The Four Seasons 1x01

The Four Seasons 1x01

Die Pilotfolge des neuen Dramedy-Formats „The Four Seasons“ mit Steve Carell und Tina Fey bei Netflix ist charmant, warmherzig und macht Lust auf mehr.

Szenenfoto aus dem Serienstart „The Four Seasons“
Szenenfoto aus dem Serienstart „The Four Seasons“
© Netflix

Das passiert in der Serie „The Four Seasons“

Nick (Steve Carell) und Anne (Kerri Kenney), Claude (Marco Calvani) und Danny (Colman Domingo) sowie Kate (Tina Fey) und Jack (Will Forte) sind in der Serie The Four Seasons beste Freunde. Seit Jahren treffen sich die drei Ehepaare viermal im Jahr, um gemeinsam im Urlaub Zeit miteinander zu verbringen.

Alles scheint perfekt, bis Nick Danny und Jack bei einem Waldspaziergang offenbart, dass er sich scheiden lassen will - und zwar ausgerechnet an seinem Hochzeitstag, den Anne gerade liebevoll vorbereitet. Damit sind Spannungen vorprogrammiert, nicht nur in der kriselnden Ehe, sondern auch zwischen den Freunden, denn wenn Nick sein Vorhaben wirklich durchzieht, ist nichts mehr so, wie es zuvor war...

Vivaldi lässt grüßen

Mögen sie Antonio Vivaldis „Die Vier Jahreszeiten“ und vornehmlich vielleicht sogar das erste Concerto „Frühling“? Dann sind sie bei dem Dramedy-Format „Four Seaons“ beim Streamingdienst Netflix goldrichtig. Wie die berühmte Violinkonzertesammlung führt uns die Serie nämlich durch die Jahreszeiten, wenn auch in erster Linie nicht musikalisch.

Dennoch spielt das vielleicht berühmteste Werk des italienischen Komponisten, der den venezianischen Barock in der öffentlichen Wahrnehmung vielleicht wie kein anderer prägte, eine große Rolle in der Erzählung über drei befreundete Ehepaare, die sich alle Vierteljahre zum gemeinsamen Urlaub treffen.

Entsprechend beginnt die Geschichte im Frühlingsidyll eines herrlich entspannt in Szene gesetzten Hauses am See, das Anne und Nick gehört. Damit sind wir auch schon bei einem entscheidenden Stilmittel angekommen, denn die Pilotfolge strotzt geradezu vor schönen Landschaftsaufnahmen, die die Prämisse des Formats passend und ansprechend zugleich an das Publikum herantragen. Eingebettet in Vivaldis emotionaler Komposition entsteht so schnell eine beschwingte und entspannte Grundstimmung.

Krisen

Die Urlauber aus dem Serienstart „The Four Seasons“
Die Urlauber aus dem Serienstart „The Four Seasons“ - © Netflix

Diese wird jedoch jäh durch Nicks Geständnis, getrübt, sich scheiden lassen zu wollen. Die einst prickelnde Liebe zwischen ihm und Anne ist über die Jahre hinweg in Routine ertrunken und merklich abgekühlt. Während sie ihre Abende mit einem Farmspiel vor dem Tablet verbringt, träumt er von einem neuen Leben, in dem endlich wieder etwas Unerwartetes geschieht.

Damit ist das dramatische Element offenbart und dämpft das seichte Gefühl der ersten Minuten etwas. Obwohl als Comedyserie deklariert, wird spätestens hier klar, dass für „Four Seasons“ wohl eher das Kunstwort Dramedy zutrifft. Sicherlich gibt es bis zur Scheidungsenthüllung einiges zu schmunzeln, vor allem Danny und Claudes liebevoller, aber irgendwie auch leicht verrückter Lebensstil sorgt für Schwung.

Doch auch sie haben ihr Päckchen zu tragen. Danny ist herzkrank und benötigt dringend eine Katheter-Operation, vor der er sich aber merklich fürchtet. Deshalb setzt er alles daran, den Termin zu verschieben und riskiert damit sein Leben. Einerseits möchte er sich nicht einschränken lassen, andererseits ist ihm aber bewusst, dass eine Koronarerkrankung nun einmal keine kleine Erkältung ist. Dennoch ist es Claude, der für Medikamentennachschub aus der Apotheke sorgt und Dannys Termin zu verschieben sucht.

Auch hier ist also ein gewisses Konfliktpotential gegeben, das im Verlauf der ersten Staffel sicherlich noch für die eine oder andere schwierige Situation sorgen wird. Lediglich zwischen Kate und Jack scheint es keine Probleme zu geben, wobei wir mit der Pilotfolge allerdings noch lange nicht im Winter angekommen sind.

