American Horror Story 10x10

© zenenfoto aus der Serie American Horror Story: Death Valley (c) FX
Ein ewiges Rätsel
Ging es in der ersten Staffelhälfte um die unheilvollen Erlebnisse des Schriftstellers Harry Gardner und seiner Familie im Küstenstädtchen Provincetown, wo schwarze, von einer skrupellosen Chemikerin hergestellte Pillen ihren Konsumenten gleichermaßen kreativ und blutrünstig machen, vollführt „Death Valley“ handlungsmäßig eine komplette Kehrtwende: Es geht darin um Außerirdische sowie die vielen, durchaus ganz real in unserer Wirklichkeit in manchen Kreisen verbreiteten Verschwörungstheorien rund um sie.
„Death Valley“ ist nicht die erste Beschäftigung in American Horror Story mit diesem naturgemäß eigentlich mehr in der Science-Fiction verhafteten Thema: Bereits in der zweiten Staffel „Asylum“ von 2012 waren die Besucher von einem anderen Planeten zumindest ein Randthema in der Handlung, die sich insgesamt auf die Geschehnisse in einem archaischen Irrenhaus in den 60er-Jahren konzentrierte.
In „Death Valley“ jedoch ist die Alien-Thematik voll und ganz der springende Punkt und geht dabei zumindest am Rand auf eine angeblich hundertprozentig wahre Geschichte zurück: den sogenannten „Roswell-Zwischenfall“, sowohl UFO-Forschern, Verschwörungstheoretikern als auch vielen Genre-Fans ein Begriff. Im Juli 1947 soll auf dem Farmgelände eines Ranchers nahe der Kleinstadt Roswell in New Mexico ein außerirdisches Raumschiff abgestürzt sein, dessen Besatzung teilweise überlebte und vom herbeigeeilten US-Militär an einen unbekannten Ort (laut manchen Quellen den geheimen Militärstützpunkt Area 51 in Nevada) gebracht wurde.
Nachdem in der lokalen Zeitung anfangs von der Bergung einer „fliegenden Untertasse“ die Rede war, wurde die Meldung rasch dementiert und stattdessen war die Rede vom Absturz eines experimentellen Wetterballons. Bis heute geistert die Geschichte durch die entsprechende Literatur und das ansonsten nur wenig für Touristen attraktive Städtchen Roswell zieht mit vielerlei Aktivitäten wie speziellen Bars, Läden und einer allsommerlich stattfindenden UFO-Parade zahlreiche Besucher an. Zwar beginnt die Handlung der zweiten Hälfte von „Double Feature“, „Death Valley“ nicht in Roswell, aber gewisse Ähnlichkeiten mit angeblich tatsächlichen Ereignissen sind sicherlich alles andere als zufällig. Auch diesmal gilt nachfolgend: Achtung, Spoiler!
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Episode 10.7 (Gesamtfolge 110) - Amelia Earhart (Take Me to Your Leader)

In der Nähe von Albuquerque, New Mexico haben Hausfrau Maria (Rebecca Dayan) und ihr kleiner Sohn Timmy (Henry Joseph Samiri) eine unheimliche Begegnung mit Außerirdischen, die die beiden geistig und körperlich übernehmen und den heimkommenden Familienvater Charles (Adam Noel Jones) auf grausame Weise ums Leben bringen. US-Präsident Eisenhower (Neal McDonough) wird wenig später zur Absturzstelle eines außerirdischen Raumschiffes gerufen, an der man neben Leichen der Besatzung auch eine verstörte menschliche Frau (Lily Rabe) findet, die sich als die (real existierende) 1937 verschollene Flugpionierin Amelia Earhart erweist, die von den Aliens entführt und etlichen Untersuchungen unterzogen worden war. Untersuchungen ergeben, dass die nicht gealterte Earhart schwanger ist. Bei der Obduktion der Alienleiche kommt es zu weiteren unerwarteten Zwischenfällen.
In der Gegenwart unternimmt eine Clique junger Erwachsener bestehend aus Cal (Nico Greetham), Kendall (Kaia Gerber), Troy (Isaac Powell) und Jamie (Rachel Hilson) einen Campingausflug ins kalifornische Death Valley, wo eine Reihe beunruhigender und erschreckender Ereignisse sie zur Umkehr bringt. Auf dem Rückweg haben auch sie eine Begegnung mit Außerirdischen, die überaus kuriose Folgen für alle vier hat.
Handlung in der Handlung in der Handlung: Eigentlich macht die zweite Staffelhälfte aus der titelgebenden „Double Feature“ eine „Triple Feature“, da es hier zwei ebenfalls zwei verschiedene Handlungsstränge gibt. Diese bewegen sich jedoch in einem einzigen Handlungsrahmen, wobei die Geschichte aus den 50er-Jahren als Rückblick dient. Erneut geht es tüchtig zur Sache bei American Horror Story, wobei es diesmal Reminiszenzen an Filmklassiker wie „Unheimliche Begegnung der dritten Art“, Ridley Scotts „Alien“ oder auch Tim Burtons „Mars Attacks!“ gibt. Eine Verknüpfung der Handlung mit „Red Tide“, der ersten Staffelhälfte, findet allerdings nicht statt. Für sich betrachtet gestaltet sich der neue Plot jedoch recht interessant.
Episode 10.8 (Gesamtfolge 111) - In uns drin (Inside)

