
Die neue Comedy Welcome to the Family wird niemanden kränken oder vor den Kopf stoßen. Dafür sind die Geschehnisse, zu denen es bei dem Aufeinandertreffen zweier Familien kommt, zu entschärft und zu harmlos. Abseits von ein paar leichten sexuellen Anspielungen ist diese Serie aus der Feder von Mike Sikowitz (Friends, Rules Of Engagement, Grounded For Life) also familientauglich. Obwohl man der Serienneuheit dabei auch den einen oder anderen Schmunzler verdanken kann, wirkt sie in ihrer Gänze doch wenig lebensnah und allzu fade...
Familienerweiterung
Miguel (Ricardo Chavira) und Lisette Hernandez (Justina Machado) sind überglücklich und weinen praktisch vor Stolz: Ihr älterer Sohn Junior (Joey Haro) hat die Highschool mit Bestnoten abgeschlossen und blickt nun einem Studium an der renommierten Stanford-Universität entgegen.
Auch Caroline (Mary McCormack) und Dr. Dan Yoder (Mike O'Malley) sind außer sich vor Freude. Sie zelebrieren allerdings, dass ihrer - gelinde gesagt - einfach gestrickte Tochter Molly (Ella Rae Peck) der Abschluss ihrer schulischen Laufbahn überhaupt geglückt ist: „She's Arizona States problem now!“ Doch dem Freudentaumel der beiden Familien wird bald ein empfindlicher Dämpfer verpasst, als Molly die Kunde ihrer Schwangerschaft offenbart. Als wäre der unverhoffte Kindersegen nicht an sich schon Herausforderung genug, hatten sich zudem die beiden Familienoberhäupter Miguel und Dan bereits kurz zuvor kennen- und sogleich verachten gelernt.
Unerklärlicher Stursinn
Ein Großteil der Witze aus der Pilotepisode speist sich aus der Tatsache, dass sich Dan und Miguel auf dem falschen Fuß begegnet sind. Doch leider wirkt der andauernde Konflikt der beiden allzu aufgebauscht. Warum sollten zwei gestandene, des Denkens mächtige Männer ihre kleine Auseinandersetzung in Miguels Box-Center - die doch zudem recht glimpflich verlaufen war - in Anbetracht einer auf ewig verbundenen Zukunft nicht sofort überwinden können?

Bedingungslose Liebe
Genau so wenig nachvollziehen wie das kindische Betragen der Väter lässt sich die innige Liebe zwischen ihren beiden Sprösslingen. So kann die Auftaktepisode von Welcome to the Family nicht erklären, warum der intelligente, liebenswerte Junior für die einfältige, oberflächliche Molly ohne zu Zögern seine vielversprechende Zukunft auf Eis legt. Seine Entscheidung zur Loyalität ist bei aller dafür notwendigen Reife zwar nicht unplausibel. Um sie jedoch glaubhaft erscheinen zu lassen, wäre die Abbildung eines inneren Konfliktes - der über kurze Sprachlosigkeit hinausgeht - wünschenswert gewesen. Selbst Dan scheint sich über das Liebes-Paradox zwischen dem Überflieger und seiner Tochter unterschwellig bewusst zu sein: „He has got brains - she has got... him.“ Auf jeden Fall entscheidet sich Junior für das Baby, und macht seiner Freundin wenig später auch noch den moralisch obligatorischen Antrag. Durch dieses Verhalten wirkt der Charakter eher wie eine - dem republikanischem Bilderbuch entsprungene - Cartoon-Figur, als ein Heranwachsender mit echtem Gefühlskostüm.
