NCIS: New Orleans 1x01

NCIS: New Orleans 1x01

Für sein neues Spin-off verfrachtet das NCIS-Franchise Scott Bakula nach New Orleans. Die Auftaktepisode weiß trotz flachen Drehbuchs und allzu aufdringlichen Lokalkolorits mit Humor und Charme zu begeistern. Viel mehr kann und sollte man von NCIS: New Orleans wohl nicht erwarten.

Das neue Team um LaSalle (Lucas Black, l.), Pride (Scott Bakula) und Brody (Zoe McLellan) bei der Arbeit / (c) CBS
Das neue Team um LaSalle (Lucas Black, l.), Pride (Scott Bakula) und Brody (Zoe McLellan) bei der Arbeit / (c) CBS

Vorab ein Disclaimer: Die Auftaktepisode des neuen NCIS-Spin-offs NCIS: New Orleans ist die erste Folge aus diesem Franchise, die ich jemals gesehen habe. Und ich glaube, dass ich ein glückliches Händchen bewiesen habe, mich für dieses Pilotreview bereit zu erklären. Meine Beweggründe ließen sich zuvor auf die Tatsache beschränken, dass ich Scott Bakula mag. Außerdem interessierte mich, wie es ein „Procedural“-Franchise angehen würde, die reiche Kultur Louisianas und New Orleans in seiner ganz speziellen Dramaturgie aufzubereiten.

You are an odd bird, Brody

Die Besetzung der Serie funktioniert glänzend. Bakula als Special Agent Dwayne Pride und seine beiden NCIS-Kollegen Christopher LaSalle (Lucas Black) und Meredith Brody (Zoe McLellan) haben vom Start weg - ab der ersten Szene - eine wunderbare Chemie. Während sie ihren ersten gemeinsamen Fall bearbeiten, nehmen sie sich gegenseitig auf den Arm, was nie gezwungen lustig, sondern stets genuin witzig ist. Ich nehme einfach mal an, dass dies eine Trademark des NCIS-Franchises ist - und dass darin (zumindest teilweise) das Geheimnis des enormen Erfolgs dieser Serienreihe zu finden ist.

Brody - die charmanterweise stets nur beim Nachnamen genannt wird - agiert hier als fish out of water, denn sie ist neu in New Orleans und stammt ursprünglich aus Great Lakes in Illinois. Sie soll von LaSalle in die örtlichen Eigenheiten eingeführt werden, was der so versteht, als müsste ihr das Einmaleins der Verbrecherjagd erklärt werden. Als die beiden einen Zeugen befragen, der von bangers spricht, erklärt LaSalle verständnisvoll: „Bangers are gang members.“ („,Bangers' sind Bandenmitglieder.“) Brodys darauffolgender Blick ist - trotz Sonnenbrille - unbezahlbar: „My background is in interrogation out of Detroit. I know the lingo, thanks.“ („Ich bin Vernehmungsexpertin aus Detroit. Ich kenne die Umgangssprache, danke.“)

Solche prächtigen Momente - und davon gibt es einige in der Pilotepisode - geben sehr genau das Gefühl wieder, das die Serie erzeugen will: Man schaut sie vielleicht nicht unbedingt wegen der spannenden Kriminalfälle einer jeden Episode, sondern wegen der Beziehungen der Hauptfiguren zueinander. Darin reüssiert Musician Heal Thyself durchgehend. Weniger erfolgreich ist die Serie jedoch mit ihrem Ansinnen, die Besonderheiten New Orleans herauszustellen.

Erst die Arbeit
Erst die Arbeit

Die Referenzen an kulturelle und kulinarische Besonderheiten der „Crescent City“ werden einfach zu dick aufgetragen. Es dauert keine drei Szenen, bis Pride zum ersten Mal von Gumbo spricht, einem sehr bekannten Eintopfgericht der amerikanischen Südstaatenküche. Der wohnungssuchenden Brody führt er mehrmals vor Augen, wie diversifiziert und voller kultureller Reichtümer die Stadt doch sei und dass es von elementarer Wichtigkeit sei, für welches Wohnviertel man sich entscheidet.

Where you live says everything

Zu einem bestimmten Viertel, das sie als möglichen Wohnort ins Auge gefasst hat, kommentiert er lapidar: „How do you feel about 600 dollar strollers and organic everything?“ („Was hältst du von 600-Dollar-Kinderwägen und Biowahn?“) Das Viertel ist offensichtlich in den vergangenen Jahren gentrifiziert worden, Alteingesessene wurden also durch junge Besserverdienende verdrängt, weil diese die Mietpreise hochtrieben - ein Phänomen, das in vielen populären Großstädten zu beobachten ist (siehe Prenzlauer Berg in Berlin oder Williamsburg in New York).

