American Horror Story 4x05

American Horror Story 4x05

In der neuen Episode von American Horror Story, die den Titel Pink Cupcakes trägt, hängen manche Charaktere ihren Fantasien und Tagträumen nach, während andere diese wahr werden lassen. Die meisten Probleme der Serie bleiben dabei bestehen.

Elsa (Jessica Lange) lässt sich von Stanley (Denis O'Hare) um den Finger wickeln. / (c) FX
Elsa (Jessica Lange) lässt sich von Stanley (Denis O'Hare) um den Finger wickeln. / (c) FX

Auch die neue Episode der Horrorfarce American Horror Story, Pink Cupcakes, schafft es nicht, der Geschichte mehr Stringenz und Dramatik zu verleihen. Die Serie fühlt sich weiterhin an wie eine zusammenhanglose Aneinanderreihung quietschbunter, stilsicher inszenierter und mit hervorragendem Dialog ausgestatteter Sketche. Sie ist derzeit nicht viel mehr als eine Nummernrevue, ihre Figuren haben keine Tiefe, ihre Geschichten keine Relevanz. Das kann man sich anschauen und ganz nett finden - ganz so, wie die Vorstellungen der Freak Show im Zirkuszelt. Aufregend und mitreißend geht aber anders.

Tell me more about this television

Zu Beginn taucht Stanley (Denis O'Hare) in die Welt seiner Tagträume ein, die daraus besteht, dass er der Museumsdirektorin, die ihn einst als Betrüger entlarvt und trotzdem mit einem Auftrag ausgestattet hatte, eingelegte Exemplare seiner Opfer überbringt. Er will unbedingt auch endlich einmal im Rampenlicht stehen, er will endlich die Anerkennung, von der er glaubt, sie zu verdienen. Doch selbst in seinen kühnsten Träumen bleibt ihm dies verwehrt. Trotzdem gibt er nicht auf. Sein simpler Plan sieht vor, die Freaks in eine Falle zu locken, umzubringen und präpariert an das American Morbidity Museum zu verkaufen.

Seine ersten Zielpersonen sind Elsa (Jessica Lange) und Bette/Dot (Sarah Paulson) - wobei mir nicht ganz klar wurde, warum er solches Interesse an Elsa hat. Sie wäre doch gar kein besonderes Ausstellungsstück? Jedenfalls gibt er sich ihr gegenüber als Talentscout eines Fernsehsenders aus, woraufhin Elsa empört ablehnt und mehrere - sehr offensichtliche, aber deswegen nicht weniger amüsante - Metakommentare über das Fernsehen herauslässt. Sie würde sich lieber in Öl kochen lassen als zum Fernsehen zu gehen. Das betrachtet sie nämlich als „Tod von Kunst und Zivilisation“.

Weil Elsa sich als zu hartnäckig erweist, weitet Stanley sein Jagdgebiet auf die Zwillinge aus. Ihnen macht er ähnliche Versprechungen und hat damit zunächst auch Erfolg. Sowohl Dot als auch die zunächst etwas skeptische Bette sind von der Idee angetan, als Stars einer eigenen TV-Show groß herauszukommen. Teil zwei seines Plans scheitert jedoch. Bei einem liebevoll arrangierten Picknick will er giftversetzte Pink Cupcakes an die beiden verfüttern, was Bette aber resolut ablehnt, da sie als zukünftige Prominente schließlich auf ihre Figur achten müssten.

Stanley schöpft neue Hoffnung, als Elsa bei einem Liveauftritt gnadenlos vom Publikum ausgepfiffen und mit Essensresten beworfen wird. Sie will nun doch die Möglichkeit ins Auge fassen, eine Karriere als Fernsehstar einzuschlagen. Trotz ihres enormen Misserfolgs beim Publikum zweifelt Elsa keine Sekunde am eigenen Starpotenzial. Als sie jedoch erfährt, dass Stanley ihren Hauptkonkurrentinnen Bette und Dot das gleiche Angebot gemacht hat, heckt sie einen eigenen Plan aus, die beiden verschwinden zu lassen. Der sieht vor, sie einfach bei der ersten Gruselfamilie des Ortes abzuliefern: den Motts.