Charmante Protagonisten

Bis dahin ist es bei acht halbstündigen Episoden noch ein relativ weiter Weg, wobei das Format eindeutig auf Kürze setzt. Wie bei vielen anderen neueren Serien gehen die Macher mit einer kurzen, knackigen Erzählweise den Weg des geringeren Widersands und konzentrieren sich auf das Wesentliche.

240 Minuten Laufzeit lassen zwar genug Raum, um eine Geschichte adäquat zu erzählen, die Möglichkeiten zu Abschweifungen, damit, zum Beispiel, eine Figur intensiver erforscht werden kann, sind aber naturgemäß begrenzt. Im Fall von „The Four Seasons“ dürfte das auch gut sein, da der Background der Protagonisten ohnehin bei weitem nicht so wichtig wie ihre Erlebnisse im Urlaub und der Umgang mit der Situation ist.

Statt überschwängliche Tiefe erleben wir also sechs charmante, aber doch recht unterschiedliche Persönlichkeiten, die die schönsten Zeiten des Jahres miteinander verbringen und jäh aus ihrer Komfortzone gerissen werden, als einer von ihnen aus dem Idyll ausbricht.

Mit anzuschauen, wie die Figuren mit der neuen Situation umgehen und es hoffentlich schaffen, ihre Freundschaft zu erhalten, dürfte ausgehend vom Debüt recht unterhaltsam werden, zumal jede dieser sechs Personen ihre Eigenheiten hat und auf ihre ganz spezielle Art liebenswürdig ist.

Nick ist beispielsweise kein fieser Ehebrecher, der seine Frau aus einer Midlife-Krise heraus verlässt. Er weiß die Gutherzigkeit von Anne zu schätzen, nicht aber, dass sie im Grunde genommen nur noch nebeneinanderher leben und nicht miteinander reden. Sie hat weder Träume noch Ziele und wiegt sich in der Sicherheit ihres Heims und ihres Tablets. Das ist aber nicht das Leben, das er sich ersehnt. In einer Szene spürt man sehr deutlich Nicks Enttäuschung über seine Frau. Er würde gerne mit ihr alt werden, eine Beobachtung, die ihn sympathisch macht und der Figur viele Pluspunkte einbringt, aber er hat keine Idee, wie.

Jack und Danny wollen wiederum nicht wahrhaben, wie unglücklich Nick ist und versuchen, ihm sein Vorhaben auszureden. Sie sind schließlich glücklich und setzten das als selbstverständlich für alle drei Paare voraus. Dennoch sind sie nicht gleichgültig oder egoistisch, sondern wollen gute Freunde sein, die zur Besonnenheit, statt übereilter Taten raten.

Auf diese Weise bauen wir schnell eine gewisse Bindung zu den Menschen, denen wir begegnen, auf und genau darum soll es in der Serie letztlich gehen. Dass dies auf geschickte und unterhaltsam entspannende Weise geschieht, ist selbstredend ein angenehmer Bonus, den wir gerne mitnehmen.

Fazit

Was sorgt hier für Verwunderung auf diesem aus „The Four Seasons“?
Was sorgt hier für Verwunderung auf diesem aus „The Four Seasons“? - © Netflix

Die Pilotfolge der Serie „The Four Seasons“ ist vielleicht nicht perfekt und könnte hier und da ein klein wenig lustiger sein, unterhaltsam und durchaus apart ist das Ganze aber auf jeden Fall.

Die Figuren sind liebenswert, die Bildsprache weiß zu verzaubern und die musikalische Untermalung durch Vivaldi passt so perfekt wie der Violinist ins typische Barock-Ensemble. Die Idee der ins Idyll hineinplatzenden Hiobsbotschaft birgt genug Möglichkeiten, die Protagonisten in für sie ungewohnte Situationen zu bringen und verspricht genauso viel Drama wie Comedy. So darf es gerne weitergehen...

Wir verteilen daher gleich vier von fünf Urlauben.

Verfasser: Reinhard Prahl am Freitag, 2. Mai 2025

The Four Seasons 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(The Four Seasons 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Das Haus am See
Titel der Episode im Original
Lake House
Länge der Episode im Original
27 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 1. Mai 2025 (Netflix)

Schauspieler in der Episode The Four Seasons 1x01

Darsteller
Rolle
Colman Domingo
Kerri Kenney
Marco Calvani

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