Man hätte daraus nun einen interessanten Erzählstrang machen können, der tief in diese sehr reale Problematik eingetaucht wäre und die Ursachen erforscht hätte. Dann würde diese neue Serie aber Treme heißen und hätte kein „NCIS“ vor dem Titel stehen. „NOLA“ ergeht sich viel eher in einer muffigen Elitenskepsis, die beim durchschnittlichen CBS-Zuschauer besonders gut ankommen dürfte. In dieser Serie dürfen Nerds noch echte Nerds, Politiker wirklich korrupt und Hafenarbeiter noch grobschlächtig sein.

Mangelnder Subtext und die stellenweise schablonenhafte Figurenzeichnung werden aber durch die Euphorie der Hauptdarsteller und ihrer Figuren problemlos aufgefangen. Brody scheint stets gut gelaunt zu sein und voller Energie zu stecken. LaSalle ist der gutmütige Kumpeltyp mit breitem Südstaatendialekt und Pride der gönnerhafte Chef, der in den wichtigen Momenten seine Führungsfähigkeit unter Beweis stellt. Er lebt offensichtlich getrennt von seiner Ehefrau, hat eine Tochter und einen persönlichen Bezug zum ersten Mordfall.

... Dann das Vergnügen. © CBS
... Dann das Vergnügen. © CBS

Ein auf einem Fischkutter gefundenes, abgetrenntes Bein eines Marinesoldaten führt das Team (zu dem auch Gerichtsmedizinerin Loretta Wade (CCH Pounder) gehört) ins Milieu zweier rivalisierender Banden, stößt es auf einen Schmugglerring und ultimativ auf Korruption auf hoher politischer Ebene. Während der Fall der Woche zügig abgearbeitet wird, impliziert die Verwicklung von Stadtratsmitglied Hamilton (Steven Weber) eine größere Verschwörung, die episodenübergreifend thematisiert werden könnte.

We face what we gotta face

Pride kennt sowohl den Vater des Ermordeten, den Jazzmusiker Papa Parks (James McDaniel), als auch das Opfer selbst. Letztgenannten hat er einst beim Einbruch in sein Haus erwischt, überwältigt und sich seiner angenommen. Es stellt sich die Frage, wie Calvin in solche kriminelle Kreise rutschen konnte, hatte er doch offensichtlich einen Vater, der ihn über alles liebte: „Only two things I loved in this world: Calvin, and Jazz.“ („Es gibt nur zwei Dinge, die ich auf dieser Welt wirklich liebte: Calvin und Jazz.“)

Das Zitat ist ein besonders eklatantes Beispiel für fehlende Subtilität im Drehbuch. Auch, als Pride seinem Gegenüber erklärt, wie er zu Calvins Mentor wurde, strotzt die dazugehörige Passage nicht gerade vor Eleganz: „I saw something in him.“ („Ich habe etwas in ihm gesehen.“) Jedoch strebt NCIS solche erzählerische Finesse - wie zuvor bereits erwähnt - gar nicht an. Hier trifft solides Serienhandwerk auf enorm fähige Darsteller, die überaus charmante Figuren spielen dürfen. Das reicht für kurzweilige Fernsehunterhaltung allemal aus.

Hier werden keine neuen Seriengrenzen ausgelotet, kein neues Territorium betreten. Die bisweilen ausgestanzten Phrasen und Weltansichten weißer, mittelalter, Republikaner-wählender Amerikaner muss man aber schon ausklammern oder zumindest belächeln, um sich in seinem aufgeklärt-liberalen Weltbild nicht gekränkt zu sehen. Wenn man das schafft, kann man mit NCIS: New Orleans viel Spaß haben. Auch, weil schon in der ersten Episode ein Gastauftritt aus der Urserie zu verzeichnen ist: David McCallum wird als Ducky Mallard von Wade konsultiert, als sie selbst mit dem Fall nicht weiterkommt. Und eine witzige Konstellation des Serienuniversums gibt es außerdem zu berichten: Zoe McLellan spielte schon in JAG eine Hauptrolle - ebenjener Serie, aus der NCIS entstand.

Verfasser: Axel Schmitt am Mittwoch, 24. September 2014

NCIS: New Orleans 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(NCIS: New Orleans 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Das gestiefelte Bein (1)
Titel der Episode im Original
Musician Heal Thyself
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 23. September 2014 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Sonntag, 12. April 2015
Autor
Jeffrey Lieber
Regisseur
Michael Zinberg

Schauspieler in der Episode NCIS: New Orleans 1x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?