
Was kann man von einer CBS-Comedy erwarten, deren Thematik es ist, dass ein homosexuelles Mitglied einer sportlichen, aufeinander klebenden Familie sich eben dieser entziehen will und dabei auf taube Ohren stößt? Nicht sehr viel, jedoch weiß die Pilotepisode von The McCarthys trotzdem, diese nicht vorhandenen Erwartungen weiter zu untermauern. Was übrig bleibt, sind ein Haufen eingespielte Lacher, damit der Zuschauer merkt, wo die Autoren anscheinend witzige Momente gesehen haben. Nicht einmal die aus Roseanne und The Big Bang Theory bekannte Laurie Metcalf kann die halbherzige Comedyserie retten.
Homophobie- und Sportwitze
Die Familie McCarthy wird uns zunächst aus der Perspektive des homosexuellen Sohnes und schwarzen Schafes der Familie Ronny (Tyler Ritter) vorgestellt. Dieser wohnt mit seiner Familie innerhalb eines kleinsten Radius aufeinander, dicht an dicht. Als er die Möglichkeit bekommt, nach Providence zu ziehen, bringt er vor allem seine Eltern ins Wanken, jedoch aus unterschiedlichen Gründen. Während seine Mutter Marjorie (Metcalf) ihren besten Freund davonziehen sieht, mit dem die stereotypisch dargestellte Seriensüchtige zusammen The Good Wife sieht, hat sein Vater ein anderes Problem.
So ist dieser Trainer der ortsansässigen Basketballschulmannschaft und hat einen herben Verlust zu verkraften. So starb sein „Assisting Coach“ (assistierender Trainer) „Fatty“ McFadden - ja, der heißt wirklich so - an einem Herzinfarkt und hinterlässt somit diese Lücke. Sowohl der überambitionierte Mathelehrer Gerard (Joey McIntyre) als auch der als grenzdebil dargestellte Hüne Sean (Jimmy Dunn) haben ein Auge auf den Posten neben ihrem Vater geworfen.
Jedoch erfährt letzterer auf der Beerdigung von „Fatty“ McFadden - auch beim zweiten Mal wird es nicht witziger - dass die Mutter des Basketball-Jungtalents Darrell Silver selbst homosexuell ist und deshalb eine Schule für ihren Sohn bevorzugen würde, die dem offen gegenüber eingestellt ist. Somit wirft Arthur seine Homophobie über Bord und bietet Ronny diesen Posten an. Am Ende der Pilotepisode stellt dieser zudem wie durch ein Wunder fest, dass er Körbe werfen kann wie kein zweiter und bleibt somit natürlich in seinem familiären Umfeld wohnen.
Als letztes Familienmitglied kommt schließlich noch die einzige Tochter Jackie (Kelen Coleman) ins Spiel, die nicht nur von ihrer Mutter mit einer ziemlich Distanz behandelt wird, sondern auch noch ein kleines, großes Geheimnis in sich trägt. Sie ist nämlich schwanger und zwar von wem? Natürlich „Fatty“ McFadden! Somit ist sie nun natürlich alleinerziehend, wird jedoch von ihrer Familie unterstützt.
Nebenbei sehen wir in The McCarthys noch ein Paar ebenso überzogen unoriginelle Rückblenden, die zwar versuchen, wie in bester Family Guy-Manier zu wirken, jedoch eher als Rohrkrepierer enden. Auch der wahnsinnig interessante Plotzweig, dass die Familie eine „Gaybar“ zu Ehren ihres Sohnes aufbaut, um ihm potentielle neue Partner vorzustellen, bestärkt nur weiter, dass der Pilot voller überholter Stereotypen steckt.
The McFazit
Was die Pilotepisode von The McCarthys bietet, ist nichts, was es sich lohnt, anzuschauen. Es werden ein Haufen veraltete, stereotypische Charakterzeichnungen mit Witzen kombiniert, für die sich sogar Fips Asmussen schämen würde. Dass ein homosexueller Sohn das schwarze Scharf seiner übermännlich klassifizierten Familie ist, wird bereits wesentlich besser in Modern Family anhand von der Beziehung zwischen Mitchell (Jesse Tyler Ferguson) und seinem Vater Jay (Ed O'Neill) dargestellt. Vielleicht hätten The McCarthys nochmal eine Chance, wenn man sie zurück in die 90er schicken könnte, so allerdings bietet CBS einen Comedypiloten, für den sich nicht mal der Knopf auf der Fernbedienung lohnt. Tut mir leid, „Fatty“.