Please kill me

Deren Oberhaupt Gloria (Frances Conroy) muss zu Beginn mit Erschrecken feststellen, dass Haushälterin Dora (Patti LaBelle) brutal ermordet wurde. Besonders überrascht ist sie darüber jedoch nicht. Sie weiß sofort, dass nur ihr Sohn Dandy (Finn Wittrock) dahinterstecken kann. Die beiden lassen im Garten ein Grab ausheben und bepflanzen es mit Blumen, damit sie stets daran erinnert werden, wer da unter der Erde liegt. Währenddessen erfahren wir einen Grund für die Geisteskrankheit der letzten beiden verbliebenen Familienmitglieder. Innerhalb der Familie existiert seit langer Zeit eine Tradition von Inzucht, die einst begonnen wurde, um das Vermögen abzusichern. Glorias vortreffliche Ausrede dafür: „Jack the Ripper was a Windsor, for God's sake.“ („Um Himmels willen, Jack the Ripper war schließlich auch ein Windsor.“)

Ihr einziger Sohn, der Psychopath Dandy, navigiert sich derweil per Voice-over durch den eigenen Wahn. Weil die angestrebte Schauspielkarriere ausgefallen ist, wird er sich fortan als „US Steel of murder“ verdingen. Dazu stählt er seinen „America“-Body, bevor er sich in der örtlichen Schwulenbar ein neues Opfer sucht. Es trifft ausgerechnet Andy (Gaststar Matt Bomer aus White Collar), der kurz zuvor noch im Streit mit Dell (Michael Chiklis) auseinandergegangen war.

Stanley und Dell sind nämlich heimlich schwul und da das in Jupiter laut Maggie (Emma Roberts) noch schlimmer ist, als ein Freak zu sein, will Dell seine Frau Desiree (Angela Bassett) nicht verlassen, um mit Andy in den Sonnenuntergang nach Kalifornien reiten zu können. Dort flüchtet sich Andy in seinen Träumen hin. In der Realität ist ihm aber nur allzu schmerzlich bewusst, dass er aus seinem Leben als Callboy in Jupiter nicht ausbrechen wird. Dandy lotst ihn jedenfalls zum Wohnwagenversteck, das er von Twisty übernommen hat. Dort versucht er, seinen Beinahenamensvetter zu ermorden, was auch nach mehreren, äußerst brutalen Anläufen nicht gelingt. Warum das so ist? Keine Ahnung, keine Erklärung.

Am Ende der Episode taucht indes eine neue Figur auf, die dem Mott'schen Treiben ein Ende bereiten könnte. Doras Tochter Regina (Gabourey Sidibe) macht sich Sorgen um das Wohlergehen ihrer Mutter, weil die den wöchentlichen Anruf der beiden unangekündigt verstreichen ließ. Nun muss sie sich am Telefon Glorias verpfuschte Lebensgeschichte anhören, was sie so sehr verstört, dass sie deren Monolog einfach unterbricht. Der verdutzten Gloria steht da schon längst die nächste Überraschung bevor: ein blutüberströmter Dandy im Türrahmen.

I have to be a fantasy

Der letzte große Konflikt dieser Episode wird schließlich durch Jimmys (Evan Peters) Avancen gegenüber Desiree ausgelöst. Er war zuvor von Maggie abgewiesen worden und sucht jetzt Zuflucht bei der Dreibrüstigen, bei der er seine Schuldgefühle für den Tod seines Freundes Meep ablädt. Die beiden küssen und befingern sich (von Jimmys außergewöhnlichen Fähigkeiten haben wir bereits zu Beginn der Staffel erfahren), als Desiree plötzlich stark anfängt zu bluten. Ethel (Kathy Bates) bringt sie zum Arzt, wo sie erstaunt zur Kenntnis nimmt, dass sie schwanger war und soeben eine Fehlgeburt erlitten hat.

Aus dieser traurigen Nachricht leitet sie jedoch die frohe Botschaft ab, dass sie konträr zu ihrer bisherigen Überzeugung doch eine „echte“ Frau ist und Kinder bekommen kann. Der von Andy im Ärger zurückgekehrte Dell kann dafür keine echte Begeisterung vortäuschen, und weil Desiree zuvor schon von Ethel erfahren hat, dass Jimmy sein Sohn ist, entschließt sie sich, ihren Ehemann zu verlassen.

Wie eingangs bereits erwähnt, kann auch diese Episode nicht mit der Etablierung einer kohärenten Geschichte überzeugen. Sämtliche Ereignisse scheinen wahllos aneinandergereiht, man könnte sie auch anders zusammenstecken, sie würden trotzdem das gleiche Gesamtbild ergeben. Einzelne Bilder, Kameraeinstellungen und Dialogpassagen können stellenweise begeistern, größtenteils versinkt diese Staffel aber - genau wie die letzte - in absoluter Beliebigkeit.

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 6. November 2014
Episode
Staffel 4, Episode 5
(American Horror Story 4x05)
Deutscher Titel der Episode
Rosa Cupcakes
Titel der Episode im Original
Pink Cupcakes
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 5. November 2014 (FX)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 7. Januar 2015
Autor
Jessica Sharzer
Regisseur
Michael Uppendahl

Schauspieler in der Episode American Horror Story 4x05

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