeschleuste Undercover-Agentin. So kommt es, dass Ray und Manny bald ein Riesenproblem haben, denn sie werden nicht nur von der Polizei gejagt, sondern auch von der Organisation, die sie gerade so ungeschickt ausgeraubt haben.

Für die Freunde beginnt ein beinharter Kampf um das Überleben, der bald nicht nur sie selbst betrifft, sondern alle, die sie lieben. Wenn sie nicht wollen, dass sämtliche Menschen in ihrem Umfeld grausam hingerichtet werden, müssen sich Manny und Ray schnell etwas einfallen lassen, doch was sollen sie tun? Versuchen, mit den Großdealern zu verhandeln, oder sich mit allen Mitteln wehren? Bald schon stellt sich heraus, dass sie keine andere Wahl haben, als zu drastischen Mitteln zu greifen...

Scott und Craig

Wenn sich zwei so hochdekorierte Regisseure und Produzenten wie Ridley Scott und Peter Craig zusammentun, um einen viel gelobten Thriller zur Thrillerserie zu machen, müsste man eigentlich annehmen, dass dabei etwas ganz Besonderes herauskommt.

Nun, ob „Dope Thief“ so besonders ist, muss das geneigte Publikum letztlich für sich entscheiden, hoch unterhaltsam, actionreich und dramatisch ist das Ganze aber auf jeden Fall. Die Geschichte beginnt an einem grauen Tag in Philadelphia. Zwei DEA-Cops beobachten ein Haus, das sie im nächsten Augenblick stürmen. Dass mit den beiden Polizisten irgendetwas nicht stimmt, wird allerdings schon in den ersten locker vorgetragenen Dialogen deutlich.

Zunächst glaubt man, vielleicht zwei korrupte Beamte vor sich zu haben, die auf eigene Faust Razzien bei Kleindealern durchziehen und anschließend Geld und Drogen in die eigene Tasche verschwinden lassen. Doch nur wenige Minuten später ist klar, dass Ray und Manny alles andere als Bundesagenten sind. Vielmehr gaunern sich die beiden besten Freunde seit Kindheitstagen durch ihr Leben und sehen sich als eine Art Robin-Hood-Verschnitt, die kleine Drogenverkäufer ausnehmen und damit Koks, Meth und Heroin von den mit Stoff überfüllten Straßen holen.

Witzig ist, dass sie ihre Vorstellung davon, wie sich knallharte Ermittler im Einsatz verhalten, offensichtlich dem Fernsehen entnommen haben und sich entsprechend genauso verhalten, wie es ihre Opfer aus diversen TV-Serien gewohnt sind. Die fallen auf den Bluff regelmäßig herein und werden dafür zur Belohnung nicht erschossen, was Ray und Manny wiederum als Win-Win-Situation Interpretation.

Allein schon dieser verdrehte Ethik-Kompass sorgt in den ersten Minuten der insgesamt achtteiligen Miniserie für jede Menge Spaß, zumal Regisseur Ridley Scott die Episode selbst inszenierte und sein ganzes Können einsetzt, um das Publikum voll in die Immersion zu ziehen.

Fehltritte

Trotz ihrer Verbrecherkarrieren mag man die Hauptfiguren der Serie allerdings sofort. Ray liebt seine Stiefmutter Theresa (klasse gespielt von Captain-Janeway-Darstellerin Kate Mulgrew) von ganzem Herzen und würde alles für sie tun. Mannys Freundin Sherry (Liz Caribel Sierra) erdet ihn hingegen und er wünscht sich nichts sehnlicher, als eine Familie mit ihr zu gründen.

Ihre Wünsche und Bedürfnisse sind zudem eher bescheiden: Die Rechnungen für die nächsten Monate bezahlen zu können, Theresas hohe Arztkosten begleichen und ihn Rays Fall clean zu bleiben. Auch halten sie sich in der Unterwelt zurück. Von großen Dingern lassen sie geflissentlich die Finger und schon gar nicht werden Opfer gewählt, die es ihrer Meinung nach nicht verdient haben. Das baut Sympathie und Tiefe auf und bringt uns die Protagonisten nah.

Die innere Logik des Duos wird erst durchbrochen, als Manny der Ansicht ist, einen dritten Mann ins Boot holen zu müssen und ihn in dem abgedrehten und drogenabhängigen Jack findet. Von nun an geht so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann. Zuerst überredet er sie, eine auf außerhalb der Stadt gelegene einsame Methküche auszunehmen, dann kommt es während des Überfalls zu einer Schießerei und zu allem Überfluss entpuppt sich eine angeschossene Frau als Undercoveragentin.

Als wäre das nicht schon genug, stellt sich schnell heraus, dass sie in ein echtes Wespennest gestochen haben, denn das Drogenlabor gehörte einer mächtigen Organisation. Waren die ersten Actionszenen noch fast komödiantisch in Szene gesetzt, legt Scott nun eine härtere Gangart vor. Blut spritzt, ein Feuer bricht aus, Jack verblutet vor den Augen Rays und so weiter. Das alles ist hochprofessionell und dynamisch gefilmt und erzeugt ein tolles Spannungsgefühl.

