In The Flesh 1x02

Inzwischen dürften alle Zuschauer verstanden haben, was die BBC-Serie In The Flesh eigentlich ist: Ein Beziehungsdrama. In Episode Two, der zweiten von drei Folgen, wird folgerichtig das Umfeld um unseren Hauptdarsteller Kieren Walker (Luke Newberry) ausgebaut. Und zwar ganz klassisch: Ein alter Freund kehrt aus dem Krieg zurück und eine Frau zwingt ihn, sein Leben zu hinterfragen. Und langsam müssen die Autoren uns etwas mehr über Zombie-Sex erzählen.
And we're all off to Dublin in the green, in the green
Wir hatten uns im ersten Teil gefragt, wie weit die Autoren mit der interessanten, aber doch begrenzt ausbaubaren Prämisse gehen können, dass Zombies behandelt und wieder in die Gesellschaft integriert werden können. Episode Two zeigt, dass zumindest ein Problembewusstsein besteht, denn es werden neue Aspekte eingebaut.
Da wäre zunächst wie die Gesellschaft wieder zu einer gewissen Normalität zurückkehrt. Die Fotos aus dem Krieg werden im Pub von der Wand genommen und die nächtliche Streife will plötzlich Geld sehen. Wir können davon ausgehen, dass hier Anspielungen auf den Nordirland-Konflikt eingebaut sind, die dem Kontinentaleuropäer eher wenig bedeuten. Wir gehen auf diesen Teil nicht weiter ein.
Friendship is a warm gun
Der Hauptteil der Episode dreht sich darum, auf welche verschiedene Arten man mit dem Leben 2.0 umgehen kann. Kieren (Luke Newberry) der Selbstmörder ist sauer, dass man ihn nicht eingeäschert hat. Seine neue Friedenhofsbekanntschaft Amy Dyer (Emily Bevan) überglücklich und (sozusagen) lebensfroh nach ihrem Tod durch Krebs. Und Kierens Freund Rick (David Walmsley), der im Afghanistan-Krieg fiel, will einfach so weiter machen, als sei alles noch wie früher, egal, wie viel schwarze Suppe er nach jedem Bier ins Pissoir kotzen muss.
Hier liegt die Stärke der Folge, einschließlich der vielleicht ersten großen Überraschung der Serie überhaupt: Kieren ist schwul und schwer verliebt in Rick. The people in that pub hated me before I was like this, erklärt er Amy, because I was not like them.
In The Flesh wirft hier erstmal alle anderen Parallelen über Bord und konzentriert sich auf Vergleiche zum Coming Out. Amy akzeptiert, wer sie ist und hat keine Probleme damit, es vor Kierens schockierten und überforderten Eltern auszuleben. Rick verleugnet sich, nennt die Seinesgleichen disgusting und evil. Von den HVF-Milizen wird er angenommen, weil er ein harter Hund und ein Waffennarr ist. Ricks Vater Bill (Steve Evets) kann solche Leute zwar immer noch nicht leiden, aber bei seinem Sohn ist das natürlich anders. In der Zwischenzeit heult Ricks Mutter und schluckt Pillen.
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Leider schleppt In The Flesh seine Fehler aus dem ersten Teil weiter mit sich wie einen halb abgetrennten Fuß. Der Humor kommt trotz der Harry-Potter-Anspielungen (verstoßener Junge, der sich unter der Treppe verstecken muss) und weiteren Seitenhieben auf das britische Gesundheitssystem (alle Leitungen sind besetzt, besuchen Sie uns im Internet) zu kurz. Vor lauter Beziehungsdrama wird versäumt, Spannung aufzubauen. Amy (Emily Bevan) mag zwar eine Anhängerin des Zombie-Propheten im Internet sein, aber wie groß dessen Einfluss ist und wie viele PDS-Leidende die Welt genauso sehen, bleibt unklar. Das große Bild fehlt in dieser Folge fast ganz.
Die größte Schwäche bleiben die einfach gestrickten Charaktere und die Holzhammer-Moral. Unsere drei Haupt-Untoten sind so schematisch, dass sie sich für einen zweiten Teil von „The Cabin in the Woods“ bewerben könnten: Der Krieger (Rick), die Hedonistin (Amy) und das Weichei (Kieren). Die Bösen sind böse - Bill raucht natürlich - die PDS-Kranken verdienen unser Mitleid - die beiden Zombies im Wald sind offenbar ein Vater, der sein kleines Kind zu schützen versucht - und die HVF-Mitglieder sind endgültig zur Karikaturen verkommen. Schlimmer noch, es findet keine wirkliche Entwicklung statt. Dass Bill jetzt der homophobe Vater eines Schwulen ist statt ein Raubein-Rambo bedeutet nur, dass er die Stereotype gewechselt hat.
Fazit
Wir haben immerhin etwas Hintergrund aufgedeckt. Man wird in dieser Serie durch einen Biss offenbar nicht zum Zombie, obwohl es eine „moderne Legende“ gibt, nach der man innerhalb von 20 Sekunden nach einer Infektion verwandelt wird. Das hätte man allerdings gleich in der ersten Folge ansprechen sollen. Was unklar bleibt, ist wie es mit der Fähigkeit des PDS-Kranken zum Sex, ahem, steht, denn plötzlich gibt es jeden Menge Anspielungen auf Verlobte und Freundinnen, Pin-Up-Poster im Hintergrund und eine verloren geglaubte Liebe, die trotz Tausender Briefe zerbrach. Muss bei einem Beziehungsdrama nicht irgendwann der Hauptdarsteller mit jemanden ins Bett?
Insgesamt entfernt sich In The Flesh immer weiter von dem Zombie-Genre und wird immer mehr zu einem generischen Beziehungsdrama. Lässt man sich darauf ein, ist die Serie nicht wirklich schlecht, nur nicht schrecklich originell. Es bleibt die Frage, ob die Autoren im dritten und letzten Teil zu den Wurzeln zurückkehren. Schließlich endet jeder wirklich gute Zombie-Film damit, dass die Welt doch untergeht. Noch besteht Hoffnung.
Verfasser: Bernd Michael Krannich am Mittwoch, 27. März 2013(In The Flesh 1x02)
Schauspieler in der Episode In The Flesh 1x02
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