Los Espookys Staffel 1 Episodenguide: Alle Folgen im Überblick!

Los Espookys Staffel 1

Los Espookys Staffel 1 Episodenguide

Review zu Los Espookys Staffel 1

Fast alle fantastischen neuen Serienentdeckungen lassen sich leicht beschreiben, indem man sie mit bereits bekannten tollen Serien vergleicht. Succession aus dem letzten Sommer ließ sich beispielsweise bestens als Mischung aus Billions und Veep auf den Punkt bringen. Die Stalkerserie You vielleicht als Verschmelzung von Dexter und Pretty Little Liars. Oder das britische Years and Years als Synthese aus Black Mirror und The Leftovers. Nur ganz selten entdeckt man als Kritiker neue Serien, die einfach nicht in standardmäßige Schubladen passen. Und eben eine solche Serie ist Los Espookys.

Vergangenen Juni startete die bilinguale beziehungsweise mexikanisch-amerikanische HBO-Comedy in den USA. Nur sechs Episoden bot sie in ihrer außergewöhnlichen Auftaktstaffel. Mit der Folge El sueño falso (The Fake Dream) erschien kürzlich das Finale, während wir hierzulande noch immer auf einen offiziellen Abnehmer warten (wir halten Euch auf dem Laufenden).

Kreiert wurde Los Espookys vom „Saturday Night Live“-Schöpfer Lorne Michaels sowie von Fred Armisen, der uns letztes Jahr bereits die wunderbare Amazon-Serie Forever (2018) bescherte. Er spielt zugleich auch eine kleine Nebenrolle, genauso wie die grandiose Carol Kane (Unbreakable Kimmy Schmidt). Als Protagonisten wurden derweil die Newcomer Bernardo Velasco, Ana Fabrega, Cassandra Ciangherotti und Julio Torres verpflichtet. Fabrega und Torres schrieben außerdem das Drehbuch, während Fernando Frias („Rezeta“) die Regie aller Episoden übernahm.

Seemonster, Zauberspiegel und Außerirdische

Nun aber zur offensichtlichsten Frage: Worum geht es in der Serie eigentlich? Im Mittelpunkt stehen die vier Freunde Reynaldo (Velasco), Andrés (Torres), Úrsula (Ciangherotti) und Tati (Fabrega), wobei die beiden Damen tatsächlich Schwestern sind, die sich aber unähnlicher nicht sein könnten. Alle Vier sind um die Dreißig, doch alles andere als erwachsen und haben eigentlich nur eins im Sinn: anderen Menschen Angst einjagen. Diese etwas absurde Leidenschaft entwickelte sich schon in ihrer Kindheit. Inzwischen haben sie ihr Hobby zum Beruf gemacht und erschrecken Leute gegen Entgelt.

Im Stil eines klassischen Procedural-Formats hangelt sich die Serie von Woche zu Woche und von Auftrag zu Auftrag entlang. Mal will ein Priester einen Exorzismus inszeniert haben (um Prominenz zu erlangen), mal will eine Diplomatin von einem verwunschenen Spiegel verschluckt werden (um mehr Urlaubstage zu bekommen) und mal benötigt eine Wissenschaftlerin ein paar Aliens (um zusätzliche Forschungsgelder zu erhalten). Keine Idee ist für Los Espookys zu verrückt - und dabei kratzen wir bei den simplen Episodenbeschreibungen gerade erst an der Oberfläche des Wahnsinns.

Szenenbild von Los Espookys: Tico (Fred Armisen) trifft die Regisseurin Bianca Nova (Carol Kane).
Szenenbild von Los Espookys: Tico (Fred Armisen) trifft die Regisseurin Bianca Nova (Carol Kane). - © HBO

Los Espookys ist eine Liebeserklärung an alle Menschen, die ein wenig anders sind und sich dafür nicht schämen. Die Hauptfigur Renaldo sieht sich so etwa nicht als Loser, der noch bei seiner Mutter wohnt und keinen echten Job hat, sondern als handfester Horrorkünstler. Dass auch die Serie kein Mitleid, sondern ausschließlich Bewunderung für ihn übrig hat, wird an einer Szene deutlich, als Renaldos wunderschöne Nachbarin unbedingt Sex mit ihm haben will, dieser aber einfach ablehnt, weil seine einzige Liebe den Espookys gilt. Ähnlich ist es auch bei Andrés, der als Erbe eines Süßigkeitenimperiums geboren wurde. Am Familienvermögen hat der blauhaarige Schokoprinz jedoch keinerlei Interesse - und genauso wenig an seinem Verlobten, der einfach nicht verstehen kann, warum Andrés seine Zeit mit kindischen Kostümierungen verschwendet.