Die Jagd

Noch besser gelingt aber das Kennenlernen des auch nach der zweiten Folge noch immer namen- und gesichtslosen Antagonisten, der unsere beiden Antihelden von nun an gnadenlos jagt. Dummerweise hat Ray während der Flucht von der Farm sein Funkgerät verloren, welches der Drogenboss nun findet und Kontakt zu ihm und Manny aufnimmt.

Die an die Kleingauner ausgesprochene Warnung klingt düster und lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass die beiden in ein Rattennest gestolpert sind. Ihre Chance, das Geld und die geklauten Drogen irgendwo zu deponieren und zurückzugeben, lassen sie verstreichen und bringen sich damit nicht nur in Gefahr, sondern auch alle Menschen, die sie lieben.

Mit einem Mal werden die beiden Kriminellen, die bisher stets im Schatten agierten, von der Polizei und von einem Drogenkartell gejagt. Einer der auf der Farm erschossenen war nämlich der Kollege der schwer verletzten Fahnderin Mina (Marin Ireland), die auf Genugtuung sinnt. Andererseits ist ihnen plötzlich ein Killerkommando nach dem anderen auf den Fersen, und diese gehen nicht zimperlich mit potentiellen Informationsquellen um. Für schwache Gemüter einige der härteren Szenen indes eher ungeeignet, für den Kontext der Serie sind sie aber unerlässlich.

Szenenfoto aus der ersten Episode der Serie „Dope Thief“
Szenenfoto aus der ersten Episode der Serie „Dope Thief“ - © Apple TV+

Als Manny und Ray beispielsweise das Haus eines ehemaligen Mithäftlings von Rays Vater besuchen, um herauszufinden, was der Kerl über sie weiß, finden sie nur erschossene, abgestochene und zerstückelte Leichen vor. So wird das Publikum quasi mit der Nase darauf gestoßen, wie es Antihelden der Geschichte ergehen wird, wenn man sie erwischt. Anders betrachtet bedeutet das aber auch, dass sich das Publikum auf einige tolle Actionszenen gefasst machen darf und ein hohes Maß an Rasanz erlebt, die das Gehetztsein der Figuren brillant transportiert und auf schauspielerische Leistungen der Extraklasse setzt.

Wow-Effekte

Vor allem Brian Tyree Henry spielt seine Kolleginnen und Kollegen regelmäßig an die Wand. Er ist es auch, dessen Figur den meisten Background erhält und der viel Dramatik in die Thriller-Story mit einfließen lässt.

Rays schlimme Jugend, die immer wieder in kurzen Rückblenden thematisiert wird, wirkt sich ein ums andere Mal auf die Entscheidungen des erwachsenen Ray aus und sorgt für Wut, Verzweiflung, Niedergeschlagenheit, aber auch den unbändigen Wunsch nach einem besseren Leben.

Dass er den falschen Weg einschlägt, um aus der Hölle seiner Kindheit zu fliehen, ist ihm vollumfänglich klar. Doch wer in den Straßen Philadelphias aufgewachsen und von Gestrandeten, Süchtigen, Dealern und Banden umgeben ist, hat kaum eine Chance, so der wichtige Tenor der Serie. Dass er sich bei so einer Vergangenheit überhaupt einen Moralkodex erhalten konnte und seine Gaunereien auf Kleindealer beschränkt, ist seiner inneren Stärke genauso wie seinem ebenfalls stark von Wagner Moura gespielten besten Freund Manny Carvalho geschuldet.

Mit Marin Ireland und Kate Mulgrew gesellen sich zwei Schauspielerinnen hinzu, die ihren Figuren genau den richtigen Pragmatismus verleihen, der die Gangsterwelt Rays und Mannys bisweilen gründlich auf den Kopf stellt. Wenn dann noch der großartige Ving Rhames (unter anderem bekannt als Luther Stickell im „Mission-Impossible“-Filmfranchise) einen Gastauftritt als Rays Vater Bart hinlegt, darf man resümieren, dass „Dope Thief“ nicht besser hätte besetzt werden können.

Fazit

Wow, was für starke zwei Teile. Apple TV+ gehört ohnehin zu meinen absoluten VoD-Vorlieben, doch was der Streamer mit dem angebissenen Apfel hier abliefert, ist einfach nur klasse. Ich habe mich in den Pilot keine Sekunde gelangweilt. Ich mag den Figurenaufbau, die Prämisse und bin bisher von den schauspielerischen Leistungen schlicht und einfach begeistert.

Wenn die Geschichte in den folgenden sechs Teilen so rasant, actionreich, aber auch tiefsinnig weitergeht, könnte am Ende für mich ein neuer Allzeitfavorit stehen. Hoffen wir also auf das Beste - für Ray und Manny, aber auch für die kommenden Folgen. Einstweilen gibt es für uns für diese tolle Serie die Höchstwertung.

Wir verteilen daher fünf von fünf DEA-Marken.

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