New Girl 7x08

© ie Gang aus der Serie „New Girl“ (c) FOX
Nach sieben Staffeln mussten wir uns diese Woche mit einer Doppelepisode von New Girl verabschieden. Das ist nicht allen leicht gefallen, besonders weil die finalen Folgen in der SERIENJUNKIES.DE®-Redaktion auf gemischte Meinungen getroffen sind. Doch für diesen Abschied gehen wir erstmal zurück zu den Anfängen.
Hochzeit und Umzug
Das 40-minütige Ende teilt sich in die Hochzeit von Jess (Zooey Deschanel) und Nick (Jake M. Johnson) und dem Auszug der beiden aus dem Loft auf. Zwei große Themen, die kaum klassischer für ein Comedyende sein könnten. Vieles aus den Anfängen der Serie spiegelt sich wieder, besonders auf Jess bezogen. Wieder ist sie diejenige, die die anderen dazu bringt, auf ihr inneren Kinder zu hören, in ihr Unterbewusstsein zu lauschen und dabei ihre wahren Gefühle zu erkennen. Denn die anderen zeigen sich zunächst total unbeeindruckt von der Ansage, dass das Loft aufgegeben werden muss. Sicher, sie haben sich ja auch weiterentwickelt, haben Kinder bekommen und Familien gegründet. Als wir Jess damals kennengelernt haben, ist ihr Leben gerade durch die Trennung von ihrem Freund aus den Fugen geraten.
Über die Staffeln haben wir dann jedoch gesehen, dass Jess ihr Leben im Grunde besser im Griff hat als die meisten anderen. Während sie bis zur vorletzten Staffel fast durchgehend an ihrer Passion als Lehrerin festgehalten hat, haben die anderen, darunter allen voran Nick und Cece (Hannah Simone), mehrere Jahre gebraucht, um ihre Bestimmung zu finden. In der Finalstaffel drehen die Autoren folgerichtig die Vorzeichen wieder um und lassen Jess irgendwie einknicken, sie schmeißt ihren Job und schwört der Institution Schule ab. Stattdessen folgt sie Nick auf seinen Lesereisen.
Doch am Ende hat sie wie immer Recht, auch die anderen brauchen einen vernünftigen Abschied von diesem wichtigen Teil ihres Lebens, auch wenn sie bereits weitergezogen sind. Die Serienautoren entscheiden sich dagegen, uns an viele Dinge zu erinnern, bei denen wir dabei waren, stattdessen holen sie Erinnerungen der Charaktere hervor, die auch für uns neu sind. Sie feiern die einzelnen Duos, die über die Jahre begeistert haben, aber nicht die Paare, die haben ihre Happy Ends ja bereits gefunden. Sie feiern die Bromance zwischen Nick und Schmidt (Max Greenfield) mit einer Fußcreme, die Nick über die Jahre angesammelt hat, nachdem er sie als Geschenk seines besten Freundes bekommen hat. Und wir sehen, wie Cece und Winston (Lamorne Morris) zueinander gefunden haben.
Doch um eine gemeinsame Erinnerung von Zuschauern und Charakteren kommen die Serienmacher nicht herum, True American, das ebenso unverständliche wie unterhaltsame Trinkspiel, das die Gang schon seit Staffeln spielt. In der Finalepisode wird die Sause mit dem Umzugspacken verbunden und geht schließlich in eine Traum- oder Zukunftssequenz über, die mehr wie eine Werbung als eine New Girl-Szene aussieht. Der Kitsch der Großfamilie ist grenzwertig. Die große Stärke der Serie war bisher, die Gratwanderung zwischen Romantik und Kitsch immer mit viel Humor und Schrulligkeit ins Gute zu drehen. Doch die Komik musste auf den letzten Metern dem Weichzeichner weichen.
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Zuviel Kitsch oder zu wenig Zynismus?
Das ändert jedoch wenig daran, dass die Serie uns mit sieben wundervollen Staffeln ein starkes Erbe hinterlässt. Der erste Text, den ich jemals für Serienjunkies geschrieben habe, hieß Warum New Girl Spaß macht und stammt aus dem Jahr 2012, kurz vor dem ersten Staffelfinale. Ich war schnell großer Fan der Comedy und bin bis zur letzten Minute drangeblieben, auch wenn ich zwischendurch Durchhänger im Optimismus hatte. Gerade in den letzten beiden Staffeln ist die New Girl-Welt immer rosiger geworden und das ist bei mir zunächst auf wenig Gegenliebe gestoßen. Ich vermisse die schrulligen, oft peinlichen, aber immer loyalen Freunde aus dem Loft, die nicht immer alles auf die Reihe bekommen haben, aber dafür überall mit Herz dabei waren - selbst wenn es das absurdeste Unternehmen war, das man sich denken konnte.
Schon zur ersten Staffel habe ich mich über die Abwesenheit von Zynismus in der Hauptfigur gefreut. Sie hat einen dringend benötigten Charakter auf die Mattscheibe gebracht, die nicht zynisch wurde angesichts der Welt, aber auch nicht in ihrer Naivität verloren gegangen ist. Jess - und auch die anderen - haben uns stets gezeigt, wie man sich durch die Widrigkeiten des Erwachsenenlebens kämpfen kann, ohne dass man sich eine glänzende, perfekte Hülle überstreift. Wie man überlebt indem man seine eigene Schrulligkeit annimmt und sich dabei trotzdem an der Welt freuen kann. Und dann im Lauf der Zeit habe ich irgendwie angefangen der Serie ihre Rosigkeit vorzuwerfen. Vielleicht weil wir immer stärkere Figuren und Storys bekommen haben, die es geschafft haben, Hoffnung, Witz und Zynismus miteinander zu verbinden.
Ich bin mit der Serie erwachsener geworden und dabei von ihr weggegangen. Auch die Finalstaffel hat mich über weite Strecken überraschend kalt gelassen. Jess' und Nicks Happy End hat für mich vor langer Zeit stattgefunden, ich hätte eine Hochzeit nicht gebraucht und vor allem keine Verlobung mit so vielen Klischee-Hindernissen. Doch das Sinnieren darüber, wie abweisend ich der Idylle der Zukunft gegenüberstehe, während andere Leute sich trotz Schmalzfaktor freuen können, hat mich zurückgebracht zu den Anfängen meiner Liebe zu der Serie. Jess „zeigt einen Weg auf, die eigene Schrulligkeit zu mögen, auch wenn sie nicht zynisch überdeckt ist und mit pointierten Wortwitzen garniert werden kann.“ Fand ich zumindest nach der ersten Staffel im Jahr 2012. Ich glaube, was ich den Autoren nicht gut verzeihen kann, ist dass sie Jess auf der Zielgeraden vom Weg abgebracht haben. Das Happy End ist der Ritt in den Sonnenuntergang mit Nick, auch wenn ich viel lieber gesehen hätte, in welche Richtung sie sich entwickelt, nachdem sie ihren Job als Lehrerin geschmissen hat.
Fazit
Doch wenn ich es über diese Enttäuschung geschafft habe, bleibt die Einsicht, dass die Clique nun wirklich zur Wahlfamilie geworden ist. Sie sind ausgezogen, ein anderes Leben zu finden, als ihre Eltern hatten und sie haben nicht die Welt gerettet, aber sie haben sich eine Clique geschaffen, in der sie gemeinsam albern sein können, nun in der zweiten Generation.
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Verfasser: am Donnerstag, 17. Mai 2018(New Girl 7x08)
Schauspieler in der Episode New Girl 7x08
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