Ein Tag auf dem Rummel
Zur Verteidigung der Serie muss gesagt werden, dass die Beziehung zwischen Molly und Junior und ihre gegenseitige Zuneigung mit der Zeit vielleicht noch etwas detaillierter aufgearbeitet wird, und somit an Künstlichkeit verlieren könnte. Doch vorerst wirkt die Musterschüler-liebt-Dumpfbacke-Geschichte noch ungefähr so lebensnah wie der gemeinsame Ausflug der beiden Familien auf die L.A.-Variante eines Rummels. Nach dem absehbaren Konkurrenzkampf der Väter an den verschiedenen Spielbuden sieht es auf einmal so aus, als würde Molly eine Achterbahnfahrt planen. Wie von einer ganzen Armada von Wespen gestochen sprinten beide künftige Großelternpaare in Richtung der Attraktion, um diesen potentiell babygefährdenden Akt zu unterbinden. Doch (haha!) Molly wollte gar nicht mitfahren, weil sie ja doch verantwortungsvoller ist, als alle dachten. Am Ende dieses wenig originellen und noch weniger amüsanten Ausflugs kommt es zwar zu der ebenfalls erwartbaren Annäherung der beiden Väter. Doch der Waffenstillstand soll selbstverständlich nicht von Dauer sein, wie der grummelige Dan - dessen Tätigkeit als Arzt ihn nicht vor der Trotzhaltung eines Vierjährigen bewahrt - am Ende der Pilotepisode andeutet. Im gleichen Moment macht Caroline im Badezimmer eine folgenschwere Entdeckung. Ihre eigene Schwangerschaft erscheint zu diesem Zeitpunkt zwar nicht sonderlich realitätsnah oder überraschend, könnte sich aber später immerhin in vielversprechenden, generationsübergreifenden Konflikten manifestieren.
Amüsante Wortwechsel
Wenn Welcome to the Family am besten ist, wirkt die Serie ein wenig, als wäre sie eigentlich für die Bühne eines Multi-Camera-Formates erdacht worden. Dabei verknüpfen sich dann die vielen, schlagfertigen Aussprüche der Protagonisten zu rasanten Schlagabtäuschen. Ein gutes Beispiel dafür ist eine pre-Schwangerschafts-Konversation zwischen Dan und Caroline, in der sie sich voller Vorfreude mit ihrer sexuell aktiveren Zukunft auseinandersetzen: „We will be having so much sex that I am going to have to invent some kind of tandem-pants that we can wear so we don't have to stop doing it when we are out in public“, verspricht Dan schelmisch. Seine Ehefrau kontert dies augenzwinkernd mit „Right! Because that is what every woman wants. Special shared sex-pants“, bevor sie über ihren Ehemann herfällt.
Zusätzlich ist positiv zu vermerken, dass die Serie darauf verzichtet, die Unterschiede zwischen den „Latinos“ Hernandez' auf der einen, und den „weißen“ Yoders auf der anderen Seite allzu sehr mit dem Holzhammer zu bearbeiten. Dafür stehen im Piloten eher die verschiedenen erzieherischen Strategien der beiden Elternpaare im Mittelpunkt. Ob dies allerdings auch in den nachfolgenden Episoden so gehandhabt werden wird, muss sich zeigen...
Fazit
Ein allzu altkluger Junge bekommt allzu frohen Mutes ein Baby mit einem allzu einfältigen Mädchen. Beide benehmen sich in dieser Situation weit reifer als die kindsköpfigen Großväter in spe. Wer dazu in der Lage ist, sich mit dieser Grundprämisse anzufreunden, und von Comedys ohnehin keine großen Überraschungen oder gar ein Aufbegehren gegen die Political Correctness erwartet, kann sich mit Welcome to the Family durchaus anfreunden. Vor der hübschen Kulisse von L.A. werden sich im Umfeld des soliden Schauspieler-Ensembles auch in künftigen Episoden kleine Abenteuerchen abspielen, von denen sich niemand angegriffen fühlen wird. Auch weiter wird es dabei zu mehr oder minder unterhaltsamen Kabbeleien zwischen den Männern kommen, während die Frauen ihnen pflichtgemäß entweder den Rücken stärken oder sie zu tadeln wissen. Daraus ergibt sich eine dramaturgische Comedy-Mischung, die die Zuschauer weder furchtbar verärgern, noch in Ekstase versetzen wird.