Submission 1x01

MauerblĂŒmchen sucht Prinz
Man kann sich Submission auf mehrere Arten nĂ€hern. Man kann beispielsweise von der inhaltlichen Seite her kommen. Gelangweiltes, gehemmtes MauerblĂŒmchen namens Ashly (Ashlynn Yennie) trennt sich von einem offensichtlich egoistischen Typen, weil der sie im Bett nicht befriedigen kann und zieht in eine WG mit zwei sexuell sehr befreiten Frauen (Skin Diamond - ja, das ist angeblich ihr Name - und Victoria Levine) ein. Sie findet nicht nur sofort einen Job als Barrista sondern sieht ihren potentiellen Chef (Justin Berti) auch gleich mit einer ihrer Mitbewohnerinnen vögeln. AuĂerdem findet sie ein Buch, in dem es um BDSM-Fantasien geht. Sie vergisst alles um sich herum und befriedigt sich mitten im Wohnzimmer, das sie sich mit ihren Freundinnen teilt. Ach ja, und dann wĂ€re da noch der dunkle Fremde, der den dominanten Master gibt und in Einblendungen daherkommt.
Die Vorschau verspricht sehr viel Drama, mit vielen Frauen, die sich um MĂ€nner streiten. Und es geht um MĂ€nner, die wahlweise dominante Alphatiere (das sind die, die die Frauen abbekommen) oder die netten Frauenversteher sind (das sind die, die die Frauen nicht bekommen). Das Ganze ist so derart durchschaubar, dass es eigentlich an Zuschauerbeleidigung grenzt. Bis auf die BrĂŒste der Darstellerinnen ist in diesem Piloten so ungefĂ€hr alles flach, was man sich vorstellen kann. Denn viel mehr als die oberen weiblichen sekundĂ€ren Geschlechtsmerkmale hat man nĂ€mlich nicht gesehen. Die dafĂŒr aber oft.

Softporno goes Millennium
Was dann leider auch nicht zu mehr Erotik beitrĂ€gt. Erinnert sich noch jemand an die 70er Jahre Softpornos? Sowas wie âLaĂ jucken, Kumpelâ oder âDer SchulmĂ€dchen-Reportâ? Das Ganze mit einer krĂ€ftigen Prise „Fifty Shades of Grey“ gewĂŒrzt, auf die Höhe der Zeit der KamerafĂŒhrungstechnik gebracht und schwupps, schon hat man âSubmissionâ.
Nun ist absolut gar nichts gegen den Versuch zu sagen, ein wenig auf besagter BDSM-Welle mitzuschwimmen, auch wenn deren Höhepunkt langsam aber sicher gerade schon wieder am Absinken ist fĂŒr den Moment.
Wenn man sich aber nun wirklich allen Klischees bedient, dann darf man sich nicht wundern, dass aus dem Machwerk allenfalls eine Parodie wird. EiswĂŒrfel auf nackter Haut - das Filmmaterial allein mit einer solchen Szene dĂŒrfte ganze Lagerhallen fĂŒllen. Der wahrscheinlich total erfolgreiche âbad boyâ mit der kalten Stimme und der Option auf âHarte Schale, weicher Kernâ - absolut austauschbar. Die Dialoge wĂ€hrend der Sexszenen waren genauso erotisch wie die GesprĂ€che auĂerhalb des Poppens intelligent waren - nĂ€mlich gar nicht. AuĂer der schon erwĂ€hnten BrĂŒste sieht man gar nichts - weder wird eine Pobacke rot noch ein Höschen sichtbar feucht. Alles wunderbar klinisch rein. Es gibt noch nicht mal die Andeutung eines mĂ€nnlichen Geschlechtsorgans. In Zeiten, in denen frau Jamies Hintern mehrfach in Outlander bewundern kann, einen sehr nackten Jon Snow in Game of Thrones sieht und „Deadpool“ seinen⊠hm... Beitrag fĂŒr den internationalen Frauentag leistet: ein sehr schwaches Bild.
Aber das heftigste Klischee von allen: Es gab nur eine Variation. Frau submissiv - Mann dominant.
Wenn nur die Wissenschaft nicht wÀre
Nun verlange ich von einem abendlichen Streifen sicherlich keine wissenschaftliche Korrektheit. Und auch die Sache mit der political correctness kann mir in der Erotikschiene eigentlich gestohlen bleiben. Aber werden wir doch mal einen kurzen Moment ernst. Seit 2013, also drei Jahren, ist BDSM laut den offiziellen Diagnosekriterien der Psychatrie, international festgeschrieben in ihrem Handbuch DSM V, nicht mehr klinisch. Das bedeutet nichts anderes, als dass Sadomasochisten faktisch als sexuelle Minderheit anerkannt sind.
Und jetzt stelle man sich vor, es gĂ€be eine mit so vielen Klischees ĂŒberladene, ernst gemeinte Serie ĂŒber Homosexuelle. Die „Kampflesbe“ mit Kurzhaarschnitt, die sich an die liebevolle, mit weiblichen Attributen ausgestattete Mutti von zwei Kindern ranmacht und eine glĂŒckliche Familie zerstört zum Beispiel. Die „Tunte“, die sich den Lederkerl schnappt und beim ersten Klatschen eines Paddels entsetzt âHuchâ ruft.
Genau, der Aufschrei wĂ€re groĂ, wie man ein solch antiquiertes und mit Vorurteilen beladenes Machwerk der Ăffentlichkeit anbieten könnte. Maximal wĂŒrde man es noch als Persiflage durchgehen lassen, wenn die zustĂ€ndigen Organisationen ihren humorvollen Tag haben.
Es bleibt abzuwarten, wie die BDSM-VerbÀnde reagieren. Denn eine Serie, in der es um rein weibliche Bottoms und mÀnnliche Tops geht, in der, wie die erste Folge zeigte und die Vorschau drohte, die Frauen sich gegenseitig das Leben schwer machen, um dem Mann zu gefallen⊠Das ist auf so vielen Ebenen falsch, dass es fast ganz von alleine weh tut.

Fazit:
Wenn man âFifty Shades of Greyâ mal als hochwertiges Machwerk der Filmgeschichte ansehen möchte, dann sollte man sich zum Vergleich einfach Submission ansehen. Es sei denn, man ist der Meinung, dass die Folge eine Parodie von BDSM-Filmen als solches sein soll. Sollte das der Fall sein, dann kann man vor soviel Perfektion nur den Hut ziehen.
Versucht man die Serie auch nur ansatzweise ernst zu nehmen, dann scheitert man jedoch klÀglich. Ohne die Lila-Latzhosen-Feministin raushÀngen lassen zu wollen: Frauen, die sich um MÀnner streiten, wie der Vorspann es suggeriert, sind hauptsÀchlich heterosexuelle MÀnnerphantasien. Der Rest des filmischen Aufbaus ist aber in etwa so aufgebaut, wie MÀnner sich vorstellen, dass Frauen Sex und BDSM sehen wollen. Da muss man sich schon entscheiden, welches Klientel man bedienen will. Aber selbst dann ist soviel Vorhersehbarkeit und Klischee nur sehr schlecht zu ertragen.
1 Stern. Und gib mir Tiernamen.
Verfasser: Sabine Stevenson am Samstag, 14. Mai 2016Submission 1x01 Trailer
(Submission 1x01)
Schauspieler in der Episode Submission 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?