Oft fühlt es sich in der Serie so an, als würden viele Nebencharaktere eine völlig andere Sprache sprechen als unsere vier Helden (und damit ist nicht Englisch gemeint, denn die Dialoge wechseln quasi fließend zwischen Englisch und Spanisch). Es ist vielmehr das Grundverständnis für den Sinn des Lebens und die Gesetze der Physik, das bei den Espookys einfach anders zu sein scheint. Geradezu beiläufig nehmen sie beispielsweise hin, dass der fingierte Zauberspiegel plötzlich doch ein echter Zauberspiegel war. Und Tati, die mit Abstand verrückteste Figur, kann scheinbar sogar in die Zukunft blicken, was viele ihrer unberechenbaren Handlungen im Nachhinein erklärt. Man kann wirklich nur hoffen, dass HBO bald die zweite Staffel bestellt, damit wir sehen können, wie die Autoren Fabrega und Torres diese neuen Möglichkeiten der Erzählung ausreizen.

Neben den vier Gruselfreunden aus Mexiko dreht sich Los Espookys, wie eingangs angedeutet, übrigens noch um zwei weitere Protagonisten: Renaldos Onkel Tico (Armisen) und die vermeintlich geniale Regisseurin Bianca Nova (Kane). Sie sind in Los Angeles stationiert, wo auch die Espookys hinwollen, um ihrer großen Ikone Nova als Maskenbildner und Spezialeffekt-Experten zur Seite zu stehen. Tico arbeitet derweil „nur“ als professionelle Parkservicekraft, scheint in dieser simplen Tätigkeit allerdings so viel Erfüllung zu finden, dass er wunschlos glücklich wirkt. Tatsächlich strotzt seine ganze Familie nur so vor Stolz, weil Tico zufällig der beste Einparker der Welt ist. Auch daran wird wieder deutlich, welche unbedingte Wertschätzung und wie wenig Zynismus die Serie für ihre Akteure mitbringt. Nicht zuletzt auch darum ist sie so erfrischend.

Fazit

Je mehr Serien man schaut, desto dankbarer ist man irgendwann für Formate, die herumexperimentieren und bis dato unbekannte Genres oder Stilmittel entdecken. Die neue HBO-Comedy Los Espookys passt in kein bewährtes Schema. Sie ist im wahrsten Sinne dieses oft so überstrapazierten Wortes innovativ. Sie bricht hin und wieder sogar nicht nur mit den Spielregeln des Fernsehens, sondern auch mit denen des Universums. Fast schon willkürlich werden Wendungen eingeführt, die sich letztlich als völlig irrelevant erweisen (zum Beispiel hat eine Figur einen Doppelgänger, der nur ein einziges Mal auftaucht). Mag sein, dass manchen das alles ein wenig zu random oder übertrieben erscheint, doch, wer sich davon abschrecken lässt, verpasst andererseits eines der charmantesten Schauspielensembles, das es derzeit zu sehen gibt und das ausschließlich aus unbekannten Darstellern besteht, die aber alle eine große Zukunft vor sich liegen haben dürften.

Das größte Kunststück, das Los Espookys gelingt, liegt abschließend aber darin, ganz viel Herz mit ganz viel Leichtigkeit zu verbinden. In der einen Sekunde lacht man noch darüber, dass der Publikumsliebling Andrés, gespielt vom auch nochmal einzeln hervorzuhebenden Julio Torres, in seinen Träumen mit einer mysteriösen Wassernixe über den Tom-Hooper-Streifen „The King's Speech“ diskutiert, und plötzlich überrumpelt die Serie einen regelrecht mit tiefgründigen Einsichten über die Psyche der Figuren, die allesamt trotz ihres äußerlichen Optimismus irgendwie gebrochen scheinen. So albern sich diese Komödie oft auch präsentiert, wohnt ihr doch ein Hauch von Traurigkeit inne. Vielleicht macht sie das ja so besonders...

Hier abschließend noch der Trailer zur 1. Staffel von „Los Espookys":

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«Los Espookys» Trailer

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