Penny Dreadful - City of Angels: Review der Pilotepisode

Penny Dreadful - City of Angels: Review der Pilotepisode

Fast vier Jahre nach dem Finale von Penny Dreadful feiert bei Showtime nun das Spin-off City of Angels mit Natalie Dormer seine Premiere. Fasziniert die mexikanische Folklore genauso wie die viktorianischen Groschenromane?

Natalie Dormer in Penny Dreadful: City of Angels (c) Showtime
Natalie Dormer in Penny Dreadful: City of Angels (c) Showtime
© atalie Dormer in Penny Dreadful: City of Angels (c) Showtime

Penny Dreadful ist zurück! Aber leider Gottes ohne Eva Green, Dracula und Frankenstein... In der neuen Spin-off-Serie Penny Dreadful: City of Angels, die erneut vom dreifach oscarnominierten Drehbuchautor John Logan („Hugo“, „Gladiator“, „The Aviator“) geschrieben wurde, geht es stattdessen um Natalie Dormer (Elementary, Game of Thrones, The Tudors) und die mexikanische Folklore. Statt im Viktorianischen London spielt das Ganze im Los Angeles der späten Dreißiger, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. Und die Bösewichte sind nicht etwa berühmte Fabelwesen, sondern Nazis mit lächerlichen deutschen Akzenten. Geht die Rechnung für den Kabelsender Showtime trotzdem auf?

Worum geht's?

Im Zentrum der Geschichte steht Tiago Vega (Daniel Zovatto), der uns als erster lateinamerikanischer LAPD-Cop vorgestellt wird. Klar, dass er keinen leichten Stand bei seinen Kollegen hat, die logischerweise allesamt Rassisten sind. Außer natürlich sein neuer Partner Lewis Michener, gespielt von Musicallegende Nathan Lane („Der König der Löwen“). Der alte Veteran und der junge Außenseiter kriegen es beim ersten gemeinsamen Einsatz direkt mit einem Sensationsfall zu tun: Vier Leichen aus gutem Hause wurden künstlerisch drapiert, um der Todesgöttin Santa Muerte zu huldigen, nach der auch die Pilotepisode benannt wurde. Ein solches Verbrechen könnte einen regelrechten Rassenkrieg auslösen, befürchten die Behörden...

Besonders schlimm für Tiago: Er würde bei einem derartigen Konflikt exakt zwischen den Fronten stehen - und genau so kommt es am Ende der ersten Episode auch (doch dazu später mehr). Nazi-Sympathisanten und waschechte Nazis vom sogenannten German-American-Bund tun ihr Bestes, um heimlich die mächtigsten Posten in der kalifornischen Verwaltung zu besetzen. Sie wollen die Stadt Los Angeles um jeden Preis von Bürgerinnen und Bürgern „befreien“, die ihnen nicht weiß genug sind beziehungsweise deren Muttersprache Spanisch ist und nicht etwa Deutsch oder Englisch. Einer von ihnen ist hierbei der Arzt Dr. Peter Craft, der von Rory Kinnear gespielt wird, den wir in Penny Dreadful noch als Frankensteins Monster sahen.

Indem sie das nationalistische Ekel Charlton Townsend (Michael Gladis) zum neuen Bürgermeister pushen und Autobahnen nach deutschem Vorbild planen, die ein ungeliebtes Latino-Viertel nach dem anderen durchkreuzen sollen, versuchen sie, ihr Ziel zu erreichen. Äußerst frustrierend für Tiago, der sich seit dem traumatischen Feuertod seines Vaters - den wir auf eindrucksvolle Weise direkt in der Eröffnungsszene sehen - geschworen hat, für Gerechtigkeit in der Welt zu sorgen. Seine Uniform zwingt ihn dazu, für das Gesetz einzutreten. Aber was, wenn das Gesetz selbst ungerecht ist und seine Brüder und Schwestern aus ihrem eigenen Zuhause vertreiben will? Kann er vielleicht zum Vermittler beider Seiten werden?

