The Dead Lands 1x04

© zenenfoto aus der Serie Hype (c) WDR
Finkenberg ist der zweitkleinste Stadtteil Kölns und startete wie viele aktuelle Problemviertel in deutschen Großstädten: als hoffnungsvolles Projekt zur Zukunft des Stadtwohnens in den 60er und 70er Jahren. Doch der Traum platzte schnell und mittlerweile ist aus den heruntergekommenen, vielstöckigen Häusern ein sozialer Brennpunkt geworden. Aus dem erzählen die Schöpfer:innen, das Ehepaar Esra und Patrick Phul mit ihrer ersten Serie, dem Rap-Musical Hype.
Wovon handelt die Serie Hype?
Musa (Soufiane El Mesaudi) steht kurz davor, nach zwei Jahren Leiharbeit einen Festvertrag bei seiner Firma zu unterschreiben. Zu dem Anlass gönnt er sich einen Besuch beim Friseur im Viertel. Dort erinnert der Sohn des Barbiers ihn daran, dass er vor wenigen Jahren noch ganz andere Pläne hatte: Musa wollte es als Rapper schaffen und die Menschen in seinem Viertel, der Hochhaussiedlung Köln-Finkenberg, glaubten an ihn. Doch die Träume von einst sind längst zerplatzt.
Dass Musa noch andere Probleme als nur alte Träume hat, erleben wir noch während des Friseurtermins. Ein Polizist fordert den charmanten Friseur auf, sein Auto aus dem Halteverbot zu fahren. Der will eben noch den Kunden bedienen und sich dann sofort hinters Steuer setzen. Das geht dem Polizisten nicht schnell genug und aus einem banalen Problem wird eine körperliche Auseinandersetzung, aus der niemand der Beteiligten unbeschadet wieder herauskommen wird. Musa hat den Vorfall gefilmt und ins Internet gestellt.
Dort sieht ihn Naila (Nora Henes), eine alte Freundin, die es aus dem Viertel geschafft hat. Sie hat eine beachtliche Karriere als Influencerin, aber Selbstbestimmung ist hinter den Kulissen trotzdem Fehlanzeige. Ihre Managerin gibt ihr vor, was sie zu filmen hat, die Werbekunden nutzen sie gerne als coole Diversitätsmaske, aber die Dreadlocks sind dann doch nicht so passend auf dem Plakat. Dafür muss Naila sich dann mal eben die Haare glätten. Sie springt mit Coolness durch alle Reifen, im Blick natürlich stets, dass der Erfolg sie aus ihrem Leben im Block geholt hat. Bis sie über das Video von Musa stolpert, das sie sofort reposten will. Ihre Managerin ist davon wenig begeistert und der Widerspruch in ihrem Leben liegt plötzlich offen auf dem Tisch. Besonders, als Naila sich an ihre erste große Liebe, Emo (Leonidas Emre Pakkan), erinnert. Der treibt sich als Drogendealer in Finkenberg rum und zieht nebenbei auch Musa wieder tiefer in den Sumpf.
Der kleine, überschaubare Traum von einem geregelten Einkommen platzt vor Musas entsetzten Augen, als sich das Versprechen seines Vorgesetzten, ihn nach zwei Jahren anzustellen, als Lüge entpuppt. Der enttäuschte Musa schmeißt hin und der einzige Weg führt zurück zur Musik, dem Rap. In Finkenberg trifft er mit seinen Freunden auf einen, der es geschafft hat: einen erfolgreichen Rapper, der seine Videos gerne vor der Porzer Kulisse dreht. Der will Musa groß rausbringen und Musa, ohne Alternative, lässt sich auf den Traum ein.
Wie kommt es rüber?
Authentizität in Serien wie „Hype“ zu beurteilen, ist nahezu unmöglich. Was die neue WDR-Produktion jedoch auszeichnet, sind die Macher. Neben dem Sender ist das interkulturelle Radioprojekt des Ersten, „COSMO“ in die Produktion involviert. Für die Produktionsfirma Picture Me Rollin' ist „Hype“ die erste große Fiktionsproduktion. Dahinter steht das Ehepaar Esra und Patrick Phul, die aus der Welt stammen, von der sie erzählen.
„Hier gibt es so viele talentierte Jugendliche, denen nie eine Möglichkeit gegeben wird, ihr Können unter Beweis zu stellen. Deswegen war uns auch von Anfang an klar, dass wir Jugendliche aus unserem Viertel mit einbinden, sowohl vor als auch hinter der Kamera. Denn nur jemand, der wirklich in solch einer Gegend aufgewachsen ist und (sie) kennt, kann die Geschichte so erzählen, wie wir es tun“, so Patrick Phul. Dieses Versprechen haben sie gehalten, die Darstellerriege setzt sich aus Laiendarstellern zusammen, die aus der Gegend stammen. Der 21-jährige Hauptdarsteller Soufiane El Mesaudi ist Musiker und Schauspieler aus Köln-Porz und unter dem Künstlernamen SAFO bekannt. Zum Drehbuch sagt er: „Ich habe viele Szenen, die wir in ,Hype' spielen, auch so erlebt.“
So gehört dazu, dass man sich auf den Umgangston der Serie erst etwas einlassen muss, doch die Autoren haben die Fähigkeit, auch Außenseiter schnell in der Welt herumzuführen. Die Widersprüche, die Knackpunkte und die Probleme werden auf anschauliche, aber nicht übersimplifizierte Szenen gestülpt, die uns zeigen, was Armut und Vorurteile denen antun, die sich nicht dagegen wehren können.
Großen Wert legten die Macher auch auf die Musik, die immer wieder die Führung im storytelling übernimmt. Sie ist nicht nur Mittel zum Zweck, sondern es wurden eigenständige Rapsongs geschrieben, die auch außerhalb der Serie ihre Berechtigung haben. Hinter den Kulissen waren unter anderem Frio als Beatproduzenten (produziert unter anderem für Shirin David, Mero und Elif) und Dayan Raheem als Choreograf (unter anderem für Loredana, Apache und Capo) tätig, um dem Deutschrap sowie den Tanzszenen der Serie die angestrebte Qualität zu verleihen.
Die erste Staffel der Serie „Hype“ kann in der ARD-Mediathek gestreamt werden.
Hier abschließend der Trailer zur Serie „Hype“:
Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Freitag, 6. Mai 2022(The Dead Lands 1x04)
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