South Park 18x06

In dieser Woche taucht South Park mit der Folge Freemium Isn't Free in die Hölle der vermeintlich kostenfreien Mobile-Games und der darin versteckten, diabolischen Micro-Payments ab.
Give Us Your Money
Die Jungs aus South Park sind große Fans der kanadischen Comedygenies Terrance und Phillip. Wieso sollten sie also nicht das neue Mobile-Game aus dem App Store über das Furzjokeduo herunterladen? Schließlich sei dieses gratis, wie Jimmy anmerkt, als er Kyle das Spiel empfiehlt. Während alle anderen das Spiel, in dem lediglich kanadische Münzen gesammelt werden, um für den Wiederaufbau eines virtuellen Kanadas zu bezahlen, sein lassen, bleibt Stan daran hängen. Das macht sich auf der Mobilrechnung der Marshs mit der stolzen Summe von über 400 Dollar bemerkbar.
Wie Terrance und Phillip, die bisher nicht über das Spiel, welches in ihrem Namen erschienen ist, informiert wurden, beim Canadian Department of Mobile Gaming erfahren, sind sogenannte Freemium-Apps alles andere als gratis. Sie bedienen sich der vom Psychologen B. F. Skinner erforschten Konditionierung durch Belohnungssysteme, um den Spielern von Games, die an und für sich wenig Spaß machen, durch kleine, sich häufende Zahlungen, welche den Spielerfolg erhöhen, das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die Comedians stehen diesem Prinzip kritisch gegenüber, aber Schecks über zehn Millionen US-Dollar und die Versicherung, dies sei lediglich ein Phänomen des Zeitgeists, lassen die Zweifel schnell verstreichen.
Gluten-Free German Lager + French Wine = Schmorgeswein
Randy befürchtet unterdessen, sein Sohn könnte die gleichen Suchtprobleme wie Großvater Marsh haben. Dass er selbst im Angesicht von Genussmitteln recht ungestüm wird, wie etwa in der Folge Bloody Mary zu sehen war und sich auch hier wieder zeigt, tut natürlich nichts zur Sache. Auch den anderen Jungs fällt das Problem ihres Kumpels auf, der das Spiel, wie alle anderen, von Jimmy empfohlen bekommen hatte. So konfrontieren sie den Pusher des süchtigmachenden Stoffs, als er gerade dabei ist, einen weiteren unbescholtenen Jungen auf der Straße von der App zu überzeugen.
Wie sich herausstellt, wird Jimmy von den kanadischen Verantwortlichen für seine Dienste bezahlt. Er rechtfertigt sich mit dem Argument, es sei nicht seine Verantwortung, was Leute mit ihrem Geld und ihrer freien Zeit tun. Doch in Wirklichkeit weiß er, was er anrichtet - er hat sich nur zum Freemium-Apps-Verticken hinreißen lassen, weil er sich selbst durch eine solche Falle verschuldet hatte.
Terrance und Phillip wird unterdessen auch klar, wie schädlich diese Games sind und so verlangen sie den Ausstieg aus dem Geschäft. Das Ministerium hat jedoch eine andere Idee. Man könne darauf hinweisen, dass das Spiel lediglich in Maßen gespielt werden sollte. Ein Trick, mit dem die Alkoholindustrie seit Jahrzehnten davonkommt. Es folgt ein brillantes Beispiel für einen Alkoholwerbespot, gefolgt von dem obligatorischen Aufruf zum moderaten Genuss - das absolute Highlight dieser Episode!
Beware of Beelzeboot!