Anfang der 60er-Jahre klären der nunmehrige Ex-Präsident Eisenhower und der aktuelle Vize-Präsident Nixon (Craig Sheffer) den neuen Präsidenten Kennedy (Mike Vogel) nur voller Bedenken über die einst zustande gekommenen geheimen Beziehungen zu den Außerirdischen auf, während Eisenhowers verschlagene Gattin Mamie (Sarah Paulson) ihr ganz eigenes Süppchen kocht. Kennedy hat indes nichts Eiligeres zu tun, als seine Geliebte Marilyn Monroe (Alisha Soper) in das Geheimnis einzuweihen.
In der Gegenwart werden Cal, Kendall, Troy und Jamie, die nach der Begegnung mit den Aliens allesamt (!!!) schwanger geworden sind, erneut von den Außerirdischen in die Area 51 entführt und erfahren von ihnen Näheres über die Kinder, die sie zu gebären im Begriff sind.
Nun wird die Geschichte ebenso konfus wie kurios, allerdings nicht unbedingt in nachteiliger Weise: Während der in der Vergangenheit spielende Handlungsstrang verschiedene, auch in der Wirklichkeit verbreitete Verschwörungstheorien in zumindest parodistisch anmutender Weise verwurstet, packt der in unserer Gegenwart spielende Teil der Geschichte ein seit vielen Jahren heißes Eisen an und stellt die immer wieder interessante Frage danach, was geschieht, wenn Männer schwanger werden.
Und wir bekommen Schauspielerin Leslie Grossman endlich einmal in einer anderen Rolle als der einer boshaften Geschäftsfrau zu sehen. Bisher lässt sich auch die zweite Geschichte der „Double Feature“ recht gefällig an, vor allem, da man seitens der Produzenten und Autoren von American Horror Story auf immer wieder neue absurd-irrwitzige Ideen kommt. Ob diese jedoch bei allen Fans Anklang finden, ja, das steht auf einem anderen Blatt.
Episode 10.9 (Gesamtfolge 112) - Die Entbindung (Blue Moon)

In einem Rückblick erfahren wir mehr über das Abkommen, das Präsident Eisenhower unter dem Druck des Alien-Vermittlers Valiant Thor (Cody Fern) mit den Außerirdischen zu schließen gezwungen wird. Zur Verdeutlichung ihrer Fähigkeiten ergreifen die Aliens Besitz von Eisenhowers Frau Mamie. Das Abkommen hat weitreichende schlimme Folgen, die sich weit über Eisenhowers Amtszeit hinaus erstrecken.
In der Gegenwart gebiert Troy in der Gewalt der Außerirdischen unter Anleitung der Hybridin Theta (Angelica Ross) unter grausigen Umständen sein Kind. Von der seit vielen Jahren ebenfalls entführten Calico (Leslie Grossman) erfahren er, Cal, Kendall und Jamie erstmals mehr über die Pläne und Absichten der Außerirdischen sowie deren immens weitreichenden Einfluss in der Menschheitsgeschichte, den Calico anhand eigener Erlebnisse illustriert.
Die Episode scheint es sich zum Ziel gesetzt zu haben, wirklich sämtliche gängigen, in manchen Kreisen real verbreiteten Verschwörungsmythen abzuarbeiten - vom geheimen Abkommen der US-Regierung während des Kalten Krieges über die angeblichen UFO-Entführungsfälle bis hin zur These von der gefälschten Mondlandung. So wandelt sich das Retro-Marsmenschen-Szenario in „Death Valley“ zunehmend zur Parodie auf das insbesondere in den letzten Jahren an Fahrt aufnehmende Phänomen der Verschwörungstheorien, die gewürzt mit allerlei Unappetitlichkeiten sowie einem nach wie vor ansehnlichen Spannungspegel präsentiert wird. Das Ende der Folge lässt den Zuschauer summa summarum recht gespannt auf das endgültige Staffelfinale zurück.
Episode 10.10 (Gesamtfolge 113) - The Perfect Future (The Future Perfect)

1969 wählt der todkranke Expräsident Eisenhower den Tod in dem Wissen, dass er die Welt durch das Abkommen mit den Außerirdischen ins Verderben gestürzt hat. Seine Ehefrau Mamie zieht noch zehn weitere Jahre einen Teil der Strippen, ehe sie ihren Tod vortäuschen lässt und nach Area 51 geht, um dort mit der Unterstützung von Valiant Thor bis in die Gegenwart zu leben.
In dieser bringen auch Jamie und Kendall ihre Mensch-Alien-Hybrid-Kinder zur Welt, und es hat den Anschein, als sei dadurch endlich der große Durchbruch für die Außerirdischen gelungen.
Auch die abschließende Folge der zweiten Staffel-10-Hälfte „Death Valley“ hat es sich zum Ziel gesetzt, Verschwörungstheorien aller Art aufs Korn zu nehmen, diesmal geht es unter anderem um den Watergate-Skandal, der US-Präsident Nixon (hier wundervoll unsympathisch-abstoßend dargestellt von Craig Sheffer) anno 1972 das Genick brach. Andererseits überschlagen sich die Ereignisse. Zwar bleibt das Ganze auch in der letzten Folge gory, doch bewegt sich die Handlung nicht mehr wirklich im (titelgebenden) Horror-Genre, sondern fast schon eher im Bereich galliger Satire. Das offene Ende der zweiten Hälfte von Staffel 10 ist sicherlich durchaus gewollt, lässt jedoch auch reichlich Fragen offen und ist für den Geschmack von manchem ein klein wenig schnell gekommen. Hier wäre mehr drin gewesen. Doch sei es drum, wir lesen uns in der elften Staffel von American Horror Story wieder, über die es demnächst erste Informationen geben sollte.
Hier abschließend noch ein aktueller Trailer zum zweiten Teil aus der zehnten Season der Produktion „American Horror Story“ mit dem Titel „Death Valley“:
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Verfasser: Thorsten Walch am Montag, 3. Januar 2022American Horror Story 10x10 Trailer
(American Horror Story 10x10)
Schauspieler in der Episode American Horror Story 10x10
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