Daniel Zovatto und Nathan Lane in Penny Dreadful: City of Angels
Daniel Zovatto und Nathan Lane in Penny Dreadful: City of Angels - © Showtime

Ein durchaus spannender Twist der Serie: Fast alle Entscheidungen der Figuren werden durch zwei übergeordnete Instanzen gesteuert, die in diesem Fall nicht weltlich sind. Es geht um Santa Muerte (Lorenza Izzo) und ihre böse Schwester Magda (Dormer). Der wandlungsfähige Dämon taucht immer wieder auf, um die Kaskade des Unglücks anzustoßen. Sie sät Hass, Gewalt und Tod - letztgenannten erntet dann wiederum ihre Kontrahentin, die anfangs mit sich hadert, ob sie den Lebenden zur Hilfe eilen soll oder einfach die geschenkten Seelen annimmt. Erst Tiagos Mutter Maria (Adriana Barraza) dringt mit ihrem Gebet wohl zu ihr durch und weckt sie auf, damit der Kampf zwischen Gut und Böse endlich auf Augenhöhe stattfindet...

Wie ist es?

Zunächst zur wichtigsten Frage: Kann Dormer als Grand Dame der Serie ihre wunderbare Vorgängerin Green ersetzen? Nach bislang nur einer Folge müsste man dies wohl eher verneinen. Zwar zeigt die Hauptdarstellerin verschiedene Facetten, doch vermag einen weder ihr großer Prophezeiungsmonolog direkt am Anfang zu verzaubern noch ihr fast schon peinlicher Dialekt, wenn sie sich als Deutsche ausgibt. Am effektivsten ist Dormer geradezu ganz am Schluss, als sie tatsächlich gar nicht spricht, sondern nur visuelle Präsenz zeigt. Sie hat versprochen, dass der Tag käme, an dem sich Nationen und Brüder gegeneinander wenden würden - und genau das passiert. Wobei der Teil mit den Nationen wohl erst im September 1939 erfüllt wird.

Und damit wären wir beim zweiten großen Problem: die zahlreichen Bezüge zur NS-Zeit. In eine ähnliche Falle tappte zuletzt auch die Amazon-Serie Hunters (2020), die die bedauernswerte US-Attitüde auf die Spitze trieb, die realen Schrecken des Zweiten Weltkriegs zu billigen Unterhaltungszwecken umzudeuten. Der Showrunner John Logan wagt sich in gefährliche Gefilde, wenn er uns weismachen will, dass nicht etwa Hitler und das deutsche Volk, sondern die fiktive Dämonin Magda für all das Leid und die Millionen Toten verantwortlich ist. Zumal die Serie durch ihre Liebäugelei mit den Nazis auch sich selbst hintergeht, denn immerhin versprach sie eigentlich, in der Tradition der mexikanischen Folklore zu stehen. Selbst als jemand, der nicht die geringste Ahnung von diesen Mythen hat, lernt man in Penny Dreadful: City of Angels jedenfalls nicht viel Neues...

Fast am frustrierendsten ist jedoch, dass die Serie, der aufgrund ihres übernatürlichen Fantasy-Settings keinerlei Grenzen gesetzt sind, so sehr in vertrauten Sphären schwebt. Es gibt einige Szenen, die man Wort für Wort mitsprechen könnte, weil man sie in ähnlicher Form schon zigmal gesehen hat. Als Beispiele ließen sich der Zwischenfall in der Umkleidekabine der Polizei und Tiagos großer Auftritt beim finalen Showdown nennen. Während die Mutterserie Penny Dreadful damals mit einem frischen Genremix begeisterte, langweilt der Ableger also eher mit Altbekanntem. Die Schauwerte sind auf den ersten Blick zwar gleich hoch, allerdings fehlt es Penny Dreadful: City of Angels an Düsterkeit und Atmosphäre. Alles in allem ein eher enttäuschender Einstand, wobei sich das Blatt in der zehnteiligen Auftaktstaffel sicherlich noch wenden kann.

Am Montag, den 8. Mai um 21.20 Uhr startet Penny Dreadful: City of Angels hierzulande exklusiv bei Sky Atlantic HD.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Showtime-Serie Penny Dreadful: City of Angels:

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