Nachdem der im Casino versackte Großvater nach Hause geholt wird, hält Randy seinem Sohn und seinem Vater eine Standpauke (während er sich selbst wieder einen genehmigt). Die zwei geloben, sich zu bessern und gehen in kalten Entzug. Die konstanten Erinnerungsmails des Spiels verführen Stan aber schließlich und die nächste Mobilrechnung beläuft sich auf 26.000 Dollar. Wie vielen Suchtopfern geraten wird, soll sich Stan an eine höhere Macht wenden, um mit seinen Dämonen fertigzuwerden. Als er dies tut, steht plötzlich unser alter Freund Satan vor ihm. Dieser erklärt Stan auf anschauliche Weise, wie es sich mit Suchtproblemen verhält, wie der Botenstoff Dopamin sowie eine Veranlagung eine Rolle spielen.
Im Mobilspielministerium in Kanada erfahren Terrance und Phillip schließlich auch die Wahrheit des diabolischen Plans: Nicht die vielen in Moderation zahlenden Kunden sind das Hauptaugenmerk des Geschäftsmodells, sondern vielmehr jene aus der kleineren Gruppe derer, die sich nicht unter Kontrolle haben und exzessiv spielen und bezahlen, um effektiver zu zocken. Schließlich gibt sich auch das wahre Mastermind hinter dem Plan, der ein neues Kanada finanzieren soll, zu erkennen: der kanadische Teufel Beelzeboot! Als Satan davon erfährt, kann er diese unelegante Schurkerei nicht auf sich sitzen lassen und es kommt zum Showdown, bei dem das kanadische Ministerium für Mobilspiele zerstört wird.
Die Kanadier versichern den Menschen, nicht länger mit derartigen Machenschaften ihr Geld zu machen und Stan und sein Großvater satteln auf Brettspiele um, um ihrer Sucht aus dem Weg zu gehen. Eine gute Idee, findet Randy, der sich mit einer Trink-Champion-Trophäe voll Wein dazugesellt.
Fazit
Freemium Isn't Free ist eine jener South Park-Episoden, die beinahe schon den Charakter von Public Service Announcements (PSAs) haben, wie sie im US-Fernsehen etwa zur Aufklärung über Drogen gezeigt werden. Ähnlich wie in der Folge Cash for Gold aus der 16. Staffel wird hier ein rücksichtsloses Geschäftsmodell vorgestellt und als der Schwindel vorgeführt, der es ist. Dabei scheinen sich die Autoren auch, was das Thema Sucht angeht, ein wenig besonnen zu haben. Während die Aussage der Episode Bloody Mary (Staffel neun) noch so interpretiert werden könnte, dass Alkoholismus keine echte Krankheit ist, wird hier auf verschiedene Auslöser für Suchtprobleme eingegangen.
Das spezifische Mobilspielthema ist natürlich nicht so dringlich wie etwa die ganz großen sozialen Problembrocken (zum Beispiel Rassismus), welche die Serie regelmäßig satirisch in Angriff nimmt, trifft aber genau die Mitte zwischen jenen schwerwiegenden Themenfolgen und denen ohne jegliche weltverbesserische Agenda. Als wichtige Frage bleibt natürlich übrig: Ist „Freemium Isn't Free“ dabei überhaupt witzig? Beruhigenderweise ist sie es - und das nicht zu knapp. Vor allem der geniale (nicht als Zeichentrick produzierte) Alkoholwerbespot, aber auch das Wiedersehen mit Satan und seinem kanadischen Abbild wissen im Humorbereich zu punkten. Im Gegensatz zu den letzten beiden Folgen ist diese Woche wieder ein Streich gelungen, der nicht verpasst werden sollte.
Auch diese Episode ist wieder mit kleinen Krümeln an Kontinuität gespickt - und zwar in Form von Anmerkungen Randys. Noch immer verdient er sein Geld mit Musik (denn er ist bekanntlich Lorde, ya ya ya!) und vorsichtigerweise ist er auf glutenfreies Bier umgestiegen. Mehr rote Brotkrumen als ein roter Faden, aber immerhin.
Verfasser: Mario Giglio am Donnerstag, 6. November 2014(South Park 18x06)
Schauspieler in der Episode South Park 18x06
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